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Die neue Welt · 1935-02-19 · Heft 440 (19.2.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 440 (19.2.1935)
Date
1935-02-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT ffr. 440 toten die gleiche Ergebenheit empfindet wie die Juden in Polen selbst. Aber gerade im Hinblick auf diese Gefühle des guten Willens müssen wir, so schreibt die Zeitung, unserer Enttäuschung darüber Ausdruck geben, daß der neue polnische Botschafter das Bestehen irgendwelcher Beschränkungen gegenüber den Juden in Polen glattweg bestreitet. Diese Ansicht steht im Widerspruch 7.u allem, was wir bis jetzt erfahren haben. Es mag wahr sein, daß eine gewisse Zahl Juden in hohen polnischen Regierungsäratern angestellt ist, es würde uns aber mehr befriedigen, zu wissen, daß den dem Verhungern nahen jüdischen Massen in dem Kampf um ihre Existenz eine verständnisvolle Behandlung seitens der Regierung zuteil wird. Von den hohen Staatssubsidien erhalten die Juden kaum einen Bettelpfennig. Die monopolisierten Betriebe werden von Juden gereinigt. Es mag richtig sein, daß die heutige polnische Regierung nicht so antisemitisch sei wie ihre Vorgängerinnen. Das ist aber ein schwacherTrost für das polnische Judentum und für die um ihre Lage besorgten Juden der ganzen Welt, die tief In die Taschen greifen müssen, um die Not der polnischen Juden zu lindern. Wir glauben, daß wenn die polnischen Minister so gute Absichten mit bezug auf die Juden haben, sie auch den MutzurVerwirklichung ihrer Absichten aufbringen müßten." Wozu war das Ganze notwendig? Die jetzt enttäuschten Herren von der jüdischen Zeitung hätten doch wissen müssen, daß der Gesandte der polnischen Regierung nicht erzählen wird, daß seine Regierung ihre jüdischen Staatsbürger schlecht behandelt. Er muß doch beschönigen und ablenken, dazu verpflichtet ihn sein Amt und niemand darf ihm das verargen. Es hat keinen Sinn, ihn zu interviewen und ihm dann mit dem verletzenden Vorwurf der Unaufrichtigkeit zu kommen. Gerade im Falle des Grafen Raczynski war das ganz unangebracht, denn der Mann hat seinerzeit als Delegierter Polens beim Völkerbund den Juden gute Dienste geleistet. Das Fiasko der Flüditli'ngshilfe Vor kurzem hat der alte Vorkämpfer für den Völkerbund und Zionistenfreund Lord C e c i 1 im englischen Oberhaus die Tätigkeit des Völkerbundes auf dem Gebiete derHilfefürdieDeutschland-Flücht- 1 i n g e einer vernichtenden Kritik unterzogen. Von den 65.000 Geflüchteten haben, ohne irgend einen Beistand seitens des Völkerbundes, zirka 12.000 eine Zuflucht in Palästina gefunden. Einige tausend sind durch jüdische Hilfsorganisationen irgendwo untergebracht worden, die anderen irren als lästige Zuwanderer in der Welt umher, auf Bettel angewiesen, ohne Boden unter den Füßen, ohne gültige Pässe und sonstige Dokumente. Lord C e c i 1 stellte die Verantwortung des Völkerbundes für diese Unglücklichen fest und forderte Schutz und Seßhaftmachung der Flüchtlinge durch direfcte materielle und moralische Mittel des Völkerbundes. Nun liegt auch ein Bekenntnis des vom Völkerbund eingesetzten Flüchtlingskommissärs James MaxDonald darüber vor, daß der Völkerbund in der Flüchtlingsfrage so gut wie gar nichts geleistet hat. Auf der Londoner Sitzung des vom Völkerbund eingesetzten, aus den Vertretern der Regierungen bestehenden Komitees, welches sich wieder auf die Verteilung der von Juden gespendeten Hilfsgelder beschränken wollte, traten der französische Regierungsvertreter und Oberkommissär MacDonald für die Cecilsche These von alleiniger Verantwortung des Völkerbundes ein, der nicht weiter die Aufgabe von sich abschieben darf. MacDonald erklärte: „So dringlich auch die unmittelbaren Probleme „H i 1 f e" und „Auswanderung" sind, so würden wir einen groben Fehler begehen, wenn wir nicht in dieser Tagung die Grundfrage der Beziehungen des Völkerbundes zu den mannigfaltigen Tätigkeiten zugunsten der Flüchtlinge aus verschiedenen Ländern ernstlich anpacken würden. Jede nationale Flüchtlingsgruppe kompliziert die internationalen Beziehungen. Und wenn, wie jetzt, mehrere solcher nationalen Gruppen existieren, erhöhen die daraus resultierenden Komplikationen beträchtlich die Schwierigkeit internationaler Zusammenarbeit zur Stärkung des Friedens. Es ist klar, daß hinsichtlich der Betreuung und der Seßhaftmachung dieser verschiedenen Flüchtlingsgruppen eine internationale Verantwortung besteht, und ebenso klar ist es, daß diese Verantwortung auf dem Völkerbund ruht. Nur der Völkerbund kann diese Arbelt wirksam vollbringen. Ist nicht endlich die Zeit gekommen für eine Neubestätigung der unumgänglichen Verantwortung des Völkerbundes in der ganzen Fluchtlingsangelegenheit? Die Verantwortung besteht in unzweideutigster Weise!'« Gegen die Denunzianten Aus Bukarest (J. T. A.): Die Union rumänischer Juden veröffentlicht eine Kundgebung, in der festgestellt wjrd, daß zahlreiche gewählte jüdische Gemeindevertretungen über Intervention einzelner Juden bei politischen Parteien behördlich aufgelöst wurden und daß auf diese Weise die Gemeinden ein Tummelplatz politischer Günstlinge werden. Die Union erktart, daß derjenige Jude, der künftighin die Auflösung einer gewählten jüdischen Gemeindevertretung fordert, vor der Religion und vor dem jüdischen Volke als schuldig anzusehen und danach zu behandeln ist Ztuhifiädat Eine ausführliche Biographie von A. Prop«S Mit Vorwort von Wladimir Jabotlasky. Außerdem: Lubes, „Kampf um Tel Haj"; GrUnberger, „Der elfte Adar"; Bilder; Nachrichten. Erscheint am 1. März. Preis 50 Groschen. Zu beziehen durch die Adnünisration de» „Tel Haj", Wien. I., Adlergaaae 4. Bei Uebernahme von 25 Stück aufwärts geg&i Vorauszahlung 25 Prozent Rabatt.. Audi in England ♦ ♦ ♦ Debatte über Antisemitismus im englischen Parlament Der Leitartikel in unserer letzten Nummer war jenen Vertretern des englischen Judentums gewidmet, die da glauben, daß die Juden Englands eine privilegierte Stellung im Weltjudentum einnehmen, das heißt füralleZeiten vor dem Antisemitismus bewahrt sind. Es wurde auf die deutschen Juden hingewiesen, welche auch noch vor kurzem mit ihrem deutschen Vollbürgertum prahlten und, wie heute die offiziellen englischen Juden, der jüdischen Schicksalsgemeinschaft enthoben zu sein glaubten. Mit trauriger Promptheit hat sich nun bestätigt, was im Leitartikel behauptet war. Eine Debatte im englischen Unterhaus hat aufgezeigt, daß auch im englischen Volke antisemitische Strömungen bemerkbar werden. Aus London wird berichtet: Im Unterhaus fragte der Abgeordnete G. Buchanan den Staatssekretär für Schottland, ob ihm bekannt sei, daß die Eigentümer des mit Hilfe einer Regierungssubvention erbauten Kings Park-Wohnbaukomplexes in Glasgow vor kurzem ein Mietgesuch abgelehnt haben, weil der Bewerber der jüdischen Kasse angehört. Der Abgeordnete fragte weiter, ob der Staatssekretär Schritte unternehmen wolle, um sicherzustellen, daß bei der Vermietung von Häusern, die mit Regierungshilfe erbaut wurden, ausschließlich das Staatsbürgerprinzip geltend gemacht werde. Der Unterstaatssekretär für Schottland, A. N. S k e 11 o n, gab die Richtigkeit des Inhalts der Anfrage zu. Er sei aber nunmehr dahin informiert, daß KREUZ-KINO '• Wollzeile 17 * Tel. R-24-2-16 Auf Verlangen: Wiederaufführung „UIVAUILLA" Vorstellungen: k, Vh6, v»8, v*io die Eigentümer der betreffenden Häuser über Vorstellungen ihren Standpunkt jetzt revidiert haben und bei der Vermietung nunmehr keine Unterscheidung auf Grund der Rasse oder Religion des Bewerbers machen. Die von dem Abgeordneten angeregten Schritte zu tun, stehe nicht in seiner Macht. Der Abgeordnete fragte weiter, ob dem Minister bekannt sei, daß jetzt eih Vermietungsangebot in noch beleidigenderer Form gestellt wurde. Es sei vorgeschlagen worden, eine Anzahl von Häusern ü\r die Vermietung an Juden gesondert <u reservieren. Er teile dem Minister mit, daß von jüdischen Bürgern diese besonderen Häuser nicht gewünscht werden; er frage, ob der Minister dafür Sorge tragen wolle, daß die mit Regierungsgeld gebauten Häuser nur unter Berücksichtigung der Staatsbürgereigenschaft vermietet werden und daß das Religionsbekenntnis kein Hindernis bilde. Unterstaatssekretär Skelton erklärte, die jetzt erwähnten Tatsachen seien ihm neu. Was den Rechtsstandpunkt betreffe, so gebe die Gewährung von Subventionen für Häuserbau dem Regierungsdepartement keine Kontrolle über die Art der Vermietung. Jetzt habe man aufgehört, Privatbauteil durch Subventionen zu fördern. Die Frage der Er« lassung rückwirkender; Bestimmungen werde sorgfältigst erwogen werden. Die Regierung habe jedoch1 nicht die Macht, in diesem besonderen Falle etwas zu veranlassen. Auf eine Frage des Abgeordneten Bar nett Jan ner, ob der Minister mit Rücksicht auf die durch derartige Fälle geschaffene sehr ernste Lage feststellen wolle, ob es keine Möglichkeit gebe, solche Vorkommnisse zu vermeiden, erklärte Unterstaatssekretär Skelton, er sei bereit, alle wichtigeren Tatsachen zu prüfen. RUNDSCHAU Giftgase gegen Deutschland Prof. Dr. Alexander Hold - Ferneck, derzeit Rektor der Wiener Universität, schreibt in seinem „Lehrbuch des Völkerrechts" (Felix Meiner Verlag, Leipzig 1934), IL Teil, S. 104, im Zusammenhang mit der Völker rechtlichen Stellung der Mandatsgebiete über Palästina: „Am 2. November 1917 erklärte der britische Staatssekretär des Aeußern in einem Schreiben an Lord Rothschild (sogenannte Balfour - Deklaration): .Seiner Majestät Regierung betrachtet die Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk mit Wohlwollen und wird die größten Anstrengungen machen, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern, wobei Klarheit darüber herrschen muß, daß nichts getan werden soll, was die bürgerlichen und religiösen Rechte bestehender nicht jüdischer Gemeinschaften in Palästina und die Stellung der Juden in irgend einem anderen Land beeinträchtigen könnte.' Geistiger Urheber dieser Erklärung war der in Rußland geborene und in England eingebürgerte Jude Chaim Weizmann, Seinem Beruf nach Chemiker, hatte er sich während des Krieges um die Versorgung Englands mit Munition und Giftgasen verdient gemacht, kam dadurch in Verbindung mit englischen Staatsmännern und gewann sie für den zionistischen Gedanken. Wohl mochte sich die Regierung von der Deklaration auch die Gunst der verbreiteten jüdischen Presse, besonders im Kampf gegen Deutschland, versprechen. Die Zusicherung der Schaffung einer jüdischen Heimstätte fand Aufnahme in das vom Rat des Völkerbundes erlassene Mandatsstatut für Palästina..." Prof. Hold-Ferneck, der Wiener Universitätsrektor, flicht hier in seine Darstellung der Mandatsverhältnisse völlig nebensächliche, hiezu noch unrichtige Details ein. Für das Palästina-Mandat ist es gleichgültig, ob Prof. Weizmann ein russischer oder sonstweicher Jude ist. Tatsächlich war Weizmann schon lange vor dem Krieg Dozent der Chemie an der Universität in Manchester und England brauchte sich nicht bei ihm zu revanchieren, da er es keineswegs mit Giftgasen versorgte. Die Giftgase, selbstverständlich gegen das im Weltkrieg feindliche Deutschland gerichtet, spuken nur im Gehirn eines Gelehrten, das durch eine judenfeindliche Einstellung vernebelt ist. Herr Prof. Hold erweist der Wissenschaft keinen Dienst, wenn er Balfour-Deklaratlon und In weiterem Sinne Palästina-Mandat mit Giftgasen gegen Deutschland, angeblich erzeugt von einem russischen Juden, "verbindet; weder durch das obenzitierte Buch noch durch seine derzeitigen Vorlesungen an der Wiener Universität. Die „arischen" Studenten hören natürlich so etwas gern. Ihr Gehirn wird vernebelt und für all das empfänglich gemacht, was heute im Dritten Reich als rassenkundlicher Unsinn serviert wird. tUuknäüOfskem füt Volks-, HaufU- und »UttetstUiUet Gründl. SchitlnachhUfe, Sprachen. Klavier, Spiel. Spurt. Erste Referenzen Mäßige Preise. Dr. B. NUSSBAUM, II, Kl. Sperlg. 1, Tel. A-42-0-88 Fritz Kreisler näherl sich Durch die Presse geht die Nachricht, daß der be* rühmte Violinvirutose Fritz Kreisler ausgezeichnet worden sei: Der österreichische Bundespräsident Miklas hat dem Künstler anläßlich dessen 60. Geburtages daa Offizierskreuz des österreichischen Verdienstordens persönlich überreicht und ein diesbezügliches Kommunique" erzählt von der Auszeichnung eines Österreichischen Künstlers. Da Kreisler, der in Wien geborene Jude, zum Katholizismus übergetreten ist, gilt die Ehrung vom Standpukt des deutsch-christlichen Staates zweifellos» dem Katholiken Kreisler. Auch die jüdische Presse vermerkt die dem Virtuosen Kreisler zuteil gewordene Ehrung. Da es nicht ihre Aufgabe ist, vom christlich-deutschen Kreisler zu erzählen, so entschuldigt sie sich quasi, indem sie herrichtet, Kreisler sei seinerzeit aus dem Judentum ausgetreten, nähere sich ihm aber wieder in den letzten Jahren... Was das bedeuten soll, ist für den gesunden Menschenverstand nicht ganz klar. Sollen wir vielleicht darauf stolz sein, daß der getaufte Kreisler sich uns wieder — nähere? Herr Kreisler wurde als katholischer Oesterreicher von der österreichischen Regierung ausgezeichnet. An den gewesenen Juden hat sie hiebei keinesfalls gedacht. Es hat also gar keinen Sinn, Kreisler für das Judentum zu reklamieren. Wir kommen ohne ihn aus. Man behellige uns auch! nicht mit der erfreulichen Nachricht, daß er sich dem Judentum wieder nähere. Vielleicht weil ihm Hitler,, dessen Sieg er seinerzeit zur Entrüstung aller von Amerika aus warm begrüßte, jetzt sein Vermögen in Deutschland konfiszieren ließ? Wir bedanken uns für die Ehre. Und wir wollen dergleichen in der jüdischen Presse nicht mehr finden. Die Makkabiah — für alle jüdischen Sportler? Wie in der ganzen Welt, trifft auch der deutsche Makkabi die Vorbereitungen zur zweiten Makkabiah, die vom Welt-Makkabiverband veranstaltet wird. Die Mitglieder des Sportbundes des Reichsbunds jüdischer Frontkämpfer sind zur Teilnahme an diesem repräsentativen nationaljüdischen Sportfest in Tel-Awiw nicht zugelassen. Natürlicherweise. Denn die reichsdeutschc Organisation der jüdischen Frontkämpfer stand von jeher dem nationalen und zionistischen Gedanken fern, ja sie bekämpfte die jüdische Renaissancebewegung' bei jeder Gelegenheit. Wir haben in zahlreichen Ausführungen die betont assimilatorische Haltung des jüdischen Frontkämpferbundes (Deutschland) charakterisiert* Jetzt gibt es in dessen Reihen Sportler, die den Ausschluß von der Makkabiah schmerzlich empfinden und gern mittun möchten — unabhängig davon, wie die offizielle Sportleitung der Frontkämpfer darüber denkt. Der deutsche Makkabi-Kreis beantwortet die Frage, warum die Teilnahme der Makkabiah nicht für alle jüdischen Sportler offen ist, folgendermaßen: „F o r m a 1 ist zu bemerken, daß nur der Kongreß des Makkabl-W*'ltverbandes, der alle zwei Jahr« stattfindet, imstande ist, die Bestimmungen der Mukkablah zu andern, die bisher dahingehen, daß die Beteiligung an den Konkurrenzen nur Mitgliedern des Makkabl-WeJtvcrbandes gestattet ist. Prinzipiell bestehen folgende Bedenken: Bß gibt in einigen Ländern, besonders aber in Osteuropa

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