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Die neue Welt · 1935-02-26 · Heft 442 (26.2.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 442 (26.2.1935)
Date
1935-02-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 442 Sonderreisen Dfll Eil iAoBundHi6JM8NrZ: nach I Vrall Rückkehr7. April Ander« Aufenthaltsarrangements möglich. Anmeldungen: ,FRANCOPOL' III, Reinweg 1 Tel. U-16-4-90 Judenfrage gerührt. Er hat wiederhalt, was Theodor Herzl vor vierzig Jahren zur Begründung der von ihm eingeleiteten jüdisch-politischen Freiheitsbewegung sagte. Alle Nationen, und viel kleinere als die jüdische, haben irgendwo in der Welt einen Stützpunkt, eine Repräsentanz, welche in ihrem Namen Verträge abschließen, Rechte verlangen und Rechte verleihen kann. Nur nicht die Zigeuner und — die Juden. Um die Judenfrage zu lösen, muß man die Juden aus dem Status der Zigeuner herausheben. Man muß das jüdische Volk vertragsfähig machen, man muß den fehlenden jüdischen Kontrahenten schaffen. Das und nichts anderes ist der Sinn der jüdisch-nationalen Bewegung und des Zionismus. Zusammenfassung des jüdischen Volkes in einem nationalen Verbände und Krönung des Werkes durch die Errichtung des Judenstaates. Die jüdischen Menschen, welche heute an dem Baue des jüdischen Nationalheims in Palästina und für die Einberufung des Jüdischen Weltkongresses arbeiten, sind daran, den jüdischen Vertragspartner für alle Welt, den fehlenden jüdischen Kontrahenten zu schaffen. Das ist letzten Endes der tiefe Sinn ihres Tuns. Die jüdischen Menschen aber, welche sich gegen den Judenstaat und gegen den Jüdischen Weltkongreß stellen, begreifen nicht, was der von der Judenfrage sprechende polnische Politiker im Warschauer Parlament erkannt hat: Eine Gesellschaft, welche keinen Kontrahenten für Verträge zu stellen vermag, bleibt schutzlos und dem üblen Wollen aller preisgegeben, r. st. Die W ener „Reidhipost" unzufrieden In Berlin erscheint ein zionistisches Blatt, das Organ aller den Judenstaat anstrebenden Zionisten. Es heißt „Der Staatszionist" und nennt sich das Organ des „Staatszionismus, der den Judenstaat beiderseits des Jordans fordert". Wie unzählige Blätter des Auslands beschäftigt sich auch diese Zeitung mit der Lage der Juden in Oesterreich und notiert das, was jeder unbefangene Beobachter konstatieren kann und was auch wir in einer Reihe von Aufsätzen feststellten: daß bei aller Betonung der Unantastbarkeit der staatsbürgerlichen Rechte der österreichischen Juden Bestrebungen im Zuge sind, sie aus zahlreichen, namentlich akademischen Berufen auszuschalten. So schreibt der „Staatszionist", daß man in Oesterreich nicht gewillt sei, „die volle Minoritätengleichiberechtigung gemäß dem Friedensvertrag zu respektieren". Schließlich erklärt der Staatszionist, daß „nicht etwa Gesetze mit allgemein-verständlichem Text 'von Juden sprechen, sondern die Handhabung in der Praxis die Juden ausschaltet". Die „Reichspost", der der Begriff Staatszionismus fremd ist und die daher auch den Titel des Blattes „Der Staatszionist" mißversteht, glossiert die oben zitierte Feststellung, indem sie dem Leser einen positiven Zusammenhang zwischen dem „Staatszionist" und dem deutschen Staat (also dem Dritten Reich) suggerieren wjH. Die „Reichspost" tut so, als stünde der „Staatszionist" in der Reihe der österreichfeindlichen Blätter Hitler-Deutschlands. Sie leitet nämlich ihre Glosse folgendermaßen ein: „Zu den Erscheinungen, die auf dem Boden des Dritten Reiches möglich sind, gehört der ,Staatszionismus', der ,den Judenstaat beiderseits des Jordans fordert4, aber sich einstweilen im Schatten des Dritten Reiches beiderseits der Spree ganz außerordentlich wohl zu fühlen scheint. Dafür erweist er sich erkenntlich." Nun folgt das Zitat aus dem „Staatszionist", worin von der Ausschaltung der Juden Oesterreichs aus gewissen Berufen die Rede ist. Die „Reichspost" schließt ihre irreführende Glosse: „Mit einem Wort: Den Juden im Dritten Reich geht es so herrlich, daß sie aus Begeisterung „Staatszionisten" werden, cten Juden in Oesterreich geht es so schlecht, daß dies der Metropole des Dritten Reiches zum Aergernis gereicht ..." Natürlich ist die Einstellung der „Reichspost" zur Kritik des „Staatszionist" an gewissen österreichischen Verhältnissen und die aus ihr gezogene Schlußfolgerung falsch. Der „Staatszionist" hat nichts zu tun mit der Politik des deutschen Staates, und wie es den Juden im Dritten Reich geht, weiß die „Reichspost" genau so wie es alle Zeitungen der Welt wissen. Auch wenn sie, die „Reichspost", von den Judenverfolgungen im Dritten Reich kaum Notiz nimmt. Die Glosse der „Reichspost" (Ausgabe vom 22. Fe* bruar unter dem Titel „Die Berliner Staatszionisten mit Oestereich unzufrieden") ist, gelinde gesagt, irreführend. Sie will die in Deutschland lebenden Zionisten doppelt verdächtigen: zunächts einmal dahin, daß sie sich in österreichische Verhältnisse ungebührlich einmischen (hat es doch niemand der „Reichspost" verargt und als ungebührliche Einmischung angesehen^ mm öle über die Behandlung der Katholiken im Dritten Reich Feststellungen gemacht hat); und ferner dahin, daß sie sich durch österreichfeindliche Kritik Pardon beim Dritten Reich erkaufen wollen. Würde die „Reichspost" solches nicht beabsichtigen, dann hätte ihre Glosse keinen Sinn. Allerdings läßt «ich nicht feststellen, wem mit solchen Irreführungen genützt und wem geschadet sein soll. Hadar betau? Das Prager Parteiorgan der Revisionisten „Der Judcnstaat" bringt eine Antwort auf die in unserem Blatte erschienenen Artikel Robert Strickers über das Verhältnis von Judenstaatspartei zur Union der Zionisten-Revisionisten. Die Antwort bezieht sich aber nicht auf den sachlichen Inhalt dieser Artikel, sondern auf die Person des Verfassers. Der Chefredakteur des „Judenstaat" schreibt: „Herr Stricker hat sich also doch bemüht und hat auf die Einladung Jabotinskys an die seinerzeitigen Mitglieder der revisionistischen Union, ihren alten Platz einzunehmen, geantwortet. Negativ geantwortet. Das hat uns weiter nicht überrascht: Schließlich hat auch Jabotinsky so was vorausgesehen . . ." „ ... Die negative Meinung eines ei u z e I n e n ist allerdings noch nicht die Meinung einer Organisation. Und gerade dieser Tage erhielten wir die Mitteilung, daß sich die Ortsgruppe der Judenstaatspart e l In C z o r t k o w (Polen), eine der stärksten KREUZ-KINO '• Wollzeile 17 , Tel. R-24-2-16 „Die Höcht vor dem Henker" Vorstellungen: k, K6, V*8, tttO unter den wenigen, über die diese Organisation überhaupt verfügt, wieder zur alten revisionistischen Mutterorganisation zurückgefunden hat. Sie brachte auch das ihr gehörende Bet Am in der Stadt mit. Die Ortsgruppe wandte sich zugleich an alle Judenstaatsgruppen, ihrem Beispiele zu folgen und sich der großen Armee der Judenstaatskämpfer anzuschließen." „So reagiert ein einzelner — und so das V o 1 k," So steht es am 22. Februar imi „Judenstaat" geschrieben. Bereits am 13. Februar, also neun Tage früher, erschien in den jüdisch-polnischen Tageszeitungen folgende Erklärung der Judenstaatspartei in Czortkow: „In Ihrer Zeitung ist eine Kundmachung der polnischen Zentrale der Revisionisten erschienen, in welcher mitgeteilt wurde, daß die Ortsgruppe Czortkow der Judenstaatspartei aus dieser Partei ausgetreten und der Union der Zionistenrevisionisten beigetreten ist. Wir waren durch diese „Mitteilung" sehr überrascht, denn wir hatten keine Ahnung, daß wir den Revisionisten beigetreten sind. Was gemeldet wurde, hat sich nur in der Phantasie der Revisionisten ereignet. Tatsächlich haben zwei unserer Mitglieder hinter unserem Kücken wegen ihres Beitrittes zu den Revisionisten verhandelt. Diese beiden wurden ausgeschlossen. Wir erklären, daß weder in einer Sitzung der Lokalorganisatlon noch der Kreisorganisation Czortkow der Judenstaatspartet der Beitritt zu den Revisionisten auch nur mit einem Worte erwähnt worden ist. — Für die Judenstaatspartei in Czortkow: Benjamin Sternberg, Präses; Zwi Brandwein, Schriftführer." Zum Schlüsse findet es der Chefredakteur de3 „Judenstaat" in seiner totalen Gewissenhaftigkeit für gut, auf einen bereits allgemein bekannten Umstand doch noch ausdrücklich hinzuweisen, nämlich auf die geistige und sonstige Minderwertigkeit Robert Strickers. Er schreibt: „ ... Einen puren Unsinn zu widerlegen, hieße sich selbst erniedrigen ..." Jabotinsky hat für den Geist und Charakter seiner Organisation das Kennwort „Hadar betari" geprägt ... Höchste Auffassung von Menschen und Menschenwert ... Wahrhaftigkeit voran ... Und Ehrfurcht vor dem Mitmenschen, auch vor dem Gegner.. Judentum und Antisemitismus in Jugoslawien Aus Belgrad (J. T. A.): Seit einiger Zeit macht sich unter ausländischem Einfluß in Jugoslawien vielfach eine verstärkte antisemitische Propaganda bemerkbar. Massenhaft werden im Ausland hergestellte antisemitische Druckschriften verbreitet. Im allgemeinen wird antijüdische Stimmung in katholisehen Gegenden häufiger angetroffen als in orthodoxen. Der bekannte serbische Dichter Duschan Nikolajewitsch äußerte sich in einem Gespräch mit dem Belgrader J.-T.-A.-Vertreter folgendermaßen über das Verhältnis zwischen Serben und Juden: Das jüdische Volk hat seinen zerstörten Tempel. Hat denn nicht auch das serbische Volk seinen zerstörten Tempel — sein Kosovo? Was ist natürlicher, als daß das serbische Volk, das selbst jahrhundertelang unter fremder Herrschaft lebte, für das jüdische Volk, das in seiner Geschichte viel Aehnlichkelt mit dem unsrtgen aufweist, Freundschaft und Verständnis empfindet. So ist denn auch in der Tat zwischen Serben und Juden eine innige Freundschaft entstanden; aber jetzt versucht man von verschiedenen Seiten, sie zu zerstören ... HatiuHiüafsfteitH pk ifotks-, Haupt- und »MetstlMet Gründl. ScIitilnnchliWe, Sprachen. Klavier, Spiel, Sport. Erste Referenzen Mäßige Preise. Dr. B. NUSSBAUM, II, Kl.lpCrlg. 1, Tel. A 42-0-88 Eine Lektion Aus Prag: Der „Neue Vorwärts" berichtet: Der schwedische Krebsforsoher Professor Socdcr< b 1 o m sollte in Heidelberg vor einem auscrwählten Publikum einen Vortrag halten. Er stellte aber die Bedingung daß auch N ich tarler mitcingeladen werden müßtet Das, wurde ihm zugesagt. Als jedoch jüdische Aerzte erschienen, wurden 3ie nicht in den Saal gelassen. Das erfuhr Soederblom. Er kam und hielt einen Vortrag von zwei Minuten. Sein Inhalt war Ungefähr: Man habe seinen Wunsch auf Zulassung von Nichtariern gebilligt, aber nicht erfüllt, nach seiner Meinung hätten auch NJchtarier gute Arbeit auf dem Gebiet der Krebsforschung geleistet, weshalb er es ablehnen müsse, nur vor Ariern zu sprechen* Streichers Aufklärungsarbelt in der Schult Aus Nürnberg: Die letzte Nummer des ,,S türme r" zitiert den folgenden Bericht aus einer westfälischen Zeitung: „Am Donnerstag mittags zog der .Stürmer'-Verkauf er, begleitet von einer großen Kinder schar, durch die Karlstraße. Jungen und Mädchen riefen im Chor mit dem „Stürmer"-Verkäufer: „Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter!" Wieviele mußten da wohl Im Bewußtsein ihrer Schuld die Augen vor unserer Jugend niederschlagen!" Der Lehrer, der Streicher den Zeitungsausschnitt zusandte, schreibt dazu: „Das ist meine Aufklärungsarbeit in der Schule!" Die gleiche „Stürmer"-Nummer enthält u. a. folgende „zeitgemäße Anzeigen": „Jüdische Speditionsfirma empfiehlt sich für zuverlässige Beförderung aller „Papiersorten" ins Ausland. Gefl. Anfragen an Synagogenvorstand, Börsenstraße 98". ~ „Banknotenfälschermaschine, gut erhalten, durch geschnapptes jüdisches Konsortium billig abzugeben. Bei behördlichem Zugriff wird jüdischer Anwalt gestellt, Off. an Ganofsky, Schimul & Co." — „Jüdische Religionsgesellschaft sucht „Gedankenaustausch" mit Meuchelmord e r b^an d e. Für ausländische Notendeokung ist gesorgt. Off. unter ,Verstehste uns?'" Die letzten nichtarischen Professoren verschwinden Das „Prager Tagblatt" meldet aus Berlin: Dem außerordentlichen Professor für Psychiatrie und Nervenheilkunde an der Berliner Universität Dr. Arthur Kronfeld wurde die Lehrbefugnis entzogen. Prof. Kronfeld, der als Psychiater internationales Ansehen genießt und verschiedene Schriften veröffentlicht hat, ist Nichtarier, konnte aber bisher auf Grund des Berufsbeamtengesetzes nicht pensioniert werden, da er Frontkämpfer ist und im Krieg schwer verwundet wurde. Die Entziehung der Lehrbefugnis erfolgt auf Grund der neuen Habilitationsordnung, die die Möglichkeit bietet, die letzten nichtarischen außerordentlichen Professoren und Dozenten aus dem Hochschulbetrieb zu entfernen. Ihre Zahl ist bereits sehr zusammengeschrumpft. Es'dürfte sich im ganzen höchstens noch um 20 nichtarische Universitätslehrer handeln, die ihre akademische Tätigkeit in Deutschland bald abgeschlossen haben werden, trotzdem sie Frontkämpfer sind. JudensfaatsparCei Oesterreichs Versammlungen: Dienstag, den 26. Februar, halb 9 Uhr abends, Gruppe XIV-XV, XV., Schanzstraße 32, Vortrag Doktor Georg Kimel: Hygiene des Sehens. Dienstag, den 26. Februar, halb 9 Uhr abends, Judenstaatsjugend, II., Kleine Zufahrtstraße 166, Seminar für jUdische Geschichte. Vortragender Viktor Rosenfeld. Dienstag, den 26. Februar, halb 9 Uhr abends, Judenstaatsjugend, II., Taborstraße 21a, Seminar für zionistische Geschichte. Vortragender Josef F r ä n k e 1. Dienstag, den 26. Februar, halb 9 Uhr abends, Judenstaatsjugend, XX., Heinzelmanngasse 20, Vortrag Ing. Zol tan: Berufsumschiohtung der Juden. Mittwoch, den 27. Februar, 8 Uhr abends, Sektion X, Mitgliederversammlung im Heim, X., Humboldtgasse 25. Mittwoch, den 27. Februar, halb 9 Uhr abends, Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, Vortrag Moses Lutzky: Bericht über eine Palästina- Reise (Wirtschaftliches und Politisches). Donnerstag, den 28. Februar, halb 9 Uhr abends, Sektion Leopoldstadt, IL, Taborstraße 21 a, 3. Vortrag im Zyklus „Entwicklung und Grundelemente des Zionlsmub". Referent: Dr. Sa!. Wolf. Donnerstag, den 28. Februar, halb 9 Uhr abends, Sektion Prater, IL, Kleine Zufahrtstraße 166, Vortrag Dr. Jakob Weiner: „Ist eine Verständigung zwischen Juden und Nlchtjuden möglich?" Donnerstag, den 28. Februar, halb 9 Uhr abends, L, Werdertorgasse 14. Wichtige Besprechung sämtlicher Mitglieder des I. Bezirkes. Erscheinen Pflicht! Montag, den 4. März, halb 9 Uhr abends, im Cafe Baidiahof, XVL, Ottakringerstraße 102. Große Versammlung. Referent Dr. Salomou Wolf. Jüdische Eltern! Es hat sich ein Komitee zur Gründung einer jüdischen Mädchenmittelscfo ule (zunächst I. Klasse) gebildet. Zwecks unverbindlicher Besprechung werden Interessenten dringend eingeladen, sich Montag, den 4. März, halb 7 Uhr abends, im Caf6 „Altes Rathaus«, Wipplingerstraße 24-26, einzufinden. Für das Komitee Dr. Gcorjj Wein«r.

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