Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 442 (26.2.1935)
- Date
- 1935-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 442 DIE NEUE WELT Seite J, i üble Erbschaft nach Herbert Samuel Sperrung der Beisan-Böden für Juden Eine der bösartigsten Handlungen Sir Herbert Samuels, des ersten jüdischen Hochkommissärs von Palastina unseligen Angedenkens, war die Ueberlassung bester Staatsländereien, des 600.000 Dunam umfassenden Beisan-Gebietes, an die Araber. Um seine „Unparteilichheit" zu beweisen, gab der jüdische Hochkommissär den Juden keinen Zollbreit Boden. Er tröstete sie zynisch, damit, daß die Juden den Arabern, welche ja mit dem Boden nichts anfangen dürften, denselben später abkaufen könnten. Tatsächlich waren auch die Juden £c-zwungen, diesen Weg einzuschlagen und hier und dort zahlten sie den Arabern für fast geschenkten Staatsboden schweres Kauf- oder Pachtgeld. Nun aber geht die Palästina-Regierung daran, der an Bodennot leidenden jüdischen Kolonisation auch diesen Weg abzuschneiden. Aus Jerusalem: Wie die J. T. A. erfährt, hat die Palästina-Regierung den Aräbern des Beisan-Gebietes Anleihen unter der Bedingung gewährt, daß sie das <*eld zur Entwicklung des Bodens benützen und ihren Boden nicht mehr verpachten oder verkauf e n. Diese Aktion der Palästina-Regierung stört empfindlich den jüdischen Aufbauplan. Seit mehreren Jahren wurden seitens der Juden Verhandlungen mit den arabischen Besitzern des Beisan-Bodens geführt, die das Ziel hatten, Juden Siedlungsrecht und Arbeitsgelegenheit in diesem Gebiet zu gewähren, da die Bodenbesitzer selbst kein Interesse zeigten, den wertvollen Boden entsprechend auszunützen lind weite Bodenflächen brachliegen. Wie die Zeitungen nunmehr melden, hat die Regierung die Anleihen in Form von Hypothken gegeben und es den Bodenbesitzen) unmöglich gemacht, den Boden auf andere zu übertragen. Beisan-Areal und Hule-Becken waren die wichtigsten Staatsböden in Palästina. Auf Grund des sogenannten Mudawwara-Abkomens von 1921, in der Amtszeit Herbert Samuels, wurde das Beisan-Areal den Arabern zur Siedlung übergeben. Von jüdischer Seite wurde dagegen scharf protestiert und darauf hingewiesen, daß die Regierung auf diese Weise es sich selbst erschwert, den Punkt des Mandats, der die Unterstützung einer dichten Siedlung der Juden in Palästina der Regierung zur Pflicht macht, zu erfüllen. Auf dem 14. Zionistenkongreß erklärte Dr. W e i z m a n n, die Uebergabe von 600.000 Dunam Beisan-Bodens an Araber sei ungerecht und gegen die wichtigsten jüdischen Interessen er- Slreit im englischen Parlament Aus London: In der letzten Sitzung des Unterfcauses fragte der Abgeordnete Wedgcwood den Minister für die Kolonien, ob er vom High Commissioner für Palästina einen Bericht über die Verteilung der Amtsobliegenheiten zwischen dem arabischen Bürgermeister und dem jüdischen Vizebürgermeister der Stadtgemeinde Jerusalem einfordern wolle. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete, er sei nicht gewillt, in die freie Entscheidung des High Commissioner einzugreifen. Als der Minister auf eine weitere Frage des Abgeordneten Wcdgewood ironisch bemerkte, es sei noch eine Frage, ob das gesetzlich vorgesehene Recht, weitere Stadtratsmitglieder zu ernennen, dem High Commissioner oder dem Abgeordneten Wedgewood vorbehalten bleiben solle, verwahrte sich dieser gegen die Ironisierung der Fragen eines Mitgliedes des Hauses und machte den Minister darauf aufmerksam, daß er für die Handhabung des Rechtes in Palästina verantwortlich sei. In Jerusalem bildeten die Juden die Mehrheit, der High Commissioner aber bevorzuge ungebührlich die Araber. Diese Behauptung wies der Minister zurück und erklärte, er schlage vor, diese Angelegenheit völlig dem Gutdünken des High Commissioner zu überlassen. Eine Frage des Abgeordneten Wedgewood an den Minister, ob es richtig sei, daß er behaupte, das Haus solle sich nicht an ihn als Verantwortlichen, sondern an Beamte halten, wurde vom Vorsitzenden zurückgewiesen. Eine Terrorbande gegen Juden Aus Jerusalem. (J. T. A.) Der Soheik des Dorfes A t i b a im Distrikt Tulkarem, R a f i k N a g i b, wurde verhaftet, weil festgestellt worden war, daß er eine Bande zwecks terroristischer U eberfälle auf Juden organisiert hatte. Wie die arabischen Zeitungen melden, erfolgte die Verhaftung nach langwierigen Nachforschungen im Anschluß an den Ueberfall auf Kfar Choresch. Reisende nach Tel-Aviv! Besuchet das Wiener Kaffee^Restaurant „V i e n n a" Tel-Aviv, Rechov Alliah 20 Erstklassige Küche Volkstümliche Preise Bund jüdischer Frontsoldaten Ortsgruppe Leopoldstadt. Samstag, 2. März, 20.30 Uhr, findet im Festsaale des Hotel Stefanie eine Festakademie als diesjährige Repräsentationsveranstaltung in Anwesenheit der Bundesführung des B. J. F. und offizieller Persönlichkeiten statt. Karten in der Bezirksgruppe, II., Praterstraße 6tf (Caf6 Orient) und im Bundesbüro, I., Braunerstraße 2. folgt. Auf dem 18. Zicrtistenkongreß in Prag wies Adolf Böhm darauf hin, daß der Beisan-Boden in der Hauptsache von den arabischen Eigentümern nicht ausgenützt wi r d und noch immer brachliegt und daß die Regierung noch immer die Möglichkeit hat, das den Juden zugefügte Unrecht wieder gut.rumachen. Die Palästina-Regierung gründet eine Landwirtschaftsbank Aus Jerusalem: Wie die J. T. A. erfährt, ist unter der Aegidc der Palästina-Regierung eine Gesellschaft zur Errichtung einer Landwirtschaftsbank mit einem Kapital von 4 0 0.0 0 0 P f u n d im Entstehen begriffen. Unter den Teilhabern sind Barclays Bank, die Ottoman Bank und die B a n c o d i Roma. Zum Geschäftsführenden Leiter der Bank ist der Beamte des englischen Schatzamtes H a r v e y bestimmt worden. * Wenn die Meldung zutrifft, so ist klar, daß es sich hier um Ausschaltung des jüdischen Kapitals bei der Financierung der palästinensischen Landwirtschaft handelt. fiitlktePMäsUfta-JUise... Hugo Herrmann Palästina, wie es wirklich ist mit 72 Bildern und 2 Landkarten Jesaias Press Neues Palästina-Handbuch mit 31 Karten und Stadtplänen Hugo Herrmann Neue Generalkarte von Palästina 1:500.000 In allen gute'n Buchhandlungen oder direkt durch die Versandbuchhandlung, Wien VI, GumpendoiferEtraße 10 Telephon ß-24-9-78 FIBA Die Palästina * Orange Export um 30 Prozent gestiegen In der laufenden Saison sind aus Palästina 4,014.201 Kisten Orangen ausgeführt worden. In der vorangegangenen Saison wurden 3,041.725 Kisten exportiert. Die Steigerung gegenüber dem Vorjahr beträgt somit 30 Prozent. Ueber die Zukunft der Orangenkultur Der Generaldirektor der Jaffaer Zitrusbörse S. T o 1kowsky behandelte auf einer Pressekonferenz in Tel-Awiw die Probleme der palästinensischen Zitrusproduktion. In diesem Jahre, sagte er, wird Palästina mehr als sechs Millionen, in sieben bis acht Jahren aber mindestens zwanzigMillionen Kisten Zitrusfrüchte — wobei nur die bereits bepflanzten Böden in- Betracht gezogen werden — exportieren. Man muß damit rechnen, daß sich der Export in jedem Jahre durchschnittlich um zwei Millionen Kisten vergrößert. Die Kommunikationsmittel im Lande und die Hafeneinrichtungen reichen aber für den jetzigen Export nicht mehr aus. Pflanzer sind schon heute gezwungen, ihre Produkte in ungedeckten Waggons lagern zu lassen, es fehlt an Lokomotiven, es fehlt an gedeckten Magazinen in den Häfen. Tolkowsky warnte die Regierung davor, nach dieser Richtung eine Nachlässigkeit walten zu lassen, denn diese könne sich ruinös für die gesamte Zitrusproduktion auswirken. Tolkowsky wies darauf hin, daß Palästinas Konkurrenzländer im Zitrus- Export, Spanien und Italien, günstige Handelsabkommen mit den Importländern haben, während Palästina wie ein „W aisenkind" behandelt wird und von jedem exploitiert werden kann. Jedes Land darf nach Palästina frei importieren, ohne zu Aequivalenten verpflichtet zu sein. Jede Forderung, diese Lage zu ändern, begegnet der stereotypen Antwort: „Das Palästina- Mandat läßt es nicht zu." (J. T. A.) Vom Gesundheilswesen in Palästina 300.000 Juden — 1100 jüdische Aerzte Aus Berlin: Der frühere Generalsekretär der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Dr. Siegfried Känowitz, Tel-Awiw, der gegenwärtig zum Studium der hygienischen Vorbedingungen für die Einwanderung nach Palästina in Berlin weilt, nahm Gelegenheit, vor einem Kreis von Pressevertretern aus seinen eigenen Erfahrungen die Verhältnisse im Gesundheitswesen in Erez Israel darzulegen. Die palästinensische Regierung warte auf die Initiative der jüdischen Gesellschaft. Die Krankenhausversorgung ist besonders schwierig. Es gibt jüdische und Regierungskrankenhäuser. Die jüdischen Krankenhäuer hätten in der letzten Zeit bemerkenswert zugenommen. Die Zahl der vorhandenen Betten betrage aber nur ein Viertel oder ein Fünftel des normalen Bedarfes. Die Krankenkassenversorgung geschieht durch die auf dem Prinzip der freiwilligen Mitgliedschaft beruhenden Kupath Cho 1 im, die Krankenkasse der Histadruth, die 40.000 Versicherte zählt und einschließlich Familienmitglieder 70.000 bis 80.000 Menschen versorgt. Dies geschieht durch freie ärztliche Behandlung, Unterbringung im Krankenhaus und freie Medikamente. Krangengeld wird nicht gegeben. Die Kupath Cholim beschäftigt 150 Aerzte, in Tel-Awiw allein 40. Diese Aerzte zu P U RIM zur MAKKABIADI zu PESSACH und A ~ lidientlidie IMaliitoi durch U0*tft6£* lAUCS IX, Spitalgasse 3, Tel. B-42-5-38 Math Palästina »PWffr W w^WW^WITWWWW^w sind jedoch nicht durchwegs voll für die Kasse tätig. Im letzten Jahr sind 50 neue Aerzte, überwiegend aus) Deutschland, von der Cupath Cholim angestellt worden. Es besteht weiterhin eine Krankenkasse für dies Pflanzer und Siedler. Insgesamt sind 250 Aerzto durch die sozialen Institutionen beschäftigt. Die Gesamteinwanderung der Aerzte betrug in den letzten zwei Jahren rund 600, während es vor zwei Jahren im ganzen, nur rund 500 Aerzte in Palästina gab. Von den neuen, Aerzten sind mindestens 80 Prozent ausDeutsch- 1 a n d eingewandert. 40 Prozent bis 50 Prozent davon haben das Existenzproblem noch nicht lösen können. Insgesamt gibt es in Palästina auf 300.000 Juden 1100 jüdische Aerzte. Daneben gibt es 200 nicht jüdische, meist arabische, Aerzte. Die Unterbringung in Heimen für Geisteskranke, Tuberkulöse und verwahrloste Kinder liegt sehr im Argen. Vermischtes aus Palästina ImTel-Awiwer jüdischen Museum wurde ein» Ausstellung zu Ehren des verstorbenen Malers Max Liebermann eröffnet. Insgesamt sind 120 Bilder und Zeitungen des großen jüdischen Meisters ausgestellt, welche aus privater Hand stammen. Das Arrangement dieser bedeutenden Bilderschau besorgte der Maler und Radierer Hermann Struck. * Die Histadruth hat beschlossen, das Plebiszit bezüglich des Abkommens mit den Revisionisten bis zum 28. März (die Abstimmung sollte ursprünglich am 24. Februar stattfinden) zu verschieben. Als Ursache wird folgendes angegeben: Bis zum Ende des vergangenen Jahres erhielt die Histadruth neue Mitglieder, bei denen die Aufnahmsformalitäten noch nicht durchgeführt sind und die sich daher ordnungsgemäß an der Abstimmung nicht beteiligen könnten. Außerdem führt jetzt die Histadruth eine Aktion zu dem Zwecke durch, um das Wahlrecht für eine Anzahl ihrer Mitglieder bei den bevorstehenden Wahlen in den Stadtrat von Tel-Awiw durchzuführen. Aus diesen zwei Gründen wurde die obenerwähnte Abstimmung verschoben. * In Tel-Awiw ist in der vorigen Woche der Vertreter des Berliner „Völkischen Beobachter" Martini eingetroffen. Der „Völkische Beobachter" ist bekanntlich das Leiborgan Hitlers. * Der Stadtrat von Tel-Awiw hat eine R^eihe größerer. Bodenstücke angekauft, um eine weitere Vergrößerung der Stadt zu ermöglichen. * In der letzten Zeit waren Nachrichten verbreitet, daß die Palästina-Regierung beabsichtige, neuen Orangenpfianzungen Beschränkungen aufzuerlegen. Wie eine arabische Zeitung mitteilt, beabsichtigt die Palästina- Regierung den Anbau von Orangen auf fünf Jahre zu verbieten, um einen Preissturz der Palästina-Orange auf dem Weltmarkt zu verhüten. * Seitens des Stadtrates von Tel-Awiw wird offiziell mitgeteilt, daß der Mieterschutz von nun ab auch auf Geschäftsläden avisgedehnt wird. * Vorige Woche fand in Tel-Awiw die feierliche Erstaufführung des ersten hebräischen Tonfilmes „Sod- Haarez" statt. Regie führte der auch in Europa bekannte hebräische Tänzer Baruch Agadati. Erat einer der illegalen Einwanderer enthaftet Aus Jerusalem, 24. Februar: Von den in Akko gefangen gehaltenen illegalen Einwanderer, die einen Hungerstreik durchgeführt haben, ist soeben der erste, ein gewisser Grischa Pupko, gegen Kaution freigelassen worden. Antisemitische Hölle in Afghanistan Aus Teheran (21. Februar): Die jüdische Gemeinde in T e h e r a n hat auf indirektem . Wege Nachrichten über grausame Judenverfolgungen in Afghanistan erhalten. Die Juden sind dort rechtlos und werden für das geringste Vergehen oder auch nur auf den bloßen Verdacht eines Vergehens hin zu langwährendem Gefängnis und außerdem zu Prügelstrafen verurteilt. Besonders unerträglich ist die Lage der etwa 500 jüdischen Familien aus S o w j e t r u ß 1 a n d, die sich in Afghanistan seßhaft gemacht haben. Sie werden der Spionage beschuldigt. Den einheimischen Juden ist es verboten, irgend welche Beziehungen zu ihnen zu pflegen. IIIIIIIH) Wir bitten um Einsendung von Adressen, an die wir Probeexemplare versenden können Werben fle für unser BlattI DU Verwaltung „DIB NEUE WELT*'