Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 441 (22.2.1935)
- Date
- 1935-02-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 441 DIE NEUE WELT Sejte 3 Was gehl in Nordafrika vor? Seit dem Sommer des Vorjahres kann man in den mohammedanischen Ländern des Mittelmeeres bei der arabischen Bevölkerung eine Unruhe feststellen, die sich von Zeit zu Zeit zu blutigen Exzessen verdichtet. Die August-Revolte des Jahres 1934 und die Angriffe der arabischen Polizei gegen das französische Militär im Jänner des heurigen Jahres bezeugen deutlich den Unruheherd und die Gefahren, die mit diesen Zuständen verbunden sind. Wir haben bereits in unserer Ausgabe vom 10. August 1934 feststellen können, daß die gesamte mohammedanische Bevölkerung Nordafrikas durch eine systematische Propaganda, deren Urheber im Ausland sitzen, aufgewiegelt werde. Die Symptome dieser Propaganda weisen eindeutig auf den deutschen Nationalsozialismus hin, auf Goebbels Propagandaministerium, das seine Agenten vorher schon nach Vorderasien (Syrien und Palästina) sowie nach Aegypten losgelassen hatte. Der französische Generalgouverneur von Algier, Mr. Carde, beurteilte seinerzeit die algerische Revolte durchaus optimistisch. „Die Unruhen tragen keinen antifranzösischen, sondern rein antisemitischen Charakter", erklärte er seiner Regierung in Paris. Die letzten Unruhen im Städtchen S e t i f bei Constantine, dem konstanten Revoltenherd, zeigten bereits das wahre Gesicht der Exzesse: den rein antifranzösischen Charakter. Die französische Regierung hat scheinbar die Nichtigkeit der Berichte des Gouverneurs Carde eingesehen, denn sie hat sich entschlossen, den Innenminister Regnicr nach Algerien zu schicken, damit er die wahren Ursachen der Exzesse feststelle. Man beginnt in Paris zu fühlen, um was es in Nordafrika geht. Von Fez bis Tunis zieht sich unterirdisch ein Feuer, das gewaltig losbrechen kann. 34 Millionen fanatisierter mohammedanischer Araber Bind bereit, gegebenenfalls gegen eine Million Europäer loszugehen. „Die sich immer mehr bemerkbar machende Unzufriedenheit unter den Moslems in Algier ist", so berichtet die französische Presse heute, „in einem hohen Maß von Agitatoren aus dem Ausland inspiriert, die in der Agitation gegen die Jude n ein Mittel zur Aufwiegelung der Bevölkerung gegen den französischen Staat sehen. Die Entsendung größerer Truppenteile nach Nordafrika zur Aufrechterhaltung der Ordnung wird demnächst erfolgen," Dieser Bericht klingt nicht mehr so optimistisch wie jener des Generalgouverneurs Carde. Er trägt bereits den Stempel der Besorgnis und des Willens, radikal einzugreifen. Solange es — scheinbar — nur gegen die Juden ging, war den verantwortlichen Faktoren die nordafrikanische Angelegenheit ziemlich gleichgültig. Jetzt, wo sie die Gefahr für die französischen Interessen wittern, greifen sie ein. Was seinerzeit mit einem raschen und billigen Zugriff erreicht werden konnte, muß jetzt mit einem Riesenaufwand von Kräften und Geldmitteln in Szene gesetzt werden, jetzt, wo das Prestige Frankreichs allzu sehr gelitten hat. „Heil HtlBe*" im Algier Aus London: „D a i 1 y Herald" meldet aus Paris, daß in Algerien die von Ben D j e 1 u 1 e geführten antisemitischen Araber (Djelulc wird die Führung beim Judenpogrom in Constantine und in anderen algerischen Städten zugeschrieben) einander mit „Heil Hitler" grüßen. Die Zeitung fügt hinzu, dal* der von Deutschland aus genährte Antisemitismus der algenseneii Araber eigentlich auch eine antifranzösische Bewegung darstellt. ®ei rrjcumalifcfjen Stefifttoer&en aller %tt haben fid) £oaal=£af>lettcu 110113 hcn>ora.qenb Bctuäfirt. 3al)Ireid)c Dontfchrcibcit über Xoaal Bei ucraüctcu ßeiben, bei boten fein anbercs Mittel fjalf. Gin Söcrfurfj überfleugt! 3n allen 91pothefen crpltltd).!ßrcis S 2.40. Tollwütige fallen die großen Aerzte an Die letzte Nummer von Julius Streichers Zeitschrift „Deutsche Volksgesundheit aus Blut und Boden" bringt folgenden Artikel über „Die Verschwörung wider das Blut", in welchem es heißt: „Wer den Juden kennt, der weiß, daß sein ganzes Sinnen und Trachten nicht nur auf Reichtum gerichtet ist, wie viele noch meinen, sondern darüber hinaus auf Beherrschung, Schädigung und Vernichtung aller Nichtjuden. Die jüdischen Gesetze, der Talmud und der Schulchan Aruch, gebieten dem Juden nicht nur, den Nichtjuden zu betrügen und zu berauben, sondern ihn zu töten, wo und wie er nur kann. So erfüllt der Jude nur »ein Gesetz und erwirbt sich das Wohlgefallen seines Gottes, wenn er einen Ritualmord begeht. In gleicher Richtung ist der Jude, ununterbrochen tätig, indem er versucht, die nichtjüdischen Völker in Kriege gegeneinander zu hetzen, damit sie sich selbst gegenseitig ausrotten ... Es ist schlimm genug, wenn jüdische .Juristen', jüdische .Journalisten', jüdische .Politiker' jahrzehntelang das Gift in das deutsche Volk spritzen konnten, ehe sie unschädlich gemacht wurden. Tausendmal schlimmer aber muß das Unheil werden, wenn Juden und JudenUnechte die ,M uthode n4 schaffen, nach denen das deutsche Volk sein höchstes Gut, die Gesundheit, erhalten soll. Nicht durch Kriege, nicht durch wirtschaftliche Knechtung konnte man die Deutschen besiegen. Aber hier, in der II e i 1 k u n s t, da ist eine der verwundbarsten Stellen des deutschen Siegfried. Hier kann man an das Ein und Alles von Gesundheit und Kraft, an den Brunnen des körperlichen und seelischen Lebens herankommen und ihn vergiften : das Blut!" Sodann wird von den „Ganz-Großen" gesprochen, welche die medizinische Wissenschaft absolut beherrschen : „Diese wenigen .Ganz-Großeni sind: Rudolf Vircho\v, Robert Koch, Paul Ehrlich, Emil von Behring, Noisser und Wassermann — fast ausnahmslos Juden (nur Virchow war Nichtjude, dafür aber Judenknecht). Robert Koch und Emil von Behring hatten Jüdinnen zur Frau und sind daher der jüdischen Rasse zuzuzählen. Das sind die Schöpfer und Beherrscher der modernen medizinischen Wissenschaft! Sie waren alle vom gleichen Geiste beseelt, nämlich vom jüdischen. Sie haben offenbar alle nach einem einheitlichen Plan zur Erfüllung ihres Talmud gearbeitet: denn alle ihre Lehren gipfeln darin, dem deutschen Blut irgend einen artfremden, giftigenStoffdurchEinspritzung usw. zu zuführe n. Slo konnten ihre Verbrechen dadurch tarnen, daß sie die Methoden .exaktwissenschaftlicher Beweisführung4 schufen, nämlich die Tier- und Reagenziglas-Experimento, welche in Beziehung auf den Menschen betrügerisch sind." Zum Schluß fordert der Artikel die Ausmerzung aller Errungenschaften von Juden und Judenknechten aus der deutschen Heilkunde und schließt: „Wir hätten vergeblich gekämpft und geopfert, wenn wir dem Juden die Domäne seiner größten Raub- und M o r d z ü g e gegen das deutsche Volk, wenn wir ihm die Mediziu lassen würden. Sie muß ihm genommen und denen übergeben worden, die einzig dazu berufen sind: den deutsche« A.er25ton. und Heil» kundigen," In der „Deutschen Volksheilkunde", der Beilage zur „Deutschen Volksgesundheit aus Blut und Boden", findet sich weiterhin ein Aufsatz über „Grundsteine der Deutschen Volksheilkunde". Der Aufsatz wendet sich u. a. gegen die Schöpfer der Grundlagen der Schulmedizin, gegen Rudolf Virchow, „der selbst wie ein Jude aussah", gegen den Entdecker des Tuberkelbazillus Robert Koch, der mit einer ,Jüdin verheiratet gewesen sei und einen jüdischen Assistenten gehabt habe, gegen den Juden Paul Ehrlich, der das Salvarsan erfand und die Chemotherapie begründete, „welche dem Judentum viele Milliarden deutschen Volksvermögens zuführte und Millionen deutscher Volksgenossen zu Siechtum und Tod verurteilte", gegen Emil von Behring, den Mann einer Jüdin, gegen den Juden Wassermann, gegen den Juden Neisser. „Die ,Werke' dieser »Größten' können — ohne Ausnahme — ausgelöscht werden. Es ist nichts Gutes daran! Sie sind in den Mantel ,exakter Wissenschaft' gekleidete. Methoden ungestraften jüdischen Raubens und Mordens!" * Die Berliner zionistische „Jüdische Rundschau", unter dem Druck der Hakenkreuz-Zensur und Terror stehend, schreibt dazu: „In den zitierten Aufsätzen wird gegen uns Juden die Anschuldigung des Raubens und Mordens erhoben und die Ritualmord -Beschuldigung aufgestellt. Das ist eine Beleidigung des Judentums und seiner Religion; solche Anwürfe bedürfen keiner sachlichen Entgegnung von jüdischer Seite. Wir sind überzeugt, daß Millionen Deutscher auf Grund ihrer eigenen Erfahrung anerkennen, daß jüdische Aerzte, schon im Mittelalter wegen ihrer Geschicklichkeit berühmt und gesucht, ihre Tätigkeit mit aller denkbaren menschlichen Hingabe und mit dem Willen, den Kranken zu helfen, ausüben und sich darin von den Aerzten anderer Nationalität und Herkunft nicht unterscheiden." Wir bringen diese unflätigen und tollwütigen Ausfälle, weil sie im Gedächtnis behalten werden sollen, als Lehre iür alle Welt und die kommenden Geschlechter. Man soll wissen, mit wem man es hier zu tun hat. Streicher ist der liebste und teuerste Freund Adolf Hitlers. Das hat Hitler wiederholt und zuletzt vor wenigen Tagen als Gast bei Streichers Geburtstagsfest der Kulturwelt verkündet. Nicht irgendwelche dunkle Elemente im deutschen Volk, sondern die das deutsche Volk regierenden Menschen, mit denen sich die Vertreter der Großmächte an den Tisch setzen und denen sie als Gleichberechtigten alle Ehren erweisen, sind die Träger dieses blutrünstigen Wahnwitzes, der in der Geschichte, seinesgleichen nicht findet. Ein kochzivilisiertes Volk von 7Q Millionen* im .Vollbesita 4 SOEBEN ERSCHIENEN THEODOR HERZL 6I0CR A P H IE ... ' : ■; v 0 n ALEX 6 Ein DAS STANDARDWERK UBER DEN SCHOPFER DES ZIONISMUS in allen guten Buchhandlungen oder direkt durch die FIBA VERSANDBUCHHANDLUNG WIEN VI, GUMPENDORFER STRASSE 10. TEL. B-24-9-78 aller technischen Machtmittel, folgt blind diesen Führern. Gegen die Juden? Ja, gegen die Juden, a b c r auch über die Juden hinweg gegen die ganze Kulturwelt! Daran mögen alle jene Nichtjuden denken, die gleichgültig oder gar wohlwollend dieser unerhörten Hetze gegen das jüdische Volk freien Lauf lassen. Oberrabbiner Goldsdimidt gestorben Aus Proßnitz: Oberrabbiner Dr. Leopold Goldschmidt ist am 17. Februar einem Herzschlag erlegen. Dr. Goldschmidt war einer der bekanntesten Rabbiner in der Tschechoslowakei, er erfreute sich wegen seines universellen Wissens hoher Achtung auch außerhalb seiner Gemeinde uuü war auch als Schriftsteller und Herausgeber der „Jüdischen Gemenidezeitung" bekannt. Vor kurzem erschien aus seiner Feder das Buch „P ,1lästina — mit der Bibel im Herzen". Doktor Goldschmidt war einer der ältesten Zionisten in der Tschechoslowakei, er hatte sich noch zu Lebzeiten Theodor Herzls der zionistischen Bewegung angeschlossen. Strenge Strafen für SynagogcnvAttentäter »Aus Wilna: Vor dem Wilnaer Gericht hatten sich, wie gemeldet, fünf Studenten der Universität wegen Teilnahme am Attentat auf die Synagoge in der Poplowska-Straße und zwei Arbeiter außerdem noch wegen Raubmordes an einer Greisin zu verantworten. Es sind dies die Studenten Zdyslaw Wardejn, Leon Hrinkewicz-Sudnik, Waldemar Olszewski, Jan Drobner und Jan Dwanel und die Arbeiter Jan Bobrowicz und Eduard Oleszko. Als die letzteren nach dem Raubmord verhaftet wurden, fand man bei ihnen Aufrufe des „A11- Polnischen Lager s", woraufhin sie gestanden, sie hätten mit den fünf - Studenten das Attentat auf die Synagoge ausgeführt und eine Reihe Attentate auf andere Synagogen, u. a. auch auf die Chor-Synagoge „Taharat- Kodesch", geplant. Bei dem Attentat auf die Synagoge in der Poplowska-Straße wurde das Innere des Gotteshauses vollkommen zerstört und ein betender Jude schwer verletzt. Zdyslaw Wardejn wurde zu zwei Jahren, Jan Bobrowicz zu fünf Jahren, Eduard Oleszko zu vier Jahren, Waldemar Olszewski zu drei Jahren und Leon Hrinkewicz zu einem Jahre Gefängnis verurteilt. Dwanel und Drobner wurden freigesprochen. Die Antisemiten freuen sidi Aus Warschau: Die antisemitische nationaldemokratische Presse stellt mit Befriedigung fest, daß laut der letzten Volkszählung die Zahl der Juden in Polen, die bei der Volkszählung vor zehn Jahren rund 2,850.000 Seelen betragen hat, zwar sich um 150.000 Seelen erhöht hat, daß aber diese Erhöhung gegenüber der Gesamtzunahme von fünf Millionen Seelen nur unbedeutend sei. Der Anteil der jüdischen Bevölkerung in Polen an der Gesamtbevölkerung, der 1921 noch 10,5 Prozent betragen hat, ist nunmehr auf 9 Prozent gesunken. Die Ursache der relativen Verminderung der jüdischen ■ Bevölkerung Polens liegt in der starken Auswanderung, sowie in der Abwanderung aus den ländlichen in die städtischen Bezirke, wo die Bevölkerungszunahme im allgemeinen eine geringere ist. Die Zahl der Juden in den Städten ist um 7 Prozent gestiegen, die in den Dörfern hat sich um ein volles Drittel vermindert. Aber auch in den Städten macht die Zunahme der jüdischen Bevölkerung nur ein Drittel der Zunahme der nichtjüdischen Bevölkerung aus. Das ec$te> und $uUce*vde> -wd mmOHUcke- RESTAURANT SPRITZER (früher im „National", dann im ,,Stefanie") jetzt II, Hammer-Purgstall-Gasse 7 (Nähe Dianabad), bringt v o r z ii g 1 i c h e, abwechslungsreiche Mittagsu. Abend-Menüs schon ab Schilling 1.60. Bekannt g u t e Wiener Küche und alle orientalischen Spezialitäten fgßfT am Rost und Spieß ~?BJ|