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Die neue Welt · 1935-03-08 · Heft 445 (8.3.1935) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 445 (8.3.1935)
Date
1935-03-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE WELT Nr. 445 Wen Sie gratis nach Palästina Iahen? Bei der „Mirjam"« RedOUte in der Sezession (9. März) findet die Verlosung einer Freifahrt nach Palästina und zurück statt. jede Eintrittskarte 1 Los / Jazzkapelle PIcskow / Mitternachtsrevue / Karten ä S 5.— (Abendkasse erhöhte Preise): „Mirjam",!, lordangasse 7, Tel.; Jüdische Kulturstelle: II, Aspernbrüdengasse 2, Tel. VI, Loquaipl. II, Tel. R/20^Si; IX, Währingerstr. 48, Tel. PalastinasEinwanderung im Jahre 1934 Die nachstehende Tabelle umfaßt alle Einwanderer, die offiziell erfaßt wurden. Sie ist nach folgenden Kategorien gegliedert: Kapitalisten (mit einem Mindestkapital von 1000 Pfund), Zertifikate (Arbeiter, Handwerker usw."), Angehörige (von bereits in Palästina Ansässigen angefordert) : Land Kapitalisten Zertifikate Angehörige Summe Oesterreich . . . 211 419 141 771 England . . . . 91 64 20 175 Italien..... 25 65 32 122 Bulgarien . . . 50 136 26 212 59 99 15 173 Deutschland . . 3.615 3.811 751 8.177 Ungarn .... 36 126 35 197 Griechenland . 96 1.343 65 1.504 Lettland . . . . 151 612 139 902 . 226 497 142 865 Polen..... . 3 838 7.943 3.233 15.014 Tschechoslowakei 119 514 128 761 Frankreich . . . 104 439 19 562 Rumänien . . . . 157 1.166 382 1.705 Rußland . . . . 104 151 246 501 Irak...... — 10 1 11 75 1.716 117 1.908 95 232 37 364 Ver. Staaten . . 840 125 85 1.050 Aegypten . . . 6 42 15 63 Andere Länder . 506 848 228 1.582 Total 10.404 20.358 5.857 36.619 Zur Endsumme 36.319 sind noch 4200 Touristen hinzuzufügen, die im Lande geblieben sind und nachträglich Zertifikate erhielten. Ferner noch die „Illegalen", die nicht zu erfassen sind. Mit 45.000 dürfte die Gesamtzahl der Einwanderung für 1934 nicht zu hoch geschätzt sein. Petach Tikwah und die Assefat Hanifcharim Aus Jerusalem: Die Presse teilt mit, daß der Kolonierat von Petach Tikwah mit Stimmenmehrheit (gegen die Stimmen der Linken) den Vorschlag des Kolonistenvorstandes angenommen hat, sich an den Wahlen zur Assefat Hanifcharim (Versammlung der palästinensischen Judenschaft) nicht zu beteiligen, insoiange nicht die Verhandlungen bezüglich der Zusammenstellung der Assefat Hanifcharim und des W a a d L'u m i (Jüdischer Nationalrat) abgeschlossen sind. (J. T. A.) Keine Zusatz-Zertifikate Aus Jerusalem (J. T. A.): Wie das Mitglied der Exekutive und Leiter des Einwanderungs-Departments der Jewish Agency, Jizchak Grünbaum, der J. T. A. mitteilt, ist die Hoffnung auf Erlangung einer Ergänzungs-Schedule, wie sie in der vorangegangenen Periode seitens der Palästina-Regierung bewilligt worden war, diesmal nicht verwirklicht worden. Dagegen erwartet das Einwanderungs-Department, daß die Regierung als Vorschuß auf die Schedule der nächsten Halbjahresperiode eine gewisse Zahl Zertifikate bewilligen wird, die dringend benötigt werden, um für die wichtigen laufenden Arbeiten Arbeiterhände zu bekommen. Die Regierung soll 1000 Zertifikate als Vorschuß angeboten haben. Bpudersann in Palästina Aus Tcl-Avviw: Die hebräische Tageszeitung „H a a r e z" klagt im Leitartikel darüber, daß die meisten wegen illegaler Einwanderung in den Gefängnissen zu Akko und Jerusalem untergebrachten Juden noch nicht aus der Haft entlassen sind, weil die Kautions- und Bürgschaftsbedingungen für sie noch nicht erfüllt werden konnten. „Haarez" wirft den Juden und den jüdischen Körperschaften Palästinas Mangel an Brudersinn vor und fordert sofortige Stellung von Bürgschaften zwecks Freilassung der Inhaftierten. Unser unvergeßlicher Gatte und Vater Rudolf Perl ist am 4. März 1. J. nach heldenhaft ertragenem langen Leiden, in Prag gestorben. Wir haben ihn am Mittwoch, den 6. Mä^z, zur ewigen Ruhe bestattet, Camilla Perl, Dr. Willy Perl, Walter Perl Die PalästinaffWirtschaft und die jüdisdie Frau Von Dr. Rachel Offner. Der Aufbau und die Zukunft Erez Israels hängen nicht nur von der Aufbringung von Kapital, sondern vor allem von der Auffindung und Erweiterung der Märkte ab, welche die Erzeugnisse der palästinensischen Industrie und Landwirtschaft konsumieren können. Leider ist jetzt in Palästina der Abstand zwischen dem Wert der importierten und der exportierten Waren in fortgesetztem Steigen begriffen. Dieser Zustand des Außenhandelspassivums Palästinas (es werden sechsmal soviel Waren importiert als exportiert) kann den Aufbau Palästinas auf keinen Fall fördern. Die Prohibitivzölle, durch welche sich die einzelnen Länder im Interesse ihrer Handelsbilanz vor der Einfuhr palästinensischer Waren schützen, sind eine der Hauptursachen des Handelspassivums Palästinas, aber nicht die einzige Ursache. Es wird in der jüdischen Presse über den ungesunden Zustand der palästinensischen Wirtschaft geklagt. KREUZ-KINO 1 Wollzeile 17 - Tel. R-24-2-16 JOHNNY WEISSMULLER in Vorstellungen „Tarzan und sein Kamerad" Mit Recht wird die verfehlte Handelspolitik als dessen unmittelbare Ursache betrachtet. Aber was tun wir, um diesen Zustand zu ändern? Für die Hebung der palästinensischen Wirtschaft muß viel mehr getan werden als bis' her. Kann nicht das Galuth-Judentum als Absatzgebiet für Tozereth-Haarez-Produkte in Betracht kommen? Kann gerade die noch in den Kinderschuhen steckende Palästina-Wirtschaft auf Mithilfe der in der ganzen Welt verstreuten Juden verzichten? Ein so mächtiges Industrievolk wie die Deutschen betreibt ungeheure Propaganda für den Absatz seiner Produkte unter den Auslanddeutschen. Auch für Polen und Italien spielen die im Ausland wohnenden Volksgenossen als Konsumenten eine wichtige Rolle. Um wieviel mehr ist die Wirtschaft Palästinas auf die Mithilfe jedes einzelnen Juden angewiesen! Vor allem muß sich die jüdische Frau in der Galuth dessen bewußt werden, daß gerade ihre Mithüfe hier einen wichtigen Faktor darstellt. Die jüdische Frau muß wissen, daß sie als Käuferin für ihren kleinen Haushalt sehr viel für die Palästina-Wirtschaft leisten kann, Die vielen zionistischen Frauenorganisationen haben es leider bisnun unterlassen, in der jüdischen Frau das Bewußtsein für ihre Bedeutung als Konsumentin von Voraus muß man denken/ sirfi sichern — versichern Phönix Allgemeine Versidierungs« Oes«/ Wien IX/ Alserplafz 3 Palästina-Waren zu erwecken. Auch seitens der offiziellen zionistischen Instanzen wurde sehr wenig Tozereth-Haarez-Propaganda betrieben. Wenn man überlegt, daß ungefähr 65 Prozent aller gekauften Waren von F"rauen eingekauft werden, kann man erst die Bedeutungder jüdischen Frau als Konsumentin richtig einschätzen. Die jüdischnationale Frau muß im Interesse des Aufbaues Palästinas nach Möglichkeit darauf bedacht sein, palästinensische Waren zu verlangen. Durch ihre immerwährende Nachfrage nach Palästina-Waren wird das Wirtschaftsgesetz: „Wo Nachfrage, dort Angebot" in Tätigkeit treten und die gegenwärtig noch leider fehlenden Bezugsquellen für Palästina-Produkte werden entstehen. Die Palästina-Ware ist selbstverständlich infolge der ungünstigen Produktions- und Transportmöglichkeiten und der Prohibitivzölle teurer als die Ware anderer Länder. Aber diese Tatsache darf für die jüdische Frau kein Argument sein. Die jüdische Hausfrau Uberwindet alle finanziellen Schwierigkeiten, wenn sie Koscher- Produkte einkauft, um ihrer religiösen Ueberzeugung Rechnung zu tragen.. Um wieviel opferwilliger soll die national bewußte Hausfrau palästinensische Waren einkaufen! Die jungen jüdischen Frauen, die vielleicht nie oder erst in ferner Zukunft ihr Leben In Palästina verbringen werden, sollen es als ihre vornehmst« Pflicht betrachten, durch den Einkauf von Palästina- Waren die Palästina-Arbeit von der Galuth aus zu unterstützen. Der Einkauf palästinensischer Waren soll sich jedoch nicht nur auf landwirtschaftliche Produkte (Jaffa- Orangen und Palästina-Wein) beschränken, sondern tägliches, patriotisches Gebot sein. Die jüdische Festkultur soll unter dem Zeichen von Tozereth-Haarez stehen. Auch für die jüdische Wohnkultur eröffnet sich, hier ein weites Gebiet. Das palästinensische Spielzeug, das die jüdische Frau ihrem Kinde kaufen wird, wird ihr dazu verhelfen, das Kind auf die natürlichste Art national zu erziehen. Diese Arbeit verlangt von der jüdischen Frau viel Opfer und Ausdauer. Aber als kämpfende Judenstaatszionistin muß sie erkennen, daß nur sie allein zu diesen Arbeit berufen ist. Verbildeter Adel Bis zum 1. Jänner 1935 mußte der gesamte deutsche! Adel gemäß einer Verfügung des Adelsmarschalls, Fürsten von Bentheim, die Ahnentafeln vorlegen, durch die der Nachweis der „B1 u t r e i n h e i t" bis zum 1. Jänner 1800 zurück erbracht werden soll. Oberstleutnant v. Bogen, Administrator der Deutschen Adelsgenossenschaft, hat kürzlich erklärt, daß die eingeleitete Säuberung des deutschen Adels so durchgreifend sein werde, daß künftighin keinTropfenjüdischenBlutesin den Adern, eines deutschen Adeligen fließen werde; man werde keinen „Herrn von Shylock" im deutschen Adel mehr finden. Dem „Völkischen Beobachter" genügen aber die bisherigen, Säuberungsmaßnahmen noch lange nicht, da bis jetzt nur: etwa 2 Prozent des Mitgliedsbestandes aus der Adelsgenossenschaft ausgeschlossen worden seien. Das Blatt erklärt, man werde mindestens die Hälfte des deiat-» sehen Adels ausstoßen müssen. In den Kreisen der Deutschen Adelsgenossenschaft werden erschreckliche Dinge über das Ergebnis der Suche nach der arischen Großmutter erzählt. Tatsächlich wird die Hälfte der Aristokraten nicht länger verbergen können, daß ihr blaues Blut entweder einen jüdischen Farbzusatz erhalten hat oder gar von „ganz gewöhnlicher semitischer Beschaffenheit" ist. Da gibt ea z. B. die Freiherren v. Wetzlar und Blankenstein, die von dem Wiener Juden Isaak Arnstein abstammen, der im Jahre 1762 den kaiserlichen Oberfaktortitel erhielt« Der Urahne der Freiherren v. Biedermann war der 1769 in Preßburg geborene Händler Michael Lassar, der auch der Stammvater verschiedener anderer Adelsfamilien, so der Freiherren v. Petzenstein und der. Grafen A11 e m s, war. Die Freiherren v. Born hatten den Berliner Bankier Julius Born, verheiratet mit der; Tochter des jüdischen Bankiers Blachstein, zum Stammvater. Die Herren v. Breitenbach stammen vom kurhessischen Hofjuden Wolf aus dem hessischen Dorf Breidenbach, daher der Familienname. Sein Sohn Eduard, schon getauft, wurde hessischer Minister. Ein Sohn des jüdischen Frankfurter Arztes Samuel Dreyfuß erhielt 1867 den württembergischen Barontitel. Zwei seiner Töchter heirateten Adelige, die eine den Baron Novelli in Venedig, die andere den (heute gleichgeschalteten)] Berliner Schriftsteller Dr. Ludwig v. Wohl. Die Frei-i herren v. Eichtal stammen von Aron Elias aus Leimen bei Mannheim. Die Barone v. Emden (heute in England lebend) sind Nachkommen des Hamburger Moritz Emden, der mit Heinrich Heines Schwester Charlotte verheiratet war. Die Freiherren v. Erlanger sind direkte Nachkommen des Frankfurter Rothschild-Prokuristen Ludwig Erlanger; diese Familie ist eng versippt mit dem Prinzen v. Solms-Braunfels, nahen Verwandten des letzten Großherzogs von Hessen und des Grafen von Salm. Die sächsische Freiherrenfamilic v. Kaskcl stammt von dem russischen Eisenbahnunternehmer Samuel Fränkel ab. Die Freiherren v. G e r s o n, in Sachsen« Koburg „erbeingesessen", stammen von dem württem« bergischen Juden Josua Gerson ab und sind verwandt mit dem bayrischen Freiherrn Tautphoeus. Der Karlsruher Bankier Samuel Haber ist der Ahnherr der Freiherren Haber v. Linsberg, der Herwarth v. Bitten-, f e 1 d, der Freiherren v. Adlerstreu und der Grafen v. S c h ö nf e 1 d. Die Grafen v. Seckendorf, deren einer Flügeladjutant und späterer Gatte der Mutter von Wilhelm II. war, ferner die Freiherren v. Rothen» fels, v. Eßdorf, v. Kotzen und A u f s c s z stammen zusammen von dem bayrischen Hoflieferanten Simon ab, der 1818 in München geadelt wurde. Die Freiherren v. Winterstein sind in weiblicher Linie Nachkommen des Wiener Juden Abraham Joel. Die Fürsten und Grafen Henckel v. Donnersmarck sind Nachkommea jenes jüdischen Handelsmannes Lazarus Henkel, der in Wien den Titel „Seiner kaiserlichen Majestät Hofjude und Handelsmann" erhielt und später den ungarischen Adel mit dem Prädikat „di quinto foro" (auf deutsch:

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