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Die neue Welt · 1935-03-22 · Heft 449 (22.3.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 449 (22.3.1935)
Date
1935-03-22
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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/ PreiS 20 GrOSCheil lahrgang 9 Freilag/ den 25U / *»r- 449 V« b« b» ■*'ing vom Verleger veraendet ' expedie par rediteur" Ra^B m m m BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, ™* M V ■ ■ jPH vierteljährig ZInty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, viertel- II HB iährig Dinar 40.—; Kumänien monatlich Lei 40.—, vierteljahrig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Uf B H Wl Mark 3.— : Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; H Bk_W ■■■ Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. "»Ti Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: lXt Universitätssir. 8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Einstein klagt die jüdische Assimilation an Unser amerikanischer Korrespondent berichtet aus New York: Auf einem zu Ehren Professor Albert Einsteins von der Frauengruppe des American Jewish Congress veranstalteten Bankett, welchem 2000 Personen beiwohnten und dessen Verlauf durch das Radio bekanntgegeben wurde, trat der Gelehrte mit einer aufsehenerregenden Erklärung gegen die Assimilationsjuden hervor. In einer bei ihm ganz ungewohnt leidenschaftlichen Art erhob Einstein gegen die deutschen Juden und die Assimilation in aller Welt die Anklage, daß sie durch Preisgabe der nationalen jüdischen Würde dem Antisemitismus gedient und das jüdische Volk schutzlos gemacht haben. Seine Rede richtete sich auch deutlich gegen die amerikanischen Assimilationsjuden, welche gegen den Jüdischen Weltkongreß und gegen jede all jüdische Vereinigung feindlich Stellung nehmen. Mit Be^zug auf die Vorgänge in Hitler- Deutschland sagte Einstein: „Mögen alle Juden eine Lehre aus den V e rfehlungen ziehen, deren sich die deutschen Juden während der letzten zwanzig Jahre schuldig gemacht haben. Für die meisten von ihnen gab es keine Gemeinschaft mit dem jüdischen Volke. Sie fühlten sich ais Deutsche und nnr als Deutsche. Die anderen Juden waren für sie nur Fremde. Wenn sie diesen Juden, besonders den „Ostjuden", irgendwelche charitative Hilfe angedeihen ließen, so taten sie es mit beleidigender Herablassung und die Empfänger dieser Hilfe waren nicht glücklich. Sklavisch haben diese deutschen Juden die ganz fremde Art des deutschen Volkes kopiert, nur um sich und die anderen ihrer jüdischen Art vergessen zu lassen. Als ich in Deutschland lebte, habe ich unter diesem Mangel an Stolz und Würde schwer gelitten, au diesen deutschen Juden, welche jede Selbstachtung Von der Präger Deufsdaen Universität Aus Prag: An einigen Instituten der Prager Deutschen Universität wurden, als der Saal zur Projektion verdunkelt wurde, politische Flugblätter verteilt, worin es heißt: „In letzter Stunde rufen wir euch auf: Zur Kettung der Deutschen Universität in Prag! Die Verjudung der Professorenschaf t der ältesten deutschen Hochschule ist bereits unerträglich geworden. An der philosophischen Fakultät lehren 20 Prozent jüdische Professoren, an der medizinischen Fakultät 30 Prozent jüdische Professoren und an der juridischen Fakultät über 40 Prozent jüdische Professoren. An der naturwissenschaftlichen Fakultät haben die Juden mit 65 Prozent bereits die absolute M e h r h e i t im Frofcssorenkollegium erreicht. Weitere Verjudung droht! Dem arischen Nachwuchs wird jedwede Möglichkeit einer wissenschaftlichen Betätigung geraubt. Manche Institute sind heute schon zu 100 Prozent jüdisch. Sie sind damit dem deut- , sehen Volk verlorengegangen. Bei weiterem Anhalten tUeser Entwicklung haben wir in zehn Jahren keine deutsche Universität mehr. Durch die Untätigkeit der Professorenschaft ist die Studentenschaft zur Selbsthilfe gezwungen i Kommilitonen! In euren Händen liegt das Schicksal der Alma mater Pragensis Germanica antiquissima. Setzt euch zur Wehr! Erfüllt eure Pflicht bis zum letzten Mann! Bildet S t r e i k a u s s c h ü s s e! Bereitet den allgemeinen H o e h s c h u 1 s t r e i k vor! Die Parole: Kein jüdischer Professor mehr an die Deutsehe Universität zu Prag!" Die Rektoratskanzlei hat sich sofort mit den Führern der völkischen Studentenschaft in Verbindung gesetzt, doch diese haben erklärt, der Verfassung und Verteilung der Flugblätter fernzustehen. Die Führer der deutschen Studenten haben die Erklärung abgegeben, daß sie mit den Zettelverteilern nichts zu tun haben und es sich um eine kommunistische Provokation handle. Das Rektorat hat sich beeilt, diese „loyale" Erklärung aller Welt zu verkünden. Auf dem Umwege über Berliner Blätter, mit denen die Studentenschaft in engster Verbindung zu stehen scheint» erfährt man den wahren. Wortlaut des eingebüßt haben. Jetzt hat eine politische Verschiebung genügt, alle mit Preisgabe der Würde und jüdischen Eigenart erkauften Illusionen in Trümmer zu schlagen. Materiell und geistig gebrochen, finden sie jetzt ihre einzige Hilfe gerade bei denjenigen Juden, welche die verderbliche Assimilation immer a b"g e 1 e h n t haben. Lernet an dem Schicksal der deutschen Juden und wahret eure jüdische nationale Unabhängigkeit!" Bürgermeister La Guardia gegen Hitler« Deutschland Auf dem Einstein-Bankett wurde auch eine Adresse des Bürgermeisters von New York Fiorelli La Guardia verlesen, welche Einstein ehrte und bezüglich des Boykotts gegen Hitler-Deutschland folgendes sagte: „Ich habe in deutschen Zeitungen gelesen, daß der amerikanische Boykott gegen Hitler-Deutschland dem amerikanischen Handel schadet. Diese Feststellung gibt ein, Bild der Denkart jener Menschen, welche heute "öas unglückliche Deutschland beherrschen. Der Wert des Boykotts kann nicht in Mark und Dollar errechnet werden. Sein Zweck ist Protest gegen eine arrogante, bigotte und grausame Regierung..,Die .Entrüstung Amerikas hat ,nichts, mit. Handelsinteressen gemein. Sie entspricht der , besten Tradition unserer Republik. Heute herrscht grausame Gesetzlosigkeit in Deutschland. Wenn morgen in einem anderen Lande dieser Zustand eintritt, werden wir ebenso stark protestieren. Wir bekämpfen nicht das deutsche Volk. Wir bekämpfen die heutige deutsche Regierung!" beüorpgcu als (Srfrtfchungsgcfränh Sauerbrunn Erklärung der deutschen Studentenvertretung, in welcher es heißt: „Die Sprechersitzung verwahrt sich gegen diese Form des Kampfes auf akademischem Boden, schließt sieh aber im Prinzip dieser Forderung an. Die Vertreter der völkischen Organisationen richten daher an Rektor und Senat sowie an die einzelnen Professoren die dringende Forderung, in Zukunft von der Besetzung der Lehrkanzeln durch Juden Abstand zu nehmen. Besonders wehren wir uns dagegen, daß in der nächsten Zeit drei jüdische Professoren, die Herren Freundlich, Böhm und Joseph, an der Naturwissenschaftlichen Fakultät ernannt werden sollen." Illegale Einwanderer Aus Jerusalem: Es wird berichtet, daß im Jahre 1934 rund 1100 illegale Einwanderer aus Palästina deportiert wurden, und zwar etwa 700 Araber aus den Nachbarländern Palästinas (Hauran, Irak, Sinai-Halbinsel, Aegypten usw.) und etwa 400 Juden. * Der High Commissioner Wauchope hat die ihm von dem Komitee der jüdischen Anwälte Palästinas überreichte Forderung, die noch in Haft befindlichen illegalen Einwanderer, die ihre Strafe bereits verbüßt haben, freizulassen, mündlich dahin beantwortet, daß die vier Frauen im Gefängnis von Bethlehem freigelassen werden können, wenn für sie Kautionen in derselben Höhe wie für die Gefangenen, die in den Hungerstreik getreten waren, hinterlogt werden. Im Gefängnis von Aklio befindet sich noch immer eine große Zahl illegaler Einwanderer, für dio die geforderten Kautionen und persönlichen Bürgschaften bisher nicht aufgebracht werden konnten. Gefängnis für Sabbat-Demonstranten Aus Tel-Aviv: Der Friedensrichter, Commander B o d i 11 y, verurteilte elf Juden in Tel-Aviv, die am 2. März gegen Sabbatentweihung demonstriert hatten, zu zwei bis drei Monaten Gefängnis oder zu je siebeneinhalb Pfund Geldstrafe. Die Verurteilten hatten am Sabbat fahrende Autos angehalten und die jüdischen Chauffeure und Fahrgäste verprügelt. Pdlll HCltel1 fnstallationen RADIO-NEUHEITEN - LUSTER . ELEKTRO-GERÄTE I, IICHTEN5TEG 1 (Ecke Rotenturmstraße 13) Telephon U-21-9-13 Tio Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komlort. Elegant« /immer. Nahe am Meer und Kasino. Idealer Aufenthai». Komplette Pension: fFrcs. 35.— Pension Irma Meister. Heran Idealer ganzjähriger Autenthalt, letzter Komiort, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise. Verlanuen Sie Prosr t He zu Volk Eine Jude spricht zu Katholiken Das Hauptorgan der österreichischen Christlichsozialen, „R e i c h s p o s t", bringt den Bericht über einen unter dem Vorsitz des Ministers a. D. Dr. Czerm a k abgehaltenen Sprechabends an der Katholischen Akademikergemeinschaft, welcher der Behandlung der Judenfrage in Oesterreich gewidmet war. Referent war — in diesem Kreise wohl erstmalig — ein Jude, der in jüdischen Kreisen seit Jahren wirkende Redakteur Hans K a n d 1. Die „Reichspost", welcher dieser Vortrag zugänglich war, gibt den Inhalt des Referates in folgender Weise wieder: „Die Juden haben der großen Fehler begangen, daß sie aus verschiedenen Gründen sich klassenkämpferischen Richtungen angeschlossen haben, wobei sie übersahen, daß eine politische Gruppe, die den Klassenkampf predigt, die Haßinstinkte steigert und so gewissermaßen den Boden auch für den Antisemitismus vorbereitet. Durch die Emanzipation wurde der bis dahin eigenständige jüdische Volkskörper atomisiert. In der liberalen Aera erhielten die Juden die staatsbürgerliche Freizügigkeit, was bei ihnen ein Dankbarkeitsgefühl für den Liberalismus bewirkte. Auch noch in der Gegenwart hängen die Juden jeder liberalen Tendenz an, wo sich eine solche zeigt. Von dem aus dem liberalen Mutterschoß gekommenen österreichischen Sozialismus befürchteten die Juden keine Gefahr. Gegenüber konservativen Mächten besteht bei den Juden, dem konservativsten Volk der Erde, eine gewisse Scheu. Aus dem Erlebnis der Emanzipationszeit und der früheren Religionskämpfc her erklärt es sich, daß sich diese Scheu ganz besonders gegen die katholische Kirche und gegen eine katholisch orientierte Politik richtet. Die Juden fürchten im Zuge dieser Entwicklung ein neues Ghetto und treiben daher Abstinenzpolitik. Der Vortragende gedachte der bekannten, zum Teil seither verwirklichten Pläne Theodor Herzls den Weg. mt&im'imd führt über die mmm PALKSTINA-EIUINIE des T R I E S T-J AFFA-HAIFA nur in der ausgezeichneten Touristenklasse in zwei- oder 1 250 vierbettigen Außenkabinen mit reichlicher u. schmackhafter Verpflegung (vier Mahlzeiten täglich) M BBMBBBMWWBMBMBHMBWMiMBMMBBBMBBW ffliBl Die großen Schiffe ,GAULEA' ,GERUSALEMME' ,PALESTINA' (je 12.500 Tonnen Deplacement) verkehren sechsmal monatlich nach Palästina, außerdem dichter Verkehr via Aegypten und via Athen—Istanbul. Gelegenheit zu herrlichen Rundfahrten im Mittelmeer. Für JleUe^eseUscUafieH Satakquefoel LLOYD TRIESTIN0 Wien I. Kärntnerring 6 Telephon U-47-36C

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