Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 443 (1.3.1935)
- Date
- 1935-03-01
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 20 Groschen Jahrgang 9 freitag, den I ♦ Marx Nr« 441 V« b. b« Zeitung vom Verleger versendet „Journal expedte par rediteur" E V U E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.— : Jugroslawicn monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; BnlKarten monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel. A-20-2'78 — Erscheint Dienstag u. Freitai* Der Volksbund fordert Ehrenschufz für Juden Wir haben im Zusammenhang mit der Meldung über unflätige, aufreizende Beschimpfungen der österreichischen Judenschaft in der Zeitung des ehemaligen nationalsozialistischen Führers Dr. Walter Riehl berichtet, daß der Jüdische Volksbund für Oesterreich bei der Regierung vorstellig werden und ausreichenden Ehrenschutz für die österreichische Judenschaft fordern wird. Nunmehr teilt uns die Leitung des Volhsbundes mit, daß sie dem österreichischen Bundeskanzleramte nachstehende Eingabe übermittelt hat: Das jüdische Volk und die jüdische BeligionsgcsdlHohaft in Oesterreich werden, besonders im Verlaufe der allerletzten Zeit, in Zeil Schriften, Broschüren <Kier anderen Druckwerken in skrupellostestcr Weise beleidigt und geschmäht. So erschien in der Druckschrift „Deutsche Arbeiterpresse" vom 14. Februar d. J., für deren Inhalt Herr Dr. Walter Riehl als Eigentümer, Herausgeber und Verleger verantwortlich erscheint, unter dem Titel „Beichte eines Emporkömmlin gs" ein Artikel, der an Schmähungen und .Aufreizungen zu Feindseligkeit und Verachtung gegen die jüdische Nation und Religionsgesellschaft alle bisher in Oesterreich erschienenen Pamphlete antisemitischer Tendenz überbietet. Der für den Inhalt einer solchen Schmähschrift verantwortliche Herausgeber weiß sich auf Grund der derzeit in Geltung stehenden Gesetze, insbesondere über auf Grund der herrschenden Praxis, vor jeder straf gerichtlichen Verfolgung sicher. Die Beleidigungen und Schmähungen bleiben ungeahndet, da keine jüdische Einzelperson oder juristische Person legitimiert erscheint, den Beleidiger vor 'Gericht"zur Rechenschaft zu ziehen und dessen Bestrafung zu begehren. Den Angehörigen des jüdischen Volkes und der jüdischen Religionsgesellschaft bleibt es daher versagt, das Gericht anzurufen, wiewohl die ihnen angetanen Beleidigungen dieser Art sie viel empfindlicher treffen als Ehrenbeleidigungen anderer Art. Wohl bildet jede Aufreizung zu Feindseligkeiten gegen Nationalitäten und Religionsgemeinschaften, sohin auch gegen die jüdische, und jede Beleidigung einer gesetzlich anerkannten Religionsgesellschaft, mithin auch der jüdischen, den strafbaren Tatbestand der §§ 302, 303 des österreichischen Strafgesetzes. Die Staatsanwaltschaft hat jedoch aus unbekannten Gründen eine Verfolgung der wiederholt in verschiedenen Druckwerken verbreiteten Beleidigungen bisher nicht veranlaßt. Die Möglichkeit einer Verfolgung durch die Staatsanwaltschaft erscheint gegeben, das Gesetz ist jedoch in solchen Fällen nie in Wirksamkeit getreten. Der Rechtsschutz, der sonst jedermann in diesem Staate zu Teil wird, erweist sich somit in diesem Belange als unzulänglich, dies um so mehr, als es sich hier um das besonders qualifizierte und subtile Rechtsgut einer ganzen Volks- und Religionsgemeinschaft handelt. Der jüdische Volksbund für Oesterreich sieht sich daher veranlaßt, an die Bundesregierung das Ersuchen zu richten, durch entsprechende N ovellierung des Strafgesetzes jedem einzelnen Angehörigen und Organisationen einer Volks- oder gesetzlich anerkannten . Religionsgemeinschaft, die Möglichkeit zu geben,-für jede seinem Volke oder seiner Religion angetane Schmähung oder Beschimpfung im Wege einer Privatanklage gerichtliche Verfolgung und Bestrafung zu begehren. Paul Heller"1" Installationen «tot mm flWHft a>t(& $refrlMier Sauerbrutttt IFrahcr ProtesfeRahbiner - jetzt Protei Amerikaner Denunziation, das letzte Mittel der Assimilation Als Theodor Herzl den ersten Zionistenkongreß nach München einberufen wollte, taten sich die deutschen Rabbitier zusammen und schrien einen Protest in alle Welt. Sie bezeichneten den Zionismus als Hochverrat an den Staaten, in welchen Juden als Bürger wohnen. Wer den Judenstaat wolle, höre damit auf, ein guter Patriot zu sein. Der Protest hatte nicht nur den Sinn, den Juden Angst vor Herzi einzujagen, er bedeutete eine Aufforderung an die Regierungen, den Zionismus als staatsfeindliche. Bewegung zu behandeln. Er wies auch darauf hin, daß Zionismus gleichbedeutend sei mit Bejahung des Antisemitismus, daß der Jude, der nach einem Staate strebt und nach Palästina will, gemäß den Forderungen des Antisemitismus handelt. Theodor Herzl nannte diese Menschen, die den Polizeibüttel um Hilfe gegen den Zionismus anriefen — „P r otest-Rabbine r". Die Protest-Rabbiner haben dem Zionismus durch ihre giftige Denunziation, die beim Assimilations-Judentum aller Länder Anklang fand und schließlich dessen einzige und letzte Waffe gegen das Nationaljudentum blieb, Schaden zugefügt. Aber die Entwicklung ist über die widerwärtige Erscheinung des denunzierenden Protest-Rabbinertums hinweggangen. Die gegen den Zionismus aufgerufenen, jetzt im Völkerbunde vereinigten Staaten haben der Balfour-Deklarafion, welche das jüdische Volk als solches anerkennt und ihm das Recht auf ein Nationalheim in Palästina zuspricht, zugestimmt und im Palästina-Mandat die Forderung des zionistischen Werkes als ihre Pflicht erklärt. Der Zionismus regt sich kräftiger denn je, das Protest-IRabbinertum ist' verschwunden. Aber nicht seine Auftraggeber! Die Protest-Rabbiner bandelten im Dienste der halbassimilierten, arrivierten, an Kapital und Auszeichnungen reichen Juden, welche damals die Judengemeinden beherrschten. Diese Leute, welche sich durch jedes offene jüdische Wort in ihrer durch Verleugnung des Judentums erkauften, gesellschaftlichen Stellung bedroht fühlten, bemühten sich als große Herren nicht selbst, sondern schickten ihre Rabbiner in den Kampf gegen den Zionismus. Die Rabbiner mußten den Herren mit den vollen Kassen, offenen Knopflöchern und getauften Kindern, den Herren, welche die Judengemeinde nur als Sprungbrett ihrer Streberei benützten, das antizionistische Geschäft besorgen. Nun sind die Protest-Rabbiner verschwunden. Aber die Drahtzieher sind noch da und eben jetzt regen sie sich wieder. Diesmal geht es nicht um den Zionismus, diesmal geht es um den Jüdischen Weltkongreß! Das leidende, von allen Seiten her verunglimpfte und bedrohte jüdische Volk, dessen Massen in moralisches und wirtschaftliches Elend geraten sind, sehnt sich nach Zusammenfassung aller seiner Kräfte und Schaffung einer vom jüdischen 164Millionen-Volk autorisierten Vertretung, welche im Namen des gesamten Volkes zur Welt sprechen und von ihr Rechte für das Volk fordern kann. Das jüdische Volk will den Jüdischen Weltkongreß! Aber die assimilierten Drahtzieher aus Herzls Zeiten und ihre Sprößlinge, die sich hinter Geldsäcken und in erkauften gesellschaftlichen Positionen sicher glauben, die wollen ihn nicht. Wie sie ' einst gegen die Herzische Idee vom politischen Zionismus zu Felde zogen, so jetzt gegen die Idee vom Jüdischen Weltkongreß. Ihr Rüstzeug ist das alte, schmutzige: Denunziation, Appell an die Feigheit, demagogische Verleumdung, RADIO-NEUHEITEN . LUSTER . ELEKTRO-GERÄTE I, MCHTENSTEG 1 (Ecke Rotenturmstraße 13) . 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Eine ist bezeichnender als die andere. Sie lauten: 1. Da der Jüdische Weltkongreß auf dem Gedanken basiert, daß die Juden aller Welt einen nationalen Organismus bilden, befindet er sich mit ' dem Hakenkreuz-Faschismus in Uebereinstimmung. 2. Der Jüdische Weltkongreß bringt die Juden in einen Konflikt mit ihren Regierungen. 3. Wenn der Jüdische Weltkongreß geschaffen wird, werden es die Regierungen aller Staaten in Hinkunft ablehnen, für verfolgte Juden zu intervenieren. 4. Der Jüdische Weltkongreß wird bewirken, daß Zweifel auftauchen werden, ob die Juden gute Staatsbürger und Patrioten sind. 5. Juden, welche sich zum Jüdischen Weltkongreß bekennen, geraten in Gefahr, ihrer amerikanischen Staatsbürgerschaft für verlustig erklärt zu werden. 6. Im Falle als der Jüdische. Weltkongreß wegen Behandlung der Juden mit einer Regierung in Streit gerät, mit welcher die Vereinigten Staaten befreundet sind, machen sich die amerikanischen Mitglieder des Weltkongresses eines Staatsverbrechens schuldig. Wie man sieht, sind hier die Protest-Rabbiner von 1897 erreicht. Nein, übertroffen! Diese sechs Punkte bilden einen Wust von Lüge, Denunziation, Für die S0NDERF HRT DES RIESENQZE NDAMPFER Ü (33.000 Tonnen) Triest-Palästina / 28. März 1935 wurden die Preise der EINHEITSKLASSE (ERSTEN KLASSE) auf 1220 Lire (das ist etwa 562 Schilling) herabgesetzt Nur drei Tage Ueberfahrti EINE EINMALICE GELEGENHEIT! Sichern Sie sich rasch Ihren Platz bei der GENERALAGENTUR DES „LLOYD TRIESTIN0" Wien l, Kärntnerring 6