Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 444 (5.3.1935)
- Date
- 1935-03-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2711613-2712049-2712068--4928-2718476- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 444 Billig* ■«■ABFAHRTEN: Sonderreisen U|]| EN n«ch ■ VIUM RUckkthr7 April *nder« »fmnaltearriifii—ato mdatlch. »mwUHimmt III, Rannwegl Tel. U-1M-W FRANCOPOL' haben, auf diese Angriffe in ihren Zeitungen zuant- Worten. Die jüdischen Parteien, Organisationen und Korporationen haben die Freiheit, öffentliche Versammlungen, Demonstrationen und #Manifestationen abzuhalten und Bestimmungen zu treffen, die sie als für den Schutz ihrer Glaubw3genc*«en notwendig halten. Würde die Regierung alle Angriffe gegen Juden in der Presse oder bei öffentlichen Manifestationen verbieten, so würde ihr dies als Parteilichkeit ausgelegt werden, was dem Ziel, das <Us Regierung verfolgt, widerstreiten würde. Alle antisemitischen Zeitungen und Broschüren, die über eine zulässige Frenze hinausgehende Angriffe enthalten, werden in der Regel konfisziert. Es existieren in Oesterreich antisemitische Strömungen, wie in vielen anderen Ländern auch. Man geht absolut fehl, wenn man Erklärungen gewisser Gruppen oder Publikationen, die keinen Zusammenhang mit der Regierung haben, als halb- oder ganzoffizielle Kundgebungen von Absichten der Regierung betrachtet. Weder die österreichischen Juden noch ihre ausländischen Glaubensgenossen haben, was die Zukunft der Juden in Oesterreich betrifft, irgend einen Grund zu Befürchtungen. Zur Erklärung des Kanzlers Die Erklärung gibt willkommene Gelegenheit zur Besprechung der Judenfrage in Oesterreich. Sie ist vor dem Auslande abgegeben worden, hat aber für Oesterreich selbst die allergrößte Bedeutung. Denn sie gibt nunmehr den Anlaß, von der bisher und leider auch von manchen jüdischen Seiten gepflogenen Art, die Judenfrage einfach abzuleugnen oder sie mit nichtssagenden Phrasen und leeren Protesten erledigen zu wollen, abzugehen. Auf das, was der Bundeskanzler in London gesagt hat, muß offen und gewissenhaft eingegangen werden. Insbesondere sind es drei Punkte, die gründlichster Erörterung bedürfen: Die Stellung der Juden im allgemeinen Wirtschaftsleben, in öffentlichen Diensten und in der Schule. Hier sind die Zustände unhaltbar. Der Feststellung der Verdrängung der Juden aus gewissen Berufen, in denen sie bisher ihre Existenz fanden, muß die Erörterung folgen, wie sie in Berufe einzuordnen sind, die ihnen bisher unzugänglich waren, so in den öffentlichen Dienst des Staates und der Gemeinden, von welchem sie jetzt faktisch ausgeschlossen sind. Der gewiß ernst gemeinten Erklärung, daß man kein „Schul-Ghetto" schaffen will, muß eine Tat folgen. Die rein mechanische Absonderung jüdischer Kinder in eigene Klassen, wo sie von unjüdischen Lehrern unjüdisch erzogen werden, bedeutet ja doch nichts anderes als ein „Schul-Ghetto". Wenn der Bundeskanzler den Antrag des Jüdischen Volksbundes auf Errichtung eines öffentlichen jüdischen Schulwerkes der Beachtung und Hervorhebung für wert findet, dann müssen endlich die zuständigen Unterrichtsbehörden mit der ernsten Behandlung dieses Antrages beginnen. Ueber alle Punkte in dieser hochwichtigen programmatischen Kundgebung des Kanzlers wird noch zu sprechen sein, Judenstaafspartei Oesterreichs Dienstag, den 5. März, Zentralheira, I., Werdertorgasse 14. Judenstaatsjugend, Plenarversammlung. Beginn 8 Uhr abends. Dienstag, den 5. März, Gruppe XIV/XV, Schanzstraße 32. Vortrag Frau Dr. Rachel Offner. Beginn 8 Uhr abends. Mittwoch, den 6. März, halb 9 Uhr abends, Zentralheim, I., Werdertorgasse 14. Vortrag Moses Lutzky: Bericht über eine Palästina- Reise (Wirtschaftliches und Politisches). Donnerstag, den 7. März, Gruppe VI/VII, halb 9 Uhr abends, Cafe Mariahilf, VI., Mariahilferstraße Nr. 89 a. Versammlung. Redner: Oberbaurat Robert Stricker, Theodor Grubner. Donnerstag, den 7. März, Bezirksgruppe Leopoldstadt, IL, Taborstraße 21a, halb 9 Uhr abends. Vortrag Dr. Gottfried Weidenfeld: Wege der jüdischen Landes polltik. Donnerstag, den 7. März, halb 9 Uhr abenda, Sektion Prater, n., Kleine Zufahrtsstraße 166. Vortrag Dr. Georg Kirne 1: Hygiene des Sehens. Donnerstag, den 7. März, Studentenklub, I., Werdertorgasse 14, halb 9 Uhr abends Hochachlülerversarnmlung. Referenten: Dr. Jakob Wein er und Dr. Sal. Wolf. Thema: Der jüdische Student in Galuth und Palästina. Samstag, den 9. März, Sektion Prater, n., Kleine Zufahrtsstraße 166. Große Versammlung: Die Lage im Zionismus und die Judenstaatspartei. Referent: Dr. R. Rabinowitz (Kaunas, Litauen). Oesterreidiisdier Film vom Boykott bedroht Folgen der Gleichschaltung Wien, 4. März. Vor einigen Wochen meldete die Presse, daß die Vertreter der österreichischen Filmindustrie mit der reichsdeutschen Filmbehörde Verhandlungen beaüglich der Einfuhr österreichischer Filme nach Deutschland gepflogen hätten. Weitere Nachrichten sprachen von einem Uebereinkommen, demzufolge sich die österreichische Filmproduktion verpflichtet habe, sämtliche Filme entsprechend der deutschen Filmgesetzgeflbung herzustellen oder, deutlicher gesagt, den Arierparagraphen in der Filmindustrie anzuerkennen und anzuwenden. Ein offizielles, selbst dem Laien verständliches Kommunique" über die in Berlin getroffenen Vereinbarungen wurde nicht ausgegeben. Aber durch die geübte Praxis ist es klar geworden, daß im Österreichischen Film, soweit er auf den reichsdeutschen Markt reflektiert, Juden überhaupt nicht beschäftigt werden dürfen. Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als die Aushungerung all jener jüdischen Filmschaffenden, die bisher glaubten, kraft ihrer Fähigkeiten und ihres Rufes in Oesterreich arbeiten zu können. Denn ein anderes Land als Oesterreich und eine andere Stadt als Wien kommt für die Erzeugung deutschsprachiger Filme kaum in Betracht. Die Wiener Filmproduzenten — es sind bekanntlich einige Juden darunter — haben für den Augenblick zweifellos ein gutes Geschäft gemacht. Denn das neue Filmhandelsabkommen mit dem Dritten Reich beruht auf einem, für die hiesigen Filmindustriellen günstigen Schlüssel. Für den Augenblick! Es ist aber durchaus nicht sicher, ob sich auch in Zukunft dieses Zu-Hakenkreuz-Kriechen bezahlt machen wird. Denn es gibt bereits da und dort Widerstände und es gibt noch Länder außer Deutschland ... Es sind dies die Randstaaten, die Schweiz, Jugoslawien, große Teile Neurumäniens, Holland usw. Palästina hat bereits den in Oesterreich nach deutschem Arierrezept hergestellten Filmen die Tore verschlossen. Andere Länder können folgen, durch verordnungsmäßige oder privat ablehnende Haltung. So schreibt beispielsweise die Prager „S e 1 b s t w e h r" in ihrer Ausgabe vom 1. März über die Lage auf dem österreichischen Filmmarkt; „Nächst Deutschland ist die Tschechoslowakei eines der besten Absatzgebiete für den Österreichischen Film, und hier wiederum spielen die Zentren Prag, Preßburg, Brünn, Mähr.-Ostrau mit ihrem starken Prozentsatz an deutschjüdischem Kinopublikum eine beträchtliche Rolle. Die Prager Kinobesitzer in der City sagen es jedem offen, der es hören will, daß die miserablen Kassenerfolge der deutschen Filme in Prag vor allem auf die natürliche und begreifliche Antipathie des jüdischen Publikums gegen diese Filme zurückzuführen sind. So mag es denn für unsere Leser interessant sein, zu wissen, daß vielleicht in kurzer Zeit die österreichischen Filme den reichsdeutschen in jeder Beziehung gleichzuschätzen sein werden." Die deutschjüdischen Filmbesucher in der Tschechoslowakei werden sich — das ist der Sinn dieser Ausführungen — überlegen, ihr Geld in jene Kinos zu tragen, in denen die Filme nach dem Programm der nazideutschen Reichsprüfstelle vorgeführt werden. Denn sie werden sich nicht von ihrem Fernbleiben durch die scheinheilige Propaganda abbringen lassen, daß es sich ja nicht um reichsdeutsche, sondern um waschechte österreichische, in Wien gedrehte Filme handle. Das Publikum, das sich für die Filmindustrie und ihre Produkte interessiert, hat bereits das Gefühl, daß der österreichische Film vollkommen gleichgeschaltet ist. Die Gleichschaltung bedeutet unleugbar einen Schaden, der sich bald geltend machen wird. Vor dieser Tatsache dürfen diejenigen Faktoren, die der österreichischen Filmindustrie gut gesinnt sind, nicht die Augen verschließen. Jüdifdies im Radio Mittwoch, den 6. März: 12.03 Bukarest (365 m): Schallplattenkonzert. A. Földessy (Oello) spielt „Kol Nldre". 19.20 bis 19.50 Poste Parisien (312,8 m): Religiöse Aussendung der „Voix d'Israel". 20.15 Brüssel (frz., 483,9 m): Zwei jüdische Lieder. Samstag, den 9. März: 22.55 Hilversuan (1875 m}: Esther Philippe singt: „Der Mutter Lied" von Schnitzler, „Jüdisches Wiegenlied" von Nobel, „Mei jiddische Marne" vonPoUack. Von den z/Allgemeinen" Zi'om'sten Bevorstehende Weltkonferenz-Differenzen Vor einigen Tagen fand in Tel-Awiw eine Tagung statt, die sich „Unabhängige Konferenz der fort« schrittlichen Richtungen im Allgemeinen Zionismus" nannte. An der Konferenz nahmen die Vertreter jener Gruppen teil, welche den letzten Parteitag der Allgemeinen Zionistcn Palästinas in Streit verlassen hatten (Gruppe Kurt Blumenfeld und Dr. Glicksohn), ferner der gerade in Palästina weilende Vertreter der tschechoslowakischen Zionisten Dr. Angelo Goldstein und die Radikalen Zionisten (Gruppe Grünbaum). Die Konferenz forderte die Einberufung einer Weltkonferenz des Verbandes der Allgemeinen Zionisten noch vor der Ende März stattfindenden Sitzung des Aktionskomitees der Zionistischen Weltorganisation. Es handelt sich hier um einen Machtkampf zwischen den Gruppe A und Gruppe B genannten Fraktionen der „Allgemeinen". Die Gruppe A steht unbedingt auf seiten der Arbeiterpartei, das heißt auf selten der heutigen Exekutive. Sie stützt die Herrschaft der Linken im Zionismus und geht so weit, den Eintritt der allgemein-zionistischen Jugendlichen und Arbeiter in die Jugendorganisation und Gewerkschaft der Linken zu fordern. Die Gruppe B steht heute in Opposition zur Linken und zur Exekutive und strebt eine eigene Jugendorganisation und Gewerkschaft in Palästina an. Hauptstützen der Gruppe A sind Deutschland, Tschechoslowakei, Jugoslawien, England und die jetzt hinzugetrtene Gruppe der Radikalen Zionisten (Izchak Grünbaum). Führend in der B-Gruppe sind Ost- und Westgalizien sowie Palästina. Augenblicklich hat die B-Gruppe das Präsidium des Allgemeinen Zionistischen Weltverbandes, der auf ihre Initiative gegründet wurde, in Händen. Die Forderung der A-Gruppe nach sofortiger Einberufung einer Weltkonferenz läuft offensichtlich darauf hinaus, die Führung des Weltverbandes an sich zu bringen. Sie wird hiebei von der fast nur aus Linken bestehenden Exekutive der Zionistischen Weltorganisation, welche mit dem derzeitigen Präsidium des Verbandes vlelfaoh in Streit geraten ist, moralisch unterstützt. Es ist nicht abzusehen, ob die B-Gruppe ihre Stellung im Weltverband wird behaupten können, ob sie der A-Gruppe wird weichen müssen oder ob es — wie bei der letzten Allgemein-Zionistischen Konferenz in Palästina — zu einer Spaltung kommen wird. fr KREUZ-KINO 1 Wollzeile 17 * Tel. R-24-2-16 JOHNNY WEISSMUUER In Vorsteutingen- , Jarzan und sein Kamerad" » Nachrichten aus Italien Als Nachfolger des verstorbenen Oberrabbinesrs vom Italien, Prof. Dr. Angelo Sacerdoti, wird der vor einigen Jahren als Oberrabbiner nach Alexandrien berufene Professor David P r a t o das Amt des Oberrabbiners von Rom und Vorsitzenden des italienischen RabbinatskoUegiums übernehmen. Prof. David Prato wurde erst vor kurzem von der italiendsclren Regierung mit einem hohen Orden ausgezeichnet. * Mit dem Ableben des Obarrabbtoera Sacerdoti ist die Krisis im italienischen Rabbtoat noch akuter geworden wie früher. Vier große italienische Städte: Rom mit 12.000, Genua mit etwa 6000, Florenz mit 3500 und Padua mit über 1000 jüddsohen Seelen, haben keinen Rabbiner, Qualifizierte Rabbiner gibt es in Italien wenig, und die italienisch-jüdischen Gemeindien sehen davon ab, Rabbiner aus dem Ausland einzuladen. * Oberrabbiner Sacerdoti hat kurz vor seinem Ableben dem Leiter der betarischen Marine-Schule in Civitavecchia mitgeteilt, er habe im Zusammenhang mit dem bevorstehenden Weltkongreß des sephardischen Judentums den Regierungschef Mussolini besucht und ihn gefragt, ob er nichts dagegen habe, daß der Kongreß in Rom stattfinde. Darauf habe Mussolini erwidert: „Ich habe absolut nichts dagegen, ja ich bin sogar froh darüber, daß der erste Kongreß des sepharddscheoi Judentums in Rom abgehalten wird — ebenso wie ich nichts dagegen habe, ja froh darüber bin, daß sich in Italien die erste jüdische Marine-Schule befindet." * Auf Initiative des italienischen Gouverneurs von Tripoliibanien, Marschalls ItaJo Balbo, wiird in kurzem in Tripolis eine jüdische Schule für Goldv achmiede eröffnet. Die Goldschmiedekunst ist bekanntlich seit Jahrhunderten eine wichtige Beschäftigung der] tripolitianisohen jüdischen Bevölkerung. Eisenbahnlinie bis zum Haifaer Hafen Aus Haifa (J. T. A.); Mit Rücksicht auf den! durch die schnelle Entwicklung des Haifaer Hafens be* deutend angestiegenen Personenverkehr wird aut Anordnung des High Commissioner die Bahnlinie in Haifa bis zum Hafen verlängert werden. An dem neuen Endpunkt der linde werden eine Eisenbahnstation und ein Postamt errichtet. Palästina lata? Bei der „Mirjam"-RedOUte in der Sezession (9. März) findet die Verlosung einer Freifahrt nadi Palästina und zurück statt. lede Eintrittskarte 1 Los / Jazzkapelle Pleskow / Mitternaditsrevue / Karten ä S 5.— : „Mirjam", I, lordangasse 7, Tel. U*24^57; Jüdische Kulturstelle: II, Aspernbrückengasse % Tel. R>48£#91 \ VI, Loquaiplatz 11, Tel. RÄl; IX, Währingerstraße 48, Tel. IM4*400