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Die neue Welt · 1935-03-05 · Heft 444 (5.3.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 444 (5.3.1935)
Date
1935-03-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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m. 444 DIE NEUE WELT Seite 3 1 Transjordanien muß geöffnet werden Eine Forderung Lord Melchetts In den „Times" (London), welche sich in einem Artikel ihres palästinensischen Sonderkorrespondenten über die Möglichkeiten einer jüdischen Einwanderung nach Transjordanien beschäftigen und von einer in der zionistischen Sache voreingenommenen Haltung Zeugnis ablegen, veröffentlicht Lord Melchett eine Erwiderung. Er geht von der Tatsache aus, daß der unerhörte Drang der europäischen Juden in ihr natürliches Heimatland nicht zu unterdrücken sei und daß eine weitsichtige Politik mit dieser Tatsache rechnen müsse. Zu der aktuellsten Frage, der Besiedlung Transjordaniens, führt Lord Melchett aus: Die drängendsten Probleme, durch welche Palästina ins Gleichgewicht gebracht werden könnte, können nur durch die Einführung eines neuen Faktors, nämlich Transjordaniens, gelöst werden. Ich bin mir bewußt, daß es eine Anzahl politischer Fragen gibt, die für Transjordaniens Wohlfahrt von Bedeutung sind. Man muß sie anpacken und darf hier nicht länger zaudern. Wenn Transjordanien geöffnet ist, wenn die britische Regierung eine Politik der freundschaftlichen Beihilfe gegenüber den zionistischen Aspiranten betreibt, dann wird ohne Zweifel eine loyale, entwicklungsfähige und wertvolle Bevölkerung die Kultur- und Sicherheitsbasis für die Macht des britischen Imperiums am äußersten Ende des Mittelmeeres bilden. Das Anwachsen der Bevölkerung ist unvermeidlich. Wenn es durch die britische Verwaltung beschränkt und verzögert würde, müßte es zu einer Zusammenballung in Palästina kommen und es würde der Traum eines jüdischen Zentrums in Palästina zunichte werden, das loyal gegenüber dem britischen Imperium zu einem enthusiastischen Anhänger eines Systems stünde, das ihm, dem jüdischen Palästina, seine Freiheit verbürgt. Ich meine damit nicht, daß die Ideale, welche die Balfour-Deklaration beinhaltet oder welche die zionistische Bewegung inspiriert haben, nur imperialen Zwecken dienen sollen. Wenn es nun der Fall ist, daß die zwei Komponenten — die zionistischen Aspirationen und die britischen Interessen — eine gemeinsame Basis haben, würde allerdings für beide Teile ein erfreuliches politisches Resultat erzielt werden. Der Heimatsdrang der Judenheit ist eine der großen mystischen Aeußerungen der Menschheit. Wir sind unter verschiedenen Dynastien zurückgekehrt und haben alte Völker überlebt. Jede Rückkehr der Juden nach Palästdna ist ein moralischer, intellektueller und kultureller Schritt der westlichen Welt. Ich bin einer von Tausenden, welche daran glauben, daß die gegenwärtige Rückkehr der Juden nach Palästina von der gleichen Bedeutung ist. Palästina, für sich allein genommen, stellt ein unlösbares Problem dar. Transjordanien, dünn bevölkert, unbebaut, wasserreich, zu Palästina historisch und geographisch gehörig, mit einer Bevölkerung von nur 200.000 Menschen, wartet auf die jüdischen Pioniere. Mit Palästina wird sich eine gemeinsame Basis zu einer großzügigen Entwicklung bieten. SOEBfcN ERSCHIENEN: THEODOR HERZJj , 010 C R A PH 16 Alex ßEin m DAS STANDARDWERK UBER DEN SCHÖPFER DES ZIONISMUS in allen guten Buchhandlungen oder direkt durch die VERSANOBUCHHANO» UNG WIEN VI, CUMPENDORFER- STRASSE 10. TEL. B-24-9-78 FIBA Schande in Ziffern Palästina — Jüdisches Nationalheim oder levantinischer Markt? Wir haben in letzter Zeit wiederholt auf die journalistische Tätigkeit des bekannten Wiener Nationalsozialisten Dr. Walter Riehl hingewiesen, dessen Zeitung „Deutsche Arbeiterpresse" — jetzt das einzige in Oesterreich erlaubte Blatt mit Hakenkreuz-Tendenz — sich in wüsten Beschimpfungen des Judentums ergeht. Nun hat ein Wiener Blatt gegen Dr. Riehl polemisiert und ihm vorgeworfen, daß sein gegen die Ehre der Juden gerichtetes Treiben danach angetan ist, die politischen und wirtschaftlichen Interessen Oesterreichs, für dessen Erhaltung zu kämpfen er vorgibt, im Auslande zu schädigen. Dr. Riehl antwortet in seinem Blatte: .....Lesen Sie die „Neue Freie Presse", wonach gerade im letzten Jahre die reichsdeutsche Ausfuhr nach Palästina sich vervierfacht hat! Ihre wirtschaftlichen Mahnrufe sind also verfehlt. Für die Juden gilt der Grundsatz „Geschäft ist Geschäft..." Voll teuflischer Freude deckt hier ein arger, tückischer Judenhasser ein schwärendes Mal auf dem jüdischen Volkskörper auf: Das jüdische Palästina kauft Waren von Hitler-Deutschland, das die jüdische Ehre in blutigen Schmutz tritt, und kauft viermal soviel, als es von jenem Deutschland gekauft hatte, das in seinen Gesetzen den Juden gleiches Recht und Ehrenschutz gewährte. Je ärger die Judenschmach in Deutschland, desto üppiger gedeiht der deutsche Handel in Palästina. Die Berliner „Jüdische Rundschau" bringt eine vergleichende Zusammenstellung der in den Jahren 1933 und 1934 von Deutschland nach Palästina gelieferten Waren. Die Ziffern, welche der offiziellen deutschen Handelsstatistik entnommen sind, drücken den Warenwert in Reichsmark aus: 1933 1934 1. Erzeugnisse der Land- und Forstwirtschaft; Nahrungs- und Genußmittel...... . 210.000 392.000 2. Rohstoffe ......... 81.000 96.000 3. Fette.......... 78.000 81.000 4. Chemische Erzeugnisse; Farben 680.000 896.000 5. Textilwaren....... . 1,292.000 1,260.000 6. Leder und Lederwaren . . ■ * 270.000 293.000 7. Kautschukwaren ...... 79.000 66.000 8. Besen, Bürsten, Pinsel .... 36.000 26.000 9. Waren aus Holz und Zelluloid . 228.000 230.000 10. Papier, Pappe u. Waren daraus 271.000 118.000 11. Waren aus Ton...... 320.000 406.000 12. Glas und Glaswaren..... 258.000 367.000 13. Waren aus Edelmetallen . . . 27.000 64.000 14. Metallwaren, Maschinen, elektrotechnische Erzeugnisse, Fahrzeuge usw. ........ 6,247.000 11,655.000 10,077.000 15,933.000 Es sei bemerkt, daß diese Positionen im Jahre ,19 3 2 nach der deutschen Statistik einen Gesamtwert von 6,364.000 RM. repräsentierten; es ist also gegenüber 1932 eine Steigerung um beinahe 10 Millionen Mark eingetreten, gegenüber 1933 eine solche um rund 6 Millionen Mark. Die Differenz zwischen 1933 und 1934 war fast ebenso groß wie der gesamte von der detaillierten Statistik erfaßte deutsche Export im Jahre 1932 nach Palästina. Es sei darauf hingewiesen, daß der Anteil des deutschen Exports nach Palästina am deutschen Gesamtexport sich, prozentual gesehen, von 0,11 Prozent im Jahre 1932 auf 0,20 Prozent im Jahre 1933 und auf 0,39 Prozent im Jahre 1934 gesteigert, also fast vervierfacht hat. Während der deutsche Export nach fast allen Ländern, nicht zuletzt infolge des Boykotts, stark zurückging, ist der Export nach Palästina absolut und relativ enorm gestiegen. Ferner ist noch zu bemerken, daß diese Ziffern den Warenwert ohne Schiffsfracht, Versicherung usw. darstellen. Palästina hat also in Wirklichkeit im Jahre 1934 nicht 16 Millionen Mark, sondern rund 18 Millionen in deutschen Waren angelegt. * ... Eine unfromme Lüge, welche zur Beschönigug dieser beschämenden Tatsachen vorgebracht wird, kann nicht energisch genug zurückgewiesen werden. Es wird behauptet, daß deutsche Juden mit ihrem Gelde deutsche Waren kaufen und nach Palästina bringen, weil dies die einzige Möglichkeit bietet, jüdisches Kapital aus Deutschland nach Palästina zu bringen, also jüdisches Kapital für seine Eigentümer für Palästina, für das jüdische Volk zu retten. Das klingt schön, ist aber verlogen. Niemand hat etwas dagegen, daß deutsche Juden ihr Kapital vor Raub nach Palästina retten! Aber nicht einmal ein Viertteil der Summe von 16 Millionen (für deutsche Waren) stammt aus VermÖgensübertragungen aus Deutschland, ist deutsch-jüdisches Geld. Ueber 12 Millionen sind gutes, sicheres, palästinensisches, aus dem jüdisch-palästinensichen Volksvermögen stammendes Geld, das da den Hakenkreuzlern bar ausgezahlt wird. Nicht um jüdisches Kapital zu retten, sondern um eventuell einige Prozente Mehrprofit herauszuschlagen, darum geht es ... Und das darf nicht sein! Der Kampf gegen die Ehrvergessenheit gewisser Elemente im jüdischen Palästina muß mit aller Kraft und den äußersten Mitteln geführt werden. Im Ringen um die jüdische Ehre in der ganzen Welt muß der Hinweis auf das jüdische Palästina und seine Denkart Waffe der Juden sein. Er darf nicht Waffe der Antisemiten werden. Auf einer Tagung der Beamtenschaft Hitler-Deutschlands in Karlsruhe sagte vor wenigen Tagen der Sprecher; „Der Jude kennt den Hütk pAti&siikü frWPfr W 'i»Vi^w»fr zuPURIM zur M AKKABIADE zu PESSACH und A ~ Mentlie »lata durch C0tnftiMST<6UM IX, Spitalgasse3, Tel. B-42-5-38 wmmmmmmmmmmm^mmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmam Begriff ,Ehre' nicht! Die Ehre des Juden ist sein Geld!" Das ist niederträchtige Ehrabschneiderei. Kein Volk in der Geschichte hat soviel Blutopfer für die Ehre seines Volkstums und Glaubens gebracht wie das jüdische. Das Ringen um das jüdische Palästin* ist im Grunde nichts anderes als ein Ringen um Wiederaufrichtung der jüdischen Ehre. Darum muß unerbittlich gegen jene schamlosen Elemente in PalÄ" stina vorgegangen werden, denen zwei Prozent Profit heiliger sind als jüdische Würde, die aus dem Jüdischen Nationalheim eine Stätte skrupelloser Ve*» dienerei, einen levantinischen Markt machen wollen. r. »L Der Koloiuenminisfer über die llSegafen jüdischen Einwanderer Aus London: (J. T. A.) Im Unterhaus richtete Josiah Wc dg wo od an den Kolonienministor die Frage, wieviele jüdische Flüchtlinge jetzt als „illegale Einwanderer" sich in Palästina-Gefängnissen befinden und wieviele von ihnen auch nach Vcrbttfiung der ihnen zudiktierten Gefängnisstrafen noch im Gefängnis zurtickbeltalten werden. Minister Cunliffe-Lister erwiderte, laut Mitteilung des High Commissioner verbüßen gegenwärtig 35 Jurten wegen Verletzung der Einwanderungsvorschriften eine Gefängnisstrafe, 87 andere wurden nach Verbüßung der Strafe im Gefängnis zurückbehalten. Von diesen werden in wenigen Tagen viele gegen Kaution freigelassen werden; er erfahre, daß 18 bereits auf freiem Fuße sind. Auf die Frage Wedgwoods, ob solche Personen e n dlos gefangen gehalten werden können, erwiderte der kolonienminister, laut der Immigration Ordinance von 1923 sei der High Commissioner befugt, illegal in Palästina weilende Personen so lange in Haft zu behalten, bis es möglich geworden sei, Arrangements für ihre Repatriierung zu treffen. Das jetzige Vorgehen des High Commissioner sei also vollkomen legal, und es sei auch von der Notwendigkeit diktiert, daß die Einwanderung nach Palästina nur den richtigen Leuten freistehen soll. Die Dauer der Zurückhaltung illegal Eingewanderter hängt von der Dauer der Arrangements zu ihrer Ausweisunng ab. Der High Commissioner zeige sich Immer bereit, Häftlinge gegen eine angemessene Geldbürgschaft freizulassen. Sabbatschutz-Kundgebung in Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Unter dem Vorsitz des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde, Sirkis, fand im Betb Haam zu Tel-Awiw eine von mehreren tausend Personen besuchte Kundgebung für Sabbatschutz statt. Der Vorsitzende der Exekutive des MisracM-Weltverbandes, Rabbi Melr Berlin, betonte, man sei jahrelang über kleinere Verletzungen der Sabatvorschriften hinweggegangen, und dies habe nun dazu geführt, daß die Sabbatentweihung einen so großen Umfang angenommen habe. Der Vizebürgermeister von Tel- Awiw, Rokeach, kündigte an, daß die Stadtgemeinde das 1925 außer Kraft gesetzte Sabbatschutz-Gesetz wieder einführen werde. Juden, die nach Palästina kommen, wünschten nicht, am Sabbat durch die Straßen von Tel-Awiw fahrende Automobile oder die Veranstaltung von Silvesterfeiern in dieser Stadt zu sehen. Oberrabbiner K o o k begründete dib Forderung nach erhöhtem Sabbatschutz. Einzelheiten der Aufgaben der Sabbatschutz-Kampagne erörterte der Tel- Awiwer Öberrabbiner Uziel. Nachdem ein Jünger aus der Jesohiwah Rabbi Kooks aus der Jeschiwah Rabbi Kooks in einer begeisterten Ansprache diejenigen, die das Land aufbauen, ermahnt hatte, auch das Volk neu aufzubauen, wurde einstimmig eine Entschließung angenommen, in der die strenge Einhaltung der Sabbatruhe in Tel-Awiw gefordert wird. Nur noch „Bürger und Ausländer" Aus Jerusalem (J. T. A.): Soeben wurde eine offizielle Bekanntmachung verlautbart, wonach in Abänderung des Artikels 59 der Principal Order es von jetzt ab in Palästina nur noch „Bürger" und „Ausländer" gibt. Bis jetzt gab es außerdem noch die Kategorie der „Einwohne r", die die palästinensische Staatsbürgerschaft nicht besaßen, aber als ständige Einwohner des Landes registriert waren. Gleichzeitig wird in der Verlautbarung die Gleichheit der Jurisdiktion für alle palästinensischen Einwohner festgesetzt. Diese Ankündigung der Regierung hat großes Aufsehen erregt, in der gesamten Bevölkerung Palästinas wird über deren Bedeutung und mögliche Auswirkung diskutiert. Diebstähle in Petach Tikwah Aus Jerusalem: Ein Lager von arabischen Arbeiteirn aus dem Hau ran bei Petach Tikwah wurde von Polizei umstellt und durchsucht, wobei eine Menge aus Petach Tikwah gestohlenen Gutes beschlagnahmt wurde. 42 Hauranier wurden verhaftet. In Petach Tikwah arbeiten zur Zeit infolge des Mangels an jüdischen Arbeitern über 2000 illegal aus dem Hau ran eingewanderte Araber. Sterbefall. Der Wiener Kultusrat Prof. Moses Rath hat durch das Hinscheiden seines Vaters Herrn Simon Raths. A. einen schweren Verlust erlitten. Wir sprechet ihm unser herzlichstes Beileid aus.

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