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Die neue Welt · 1935-02-22 · Heft 441 (22.2.1935) · page 7

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 441 (22.2.1935)
Date
1935-02-22
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. m DIE NEUE WELT gelte f toendate fkojcto Sfutto Zum 100, Todestag. Von J. J. Singer (New York) Scholem Abramowitsch (Mendale Mo jeher Sfurim), der „Oroßvater" der jüdischen Literatur, wurde vor hundert Jahren geboren. Das genaue Datum seiner Geburt steht nicht fest. Jedenfalls kann . Mendale, unabhängig vom kalendarischen Anlaß, Anspruch auf Anerkennung und Würdigung erheben. Niemand ist mehr geeignet, über Mendale etwas Grundlegendes zu sagen, als J. J. Singer, der in Amerika lebende Schriftsteller, der durch seine zwei letzten Romane „ Josche Kalb" und „Brüder Aschkenasy" in die vorderste Reihe der modernen jiddischen Schriftsteller getreten ist. Seit- Girier Reihe von Jahren geht eine Diskussion in der jüQi.-.:hen Welt über die Schriften Mendale Mojcher Sfurim/>. Die einen halten seine Werke für das Größte, was die jiddische Literatur besitzt, die anderen sind der Meinung, daß Mendales Verdienste ausschließlich auf kulturhistorischem und nicht künstlerischem Gebiet liegen. Am 100. Geburtstag Mendales ergibt sich die Gelegenheit, nochmals diese Frage zu berühren. Es gibt Schriftsteller, die man ausschließlich nach der Qualität ihrer Werke bewerten kann. Man kann ihre einzelnen Werke analysieren, die guten und minderguten Teile herausfinden, die literarisch bedeutsamen besonders hervorheben. Selbstverständlich ist das Werk eines Künstlers kein Zufall, eines schließt sich ans andere und der Weg, den der Schaffende gegangen, wird klar. Man kann hier feststellen, wie weit diese. Werke von Ort, Zelt, Milieu abhangig sind, denn kein Künstler hängt in der Luft. Aber im Grunde genommen, liegt der Wert des Kunstwerkes im Stoff an sich. Es gibt Schriftsteller, an die man nicht mit dem Maßstab der bloß künstlerischen Qualität herangehen kann, sondern auch Ort, Zeit, Milieu in Betracht ziehen muß, welche den Schaffenden beeinflußt haben. Andere wieder sind nur unter dem Aspekt, des rein Stofflichen zu betrachten. Nehmen wir J. L. Perez. Hier, geht es nicht an, jedes seiner Werke mit einem besonderen Maßstab zu messen, bzw. gesondert, zu betrachten. Perez muß man r>,:~ Ganzheit, nehmen: Perez, den Avantgardisten seiner Zeit, den Kulturmenschen, den Bauer der jüdischen Schule, den Kämpfer usw. Perez war eine vielseitige Persönlichkeit, dessen künstlerisches Schaffen Hand in Hand ging mit zahlreichen anderen Tätigkeiten. Aus all dem ergab sich die Figur des .7. L. Perez. Ihn nur von Seiten der Qualität, von jedem einzelnen Werk her betrachten, hat keinen Sinn. In ebensolcher Weise muß man an die Persönlichkeit Mendale Mojcher Sfurims herangehen. Man kann Mendales Werk nicht bloß von der künstlerischen Seite her angehen, sich auf das stoffliche Geblüt bögeben. Mendale muß man als Ganzheit nehmen, aU sein Tim und seine Leistungen, seine Bestrebungen und Ziele, wobei man durchaus die Zeit, die Gegend, das Milieu und die Bedingungen, unter denen der Schriftsteller gelebt und geschaffen hat, in Betracht ziehen muß. Mendale hat einen jüdischen Stil-geschaffen. Die profane Literatur.' zur Zeit Mendales war stillos. Sie hat die Volksschätze des Jiddischen, das wertvolle Hebräisch- Jiddisch verschleudert und sich ein „Daitsch-Mahrisch" zugelegt, von dem ein Fäulnisgeruch ausging. Mendale war es, der den jüdischen Stil restauriert, wiederbelebt, modernisiert und in eine literarische Form gegossen hat. Um einen Stil zu schaffen, muß man ein Künstler sein» ein Ohr für Klang, Gefühl für Takt, Maß und Harmonie haben. Ohne Mendale Mojcher Sfurims Stil wäre Scholem Alejchem unmöglich, wären auch die späteren jüdischen Schriftsteller unmöglich, welche eigentlich schon gar nicht mehr von Mendales Stiljiddisch wußten. Wenn man irgend einem modernen jüdischen Schriftsteller unter die Haut blickt, wird ein Stück Mendale sichtbar. Aber nicht bloß ein Meister des Stils war Mendale. Er war auch groß in der Plastik der Schilderung und in der Farbigkeit seiner Erzählung. Mendale litt unter der Ucberfülle von Tendenz, von Predigertum, Moralisieren und Frisieren wie alle Maskilim und Aufgeklärten seiner Zeit, die, ebenso wie heute die Verfechter der Prolet- Kultur, meinten, daß die schöne Literatur nicht bloß künstlerisch, sondern auch tendenziös und sozial sein, lehren, erziehen und nützlich sein müsse. In dem Meer von Tendenz, kategorischen Imperativen ertrinken wunderbare künstlerische Themen, prachtvolle Gestalten, glänzende Bilder, Typen und Charakterfiguren. Hätte Mendale sich von all dem Ballast befreien und seinen Kopf von der Haskalah (Aufklärung) losmachen und sich auf die rein künstlerische Seite des Schaffens konzentrieren können, würde er zweifellos Werke von höchster künstlerischer Kraft produziert haben. Aber das war die Scjhuld der Zeit. Mendale konnte bei all seinen literarischen Möglichkeiten und weitesten Horizonten den Maskil in sich nicht überwinden. Das Ist auch die Ursache der Schönheitsfehler auf seinen Werken. Mendale, der Maskil, irritierte den Schriftsteller Mendale, nahm der Farbe den Glanz, der Zeichnung das Profil. All die maggidischen Sinnsprüche, die Allegorien, die das „arme Judenschicksal" beweinen und beschluchzen, machten eine „Schindmähre" (Kljatsche) aus ihm, all die Strafpredigten und Moralpaukereien legten sich schwer auf Mendales, des Künstlers, Schultern. Und daran war, wie gesagt, die Zeit schuld, die jüdische Gass*. Wenn auch Mendale in einer Zeit lebte, da die Weltliteratur auf einer hohen Stufe stand, so war doch die jüdische Gass' um hundert Jahre zurück. All die Taugenichtse, Narren, Betteltypen, all die schmarotzenden „Kleinbeamten" lebten ein Leben, das gar nichts zu tun hatte mit der nachbarlichen Welt, wie zu König Sobie3kis Zeiten. Bei allen Völkern, die in Abhängigkeit versklavt lebten, wie beispielsweise die Polen, verfielen die besten Künstler einer propagandistischen Publizistik, zum Schaden ihrer Kunst, sobald sie versuchten, politische oder soziale Probleme in ihre Werke einzuführen, nicht als künstlerisches, sondern als propagandistisches Element. Aber in der Zeit, da die anderen Völker ein normalweltliches Leben führten, lebte das jüdische Städtel wie in einem Ghetto, in Aberglauben und geistige Enge versunken, verkrüppelt und vergraben. Dieses Leben bedrückte Mendale wie alle Maskilim seiner Zeit. Man konnte sich, schwer davon befreien. Außerdem herrschte bei. den Juden damals die Idee, daß ein Buch belehren, bessern, moralisieren müsse. Mendale, der Künstler, gönnte sich nicht die Genugtuung, das zu sein, was er sein sollte. Ständig schwebte ihm das „arme Judenschicksal" vor Augen. Wenn auch Mendales Sarkasmus, Ironie, Spottsucht in seinen Schriften stark hervortreten, so war er doch im Grunde eine lyrische Natur. In seinen echt künstlerischen Werken entpuppt er sich als sentimentaler Lyriker. Die Satire wnr bei ihm kein organisches, sondern bewußt forciertes Element. Er wollte das Böse und Närrische schelten, an den Pranger stellen, um dia Juden zu bessern und ,zu veredeln. Aber nichtsdestoweniger bricht bei ihm stets der Künstler durch. Bei all seiner Moralpaukerei und Predigerei und Seitengängerei ist er straff und kurz, bilderreich und kräftig, wie ein Künstler sein muß. Wenn viele seiner Bilder dem heutigen Leser veraltet und provinzlerisch erscheinen, so waren sie doch zu seiner Zeit originell. „Die Sonne steigt das Gebirge herab und tummelt sich im See", eine Phrase, die jeder heutige Skribifax meidet, war damals, als si«i zum erstenmal geschrieben wurde, ein gutgesehenes Bild. Und schließlich: Mendales wunderbare Sprache, sein Ziselieren jedes Wortes, sein Formen jedes Satzes! Insbesondere "wird er Wertvoll, wenn man in Betracht zieht, wie verwildert die jüdische Belletristik seiner Zeit war, welch banale und niedrige Wörter in der jiddischen Lite* ratur dominierten. Der „Sejde"' (Großvater) Mendale machte aus einem Jargon ein Jidüisch, während ziele seiner Enkel das Jiddisch in Jargon zurückverwandeln . . . Immer teurer und kostbarer wird uns Mendale, wenn wir wiederum seine Schriften lesen, sein wunderbares Jiddisch, seine geschliffenen Sätze, seine fein ziselierten Wendungen. Das ist nicht bloß ein kulturhistorisches, das ist ein literarisches Verdienst. Mendale hat einen Stil geschaffen. Und was ist? denn Kunst anderes als Stil? 10, Ws 16. März 1935 (Rotunde bis 17. März) Luxus- und Gebrauchsartikel / Möbel / Sonderschau „Kunst im Handwerk" / „Elektrizität im .Haushalt" „Neuzeitliche Gasgeräte" / Reklamemesse / Gewerbliche Kollektiv-Ausstellungen / ' Sonderausstellung ■ V.Kampf dem Unfall"; : FRANZÖSISCHE KOLONIAL-AUSSTELLUNG Textil- und Bekleidungamesse / Strickwaren 7 >Felzmode . Sonderauastellung: WIRTSCHAFT IM AUFBAU .^Oesterreich über alles — wenn es nur will" Technische Messe / Bau- und Straßenbaunxesse','/ Bürobedarf / „Der Realitäten-Vermittler und -Verwalter" / Erfinderin esse INTERN. AUTOMOBIL- UND MOTORRÄD¬ AUSSTELLUNG " Jagdausstellung / Schützen^Ausstellung . LEBENSMITTEL-AUSSTELLUNG Land- und forstwirtschaftliche Musterschau Bundesweinkost Mastviehschau: 15. bis 17. März BEDEUTENDE FAHRPREISERMASSIGUNGN! Messeausweise ä S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien, Vir., Messeplatz 1. — Eintrittskarten (zum.'einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) a/' S 2.50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. AuHzcfehnunf pines Mltprüetlrff der Legitimistlschon .jiidf- .schen Frontkämpfer. Der- Bundespräsident hat ' dem Mitglied« prakt. Arzt Dr. Otto H a Ii n in Anerkennung tapferen Verhaltens und der unter Lebensgefahr dem Bundesheer geleisteten ärztlichen Dienste während der Kämpfe im Februar 1934 das Oesterreichische Goldene Verdi enst'zeichen verliehen. Anläßlich einer Führertagung, am 19. d. M. überreichte im Auftrage des Staatssekretärs für Landesverteidigung. General (1. Inf. Zehner, der Bundesführer der Legitimistischen jüdischen Frontkämpfer im ..Eisernen Ring". Generalmajor Emil Sommer, dem tapferen Arzt die Ihm verliehene Auszeichnung. Stellenausschrcibung Für ein größeres israelitisches Mädchen- Waisenhaus wird eine pädagogisch geschulte weibliche Kraft gesucht, die auch für die Wirtschaftsleitung und, Wäscheverwaltung geeignet ist. Mit dieser Stelle sind freie Station im Hause und ein angemessener Barbezug verbunden: Bewerberinnen, welche nach. Oesterreich zuständig sein müssen und das Alter von 35 Jahren nicht überschritten haben dürfen, wollen ihre mit einer genauen LebensbescnreiDung und Zeugnissen versehenen Gesuche ehestens in der Einreichstelle der Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 2. Stock, einbringen. Predigten fn den Gemeinde- und Bezirk&synagogen. Freitag, den 22. Februar 1935, werden bei den um 5 Uhr 20 Minuten beginnenden Abendgottesdiensten in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen Predigten abgehalten, und zwar: XVIII., Schopenhauerstraße 39, Rahbiner>pr. A. Z. Schwarz; XIX., Dollinergasse 3, Rabbiner Dr. A. Frankfurter; XXI., Holzmeistergasse 12, Rabbiner Dr. M. Rosenmann. Samstag, den 23. Februar 1935, Schrifterklärungen: beim Vormittagsgottesdienste: XX., Kluckygasse 11, Rabbiner Dr. B. Murmelstein; beim Abendgottesdienste: XIII., Eitelbergergasse 22, Ranbine* Dr. M. Lewin. Israelitische Jugendgottesdienste. 1. Jugendgottes diens t für Volks-, Haupt- und Mittelschüler (-s c h ü 1 e ri ri n e n). Samstag, 'den 23. Februar d. J., um 3 Uhr nachmittags in allen Gemeinde- und Vereinssynagogen. 2. Besondere Jugendgottesdienste für Mittelschüler und -Schülerinnen für Unterklassen im IL, IX. und XX. Bezirke. Samstag, den 23. Februar d. J.f um 3^5 Uhr nachmittags, im Leopoldstädter Tempel, IL, Tempelgasse 5, und in den Vereinssynagogen, IX., Müllnergasse 21, und XX., Kluckygasse li. 3. Gottesdienste für die reifere Mittels chüljugend (I V.- VIII. Kl asse). Freitag, den 28. Februar d. J., um a/i7 Uhr abends, im Stadttempel, L, Seitenstettengasse 4 (Ansprache Rabbiner Prof. Dr. K. Kupfer), über das Thema: „Die Führer und das Volk" und in der Vereinssynagoge, VIII., Neudeggergasse 12 (Ansprache Studienrat Rabbiner Dr. M. Bauer), über das Thema: „Das Heiligtum in Israel". Dekorationen: pDa.it Volhslied" Nützen Sie die letzten Tage — Samstag, 23. Februar, ist Schluß! Chlffone, Weben, Qradel: Wiische-Chifl'ono und -Weben, 80 cm br., per Meter S —.58 Marinc-Gnidel (Spitzköper), 80 cm breit S 1.25, S —.98, S —.79 Inlett und buntes Zwirnbettzeug, 80 cm . S 1.45, S —.92 Seiden-Weben für Leib- und Bettwäsche, 80 cm S —.98, S —.79 ßcttuch-Wcben, 120 cm breit, per Meter n u r Gr. QO Marken-Weben, gute Qualität, 82 cm br., Groschen Bettuchu. Deckenkappeii-Weben, 140 cm S 1.75, S 1.19 Edolweiß-Damttstgiadel, 80 cm breit, per Meter S l.Zd Tisch- und Hauswäsche: Wisch- und Glasortücher, 46/50 cm......S Weiß» Krepp-Handtücher, per Meter.....& Jacquard-Handtücher mit farbiger Bordüre, per Meter ............s ~-bö> b Frottler-Handtuch, 55/110 cm S 2.25, 50/100 cm S 1.19, 40/80 cm........• ' £ Damast-Handtücher, abgepaßt, per Stück S 1.79, S Tischtücher mit färb. Karos. 125/125 cm, per Stück S ia Damast-Tischtücher, 140/140 cm, Markenware S Bridge- «nd Gartengedecke für 4 Per»., kompl. S Damast-Kaffeegedecke für 6 Personen . S 7.90, g ^IMEN"-S^l»e^e4ecke für G Personen« fcomfil, S —.28 -.36 —.49 —.55 1.20 1.98 3.76 8.90 5.90 &.8Q „Lilien-Reste" in Wäscheweben, Gradel, Bettuchweben usw. ungewöhnlich billig! „LILIEN''-Webe-Reste, 82 cm, per Meter . •' . . S 1.19 „LILIEN"-Madapolam-Reste, 82 cm.....S 1.28 „LIUEN"-Deckenkappen-Re*te, 140 bis 150 cm Drei*, per Meter............ 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S 5.40 Bettwäsche: Polsterbezüge, 60/80 cm, ab S —.79, Kaprice, 40/50 cm, ab.............S —.49 Tuchentbezüge, glatt, 115/165 cm . S 5.90, S 3.90, S 3.40 Bettwäsche-Garnitur, glatt (1 Tuchent, 2 Polster) S 4.90 Gestickte Bettwäsche-Garnitur (1 Tuchent, 2 Polster.....j......S 8.90, S 7.90 „ULIKN''-Bettwäsche-Garmtur, pro Bett, gestickt S 13.90 Deckenkappe mit Klöppelspitze, 120/180 cm S 5.90, S 4.80 Leintücher, nahtlos, 140/2ÖÖ' cm S 2.50, 120/200 cm S L98 la Waschseiden-Gedecke für 6 Personen S 17.90, S 18.90 K.-Seiden-Brokat-Steppdecken, weiße Wattefüllung, komplett groß «»■«••••»£ 17.80

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