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Die neue Welt · 1935-02-26 · Heft 442 (26.2.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 442 (26.2.1935)
Date
1935-02-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang 9 Dienstag/ den 26» Februar 1 * Mr. 442 V* b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par lediteur" NEUE W REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestnrrclch monatlich S IAO, vierteljährig S 4-, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-. vierteljahrig Kc lo.—; Jn^oslawicn monatlich Dinar 14.-, vlerteliährig Dinar 40.-: Rumänien monatlich Lei 40.-. vierteljährig Lei 120.-; Deutschland monatlich Mark 1.-. vierteljährig Mark 3.—; B.ilirarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—. vierteljahrig Lire 14.—; Schwei/, und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitätsstr, 8, Tel.A-20-2~78 .— Erscheint Dienstag u. Freitag Der jud» Weltkongreß — gebieterische Notwendigkeit Sacerdoti und der Weltkongref Aus Paris: Der Oberrabbiner von Rom, Professor Dr. Ath-clo Ssccrdoü, welcher Leitungsmitglied des Komitees für den jüdischen Weltkongreß war, ist auf der Reise zur Sitzung des Komitees in Paris, welche am 23. und 24. Februar hatte stattfinden sollen, plötzlich gestorben. Unter dem Eindruck dieses überaus schweren Verlustes für die Sache c,e:-: Weltkongresses wurde die Sitzung verschoben. Sfe dürft': am 9. und 10. März stattfinden. Professor Sacerdot; -A'."r einer der glühendsten Verfechter der Idee des Jüdischen Weltkongresses und nicht zuletzt seinem Einfluß ist es zu verdanken, daß die italienische Judenschaft sich . geschlossen für die Teilnahme am Kongreß erklärt hat. In der Schlußsitzung der Genfer Vorkonferenz des jüdischen Weltkongresses erklärte' Professor Scicwdoti: „Der Jüdische Weltkongreß ist 'ein« gebiet crischo Notwendigkeit und wird deshalb stattfinden, auch wenn er Gegner hat, die sich in einem von aller Wirklichkeit!' er o en jüdischen Leben gefallen. In eine': Welt, in der Organisation alles bedeutet, in.der die KoUcZrtivität sich immer mehr über das Individuuni erhebt, bedeutet isoliert bleiben und die Notwendigkeit eines zentralen Örgans aes JudentUK» nicht fühlen, -ttiue^A b s-u r.di t-ä t. Die Bedenken, derjenigen, die dem' Gedanken des Weltkongresses feindlich gegeiiüber- Rtehefii sind mir wohl bekannt: Wie könnt ihr es Wägeir, sagen diese, die unter unseren Gegnern' verbreiteten Legenden von einer angeblichen jüdischen Internationale mit ihren dunklen und mysteriösen Gefahren zu bestätigen? Wie könnt ihr ihnen recht geben, indem ihr ein internationales Zentrum schafft? Auf diese Frage antworte ich: Gerade darum ist der Jüdische Weltkongreß notwendig! Gerade darum, weil diese Legende geglaubt wird und man es,'.was immer wir sagen und tun, für festotehend hält, daß die Juden von einem internationalen zentralen Organ geführt werden, ist die einzige uns übrigbleibende Möglichkeit, dieses Organ in öffentlicher Form zu; verwirklichen statt glauben ku lassen, daß es in geheimer und verdachtiger Weise besteht. Wenn der Jüdische Weltkongreß Wirklichkeit sein und der Welt seine genau bestimmten Ziele bekanntgeben wird, dann wird man genötigt sein, die Reinheit und Aufrichtigkeit unserer Absichten anzuerkennen." Die jüdischen Gemeinden Griechenlands für den Jüdischen Weltkongreß Aus Saloniki; Der Verband' der jüdischen G e nie in d e^n Griech enlands hat an den American .Tewisft GQngrijfös eine Botschaft gerichtet, in der darauf MngCTO'eseü. wird, daß der Verband von Anfang an für die Ein'bouifunig eines Jüdischen Weltkongresses eingetreten ist und auf den Vorkonferenzen in Genf offiziell vertreten war. Der American Jewish Congress wird aufgefordert, den Kampf für eine ■ Vertretung der /Gesamtjudenheit zur Vert ei■■Cii<gung de r Rechte der Juden in allen Ländern und zur Hilfeleistung an. notleidende Teile der Judenheit fortzusetzen. - In diesem Bestreben werde der American Jewish Congress die volle Unterstützung der griechischen Judenheit finden. irsl gegen die Juden, dann gegen die Franzosen EtiQ Gefahr in Nordafrika Aus Paris wird gemeidet: Die antijüdische Strömung unter den Moslems in Nordafrika, die von deutschen Nazi-Agenten genährt wird, beunruhigt die französische öffentliche Meinung, da die Bewegung in eine antifranzösische umzuschlagen droht. Kein Geringerer als der frühere Premier Edouard Daladier spricht in einem Artikel in der Presse Befürchtungen hinsichtlich der Mahdisten-Bewegung aus und schreibt, die religiöse Spannung in Marokko, Algerien und Tunis, die in der letzten Zelt wiederholt zu a n t ijüdiscjien Ausschreitungen geführt hat, sei keineswegs auf die Wirtschaftskrise zurückzuführen; sie sei ein Produkt der Agitation, und entwickele sich zu einer antifranzösischen Bewegung. Dringende Maßnahmen seien notwendig. Das französische Kabinett hielt unter dem Voreitz des Präsidenten Lebrun• eine Sondersitzung ab, die ganz der La.ge , in Nordafrika gewidmet war. Der „Temps" warnt die französischen Behörden vor. Duldung der antijüdischen Bewegung in Nordafrika, denn diese sei eine antif r a n z ö s i s c h e Bewegung und werde von H i 11 e r - A g e n t e n stimuliert. Algerien hat die antijüdische Spannung ni.c h t nachgelassen. Es wird eine ausgedehnte antijüdische - 'B ö y k o t t - A k t i o:n : durchgeführt. Jüdische Kapitalisten aus Deutschland, die in Algerien Betriebe aufbauen und Kapital investieren wollten,'-haben nunmehr diesen Plan aufgegeben. Die wohlhabenden algerischen Juden schicken ihre Familienangehörigen zur Sicherheit nach Frankreich. Der Unterrichtsminister Mallarme, der. Deputierte für Algerien, teilt mit, daß die antijüdische Stinimung in Algerien Gesetz und Ordnung ernstlieh gefährde. Der Innenminister Marcel Regnier, der dich nach Ajg^erjen begab, hat unmittelbar vor seiner Abreise ein in herausfordernden Ausdrücken abgefaßtes Telegramm des antisemitischen Stadtrates von Constantine Dr. Ben |>i e 11 o u 1 erhalten, in dem dieser ersucht, nach Ankunft dea Ministers als erster von ihm empfangen zu werden, um ihm die Forderungen der moslemitischen Bevölkerung unterbreiten zu können. Minister Regnier erklärte, er werde nach diesem Wortlaut des Telegramms Dr. Djelloul nicht empfangen. Neue Unruhen in Constantine . Paris, 22. Februar. In der algerischen Stadt Constantine, wo es vor einigen Wochen. zu sehr blutigen antijüdischen .Unruhen kam, wobei einige Mitglieder der Jüdischen Gemeinde getötet und mehrere verletzt wurden, ist es am 21. Februar zu neuen Unruhen gekommen, die sich zunächst gegen die P ol izei richteten. Etwa 400 ' Araber - überfielen ein , Folizeikommissariat und forderten' die Entlassung. . eines .im Zusammenhang mit den Angriffen auf die Juden verhafteten Arabers. Dabei wurde das Gebäude des Kommissariats fast ganz zerstört. Die Polizei, die der Auf» gäbe nicht gewachsen war, gab den Gefangenen frei. Unter der Judenschaft herrscht wegen dieser Entwicklung der Verhältnisse Besorgnis. Din AkkoffHäitlinge noch immer nicht frei Aus Jerusalem: Wie die J. T. A. feststellen konnte, sind die jüdischen Häftlinge im, Gefängnis zu Akko, die kürzlich in den Hungerstreik traten, aber diesen Streik in der Hoffnung auf baldige Haftentlassung aufgaben, noch immer nicht frei. Es entstanden neue Schwierigkeiten dadurch, daß die Regierungdie Bedingung stellt, daß nur solche Personen die Bürgschaft in Höhe von 200 Pfund für jeden Häftling stellen können, die Immobilien in Palästina besitzen., „Haa.rez" teilt mit, daß die Regierung die Bedingung stellt, die Häftlinge müßten spätestens zwei Monate nach ihrer Entlassung das Land verlassen haben; die es nicht tun, werden wiederum in Hajft genommen werden. Zwei der Akko-Häftlinge sind bereits aus Palästina deportiert worden. Judensf aal spartei Österreichs Mittwoch, den 27. Februar 1935, im ZENTRALHEIM, Wien I, Werdertorgasse U, um halb 9 Uhr abends, VORTRAG Referent: MOSES LUTZKY Thema: Bericht über eine Palästina-Reise (Politisches und Wirtschaftliches) G ä s * e willkommen! Der fehlende Kontrahent Der Kern der Judenfrage Im polnischen Parlament hielt cter Sprecher der- Regierungspartei eine große Programinrede über Außenpolitik, in welcher er vor allem das Verhältnis der polnischen Republik zum Völkerbunde und zur Frage der nationalen Minderheiten erörterte. Er erklärte, daß es Polen ablehnen müsse, die Frage der Behandlung seiner Minoritäten unter die. Kontrolle des Völkerbundes zu stellen. Solange sich andere Staaten, wie Frankreich, England, Italien usw. nicht dieser Kontrolle unterwerfen, werde auch Polen keine Vorschriften darüber entgegennehmen, wie es die nationalen Minoritäten, .in Polen zu behandeln habe. Polen sei wohl gewillt, Garantien für die Rechte seiner Minderheiten zu.leisten, aber nur im Wege zweiseitiger Verträge. Es ist bereit, mit Deutschland einen Vertrag über dto Rechte der deutschen Minderheit in Polen zu fc&hließcn, der selbstverständlich auch die Verpflichtung Deutschlands festlegt, der polnischen Minderheit in Deutschland das gleiche Recht an-' gedeihen zu lassen. Polen will auch mit der Tschechoslowakei, mit Rußland und anderen Kontrahenten solche Verträge abschließen und so das Minoritäten- Problem regeln. Allerdings gibt es — erklärte der Sprecher der polnischen Regierung am Schlüsse ' seiner Betrachtung — eine Minderheit, auf welche dieses Prinzip der zweiseitigen Verträge nicht angewendet werden kann, die Judeja. Bezüglich der Behandlung der Juden kann man keinen zweiseitigen Vertrag ab-' schließen, weil es keinen Vertragspartner, - keinen jüdischen Kontrahenten gibt. Die mehr als d r e i M i 11 i o n e n zählende Judenschaft Polens ist, so sagte er im Tone leichten Bedauerns, auf wenig inhaltsvolle Deklaration und darauf angewiesen,. . im Staate selbst um ihr Recht zu kämpfen. Eine höfliche Umschreibung der bitteren Wahrheit, daß unter den gegebenen Verhältnissen, die Juden der Majorität auf Gnade und Ungnade ausgeliefert sind. Weil es keinen jüdischen Kontrahenten gibt. w r. Der polnische Redner hat an den Kern der Für die SONDERFAHRT DES R8EJEN0ZEANDAMPFER1 » ROMA« (33,000 Tonnen) Triest—Palästina / 28. März 1935 wurden die Preise der E I N H E l TS KLASSE (ERSTEN KLASSE) auf 1220 Lire (das ist etwa 562 Schilling) herabgesetzt Nur drei Tage Ueberfahrt! EINE EINMALIGE GELEGENHEIT! Sichern Siesich rasch Ihren Platz bei der GENERALAGENTUR DES „LLOYD TRIEITIN0" Wien l, Kärntnerrin 6

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