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Die neue Welt · 1935-03-05 · Heft 444 (5.3.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 444 (5.3.1935)
Date
1935-03-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 444 Aus HitIer*Deut§diland BtasUiamstkee Biktedcfeu Von unserem S.-W.-Korrespondenten Sao Pank», im Jänner 1935. Die Entwicklung der jüdischen Kolonie von Sao Taulo zeigt eine aufsteigende Linie. In kultureller, numerischer und zum Teil auch ökonomischer Beziehung läßt sich ein relativer Fortschritt verzeichnen. Wenn die Neu- .gründung der Zionistischen Organisation vollzogen ist, dürfte auch das nationale Leben eine Stärkung erfahren. Vorläufig jedoch sind wir von einer nationalen Geschlossenheit weit entfernt. Die Erziehung der Jugend läßt viel zu wünschen übrig. Ein Zusammenhang mit der jüdischen Tradition fehlt völlig. Wir besitzen keine Führung. Sportklub Makkabi Diesem jungen Verein ist es gelungen, einen umfangreichen Sportplatz zu pachten und sich das Kaufrecht unter günstigen Bedingungen zu sichern. Fast alle Sportgattungen (auch Schwimmen und Rudern) können hier "betrieben werden. Mit dem Fußballsport wurde begonnen. Ein „goldenes Buch" verzeichnet die Spenden für den Baufonds. In den Kinderriegen herrscht starker Betrieb, die Disziplin wird geachtet und die Finanzen sind geregelt. 'Anläßlich der Eröffnungsfeierlichkeiten für den neuen Sportplatz meldeten sich Deputationen aller Makkabivereine Brasiliens. Die gefährliche „Hatikwah" Die „Sociedade Israelita Paulista" veranstaltete einen Chanuka-B all (nicht etwa eine Chanuka-Feier oder eine Makkabäer-Feier) zum Andenken an die Heldentaten unserer Vorfahren. Das Programm wies als erste musikalische Nummer die brasilianische Nationalhymne auf. Niemand konnte dagegen etwas einwenden, zumal e3 selbstverständlich war, daß anschließend daran die jüdische Nationalhymne „Hatikwah" gespielt würde. Denn man war ja bei einer nationaljüdischen Feier. Aber nein! Der Vorstand der S. I. P. hatte die ,,Hatikwah" als politisch (!) abgelehnt. Allerdings gab es für das Publikum eine Ueberraschung, als nichtsdestoweniger nach der brasilianischen Nationalhymne die „Hatikwah" intoniert und von vielen mitgesungen wurde. Der zionistische Kapellmeister hatte sich mit seinem Orchester diese Eigenmächtigkeit zuschulden kommen lassen! Fast alles erhob sich. Nur ein junger Mann, der sich „deutscher Arzt" nennt, versuchte sitzenzubleiben. Allerdings stellte sich heraus, daß viele gar nicht wußten, was denn die „Hatikwah" sei. . . Nichtsdestoweniger eine würdige und echt jüdische Feier, in deren Mittelpunkt die nationale Gedenkrede des H. Messinger stand. Im übrigen entwickelt sich der Verein Sociedade Israelita Paulista ausgezeichnet. Gediegene Vorträge werden abgehalten, und das „Mitteilungsblatt" des Vereins stellt sich als wertvolle Bereicherung der jüdischen Presse von Sao Paulo dar. Ein jüdisches Nationalhaus In Sao Paulo gibt es bereits eine lange Reihe jüdischer Vereine und Institutionen, die in gemieteten Lokalen einquartiert sind. Eine große Mietsumme wird monatlich aufgewendet. Für das viele Geld könnte man hier leicht ein Gebäude errichten, das imstande wäre, all die jüdischen Organisationen zu beherbergen. Finanziell und repräsentativ könnte man durch solch einen Bau viel gewinnen. Ein Lokalverband der jüdischen Vereine von Sao Paulo müßte das Projekt in die Hand nehmen, das sich zweifellos ohne erhebliche Schwierigkeiten durchführen ließe. * In unserer Ausgabe 420 veröffentlichten wir einen Bericht „Jüdische Kommunisten züchten Antisemitismus" unmittelbar hinter dem „Brasilianischen Bilderbogen" unseres S.-W.-Korrespondenten. Wir stellen hiemit fest, daß unser S.-W.-Korrespondent nicht der Autor des erwähnten Berichtes ist und mit ihm in keinerlei Zusammenhang steht. Bluthetze in Berlin. Die letzte Nummer der Zeitung „Der Judenkenner" bringt folgende ,.erste Warnung": „Der Judenkenner" hat aus Besorgnis um die Sicherheit des deutschen Volkes die Forderung erhoben, die Hebräer unter Kontrolle zu stellen. Da das Schuldkonto des internationalen Hebräertums lawinenartig anwächst und seine Verbrechen, Lumpereien, Gaunereien und Niederträchtigkeiten an der arischen Menschheit von Osten nach Westen, von Norden nach Süden immer üppiger werden, so besteht die Gefahr, daß sich der Zorn der nichtjüdischen Menschheit eines Tages derart wuchtig entlädt, daß die arischen Eingeweihten das Schlimmste für die Zukunft befürchten! Es ist daher ein Gebot der Vorsicht, wenn wir unseren Hebräern anraten, daß s i e sich möglichst bald unter Staatskontrolle begeben sollen. Die gleiche Nummer enthält in Riesenschrift folgende Aufforderung: „Achtung! In der ersten Folge im März beginnen wir mit der Beilage: „Im Schatten der Synagog e". Wir halten unser Versprechen! Juden! Freut euch! Deutsche, sendet weiter alles Material über jüdische Frechheiten und Verbreche n!" * Reinerhaltung des deutschen Blutes. Im „Deutschen Recht", Organ des nat.-soz. Juristenverbandes, veröffentlicht Dr. Fritz Hartmann Vorschläge zu einem „Gesetz zur Reinerhaltung des deutschen Blute s". Er fordert ein Verbot der Eheschließung zwischen deutschen Staatsangehörigen arischer Abstammung und deutschen Staatsangehörigen oder Ausländern nichtarischer Abstammung. Es muß ein Nachweis der arischen Abstammung bis zum Jahre 18 0 0 geführt werden. Auch soll eine Eheschließung verboten sein, falls die Frau ein Kind habe, dessen nichtarische Abstammung nachweisbar sei. Zur Vermeidung „außerehelicher Bastarde" sei dem deutschen Staatsangehörigen die Ausübung des Beischlafs mit einer Person, deren nichtarische Abstammung ihm bekannt sei, bei Freiheitsstrafe zu verbieten. Nicht der Fremdstämmige sei zu bestrafen, sondern der Angehörige des deutschen Volkstums, der die Ehre mißachte. Dr Hartmann schlägt weiter vor: Wer, obwohl er deutscher Staatsangehöriger arischer Abstammung sei, mit einer Person nichtarischer Abstammung in Kenntnis dieser Tatsache öffentlich oder nicht öffentlich in einer Weise persönlich verkehre, die gegen das völkische Empfinden verstoße, sei zu bestrafen. Die Möglichkeit, die Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auszusprechen, sei vorzusehen. * Wer beim Juden kauft, ist ein Landesverräter. In Walditz bei Neurode ist an der G e« meindetafel folgender Anschlag angebracht: „Da wir immer feststellen müssen, daß Partei- und deutsche Volkgenossen beiderlei Geschlechs nach wie vor beim Juden kaufen und damit dessen Verbrechen am deutschen Volk auch noch finanziell unterstützen, erklären wir diese Volksgenossen zu Landesverrätern. Wir werden alle diese Volksgenossen hier in Walditz, deren Namen uns bekannt sind, bloßstellen und wir werden sie eines Tages zur Verantwortung ziehen." Proiektforatsfeier Die Leitung des Verbandes legitimistischer jüdischer Frontkämpfer ersucht um Veröffentlichung folgender Mitteilung: Die Legitimistischen jüdlichen Frontkämpfer im „Eisernen Ring" laden alle Juden und Jüdinnen zu der am Sonntag, den 17. März 1935, präzise 11 Uhr vormittags im Festsaale des Militärkasinos, I., Schwarzenbergplatz 1, stattfindenden Feier der Ueberreichung des kaiserlichen Handschreibens, in welchem Kaiser Otto das Ehren-Protektorat über die Legitimistischen jüdischen Frontkämpfer übernahm, an den Bundesführer Generalmajor Emil Sommer. Die Saaltüren werden um 10 Uhr 55 Min. geschlossen, da präzise um 11 Uhr die feierliche Einholung des kaiserlichen Beauftragten, Seine Hoheit Herzog Dr. Max v. Hohenberg, erfolgt. Zuspätkommende finden daher keinen Einlaß! Saaleröffnung 10 Uhr. Es wird ersucht, zu dieser Feier in Uniform oder dunkler Kleidung zu erscheinen. Informationen erteilt die Stabskanzlei, Wien, I., Parkring 4. (R-27-7-57.) )» Oesterreich bei der Tel-Awiwer Makkabiah Das Hauptkontingent der Sportler stellt die Wiener Hakoah. Ungefähr 20 Leichtathleten werden die Reise nach Palästina antreten, darunter König, Präger und Kline (über 100 Meter), über 300 Meter dieselbe Besetzung; über 400 Meter Weltrekprdler König, bei 800 Meter Deutscher und Blödy, 1500 Meter Blödy und Kaiser, 5000 Meter Beck und Blödy. 400 Meter Hürden Deutscher. Die Vertretung im Schwimmen dürfte gegen den Prager Hagibor und die Tripolitaner in den Hintergrund treten. Bei den Damen sind Namen, wie Fritzi Löwy, Hedy Wertiheimer, Judith Deutsch und Gerdia Gottlieb zu nennen. Die Wasserballmannschaft dürfte gut abschneiden. Der österreichische Hockeymeister, die Wiener Hakoah, wird bestimmt Erfolge erzielen, weniger verspricht man sich beim Handball, Fechten und Tennis. Von Ringern sind Schlanger, Fincsus Gottüeb, Müller und Birnbaum zu nennen. "!;.y..yiV<fl>J ■'(i 8 Wollstoffe: PreSCO (Wolle mit Seide) f. d. fl. 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