Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 443 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. m BERGMANN, I. RABEHSfElfl3! HlMMELPf ORTO. S KÖLLN ER HOF«. 1 SAMTLICHE ARTIKEL IN WiiSCrtt UND WlRKWAftlN SPOTTBILLIG1 FfihrAwd In ETERWA. Hemden (von 6*60 aufw.) E'ne |'üdi'§die Sportlerin startet in HitlersDeutsdiland Prof. Ernst Vogel (Brünn) Ubersendet uns die nachstehende Zuschrift: „Eine siebzehnjährige PLng - Pong - Spielerin vom M u k k a b i-Brünn, die mit einem tschechoslowakischen Team zu dm Ping-Pong-Weltmeisterschaften nach London gereist war, absolvierte mit diesem Toam auf der Rückreise ein Gastspiel in Hamburg, wo gerade die Meisterschaft Deutsehlands ausgetragen wurde. Mir steht sich unter den gegebenen Verhältnissen diese Teilnahme der Makkabi-Sportlerin als eine Schande dar, nn der verschiedene Faktoren schuld sind. Zunächst die jüdische Spielerin seihst. Wenn die junge Handelsschülerin auch den Typus des gedankenlose n, nur am Sportinteressierten Mädchens verkörpern sollte, so müßte sie doch unbedingt wissen, was den Juden in Deutschland angetan wird, und daß man dort nicht zu Gaste weilt wo man nicht gerne gesehen ist. So viel Sinn für nationalen Stolz und nationale Wür d e hatte ihr übrigens der M a k k a b i beibringen sollen. Ein weiterer Schuldtragender ist der S o k t i o n s- ■1 e i t e r des Makkabi, ein Mann von 29 Jahren, der zweifellos die politischen Verhältnisse in Deutschland kennt und die Frage, ob eine jüdische Sportlerin in Deutschland antreten kann, gar nicht hätte zur Diskussion kommen lassen dürfen. Da nun aber der Schützling dieses Sektionsleiters für die Londoner Weltmeisterschaft im tschechoslowakischen Team nicht aufgestellt worden wäre, wenn er nicht auch den Exkurs nach Hamburg mitgemacht hätte, so vergaß dieser aus purer Sporteitelkeit an die Ehre seines Volkes. Allerdings war er vorsichtig genug, die Verantwortung für sich selbst abzulehnen, indem er die Frage dem Hauptausschuü dcsMakkabi-Brünn vorlegte. Dieser wiederum überließ die Entscheidung der Kreisleitung der tschechoslowakischen Makkabi-Organi3ation in Prag. Wie man sieht, hatten diese Instanzen kein gutes Gewissen. Es ist eine traurige Tatsache, daß die Entscheidung den Hamburger Start der jüdischen Sportlerin möglich machte. Die tschechoslowakische Makkabi-Organisation nämlich richtete an den tschechoslowakischen Tisehtennisverband ein Schreiben, worin sie erklärte, die Spielerlaubnis mit Rücksicht auf die jüdische Situation -in Deutschland nicht erteilen zu können. Würde es sich aber um einen Start im Interesse des tschechoslowakischen Sports handeln, könne sie nicht entscheiden und stelle es dem tschechoslowakischen Tischtennisverband anheim, das Zweckmäßige zu veranlassen. Sonderbare Haltung einer nationalen Organisation, die eine Entscheidung in ihren eigenen nationalen Angelegenheiten ablehnt, um sie einer nicht jüdischen Körperschaft zu überlassen! Es wird wohl keinem ernstdenkenden Menschen eingeredet werden können, es sei von Wichtigkeit für den tschechoslowakischen Sport, daß eine jüdische Ping-Pong-Spielerin in einem Lande auftrete, in welchem das jüdische Volk der unerhörtesten Verfem ung preisgegeben ist. Mit Rücksicht darauf, daß mir die streng-nationale Gesinnung des Kreisleitungsobmannes bekannt ist, könnte ich annehmen, daß nicht die Kreisleitung selbst, sondern etwa nur die Sportressortleitung an dem Vorfall schuld ist. Die Mitteilung dieses Vorfalles an die Oeffentlichkeit soll bezwecken, daß in Hinkunft derartig beschämende Fälle unmöglich werden." (Anmerkung der Redaktion.) In der letzten Zeit häufen sich die Fälle, daß dem Makkabi-Weltverband in den einzelnen Ländern der Vorwurf mangelnden nationalen Bewußtseins gemacht wird. Wir lii!iliillliiiliilliiiii.i!lilliiii!liiililll!iiiiiii:il!ll!l!l!:i!illliiiilllllllllllliiin Secession i P 9. M ä r z Mirjam-Redoute Freifahrt nach Palästina Ve 'Losung einer •~ J«de Eintrittskarte Los Jazzkapelle Plesskow Mitternachtsi= revue / Karten A S 5.—, Miijam, l, Jordaneasse 7, Tel. UW-ö-SI Jüdische Kulturstelle: II, Aspe nbrücktne. 2,1 el. R-4i-2-9\, 1 Vi, LoquaiplaU U.Tel. R20-0-M, IX, Währingurstr. 48, Tel. R-14-400 §f ~Illllll!ll!i'i:)r'!i!i!!]!!l!!llil!!i!!iUi!!iW PalästinasrOrange als Abmagerungsrti'ttel Auf einem kürzlich in London abgehaltenen Bankett der Schule für Diät wurde der Palästina-Orange das größte Lob zuteil. Dr. Neil L e i t c h, der Direktor dieses Instituts, stellte fest, daß er für die Leitung der Abmagerungskuren von zirka 10.000 Menschen verantwortlich ist. Er hat ihnen angeraten, durch sechs bis zehn Tage nur Jaffa-Orangen zu essen. „Wenn Sic zehn bis zwanzig Orangen täglich essen und sonst nur Wasser zu sich nehmen werden", sagte er, ,,wird Ihre Haut zart werden wie die eines Kindes und Ihre Gestalt zu schöner Schlankheit gelangen." Die berühmte Filmschauspielerin B i n n i e Barnes, welche dem Bankett beiwohnte, erklärte, daß sie sich nach Fehlschlagen vieler Kuren durch den Genuß vom Saft der Palästina-Orangen gesund und schlank erhalten hat, ohne in unschöne Magerkeit zu verfallen. Die palästinensische Orangenkultur, so wurde weiter berichtet, hat in den letzten Jahren einen riesigen Aufschwung genommen. Der Export ist von einer Million auf fünf Millionen Kisten gestiegen, hauptsächlich deshalb, weil die Jaffa-Orange saf treichcr ist als Irgendeine andere Marke und fast gänzlich frei von Kernen und Keimen. haben in unserem Blatte bereits auf die schwächliche Haltung des Makkabi gegenüber den Forderungen der linken zionistischen Organisationen hingewiesen. Besonders kraß berührt die Tatsache, daß der Makkabi in einzelnen Ländern seinen Mitgliedern den Eintritt in den marxistischen linken Hechaluz freigab und so die jüdische Sportjugend vom nationalen Gedanken entfernte. Es geht nicht an, über diese Haltung des Makkabi länger zu schweigen, einer Organisation, die ihren Aufschwung und ihr Prestige ausschließlich der Sympathie der nationaljüdischen Kreise der Welt zu verdanken hat. Sollte sich der Weltmakkabiverband weiterhin derlei Extratouren erlauben, wie die Teilnahme der Brünner jüdischen Fing- Pong-Spielerin an einem Treffen in Hitler-Deutschland, so müßte von allen Seiten gegen ein solches Vorhaber, protestiert werden. Durch eine solche Handlungsweise wird der Makkabi, die stolze jüdische Sportorganisation, seine Sympathien bald einbüßen. A« C—Sitzung in Jerusalem Aus London: Die Zionistische Exekutive gibt bekannt, daß für den 27. März eine Sitzung des Zionistischen Aktionskomitees nach Jerusalem einberufen wurde. (J. T. A.) Von „arisdhen" Rechtsanwälten In einem Wiener „Arischen Geschäftsanzeiger" ist auch eine Liste von 150 arischen Rechtsanwälten erschienen. In richtiger Erkenntnis, daß dieses Vorgehen mit den Vorschriften über Standesehre unvereinbar ist, hat die. Wiener Rcchtsanwaltskammcr an die im Anzeiger genannten Rechtsanwälte die Aufforderung gerichtet, die Streichung ihrer Namen zu veranlassen. In den Wiener Zeitungen erschien hierüber folgende Meldung: ,,Vor einiger Zeit ist ein „Arischer Geschäftsweiser" erschienen, in dem eine Anzahl von Firmen bezeichnet ist, die keinen Wert auf nichtarisch:; Kundschaften legen. Ueberdies finden sich in diesem Büchlein aber auch etwa 150 Wiener ansehe Rechtsanwälte. Sic sind allerdings nicht alle mit ihrem Wissen in diesen Geschäftsweiser aufgenommen worden. Die Wiener Rechtsanwaltskammer hat an alle Anwälte ein Schreiben gerichtet, in dem sie unter Androhung von Disziplinarmaßnahmen aufgefordert wurden, ihre Streichung aus dem „Arischen Geschäftsweiser" sofort zu veranlassen. Der Verband deutsch arischer Rechtsanwälte Oesterreichs hat in einer kürzlich stattgefundenen Tagung diese Forderung der Wiener Rechtsanwaltskammer abgelehnt. Der Verband hat an die Wiener Rechtsanwaltskammer in diesem Sinne ein Billige Sonderreisen nach POLEN ABFAHRTEN: 10. und 16. März RUckkehr 7, April Andere Aufenthaltsarrangements möglich. Anmeldungen: .FRANCOPOL III, Rennweg 1 Tel. U-16-4-90 Schreiben gerichtet, in dem erklärt wird, daß auch jene Anwälte, die ohne ihre Absicht und ohne ihr Wissen in den Geschäftsweiser aufgenommen worden sind oder diese Aufnahme sogar ausdrücklich verboten haben, die Streichung ihrer Namen nicht zu veranlassen gedenke n." Nach den geltenden Vorschriften macht sich jeder Rechtsanwalt, der dem Publikum seine Dienste in Zeitungen oder anderen Druckschriften in irgend einer Form anbietet, der Verletzung der Standesehre schuldig. Die Kammer hat mit ihrer Aufforderung nur ihro Pflicht erfüllt. Die Weigerung der angerufenen „arischen" Anwälte, sich den Vorschriften zu fügen, beweist, daß für sie jeder Begriff von Standesehre schwindet, wenn es sich darum handelt, gegen jüdische Kollegen vorzugehen. Es ist abzuwarten, wie weit die arischen Rechtsanwälte in ihrem Widerstände gegen ihre gesetzliche Standesvertretung gehen, und ob die berufenen staatlichen Stellen die Autorität der Kammer entsprechend schützen werden. Eine verruckte §adie! In der Sonntagsnummer der „Straßburger Neuesten Nachrichten" befindet sich ein Bericht über einen Vorfall, der sich jüngst in einer süddeutschen Stadt zugetragen hat. Ein SA.-Mann war auf der Straße von einem Auto überfahren und in der Eile, die keine Rassebedenken aufkommen Ließ, in das benachbarte jüdische Spital überführt worden. Im Krankenhaus erwies sich eine Bluttransfusion als dringend notwendig, ein jüdischer Blutspender stellte sich zur Verfügung und der Nazi kam mit dem Leben davon. Bald aber zeigten sich die Folgen. Zwar nicht gesundheitlicher Art. Der Mann gedieh prächtig, doch das Disziplinargericht der NSDPA. hatte von der Sache Wind bekommen und lud den Pg. vor sein tkodeteekkt Die neuen Frfihlitigshfite Bekanntlich sind die Hüte die ersten Boten jeder neuen Mode. Auch jetzt lassen sie uns den neuen Modefrühling ahnen. Sie kommen — selbstverständlich — aus Paris, wo sich sämtliche Modeschöpfer bereits die Köpfe über aJle möglichen Formen und Typen von Frühlingshüten zerbrochen haben. Wir in Wien können dieser ersten Pariser Anregung wohl nicht entraten, aber — ja, dies ist eben unser stolzes „aber" — hier erst wird durch den Geschmack der Wiener Modistin die feine Wiener Hutmode geschaffen. Die. Ausstellung, die das Gewerbeförderungsinstitut der Handelskammer im Verein mit der Genossenschaft der Modistinnen und Modisten in der Modellgesellschaft, Habsburgergasse 2, veranstaltet und die durch acht Tage frei zugänglich ist, beweist durch zahlreiche adaptierte und original Wiener Modelle, auf welch hoher Stufe Geschmack und Ausführung das Wiener Modisten- und Modistenzubehöi'gc werbe stehen. Der reizende ockergelbe Filshut, dci hellgrüne tn. braun eingearbeitetem Band, der beige liotteur mit grünern Lack — sind Ceschka-HQte W4«n VII, Kai««r»fraBe 123 / Telephon B-38-0-34 Der chicke weiße RctiC6ll6-Hllt in der Hutmodcllausstcllung stammt vom Rota MieterJapetiili.31 : 91 lochl i.mn HUTSALO geflochtenen nundeuti stammen u. a. von siwinmxäss11 Von der Hutmodellausstellung. Von den schönsten Hüten dieser mustergültigen Ausstellung (I., Habsburgergnsse 2), fiel ein auf feinem schwarzem Balibuntal gearbeiteter Parmaveilchenhut auf, der, mit Samtband gebunden und gleichfarbigem Georgette geputzt, die neue Zylinderhutform zeigte. Ferner ein großer, kühngeschwungencr Phantasiestrohhut mit rückseitiger schicker Seidenmasche, Der große Phantasie-Stroh- und der Veilchenhut stammen vom Hutmodellhaus KÄTHE DOMENEGO (Maison Renße, IX. Servitengasse 2, Tel. A-17-0-36) wmmmmmmmmmmmmmmmmmum Tribunal. Zur Entscheidung stand, ob der minderrassig Bluttransfusionierte noch imstande und würdig genug sei, Mitglied der NSDAP, zu bleiben. Schon schien der SA.-Mann verloren, da zeigte sich den Disziplinarrichtern im letzten Augenblick ein Ausweg: Man stellte fest, daß der Blutspender des jüdischen Krankenhauses mehrfach ausgezeichneter Frontkämpfer gewesen war und so, nach den Bestimmungen des B orufsbeamtengesetzes, entschied man, daß die Lebensrettung für den SA.-Mann keine weiteren unheilvollen Folgen zu haben brauche. Er sei, sagten die Disziplinarrichter wörtlich, „in Anbetracht der besonderen Umstände ein reiner Arier geblieben". Juden soll das Betreten öffentlicher Gaststätten verboten werden. Aus Köln (J. T. A.): Der „Westdeutsche Beobachter" in Köln wendet sich unter der Ueberschrift „Rassenschänder gestellt" gegen das angeblich, schändliche Verhalten eines Juden, der mit Namen und Adresse genannt wird. In diesem Zusammenhang heißt es: „Nach unserer Ansicht wäre es jedoch angebracht, daß in einem deutschen Gesetz die Bestimmung vorgesehen wäre, daß derartige Elemente, die die Massenschändung anscheinend als Sport betreiben, durch Entmannung unschädlich gemacht würden. Ebenfalls dürften diejenigen Kölner Vergnügungsstätten, die als Haupttummelplatz dieser Juden bekannt sind, sich ein Verdienst erwerben, wenn sie derartigen Verbrechern den Aufenthalt in ihren Räumen untersagten. Auf dem Lande und auch in den Kleinstädten haben sich die Restaurationsbetriebe schon seit längerer Zeit dazu bereit gefunden, Juden in ihren Lokalen nicht zu dulden. So müßten es auch die Großstadtbetriebe machen, damit ein deutscher Gast nicht daran Anstoß zu nehmen braucht, daß jüdische Schieber mit ihren ,Damen* sich breitmachen. Laßt die Juden zum Juden gehen, dann sind sie unter sich. Den Bauern und Landwirten aber, die immer noch mit diesen Juden — Geschäfte machen, sei hier ins Stammbuch geschrieben, daß wir sie als Verräter am deutschen Volke betrachten. Wer Verbrecher unterstützt, macht sich mit strafbar und versündigt sich an seinem Volke." Vertreibung der Juden von den Viehmarkten Aua Berlin: Das „Höchster Krcisblatt" vom 18. Februar bringt eine Veröffentlichung der Landesbauernschaft Hessen-Nassau, in der es u. a. heißt: „Die verantwortlichen Stellen auf dem Gebiet des landwirtschaftlichen Marktwesens sind selbstverständlich unermüdlich tätig, alle noch ungesunden Zustände zu beseitigen. Wieweit dies geschehen ist und wieweit insbesondere die unzuverlässigen Elemente auf den Viehmärkten ausgemerzt wurden, zeigt die erfreuliche Tatsache, daß es gelungen ist, die Viehmärktc in Darmstadt und Gießen von rasse fremden Elementen vollständig frei zu machen und den jüdischen Anteil am, Auftrieb in Frankfurt auf 25 Prozent und in Mainz und Wiesbaden auf 15 Prozent awrabzuOrücken.44