Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 439 (15.2.1935)
- Date
- 1935-02-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ■AaBMl M^MtfMMB MMMH|fM ME NEUE WEUT Nr. 430 1^% mm Bl WitF% nf^Blkanl unVlnWI I ^RABEHSTUaa SAMTLICHE ARTIKIL IN WASChI UNO I ^5 IT E9EBvUIIVIakIVIiI I ^«üjuäii^ffiias^ ■ wirkwirin spottbillig! I a¥% BVnilm^il ■ V« ■ ■ JP ■ ■ ff KÖLLWERHOFH. 1 Fahrend In ET£RMA. Hemden (von 6*80 auffw.) I Aus Hitler» Deutschland Brüderlein fein Deutedv Juden, welche nach dem Strohhalm greifen, erzählen immer und wieder das Märchen von dem Hitler, der naeh der Machtergreifung gar kein so gewaltiger Antisemit mehr sei und z. B. mit den blutrünstigen Judenhetzereien eines Streicher nicht einverstanden sei. Diese Leute sind jetzt wieder drastisch davon übrzeugt worden, daß Hitler an seinem Herzensbruder Streicher nichts auszusetzen hat. Das offizielle Deutsche Nachrichtenbüro teilt aus Nürnberg mit: Julius Streicher feierte gestern seinen öO. G p b u r t» t a g. Aus diesem Grunde hatte er hundert der ältesten Partei genossen und Parteigenossinnen am Montag zu einer Feier geladen, zu der überraschend auch Adolf H i 11 r r eintraf, um dem Frankenführer persönlich seine Glückwünsche zu überbringen. Hei dieser Gelegenheit Welt Hitler eine K?de. »n der er darauf hinwies, daß er In Streicher einen Geführten habe, von dem er wisse, daß in Nürnberg ein Mann sei. der keine Sekunde wanken und in jeder Lage unbeirrbar hinter ihm stehen werde Neue Streicher-IJteratur Der Kreis um Julius Streicher gibt jetzt in B e r- 1 i n eine Zeitschrift „Der Judenkenner" als Ergänzung zum Nürnberger „Stürmer" heraus. In der ersten Nummer d?s Blattes wird gefordert: .,Ein Jude, der ein arisches Mädchen schändet, muß sterben: Ein arisches Mädchen, das sich dem Juden hingibt, muß mit ihrem Buhlen sterben: Ein Jirlsrhes Mädchen, das einen Juden, oder ein arischer Mann, der eine -lüdi;» heiratet, wird des Landes verwiesen!" Ausschließung der Juden vom ärztlichen Beruf Die vom Reichs- und preußischen Innenminister erlassene Bestimmung, wonach die Zulassung zu medizinisene-- Prüfungen und die Erteilung der Approbation von dem Nachweis der arischen Abstammung abhängig zu machen sind, hat unter den wenigen dem medizinischen Studium sich noch widmenden Juden tiefe Bestürzung hervorgerufen. Durch diesn Neuordnung werden die jüdischen Studenten betroffen, die gegenwärtig noch im Studium sind, ferner diejenigen Kandidaten und Praktikanten, die. sich in der Ausbildung, aber noeb vor ihrer Approbation befinden.- Die Unbelehrbaren Der Bildungsverein deutscher Juden E. V. in Berlin, der es sieh zur Aufgabe stellt, „Kinder deutscher Juden in deutscher Kultur bei treuer Pflege religiösen Geistes heranzubilden", eröffnet zu Schulbeginn im Einvernehmen mit der Schulverwaltung der Jüdischen Gemeinde eine private Volksschule „eindeutig deutsch-jüdischer Prägun g". Die Schaffung dieser Schule wird damit begründet, daß die unter dem Einflüsse, der Zionisten stehenden, bereits vorhandenen Schulen zu national-jüdisch i Bind. äks Rumänien Die Gleichberechtigung Die Union der rumänischen Juden (U. E. R.) veröffentlicht eine Erklärung, in der es heißt: Die Repräsentanz der rumänischen Juden stellt, die letzten Ereignisse überprüfend, fest, daß die rumänischen Juden in Gefahr sind. Die Aufrechterhaltung ihrer bürgerlichen Rechte sowie ihrer Menschenrechte ist in Frage gestellt. Die Union rumänischer Juden erklärt aber, daß jede Aktion, welche die Verletzung der Menschen- oder der Bürgerrechte der rumänischen Juden zum Ziele hätte, trügerisch ist. Staatsprobleme können nicht gelöst werden, indem dem einen das Brot aus dem Munde genommen wird, um es dem anderen zu geben, sondern nur dadurch, daß man es allen gewährleistet. Nicht auf dem Wego der Privilegien für die einen auf Kosten der anderen, sondern nur durch die Anregung der Initiative aller kann das allgemeine Volkswohl gesichert werden. Die Union rumänischer Juden protestiert gegen die Beschuldigung, daß die Juden alles an sich reißen sowie gegen die falschen Statistiken, die von manchen Zeitungen veröffentlicht werden, um gewissen ungerechten und ungesetzlichen Lösungen deD Schein der Berechtigung zu geben. Die Juden haben nicht die Gesetze des Staates gemacht — sie haben sie befolgt. Sie haben nicht die Steuern festgesetzt sie haben sie gezahlt. Die Juden haben es weder versucht noch vermocht, die Rumänen daran zu hindern, eine beliebige Karriere zu wählen oder ein wirtschaftliches Unternehmen zu gründen. Minister Vaida Voevod hält am Numerus clausus fest Die Ablehnung des Antrags des früheren Ministerpräsidenten Vaida Voevod, die Forderung nach Einführung des Numerus clausus gegen Juden und Minderheiten in allen Gebieten des öffentlichen Lebens in das Parteiprogramm der Nationalzaranistischen Partei (Nationale Bauernpartei) aufzunehmen, durch den Parteirat der Nationalzaranisten wird in politischen Kreisen als eine schwere Niederlage Vaida Voevods angesehen. Es verlautet, daß Vaida Voevod nunmehr aus der Nationalzaranistischen Partei auezutreten und eine eigene nationalistische Partei zu gründen gedenkt, die auch die Nuraeruselausus-Forderung in dar rumänischen ©Öffentlichkeit ,t verfechten soll. Vaida Voevod werden alle rechts orientierten Mitglieder der Partei Gefolgschaft leisten. Gegen rite eingewanderten Juden Stephan Tatarescu. ein Bruder des Ministerpräsidenten, hat unlängst eine rumänische nationalsozialistische Partei begründet. Vor einigen Tagen wurden in Bukarest massenhaft Manifeste in rumänischer und deutscher Sprache verbreitet, in welchen erklärt wird, daß jeder, der gegen den Numerus clausus Stellung nimmt, ein Verräter am rumänischen Volke ist. Man nahm an, daß diese Manifeste von der nationalsozialistischen Partei stammen und von Stephan Tatarescu verfaßt sind. Nunmehr veröffentlicht Stephan Tatarescu eine Erklärung in den Zeitungen, in der er sich von dem erwähnten Manifest distanziert und ausführt, er sei kein Feind der Juden, die in Rumänien geboren sind und hier schon seit Jahrhunderten leben, also ein" „Produkt des rumänischen Landes" sind. Er sei nur gegen die 200.000 Juden, welche nach dem Kriege aus Galizien und Rußland nach Rumänien gekommen sind und fordere, daß diese Juden in ihre Ursprungsländer zurückgeschickt werden. Baron Robert da Rothschild, Präsident des Konsistorium* Aus Paris. («T. T. A.) Da* Konsistorium der Jüdischen Gemeinde in Paris wählte zu seinem Präsidenten an Stelle des verstorbenen Baron Edmond de Rothschild dessen Sohn Baron Robert, de Rothschild. Zum ersten Vizepräsidenten wurde Jacques Zee gewählt. Vi2evorsitzender ist Jacques Helbonert. Mittelmeer-Segelfahxt eines jüdischen Schulschiffes Aus Rom: Kapitän Fuseo, der Leiter der jüdischen Abteilung der Marineschule in Civitavecchia, die vor kurzem in Anwesenheit höher staatlicher Funktionäre feierlich eröffnet wurde, beabsichtigt, im kommenden Frühjahr mit. den 2 5 jüdischen Schülern der Marineschule auf einem Schulsegelschiff eine Mittelmeerfahrt durchzuführen. In zweimonatiger Reise soll das ganze Tyrrhenlsche, Adiiatlsche, Aegäisehe und Mittelländische Meer durchfahren werden- Das Programm sieht auch einen kurzen Besuch in Palästina vor. Die: Absolventen der jüdischen Abteilung an der Marineschuls sollen Regierungsdiplome als Kapitäne und Steuermänner erhalten, die sie zur Berufsausübung gleich den übrigen Absolventen der staatlichen Marineschule berechtigen. AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER Stüberlpreise Al&Wien imGrinzingerKeller. Tägl. Musik der Kapelle Auerbach« Konzert. Tazz. Stimmung Sephardisdie Weltkonferenz im Mai Aus London: Auf der unter dem Vorsitz von Sir Francis Montefiore in London abgehaltenen Jahresversammlung der Aeltesten der Spanischen und Portugiesischen Synagoge in England teilte der „Parnas" Dr. Benzecry mit, daß der Weltverband der Sephardischen Juden beschlossen habe, seine Konferenz im Mai 1935 in London abzuhalten. Dr. Benzecry fügte hinzu, der Aeltesten-Ausschuß werde mit Freuden der Weltkonferenz der Sephardim seine Gastfreundschaft angedeihen lassen und die notwendigen Erleichterungen für die Konferenz treffen. Es wurde klargestellt, daß die Sephardim-Konferenz nichts mit Politik zu tun haben werde, sondern daß es ihr Ziel sei, alle sephardischen Gemeinden in der Welt in einer Organisation zu vereinigen. zu PUR IM zur M AK K ABI A DI zu PE SS ACH und wöchentliche Abfahrten MmkPMäsilm durch CotnfKUtS J/MCS IX, Spitalgasse 3, Tel. B-42-5-3Ä mammmummmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmmm Vom AnfisNazuBoykoffkomifce Aus London (J. T. A.): Da» von der Weltkouierenz zum Boykott Nazi-Deutschlands, die im Dezember 1934 in London getagt hat, eingesetzte provisorische Komitee der Weltliga zum Boykott Nazi- Deutschlands — Präsident der Weltllga ist Samuel Unter myer — hielt soeben in London eine Sitzung ab, bei der Walter C i t r i n e, der Generalsekretär der englischen Gewerkschaften, zum Vorsitzenden, Philipp Gucdalla zum Vizevorsitzenden, C Q. Henriques und der Sekretär des Londoner Gewerberates A. M. Wall zu Ehrenschatzmeistern und P. Horowltz zum Ehrensekretär gewählt wurden. Es wurde ein Statut angenommen, wonach das Hauptziel der Weltliga die Ergreifung aller gesetzlichen Maßnahmen sei, um deutsche Waren und Dienste so lange zu boykottieren, bis die Gleichberechtigung und die Glaubensfreiheit aller deutschen Untertanen wiederhergestellt ist. Es wurde beschlossen, aus jedem Lande drei Personen als Vizepräsidenten einzuladen. Aus Amerika wurden der frühere Botschafter lu Berlin, G o r a r d, J. W. Beck und Dr. Paul Hutchinson, aus Frankreich Senator Justin Godorf und Maitre More Giafferi nominiert. In London wurde ein Zentralbüro zur Koordinierung der Nazi-Boykott-Aktionen in der ganzen Welt eingesetzt. Gepfändete Synagogenbänke Die Prager deutsche Zeitung „Bohemia" teilt mit: „Der Obmann der Partei der tschechischen Gewerbetreibenden, Abg. N a j m a n, der sich dieser Tage in Karpathorußland aufgehalten hat, schreibt über die Eindrücke, die er dort gewonnen hat: Die Verhältnisse sind für die Gewerbetreibenden und Kaufleute in KarpathorulJland geradezu katastrophal. Die Behörde geht 'rotzdem sö energisch mit Exekutionen vor, daß zum Beispiel in einigen Synagogen die Bänke wegen der von der Kultusgemeinde geschuldeten Steuern beschlagnahmt worden sind." Jüdische Musterfarmen in der Bukowina Aus Czernowitz (J. T. A.): Auf 1 initiative des Herrn Max Ritter von Anhauch, Mitglied des Council der Jewish Agency, wurde in Czernowitz eine Gesellschaft gegründet, die sich die Schaffung von Musterfarmen zur Ausbildung jüdischer Landarbeiter und Landwirte zum Ziele gesetzt hat. An der Spitze der Gesellschaft stehen neben Max Ritter von Anhauch der Vorsitzende der Czernowitzer Jüdischen Gemeinde, Doktor Menczer, und der Präsident der Bukowina.-Loge Bne Brith* Dr. Jakob Landau. Niehl zuviel luden I Aus New York (J. T. A.): In der „Saturdaj Evening Post" äußerte sich General Johnson, der frühere Leiter der Nira-Verwaltung, des Systems den staatlichen Einflußnahme auf die amerikanische Wirtschaft, über die verschiedensten Probleme, die die Verwaltung der Nira unter seiner Leitung zu lösen hatte* In diesem Zusammenhang kommt er auch auf die Behauptung zu sprechen, er, Johnson, habe zu viele) Juden auf wichtige Posten berufen. So wurda z. B. gesagt, daß Mr. Riehberg, der einen der wichtigsten Posten innehatte, Jude sei. General Johnson erklärt hierzu: „Mr. Richberg ist kein Jude. Aber selbst wenn er es gewesen wäre, würde es für mich nichts au«* gemacht haben. Ich versuchte, einen Stab der besten Menschen zu gewinnen, die ich bewegen konnte, in den Dienst der Nira zu treten. Ich machte dabei nicht vor der Tatsache Halt, ob diese Menschen Juden oder NichtJuden waren. Ich hatte mehrere befähigte Juden in meinem Stab, aber sie waren eine kleine Minderheit und jeder einzelne von ihnen hatte eine bedeutsame Tätigkeit zu erfüllen. Unter ihnen war keiner, der nicht loyal gewesen wäre oder der selbstsüchtig« Zwecke verfolgt hätte.** Tschechische Faschisten Aus Prag: Unter dem Titel „Die Wahrheit über den Kampf um die Universität" ist im Prager faschistischen Verlag eine Broschüre erschienen, die den Beweis erbringt, daß es sich bei den Demonstrationen keineswegs nur um die Insignien der Universität, sondern um vorbedachte politische Demonstrationen gehandelt hat. In der Broschüre wird vor allem mit Genugtuung festgestellt, daß sich der Antisemitismus in tschechischen Studentenkreisen ausbreite; auf den Straßen ist nicht nur „Hinaus die Deutschen I", sondern auch „Kauft nicht bei Juden!" und „Wir wollen eine Volksregierung, keine Regierung der Juden!" usw. gerufen worden. In der Broschüre werden alle. Gewalttaten gutgeheißen, vor allem die judenfeindlichen Charakters. Sie zählt alle jüdischen Geschäfte und Kaffeehäuser auf, wo die Fensterscheiben eingeschlagen wurden. Die Fenster im Man es-Gebäude sind eingeworfen worden, weil dort „Schmierereien'4 jüdischer Emigranten .uagestellt gewesen waren, weil im Kaffeehaus nur Juden sitzen und weil dort Kommunisten bei einem Cocktail über die Not der Proletarier debattieren . . ." Nationaldemokratie — Faschismus — Antisemitismus Der Prager „Sozialdemokrat" schreibt: „Die Vereinigung der Nationaldemokraten mit der Stfibrny-Liga wird nun Tatsache. Der Obmann der neuen Partei wird Dr. Kramaf, die Obmannstellvertreter Stfibrny und HodaC sein. Das Gebilde, das da entsteht, ist eine neue Partei, deren Inslebentreten der endgültige Bruch mit der liberalen Vergangenheit der Nationaldemokratie ist." Stfibrnys „Nedölni List" bringt wieder einmal einen vielen Spalten langen Aufsatz gegen die Emigranten, der unter der Ueberschrift „Was machen wir mit ihnen, bevor wir sie los sind?" zehn Gebote bringt, von denen das sechste Gebot lautet: „Bei den jüdischen Emigran« ten die Möglichkeiten einer Befördemng nach Palä* atina zu untersuchen,"