Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 443 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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•fcfte r DIE NEUft WELT Nr. 443 Das ecstc und fuUcmde -reo cumänUcUe 8ESTAURAHT SPRITZER Vor dem XIX« Zioiustenkongreß Manifest der Zionistischen Exekutive Die Londoner Leitung" der Zionistischen Weltorganisation fordert in einem Aufruf an alle Zionisten ersten Petition ein positives Resultat erwarten, uns kündigten eine weitere Petitionsbewegung an. Die Zionistische Exekutive verurteilt nun in der obenerwähnten Erklärung („Die ewige Politik des Revisionismus") die Petition und erklärt sie, als schädlich. „Dieses kindliche Spiel mit politischer Strategie", heißt es in der Veröffentlichung der Exekutive, „könnte eigentlich belustigend wirken, wenn es nicht dazu angetan wäre, sehr ernste Interessen des jüdischen Volkes in der verhängnisvollsten Weise zu gefährden." I Die revisionistische Erklärung gegen die Zionistische Exekutive Die Erklärung Wladimir Jabotinskys Uber die „Zweckloslgkeit weiterer Verhandlungen mit der Zionistischen Exekutive" besagt: Eines der drei Uebereinkonimen, die auf Rutheubergs Initiative in London 7Avlschen Ben Ourion im Namen der Zionistischen Exekutive und mir im Namen der Revisionistischen Union abgeschlossen wurden, lautete dahin, daß beide Parteien gewisse gegenseitige Repressalien suspendieren sollen, nämlich: a) die Zionistische Exekutive suspendiert das Vorbot der Zuteilung von Zertifikaten an B e t a r, dessen Rechte auf dem Gebiet von Hachscharah und Alijah wiederhergestellt werden; b) die. Revisionistische Union und der Betar suspendieren den Boykott der zionistischen Fonds. In der Erklärung wird weiter ausgeführt, daß dio Zionistische Exekutive ihren diesbezüglichen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei und daß daher dio einzige Hoffnung, zu einer gewissen stabilen Verständigung zwischen den verschiedenen zionistischen Körperschaften zu kommen, in einer R o u n d-T a b 1 c-K o n f e r e n z bestehe. Sonst würde der Friede, im Zionismus in einer größeren Gefahr sein als bisher. Die revisionistische Erklärung gibt Beispiele für die Pflichtverletzung der Exekutive in Sachen der Verweigerung von Zertifikaten an Betar- Chaluzim, des Sehekels mit dem aufgedrückten Disziplintext usw. und betont, daß den Revisionisten die Beteiligung am Zionistenkongreß unmöglich gemacht werden soll, dam.it der sozialistische Flügel, dio Linke, auch weiterhin ihre Hegemonie behalten könne. Schließlich wird eine Parole für die Aktion des Tel-Chaj ausgegeben. Der Ton der beiden Erklärungen ist weit davon entfernt, eine Befrieduugsaktion zu ermöglichen. Das Arbeifcsabkommen zwischen Links und JRechls Im Tel-Awiwer „Beth Am" referierte das Mitglied, der Jewish Agency Mosche Shertok über das Arlicitsabkommen zwischen Histadruth Haowdim und den Revisionisten und führte u. a. aus: Der Kampf der Arbeiter gegen den Revisionismus wird auch in Zukunft fortgeführt werden. Der Hauptkampf wird auf der, politischen Ebene geführt. Shertok verteidigte das in London abgeschlossene Abkommen und erklärte u. a.: Man dürfe nicht den Revisionisten Anlaß zur Behauptung geben, daß die Arbeiter dem Abkommen „e n t s c h 1 ü p f e n" wollen. Die Revisionisten haben auf das ihnen heilig gewesene Prinzip des Streikbruchs verzichtet. Das Arbeitsabkommen hat keinerlei Verbindung mit Politik.1 Es kann keine Rede davon sein, daß die Histadruth auf alle die Zionisten verpflichtenden Disziplinprinzipien verzichtet und der eigenwilligen und zerstörerischen Tätigkeit der Revisionisten auf politischem Gebiet irgend eine Approbation erteilt. Das Abkommen bezweckt bloß die Ein st e 1 I n n g des K a m p f e s auf dem Arbeitsgebiet. Jeder nach Palästina kommende Jude hat das Recht auf Arbeit. Eine N i c h t b e. s t ä t igung des Abkommens seitens der Histadruth wird zu keinerlei Zertvürf ni» iii der Histadruth führen, die zu stark und lebensfähig ist, als daß mit einer solchen Möglichkeit gerechnet werden könnte. Wie bereits in unserer vorigen Ausgabe mitgeteilt, wird die Histadruth ihre Mitglieder am 28. März in Form eines Plebiszits befragen, ob sie mit dem zwischen Ben Gurion und Jabotinsky in London getroffenen Abkommen einverstanden sind. Den Ausführungen Shertoks ist zu entnehmen, daß eine Nichtbestätigung des Abkommens im Bereich der Möglichkeit liegt. Jedenfalls ist die Stimmung bei der Histadruth nicht einheitlich. Wieder Juden im Hungerstreik Aus Jerusalem: Zehn Juden und vier Drusen, die wegen illegaler Einwanderung zu längeren Gefängnisstrafen verurteilt worden waren, sind in den Hungerstreik getreten, weil man sie nach Verbüßung der Strafen nicht aus dem Gefängnis entläßt. Als man den Häftlingen versicherte, daß sie gegen Kaution von je 25 Pfund freigelassen werden würden, brachen sie nach 24stündiger Datier den Hungerstreik ah. Nunmehr aber hat sich die Angelegenheit dieser Häftlinge kompliziert. Die Behörden bestreiten, daß den Häftlingen die Zusicherung gegeben wurde, sie gegen eine Bürgschaft von je 25 Pfund freizulassen; die Anwaltskammer des Waad Leumi (Jüdlseher Nationalrät) behauptet, es sei ihr seitens der Polizei versprochen worden, die Bürgschaftssumraen für die Jerusalemer Häftlinge nicht zu hoch anzusetzen. Die Häftlinge drohen, den Hungerstreik wieder aufzunehmen, falls ihre Angelegenheit nicht bald geklärt werde. Von den Akkocr Häftlingen ist eine. Anzahl, für die die erforderliche Kaution und persönliche Bürgschaft gestellt worden waren, In Freiheit gesetzt worden. Für die Häftlinge aber, die vor den Judenverfolgungen in der Türkei (Adrianopel) nach Palästina geflüchtet waren, besteht vorläufig keine Aussicht auf Befreiung, da für sie bisher keine persönlichen Bürgen gestellt werden konnten. Sine englisch-jüdische Tageszeitung Seit kurzem erscheint in London die jüdische Tageszeitung in englischer Sprache „T he Jewish, Daily Post", die sich hauptsachlich jüdischen Fragen widmet und zur Erfüllung ihrer Aufgabe in anen Weltteilen einen eigenen telegraphiachen Dienst eingerichtet hat. Die bisher erschienenen 14 Nummern sind reich an wertvollen Infoi-mationen und geben einen Ueberblick Uber alle das Judentum betreffenden Fragen und Ereignisse. „The Jewish Daily Post" ist direkt von London, 88, High Street, Whitechapel, au beziehen. (früher im „National", dann im „Stefanie'0 jetzt II, Mammer»Purgttall*Gatse 7 (Nähe Dianabad), bringt vorzügliche, abwechslungsreiche Mittagsu. Abend-Menüs schon ab Schilling 1.60.' Bekannt gute Wiener Küche und alle orientalischen Spezialitäten y«F* am Rost und Spieß ~~9Abj Verleumdung, Spekulation auf Ghettohaftigkeit, Rechnung mit der Dummheit und Feigheit der Allerdümmsten und Allerfeigsten. Jeder Punkt eine Felonie! Herr Marshall droht mit den „Regierungen"! Wie sieht es denn mit der Stellung dieser Regierung »us? Die einzige, welche bis nun gegen den Weltkongreß Stellung genommen hat, ist die Hitler- Regierung. Die französische, italienische, tschechoslowakische und viele andere haben die Einberufung des Jüdischen Weltkongresses durch den Mund ihrer Staatsmänner begrüßt und ihm bestes Gedeihen gewünscht. Aber das kümmert Herrn Marshall und seine Freunde wenig. Sie lügen und denunzieren lustig drauf los wie vordem die Protest-Rabbiner. Die ..Protest-Amerikaner" werden aber auch das gleiche Schicksal erfahren wie die „Protest-Rabbiner". Sie v/erden einer guten Bewegung Hindernisse bereiten, ohne sie aufhalten zu können, dann verschwinden. Eine unrühmliche Episode in der neuen jüdischen Geschichte werden sie sein, wie die Protest-Rabbiner, sonst nichts. Die polnische Orthodoxie nicht mehr abseits Aus Warschau: Im Lokal des Palästina-Amtes berieten Vertreter der jüdischen politischen Parteien und wirtschaftliehen Organisationen über Bildung eines polnischen Komitees für den Jüdischen Weltkongreß. Der im Auftrage der Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß in Paris durch Abg. Dr. Kosmarin und Dr. Hellmann versandten Einladung leisteten Vertreter aller acht in Polen tätigen zionistischen Parteien, ferner Vertreter der A g u d a h und der P o a 1 e Agudas Jisroel, der demokratischen Volkspartei und der drei großen Wirtschaftsorganisationen, Kaufmännische Zentrale, Kleinhändler-Verband und Handwerkerverband Folge. Dr. Hellmann teilte mit, daß der Vorsitzende der Pariser Exekutive, Dr. Nahum Gold m a n n, anfangs März nach Warschau kommen wird und daß die aus Anlaß des Ablebens des italienischen Oberrabbiners Sacerdoti verschobene Sitzung der Exekutive in Paris wahrscheinlich am 9. und 10. März stattfinden wird. Die. Exekutive hat bereits die Wahlordnung zum Weltkongreß abgefaßt; diese stützt sich gemäß den Beschlüssen der Genfer Konferenz auf das demokratische Wahlprinzip. Im Namen der polnischen A g u d a h gab Handeies die folgende offizielle Erklärung ab: „Die .-xgudah in Polen hat anfangs eine negative Stellung zum Weltkongreß eingenommen. Nachdem sieh aber ergeben hat, daß Vertreter der Pariser Exekutive den ernsten Willen haben, das Trennende zu eliminieren und das Einigende zu betonen, hat die Agudah beschlossen, einen Modus zu finden, der die Teilnahme der Agudah am Weltkongreß ermöglichen soll. In diesem Sinne wandte sich die Agudah in Polen au die Leitung der Welt-Agudah und an die Moazoth Gedaule Hathora. Bis der Bescheid dieser leitenden Instanzen eintreffen wird, nimmt die Agudah an den Beratungen weiter t e i 1." Die Erklärung des Agudah-Vertreters löste allgemeine Befriedigung aus. Einstimmig wurde beschlossen, die interparteilichen Verhandlungen fortzusetzen und schon in den nächsten Tagen an die Schaffung eines Kongreßkomitees für Polen zu schreiten. in men Dio Agentur Havas verbreitet einen Bericht aus Marseille, dem u. a. zu entnehmen ist: Der Aufenthalt des Generalgouverueurs von Algier, Carde, in Paris lenkte die Aufmerksamkeit der breiten französischen Öffentlichkeit auf die Verhältnisse in Französisoh-Nordafrika. und in Syrien. Die französischen Regierungsstellen befassen sich mit den Fragen dieser Mittelmeergebiete intensiv bereits seit dem November vorigen Jahres, als Ministerpräsident Flandin die Absicht ankündigte, einen besonderen Organismus zu schaffen, der diesen französischen Ueberseegeblct e n gewidmet wäre. In den Ueberseegebieten sind als Folgen der Weltwirtschaftskrise ernste Schwierigkeiten aufgetaucht. Diese Verhältnisse werden von einigen Agitatoren einerseits auf selten der Kommunisten, andererseits auf Seiten der Muselmanen demagogisch ausgenützt. Außerdem dauert seit jeher zwischen den Arabern und Kabylen ein Antisemitismus an, wodurch die antijüdischen Ausschreitungen erklärlich sind, die an verschiedenen Orten ausgebrochen sind. Hierzu kommt in Algier die politische Agitation der Muselm a n o n, die die zivile Gleichberechtigung mit den Franzosen anstreben. Dieser Agitation kann in Tunis und in Marokko rasch und energisch begegnet werden, weil das Protektor u t e sind. Dagegen entwickelt sich In A 1 t i e r eine sehr schwierige Situation, da Algier französischer Kod'*n ist, bestehend aus drei Departements mit dcmselbi'n politischen Regime w:e die übrigen französischen Departements. Der Generalgouverneur von Algler, Carde, verhandelte 1» Paris mit dem Minister des Innern Ilegnier über dessen bevorstehende Keine nach Algier, die etwa im März Zustandekommen wird. Minister Ilegnier wird in Algier die Vertreter aller Schichten anhören und wird sie über ihre, Bedürfnisse und Wünsche befragen. ■■■■■WBBHBBBMBIDBBBHPWBBBBIWBBBBHBIBHBHBBBHHBMBBHMWSBBBIW Ganz vorzüglich speisen Sie... ä Ja carte und Ruch Menü ... irn Restaurant „Stefanie" ... II., Taborfetraße 12. zur Rüstung für den im heurigen Jahre fälligen XIX. Zio- I nistenkongreß. Nach Aufzählung der seit dem Prager Kongreß vollzogenen Arbeit in Palästina und in der Zionistischen Organisation und einer offensichtlich gegen die Zionisten-Revisionisten gerichteten Polemik, schließt das Manifest: „Der Kampf für die Konsolidierung der Organisation und ihren Schlitz gegen außenpolitischen Separatismus und gegen innere U n t e rg r a b u n g ihrer Grundfesten muß mit aller Kraft fortgesetzt werden. Die Zionistische Organisation, die von H e r z 1 als Instrument des Neuaufbaus und der politischen Selbstbestimmung des j ü d i s c h e n Volkes geschaffen wurde, muß von allen verantwortliehen Zionisten gegen jeden Angriff auf ihre Existenz, ihre Souveränität, ihre Rechte und ihren demokratischen Charakter kraftvoll und entschlossen geschützt werden. In diesem Geiste müssen die Zionisten aller Länder ohne Unterschied der Richtung und der Anschauungen zum 19. Zionistenkongreß rüsten. Die Wahlen zum Kongreß müssen unter einer bisher noch nie erreichten Massenbeteiligung vor sich gehen. Der Zionismus ist die Sache des ganzen Volkes. Der Sehekel muß in die Hand von Hunderttausenden, ja Millionen jüdischen Männern und Frauen gelangen. Aber dessen Verbreitung darf nicht zur kleinen Spciidcnsiimmliin? oder gar zum Mittel bloßer Siclip.rung von Stimm e n herabgedrückt werden. Der Schekel ist ein Instrument, durch welches das Bekenntnis zur z i o n is t i sehen Idee und die Uebernahme aller mit dem Beitritte zur „Zionistischen Organisation" verbundenen Verpflichtungen dokumentiert werden. Die Schekel-Aktion muß zu einer großangelegten Mobilisierung der jüdischen öffentlichen Meinung für die zionistische Tat werden. Die Werbung neuer Schekel-Zahler muß geleitet sein von der Losung verstärkter Verantwortlichkeit für die Erziehung und dauernde Bindung der neuen Massen an die zionistische Idee und an die Zionistische Organisation. Nur so kann die Schekel-Aktion und der aus ihr hervorgehende Kongreß zu der großen Demonstration des Willens des jüdischen V o 1 k c s gestaltet werden." I Wollzeile 17 * Tel. R-24-2-16 JOHNNY WEISSMÜUER In Vorstellungen: „Tarzan und sein Kamerad" -,A10 Unerquickliche Äu§? einandewsetzumqen Die durchgefallene Petition Seit dem sogenannten „Friedensabkommen" zwischen Ben Gurion (Histadruth-Pulästina) und Wladimir Jabotinsky (Union der Zionisten-Revisionisten) hat eine Diskussion über Friedensmöglichkeiten im Zionismus begonnen, dit; nach der revisionistischen Weltkonferenz in Krakau ihren Höhepunkt erreicht hat. Im wesentlichen ging es darum, daß die offiziellen zionistischen Instanzen gegenüber den Erklärungen Jabotinskys in bezug auf Disziplin, Schekel und Kongreß jeweils einen ablehnenden Standpunkt einnahmen. Wiederum beschäftigt sieh die Zionistische Exekutive in einer „Die ewige Politik des Itcvisionismus" betitelten Erklärung mit einer revisionistischen Extratour, diesmal mit der Petition. Bekanntlich hat dio Mandatskommission das revisionistische Petitionsgesuch, worin die strikte Erfüllung des Mandats verlangt wurde, als unbegründet abgelehnt, was einer revisionistischen Niederlage gleichkommt. Jabotinsky und seine Anhänger erklärten, daß die Antwort der Mandatskommission keine Niederlage bedeute, denn man könne nicht schon von der r7i •'»»'<."/;? ^TatjorHrasse