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Die neue Welt · 1935-02-19 · Heft 440 (19.2.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 440 (19.2.1935)
Date
1935-02-19
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Pr«fe tO Groschen Jahrgang 9 Dienstag/ den 19* Februar I«$5 Nr« 440 V* b. b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expediö par l'editeur" THl ün'veraftÄfsb, REVU HERAUSGEBER : ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S IAO, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 3.— : Bulgarien monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa SO.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 11.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel. A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Juden§taat§partei Österreichs Mittwoch, den SO. Februar 1935, im ZENTRALHEIM, Wien I, Werderlorgasse II, um halb 9 Uhr abends, Diskussionsabend Thema: Allgemeiner Zionismus und Juiensfaafsziomsmus Hinleitendes Referat: THEODOR GRUBNER Gäste willkommen' Losung der jüdischen Schulfrage — einvernehmlich Wien, 18. Februar. Die Unsicherheit, mit der die Lage der jüdischen Schuljugend innerhalb der nichtjüdischen, d. h. christlichen Umwelt, seit Beginn des „deutsch-christlichen" Kurses betrachtet wurde, hat bis heute keine Aenderung erfahren. Da die - autoritäre Regierung es sich zur Aufgabe gestellt hat, : die gesamte Jugend des Staates im Sinne eines eindeutigen Patriotismus und eindeutigen Bekenntnisses,zu Oesterreich zu erziehen,- J5.o_-jmuß sie auch die Frage der j ii d i s c h e n Jugend in. gleich •■eindeutiger Art beantworten. . : Die jüngste Rede des Vizekanzlers Fürsten Starhemberg in .Graz gibt Anlaß-, dieses Gebiet neuerdings zu beleuchte^.. . . .. •;....... „Aut'''dtira Gebiet der Jugenderziehung", erklärte Fürst Starhemberg: nämlich, „hat der Staat selbstverständlich ein Interesse darati, daß die Jagend in einem '.'•«•üasohHeßlich' österreichisch-vaterländischen Sinne cr- : .' zc-^en v. ird. In religiöser, sittlicher «nd moralischer Be-; zächung muß die Einflußnahme der katholischen Kirche ' und, wo Minderheiten Sind, der anderen Religionsgemeinschaften gesetzü^h; veran^ werden. Ich bin überzeugt, daß in kurzer Zeit diese Frage eine e i n- , ver nehm Ii oh e L ö SU n g erfahren wird." Es ist eine ziemlich klare Sprache, die hier einen Weg'zeigt. Bisher wurde, durch die verschiedenen Schulcrlässe und Kommentare zu diesen nur Unheil gestiftet. Die Schulfrage wurde derart behandelt, daß auf der einen Seite die Jugend der jüdischen Religionsgemeinschaft in eine Art Diskriminierung geriet, auf der anderen Seite die angestrebte gesämtpatriofischc Erziehung nur Schaden erlitt. Man war an e'ihen Kreuzpunkt gelangt. '''' Gerade im Augenblick,/wo dies geschah, trat der Jüdische Volksbund f ür Oesterreich mit der Anregung, bzw. dem Antrag hervor, die österreichische Bundesregierung möge ein ö f f e n tlci c h e s jüdisches Schulwerk errichten, innerhalb dessen die Kinder jüdischer Bürger unter jüdischer Anleitung in nationalreligiösem Geist zu volks- und glaubenstreuen Juden und treuen Oesterreichern erzogen werden können. Der Antrag war klar und eindeutig. Er ging und geht mit den Bestrebungen, die der österreichische Vizekanzler Starhemberg vor einigen Tagen charakterisiert hat, ganz: und -gar parallel. Vizekanzler Starhemberg erklärte, daß'die Frage der Jugenderziehung für die Katholiken und die anderen Religionsgemeinschaften gesetzlich geregell werden muß und daß sie eine e i n v e rnehmliche Lösung erfahren wird. Diese Enunziatiou eines verantwortlichen Führers gibt die Möglichkeit, die jüdische Schulfrage 3m Sinuc des Antrages des Jüdischen Volksbundes für. Oesterreich' einvernehmlich zu behandeln. Es ist im- Interesse aller Faktoren, daß die Regierung so' rasch wie möglich hier eingreift. [ Flüchtlinge aus dem Saargebiet Aus;Haif a wird gemeldet: Am 15. Februar sind hieri mit dem Sqhiff „Aquitania" 150 jüdische Flüchtlinge aus dem Saargebiet gelandet. Man hofft, diese Flüchtlinge im Land unterzubringen. Emir Abdulla fährt nach London Jerusalem, 15. Februar: Wie aus arabischen Kreisen mitgeteilt wird, hat Emir Abdulla von Trarisjordtniien neuerdings eine Einladung zu einem Besuch nach L v n d v ii für den Monat Mal bekomm©» Hungerstreik jüdischer Einwanderer Dafür arbeiten arabische Einwanderer in jüdischen Kolonien Die J. T. A. meldet: Aus Jerusalem: Hundert Juden, die unter der Beschuldigung, auf „illegale m" Wege nach Palästina gekommen zu sein, seit längerer Zeit im Gefängnis in A c c ö festgehalten werden, sind in den Hungerstreik getreten zum Protst dagegen, daß die Untersuchung gegen sie in die Länge gezogen wird und sie nicht vor Gericht kommen. * Aus Jerusalem: Der Mangel an jüdischen Arbeitern in den jüdischen Kolonien verschärft sich von Tag zu Tag. In Pardes-Channa, unweit Chedera, sowie in anderen Kolonien mußten dringendste Bauarbeiten unterbrochen -werden, weil die Bodenbearbeitung alle Hände erfordert. Laut Mitteilung der Histadruth sind in j ü d isehen Plantagen in Petach-Tikwa, Rechobot, Ness-Ziona und in anderen jüdischen Kolonien Judäas etwa 6000 A r ab er eingestellt worden, hauptsächlich Einwanderer aus dem Hauran. Auch aus Bagdad und-sogar aus dem fernen Südarabien, aus Jemen wandern Araber .ein und finden in Palästina Beschäftigung. Viele Betriebe erleiden infolge Arbeitermangels große Verluste. , * Die Gegenüberstellung'Mieseir beiden; Meldungen charakterisiert so recht die antijüdische, mandatswidrige E in wanderungspöli t i k der Palästina- Regierung. Das Land leidet unter. Arbeitermangel, aber die Regierung sperrt unter demzynischen Vor-, wände, daß das Land keine Einwanderung vertrage, den Juden die Grenzen, läßt nur eine unzureichende Zahl zu und kerkert jene, die „illegal" kommen, ein, läßt sie monatelang im Gefängnis schmachten. Dafür dürfen fremde Araber, die eine Heimat und eigenen Staat haben, ohne jede Bewilligung in beliebiger Zahl ins „Jüdische Nationalheim" einwandern. Systematisch werden Juden gezwungen, in ihre neuen und alten Unternehmungen Araber einzustellen und dadurch diese Arbeitsplätze Juden für unabsehbare Zeit, ja für immer unzugänglich zu machen. Die Juden müssen ein Nationalheim für Araber aufbauen! So will es die Palästina-Regierung, welche vom Völkerbund eingesetzt und darauf vereidigt wurde, die jüdische Kolonisation Palästinas zu fördern. Weiterer Bericht Aus Jerusalcm: Die im Gefängnis von Akko in den Hungerstreik getretenen „illegalen Einwanderer" verweigern nunmehr auch die Wasscraufnahm e. Das tragische Schicksal der Gefangenen,. die zum Teil. ihre Strafe bereits verbüßt haben, zum Teil für die Zulassung y.ur dauernden Niederlassung empfohlen sind, aber trotzdem nicht'freigelassen werden;;•' weil man sie zur Angabe ihrer Herkunftsläiid.er nvingen wiII, um sie dorthindeportieren zu können, hat. bei. der jüdischen Bevölkerung starke E r r e g u n g ausgelöst; Die "Zeitungen bezeichnen das Vorgehen der 'Behörden als gesetzwidrig. Die Büros der Rcchtskomrnisskm des Wäad HakehillQth. und andere jüdische Aemter sind von Mens ch e n m e ,n g e n belagert, die, ein Einschreiten der Zionistischen Exekutive und anderer Körperschaften fordern. Jüdische Delegationen haben in A k k 6 und beim High Com missioner in Jerusalem zugunsten der hungerstreikenden Gefangenen interveniert. Bisher hat die Regierung k e i n e A n t w o r t gegeben. ' Eine Engländerin! Zionismus und Assimilation Als Referentin in einer Versammlung der englischen V o l k e r b u n d 1 i g a in London sprach Miß D u g d a 1 e, die Nichte und Verwalterin des geistigen Nachlasses Lord Balf ours, über die Zukunft der Juden. 'lieber jüdisches Nationalbewußtsein, Zionismus und Assimilation sagte sie: . „Der Aufstieg des Zionismus und die in der Balfour- Deklaration zum erstenmal erfolgte Ancrke nn u n g der jüdischen Nation durch eine Regierung haben eine neue Epoche der jüdischen Geschichte eingeleitet. Noch sind keine zwanzig Jahre dieser neuen Epoche verstrichen, und schon kann man mit Bestimmtheit sagen, daß das Nationalheim in Palästina immer mehr das Zentrum des jüdischen Volkes werden und daß sein Bestehen den Glauben aller Juden an ihre Zukunft, zutiefst beeinflussen wird." „Assimilation ist der Gegensatz zu jener Forderung, die zum Entstehen des Zionismus geführt hat. Sie bringt den der Tragödie des Exils entspringenden Wunsch des einzelnen zum Ausdruck, durch Preisgab e, ja sogar durch citri Verleugnung seines V o 1 k s fo e w u ß t s e i n s, durch Vermischung der Kultur seiner Rasse mit der seiner Umwelt Geborgenheit z,u suchen. Sie stellt einen Prozeß dar, der folgerichtig dazu führt, daß die Heimatlosigkeit des Volkes im Laufe der Zeit eine so weitgehende Verdünnung j ü d isehen Geistes und jüdischer Eigenart bewirken muß, daß schließlich der jüdische Beitrag zum allgemeinen Kulturgut nicht mehr etwas in der Gegenwart Meßbares wäre, sondern nur noch nach seiner gewaltigen Vergangenheit beurteilt werden könnte. Im Hinblick auf die Größe dieser Vergangenheit und auf die überreichten Beweise dafür, daß dr jüdische Genius noch immer in der Blüte seiner Kraft steht, würde ich sein V e r s c h w i n d e n als ein U n g l ü c k für die Welt erachten.". . , , Im weiteren Verlaufe der Rede warnte Miß Dugdale davor, zu glauben, daß die augenblickliche' bessere Lage' der Juden in irgendeinem Lande eine Garantie für die Zukunft sei. Sie schilderte die Verhältnisse in Sowjetrußland, wo scheinbare Gleichberechtigung Hand in Hand mit der Ausrottung alles Jüdischen geht, und sagte, schließlich: „Die schwere Wirtschaftskrise hat die V e ru i n igten Staaten später erfaßt als Europa. Dennoch haben die Juden Amerikas ihre eigenen .Probleme und Ihre eigenen Sorgen, auch abgesehen von den wirtschaftlichen. Der Antisemitismus bildet sogar In (Ueaem seiner Freiheit sieb rühmenden Lande ein« latente Gefahr. Vielleicht nur im britischen Reich kann der einzelne Jude seiner Zukunft einigermaßen sorglos entgegensehen. Individuelle Sicherheit genügt aber nicht, selbst wenn sie sich auf das Gebiet der Religion und des Denkens erstreckt." Die gerade in unserem heutigen Blatte enthaltenen Nachrichten über antisemitische Strömungen in. England beweisen, wie recht Miß Dugdale hat, wenn sie auch die Lage der Juden in England als nur „vielleicht" gesichert erachtet. Unfug mit „jüdischen" Interviews Wir haben erst vor kurzem auf den unsinnigen und schädlichen Brauch hingewiesen, nichtjüdischen Regie, rungsvertretern und führenden Politikern „Aeußerungen zur Judenfrage" in Form von Interviews abzubetteln oder abzupressen, weil davon nur leere. Phrasen, Lügen und Ableugnungen herauskommen. Wir haben das mit Bezug auf ein angeblich mit einem österreichischen Staatsmann, aufgenommenes „jüdisches" Interview geschrieben. Jetzt liegt ein Musterbeispiel für diesen Unfug aus England vor. Die J. T. A. meldet aus London: - . „Der polnische Botschafter in London, Graf Eduard Raczynski, gewährte dem Vertreter des .Jcwish Chronicle* ein Interview. Einleitend bemerkte der Botschafter, es sei nicht richtig, wie dies vielfach behauptet werde, daß die Juden Polens von Staats wegen B eschrän ku n g e u unterworfen sind, die ihnen das Leben unerträglich machen. Es gebe keinerlei Beschränkung der Beschäftigung von Juden im Staatsd i e n s. t» in den versqhiedenen Aemtern oder in irgend einem Beruf, Der Botschafter führte dann eine Reihe von Juden an, die hoho Stellen im Staatsdienst bekleiden. Auch im A u ß e n m i n i s t c r i u m finde man eine größere Zahl von. Bekennern des jüdischen Glaubens. Schwierigkeiten, unter denen die gesamte Bevölkerung zu leiden habe, würden oft als gegen die Juden offiziell gerichtete Beschränkungen gedeutet. ,Jewish Chronicle' befaßt sich im Leitartikel mit den Aeußerungen des polnischen Botschafters und weist darauf hin, daß die Juden Englands schon deshalb die Ent» wic'dung der jüdischen Lage in Polen mit brennendeoi Interesse verfolgen, weil ein bedeutender Teil der englisch jüdischen Gemeinschaft aus Feten stammt und f cgenUtfff

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