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Die neue Welt · 1935-03-15 · Heft 447 (15.3.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 447 (15.3.1935)
Date
1935-03-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 447 13 x BERGMANN. I. RABEHaftlda H1MMELPFOHTe. 5 ^- K Ö L|»N E R H OFjJUl MSHMnHBBEBBBHHnHHHRHHI SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÜSCni UND WIRK WAREN SPOTTBILLIG! Ftthrend In ETE.RNA- Hemden (von 8'SO auffw.) I Die Juden und Ma§aryk Am 85. Geburtstage des Gründers und Präsidenten Öer Tschechoslowakischen Republik kamen die Gefühle der Sympathie und Dankbarkeit, welche die Juden aller Länder diesem Staatsmann entgegenbringen, zum Ausdrucke. Der Kampf, den er anläßlich der Polnaer Ritualmordaffäre gegen sein eigenes Volk zugunsten des beleidigten und verfolgten jüdischen Volkes geführt hat, ist unvergessen geblieben, ebenso der Kampf um die Gleichberechtigung und Autonomie der kleinen Rationen, welchen er in engstem Verbände mit seinen jüdischnationalen Freunden in der Vorkriegszeit führte. Die Judengemeinden und zionistischen Verbände fast aller Länder erließen Kundgebungen freudiger Anteilnahme an der Ehrung dieses großen Mannes und Volksführerf Das „Comite des Delegations Juives" in Paris sandte folgende Bedrtfßung: „Im Namen der jüdischen Gemeinschaften, die das Comite des Delegations Juives repräsentiert, im Namen von Millionen Juden, erlauben wir uns, unsere respektvolle Begrüßung dem großen Verfechter der Demokratie, der Rechte der Völker und der Minderheiten zu senden. Nahum Goldmann, Präsident." Das Präsidium des Welt-Makkabi in London telegraphierte: „Wir bitten, Herr Präsident, unsere respektvollsten und aufrichtigsten Gratulationen und innigstgefühlten Wünsche aus Anlaß Ihres 85. Geburtstages entgegenzunehmen. Wir haben den Wunsch, unsere tiefste Schätzung Ihrer Freundschaft den Juden und der Makkabi- Bewegung gegenüber zum Ausdruck zu bringen. Weltverband Makkabi." Die gesamte hebräische Presse Palästinas veröffentlicht huldigende Artikel zum 85. Geburtstag des Präsidenten Masaryk. In der Jerusalemer Masaryk- Kundgebung sprachen das Mitglied der Züaistischen Exekuitve Mosche Shertok, Dr. Schmarja Lewin, Dr. Hugo Bergmann und der tschechoslowakische Konsul Kadlec. In der Kundgebung in Tel-Aviv sprachen Dr. Benzion Mossinson, Konsul Grunwald und der stellvertretende Bürgermeister Rokach, der ankündigte, daß die Stadt Tel-Aviv Masaryk zu ihrem Ehrenbürger gewählt hat. Der Präsident der Zionistischen Exekutive, Nahum S o k o 1 o w, veröffentlicht unter der Ueberschrift „E i n moderner König David" in den jüdischen Tageszeitungen verschiedener Länder einen großen Huldigungsaufsatz über Präsidenten Masaryk, in dem er Erinnerungen an einen Besuch in Topolciansky, wo er 1933 mehrere Tage Gast des Präsidenten war. gibt, die großen Gedanken in Masaryks philosophischem Werk charakterisiert und schließt: „Oeffnet man das Buch von Masaryks Leben, so liest es sich wie ein Thora-Buch voll Arbeit, Wahrheit und Gerechtigkeit, ein heiliger Hymnus. Kleine Völker, sagte mir Masaryk, müssen mehr arbeiten als große, müssen klüger und gelehrter sein, um sich nicht unterkriegen zu lassen. Wollte uns jemand attackieren, wir werden es uns nicht gefallen lassen, nein! Wir auch nicht, Herr Präsident, habe ich geantwortet. Und Masaryk hat mich verstanden, besser als viele Juden mich verstanden hätten. Möge er noch lange Jahre leben!" Der Präsident des Jüdischen Parlamentsklubs Polens, Oberrabbiner von Krakau Dr. J. Thon, veröffentlicht in der polnischen Presse einen großen Artikel über Präsidenten Masaryk. Nadt den Unruhen in Algerien Wie bereits gemeldet, hat sich nach den blutigen TJuruhen in Algerien der französische Innenminister Begnicr nach Constantine begeben, um an Ort und Stelle die Lage zu prüfen. Die letzten Exzesse, die zuerst progromortigen Charakter trugen, sich später als Angriffe arabischer Nationalisten gegen die französische Verwaltungsbehörde deklarierten, hatten in Poris große Besorgnis hervorgerufen. Insbesondere als die Tatsache bekannt wurde, daß der arabische Führer des Pogroms In Constantine, Ben Djellul, unter dem Einfluß der nationalsozialistischen Hitler-Propaganda stehe und mohammedanische Anhänger Djellulf« sich zuweilen mit „Heil Hitler" begrüßen, fan^ es die französische Regierung für notwendig, eine entsprechende Untersuchung einzuleiten. Wie au» Paris ge/ «Aiet wird, empfing Innenminister Reguler zunächst fi jüdische Delegation unter Fuhrung des GenpraJ Lcllouche, die ihm ihre Loyalität gegenüber Frankro//>' versicherte und noch einmal die Entstehungsgeschicfilr; der schweren Zusammenstöße vom 5. August 1984 darlegte. Die Delegatioiismltplieder erklärten, die Juden von Constantine betrieben keineswegs Wucher, wie man ihnen vorgeworfen hab«. Minister Begnier empfahl der Delegation, ihre filaubensgenossen sollten gegenüber den Muselmanen besondere Zurückhaltung üben. Das wichtigste Gespräch de« Tagos führte der Innenminister mit dem Oppositionsführer Dr. Ben Djellul und seiz/sn politischen Freunden. Der eingeborene Opposition iführer beteuerte seine vollkommene Loyalität gegentyjer Frankreich und erklärte, die Vorgänge in Consfofltine hätten nur lokalen Charakter getragen. :'.le seien nicht das Resultat einer antisemitisch in oder antifranzöslschfu Bewegung. Er ki^/jpfe zwar für die Gleichheit der Kechte der Eingeborenst^ werde sich aber stet« vor den Entscheidungen des f* inzöslschcn Parlaments beugen, gleichgültig, wie diese ,usfa11en mögen. Besnier führte bin Anschluß daran mit Ben Djellul noch eine Privatunterhaltung, In der dieser beteuerte, daß er keinerlei gemeinsame Sache f mit ausländischen Kreisen (gemeint sind die deutschen I Nationalsozialisten) mache, I Es bleibt nunmehr abzuwarten, was für einen Be- I rieht Innenminister Regnler seiner Regierung in Paris erstatten wird. Zur rumänischen Judenfrage Die Bestrebungen, die Juden aus ihren Wirtschaftspositionen zu verdrängen, haben in dem seitens einiger Nationalisten aufgestellten Numerus-cIausus-Programm ihren Kulminationspunkt gefunden. Allerdings gibt es sowohl in Regierungskreisen als auch unter den allgemeinen intellektuellen Schichten Rumäniens Persönlichkeiten, welche sich mit den von der Nazipropaganda infizierten rumänischen Chauvinisten nicht identifizieren. Bekanntlich lehnte die Nationalzaranistische Partei (nationale Bauernpartei) den Antrag des gewesenen Ministerpräsidenten Vajda-Voevod zur Einführung des Numerus clausus gegen die Juden auf allen Gebieten des Öffentlichen Lebens ab. Da aber seitens Vajda-Voevods der Plan besteht, eine eigene, nach deutschem Muster eingerichtete nationalistische Partei zu gründen, muß mit der weiteren Fortführung des Numerus-clausus-Gedankens in Rumänien gerechnet werden. Ueber die Lage selbst liegen folgende Meldungen vor: Aua Rom: Die einflußreiche italienische Wochenschrift „A f f a r i E s t e r i" befaßt sich unter der Ueber- KREUZ-KINO 1 Wollzeile 17 Tel. R-24-2-lh lOHNHV WBISSMUllER In Vorstellungen „Tarzan und sein KameracT * *° »,o schrift „Antisemitismus in Rumänien" mit der neuen Numerus-clausus-Propaganda und führt u. a. aus: „Falls Rumänien den Weg des Antisemitismus einschlägt, könne dies für das Land schwerwiegende Konsequenzen nicht allein im Inland, sondern auch im A u s- 1 a n d haben und ihm die Sympathien rauben, die es unter manchen größeren und kleineren Völkern besitzt." Aus Jassy: In einer Konferenz sprach sich an der Jassyer Universität Prof. Andreescu mit Nachdruck gegen die Numerus-clausus-Propaganda aus und sagte: „Man verweigerte den Juden jahrhundertelang die bügerlichen Rechte und hielt sie; von der Betätigung in öffentlichen Aemtem und in der Landwirtschaft fern. Sie waren daher gezwungen, sich freien Berufen zuzuwenden. Jetzt soll man sie nicht auch aus diesen vertreiben!" Aus New York: Die Union rumänischer Juden in Amerika überreichte dem rumänischen Gesandten in Washington eine Mitteilung zwecks Weiterleitung an den Außenminister Titulescu in Bukarest, worin es u. a. heißt: „Die Art, wie das Gesetz zum Schutze der nationalen Arbeit in Rumänien gehandhabt wird, zeigt deutlich die Absicht, den Juden die Möglichkeit zu einer Existenz zu nehmen. Obwohl gemäß der Verfassung und dem Zivilrecht das Recht der Juden, zu arbeiten und sich den Lebensunterhalt zu verdienen, garantiert ist, zielt das Arbeitsgesetz darauf ab, sie des Rechtes auf Arbeit zu berauben, und zwingt sie in einen Hungerzustand hinein. Dieser Stand der Dinge bereitet uns schwere Sorgen. Wir hatten gehofft, daß die Intervention Eurer Exzellenz und das von der Regierung gegebene Versprechen das Eintreten eines solchen Zustandes verhindern würden. Nun aber sehen wir uns einem Sachverhalt gegenüber, der eine Vernichtung unserer jüdischen Brüder in diesem Belange bedeutet. Wir werden unseren jüdischen Brüdern jede mögliche Unterstützung angedeiheu lassen, damit sich die Gerechtigkeit durchsetzt und die den Juden in der Verfassung garantierten Rechte aufrechterhalten und respektiert werden." Vaida Vocvod abgesetzt j Der Exekutivausschuß der Nationalen Baucrn- I parte! hat Vaida Voevod von der Funktion das Obi manne» der Organisationen der Bauernpartei in Trans-! sylvanien und im Banat enthoben. Die Funktion wurde j provisorisch dem Partei Vorsitzenden Mihalache übertragen. Durch diese Aenderung hat die Nationale Bauernpartei die Kampagne Vaida Voevods für die Einführung dos Numerus clausus im sozialen Leben Rumäniens verurteilt. Legitimistische jüdische Frontkampfer. Die Bundesfü^mng der Legitimistischen jüdischeu Frontkämpfer im „Eisernen Ring" ersucht um nachstehende. Verlautbarung: Die Protektoratafeier findet am Sonntag, den 17. März 1935, präzise um. 11 Uhr vormittags im Festsaale des Militärkasino, I., Schwarzenbergplatz 1, statt. Mit Rücksicht auf die Featzeremonie werden die Saaltüren um 10 Uhr 35 Minuten geschlossen. Zuspätkommende finden keinen Einlaß! Saaleröffnung um 10 Uhr vormittags. Altöst^rreichische Uniform oder dunkle Kleidung. Auskünfte erteilt die Kanzlei. I., Parkring 4, Tel. R-27-7-57. AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER Ol/ Stüberlpreise ^gÄlr ^0\|t*WienimGrinzingerKeller. Tägl.Musik der Kapelle Auerbach Konzert. lazz. Stimmung Im Völkerbundslaaf Danxig Der Boykott gegen die Juden in Danzig dauert in unverminderter Stärke an. Der Senat hat zwar auf eine Eingabe der Synagogengemeinde dahingehend geantwortet, daß er die Hitler-Jugend, die sich an der Verbreitimg von Boykott-Flugschriften beteiligt hat, verwarnt habe und daß er die Vorfälle 3ehr bedauere. Dessenungeachtet geht aber die Boykottaktion weiter, und zwar werden jetzt die Käufer, die jüdische Läden besuchen, bespitzelt und dann brieflich aufgefordert, nicht mehr bei Juden zu kaufen. Derartige Briefe tragen die Unterschrift und den Stempel hoher nationalsozialistischer Parteistellen. Oefter kommen nationalsozialistische Funktionäre aus dem Reich nach Danzig. Dieser Tage sprach in. Danzig in einer großen Versammlung der Borliner Reichsleiter Jähzosch, dessen Ausführungen in Verleumdungen der Juden gipfelten. Auch der Danziger Kultussenator B o c c k hat in einer Rede, die er vor kurzem in einem internen Kreise gehalten hat, erklärt, daß die Juden das deutsche Volk vernichten wollten und daß sie im letzten Augenblick durch die Nationalsozialisten daran gehindert worden seien. * Der Generalkommissär der Polnischen Republik in Danzig hat beim Präsidenten des Senats wegen der antijüdisch en Boykottaktion interveniert, die sich in letzter Zeit in der Freien Stadt ausbreite. Die Intervention betraf insbesondere die Verbreitung von Flugzetteln in Danzig, die zum Boykott jüdischer Geschäfte auffordern, sowie die Verbreitung des „Stürme r", was ernsthafte Vorbehalte vom Standpunkt der Danziger Verfassung und der in Danzig geltenden Strafbestimmiingen hervorrufen muß. Angesichts dieser Tatsachen hat der Generalkommissär der Polnischen Republik den Senat an die Verpflichtung erinnert, die er im Protokoll vom 18. September 1933 in Sachen der Ausnützung des Danziger Hafens auf sich geonmmen hat, und unterstricht ferner das Interesse der polnischen Regierung an der Behandlung der nationalen, konfessionellen und rassischen Minderheiten in der Freien Stadt Danzig im Zusammenhang mit den Berechtigungen, die Polen im Sinne des Artikels 33 der Pariser Konvention besitzt. Besuchet das Wiener Kaffee ^Restaurant „V i e n n a" Tel-Aviv, Rechov Alliah 20 Erstklassige Küche Volkstümliche Preise Julius Streicher und die tschechischen Faschisten Aus Prag: Die halbamtlichen „PraiSskc Nov i n y" bringen auf der ersten Seite die Meldung, daß clor von Julius Streicher in Nürnberg herausgegebene, in der Tschechoslowakei verbotene „Stürme r" Anstrengungen macht, unter den Mitgliedern der kürzlich vom tschechischen Faschistenführer Gajda begründeten sogenannten „Arischen Front", die auch Deutsche und Ungarn in der Tschechoslowakei einschließt, Leser zu gewinnen. In einem Schreiben, das in die Hände vieler Adressaten in der Tschechoslowakei gelangt ist, fordert die Redaktion des „Stürmer" zur Mitarbeit am „Stürmer4' im Sinne seiner antijüclischon Aktion auf. In der letzten „Stürmer"-Niunmer wird mit Genugtuung darauf hingewiesen, daß in der neugegründeten tschechischarischen Front auch Deutsche vertreten sind. „Prazske Noviny" fügen dieser Meldung noch hinzu, daß unter den Hakenkreuzlern Nordböhmens clor verbotene „Stürmer" illegal kolportiert wird und starke Verbreitung findet. Filme der Woche (Nach den Herstellungsländern zusammengestellt.) Oesterreich: Letzto Liebe. England: Ich war Spion — Die scharlachrote Blum.-. Polen: Kreuzweg einer Liebe. Italien: Schwarzhemden. Amerika: Alkohol — Kiss and Make up —• Liliom — Whoopc! Rußland: Tsche'juskin. Deutschland (Arlrrparagraph): Was bin ich ohne Dich? — Hera ist Trumpf — Barcarole — Winternachtst.raum — Der Vielgeliebte - Sieg des Herzens — Charloys Tante Therese Kronos - Der Majnn mit Tempo. Todesfall. In Prag starb nach langem Leiden Horr Rudolf Perl, der in den zionistischen Kreisen durch seine Tätigkeit und Opferwilligkeit einen ausgezeichneten Ruf genoß. Der Verblichene schloß sich gleich nach dem Auftreten Theodor Herzls der zionistischen Bewegung an und entfaltete besonders in Bfthmen eine rege Propaganda. Herr Rudolf Perl, der sich lange Zeit in Wien betätigte und dessen Heim allen zionistischen Kreisen offen stand, hinterläßt u. a. einen Sohn in Wien, Herrn Dr. Willy Perl, cl^r das zionistische Wirken seine« Vaters s. A. fortsetzt und dem sich die wärmsto Teilnahme gelegentlich seines Mbwer«u Verluste« suwencLtfi»

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