Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 438 (12.2.1935)
- Date
- 1935-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wr. 4Q& MB NUTTE WELT Seite S 1 Palästina und das englische Parlament Warum kein Jude Bürgermeister von Jerusalem? Im englischen Unterhause fragte der Abgeordnete der Labour Party Colonel Josiah C. Wedgwood den Minister für die Kolonien Sir Philip Cunliffe-Lister, ob ea richtig sei, daß in Jerusalem ein Araber zum Bürgermeister ernannt wurde und warum dies, falls es zutreffe, geschehen sei, da doch die Bevölke* rungsmehrheit der Stadt jüdisch ist, Der Minister antwortete: „Zum Bürgermeister der Stadtverwaltung von Jerusalem wurde ein A r a b e r, Dr. Hussein Fakrf Elffendt ei Khalidi, ernannt. Das Oesetz gibt dem High Commissioner unbeschränkte Vollmacht zur Auswahl irgend eines Stadtverordneten für die Ernennung zum Bürgermeister, und Ich habe vollkommenes Vertrauen zu seinem Urteil." Der Abgeordnete Wedgwood fragte sodann, ob es nicht Tatsache sei, daß der letzte Bürgermeister von Jerusalem ein Araber war und daß dieser den Ruf einer selbst im Orient bemerkenswerten Korruption hinterließ; halte der Minister es für richtig, daß ein Araber zu seinem Nachfolger ernannt werde? Sir Philip Cunliffe-Lister erwiderte, der Abgeordnete Wedgwood habe nicht vorher angekündigt, daß er den Charakter eines früheren Bürgermeisters zu beurteilen beabsichtige. Auf jeden Fall wäre es für den Minister höchst unangenehm gewesen, sich in die Befugnisse des High Commissioner in dieser Angelegenheit einzumengen. Ausbürgerung und Landesverweisung Achi-Meirs Der Abgeordnete Wedgwood richtete an den Minister für die Kolonien die Frage, ob über den Vorschlag, A c h i - M e i r seine palästinensische Bürgerschaft abzuerkennen und ihn des Landes zu verweisen, bereits eine Entscheidung getroffen worden sei; falls dies geschehen sei, warum und welchen Präzedenzfall es für ein solches Vorgehen in Großbritannien oder in den Kolonien gebe. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete; „Ein solcher Vorschlag wurde mir noch nicht zur Genehmigung vorgelegt. Bezüglich des dritten Teils der Frage möchte ich bemerken, daß in den Kolonien unter gewissen Umständen die Möglichkeit zur Einziehung von britischen Naturalisationsausweisen unter Voraussetzung der Zustimmung des Kolonienministers besteht: Z. B. in dem Fall, wenn der Inhaber des Nuturalisationsausweisee Abneigung oder Illoyalität gegenüber Sr. Majestät bewiesen hat oder wenn er in den ersten fünf Jahren nach der Erteilung des Ausweises zu einer mindestens zwölfmonatigen Gefängnisstrafe, zu Strafarbeit oder Vi einer Geldstrafe von mindestens 100 Pfund verurteilt worden Judenverfolgung Im Irak Zu der Angelegenheit der Judenverfolgung Im Irak Stellte Wedgwood folgende Fragen: „Ist de? Außenminister im Besitze eines Berichtes seitens unserer dort stationierten Luftstroitkräfte? Besteht die Möglichkeit, daß unsere dortigen Vertreter Vorstellungen bei der Irak-Regierung erheben?" Abg. J a n n e r; „Besitzt der Außenminister Informationen betreffend das Verbot gewisser jüdischer Zeitungen?" Außenminister Sir John Simon: „Was die letzte Frage betrifft, so bin ich nicht in der Lage, sie ohne vorherige Ankündigung auf der Stelle zu beantworten. In Beantwortung der Frage des Abgeordneten Wedgwood erklärte ich, daß Ich nicht Informationen seitens der von ihm erwähnten Quellen im Sinne hatte. Was unsere eigene Ansicht in dieser Angelegenheit betrifft, so glaube ich, daß jedermann verstehen wird, welche Gefühle durch die Dinge erweckt wurden, auf die er aufmerksam gemacht hat." Abg. Wedgwood: „Wird der Außenminister des blutigen Vorgehens der Jrak-Regierung gegenüber den Armeniern eingedenk sein und darauf achten, daß os sieh nicht wiederhole?" Diese Frage blieb unbeantwortet. Flughäfen in Palästina Der Abgeordnete Bamett Janner fragte den Minister für die Kolonien, ob er jetzt in der Lage sei, detaillierte Mitteilungen beuUglich des Planes der Errichtung von zwei nach modernen Grundsätzen anzulegenden neuen Flughäfen in Palästina zu machen; wo diese Flughäfen liegen würden, wer die Kosten ihrer Errichtung tragen solle und in welchem Verhältnis die Kosten aufgeteilt werden würden. Sir Philip Cunliffe-Lister antwortete, er könne seinen früheren in dieser Sache abgegebenen Erklärungen nichts hinzufügen. Auf eine weitere Frage des Abgeordneten, ob es dem Kolonienminister bekannt sei, daß Meldungen über die Errichtung von Flughäfen in Palästina vorliegen, antwortete der Minister, alle diese Berichte seien ihm bekannt und er werde den Abgeordneten Janner verstandigen, wann er eine bestimmte Erklärung abgeben werde. Weitere Millionen uH Zu Lasten der Palästina-Wirtschaft Bei der Zusammenstellung des Budgetentwurfs hat die Palästina-Regierung die Einnahmen mit 5,8 Millionen Pfund, die Ausgaben mit 3,5 Millionen Pfund eingesetzt, po daß sie also mit einem Ueberschuß von % Millionen Pfund für das heurige Verwaltungsjahr rechnet, Dazu kommt noch eine Summe von 4 Millionen Pfund Ueberschuß aus den vorausgegangenen Jahren. Da die Entwicklung des Landes mit der jüdischen Einwanderung eng verbunden ist, kann man aus dem Budgetentwurf der Palästina-Regierung schließen, daß sie mit einer weiteren großen jüdischen Einwanderung rechnet, zumindest im bisherigen Umfang. * In unserer Ausgabe vom 8, Februar haben wir davor gewarnt, die Aufnahme von Anleihen durch die Palästina-Regierung als fürsorgliche Maßnahme zugunsten des Jüdisohen Nationalheims zu begrüßen. Wir betonen hiebei, daß jede Anleihe den jüdischen Steuer-« zaMer trifft und daß sie bei dem großen BudgetüberscJmß völlig überflüssig ist, Die obenstehende Meldung von weiteren großen Ueberschüssen, die bereits 6 Millionen Pfund für die englische Kasse ausmachen, bestätigt die Berechtigung unserer Kritik. Auf der einen Seite Millionen Pfund aus der jüdischen Wirtschaft herauspressen und englischen Banken billig leihen, auf der anderen Seite kostspielige Anleihen, deren Zinsen die Jud.en zahlen müssen, aufnehmen, ist gewiß kein Beweis zweckmäßiger Wirtschaft. wöchentliche und Sonderfahrten Ungute Vorzeichen Wir haben wiederholt darauf hingewiesen, daß die zwischen Herrn Ben Gurion namens der linksorientiertan Zionistischen Exekutive und dem ReviaionistenfUhrer Herrn Jabotinsky geführten Verhandlungen über Herstellung des innerzionistischen Friedens einen sehr fraglichen Erfolg zeitigen werden. Es tot nicht die Aufgabe gerade der extremsten Parteion (unter Bei« seiteechtebung aller anderen Gruppen), das Innenleben des Zionismus «u gestalten, Nun, da ein in Paragraph« gezwängter Frieden eben verkündet wurde, sind Voraelchen eines noch schärferen Kampfes festzustellen, Auf der Krakauer revisionistischen Konferenz hat Herr Jabotinsky Thesen aufgestellt und bestätigen lassen, welche die Zionistische Weltorganisation herabsetaon, und die Exekutive dieser Organisation hat sich ihrerseits beeilt, Verfügungen zu treffen, welohe auf die Revisionisten provozierend wirken müssen. Die Revisionisten wollen nicht zum Kongreß gehen Die Zionistische Exekutive hat, wie die J. T. A. mit» teilt, in einer auf die Krakauer revisionistische Weltkonferenz Bezug nehmenden Erklärung angekündigt, daß Hatk ftrfftrfffrtf ffwfW W Wl^^rW^^W^W^^ REISEBÜRO LUTZKY & CO., /VftlllA«7Aii.f Wien IX, SpHalgasae 3, Tel. U>mfKWjAM£$ die Schekelformulare, die bei den Wahlen von Delegierten zum XDi. Zionistenkongreß als Legitimation dienen werden, dieDiszipIinlUausel enthalten werden. Die von der Exekutive in. London soeben ausgegebenen Schekel- Quittungen enthalten denn auch den folgenden neuen Passus: „Die Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation «etat die Unterordnung unter ihre Gesetze und die Beschlüsse der leitenden Instanten voraus. In allen zionistischen Fragen hat die DlszipUnpflicht gegenüber der Zionistischen Organisation vor der Diszlpllnpfllcht gegonuber jeder anderen Organisation den Vorrang." Das Präger Organ der Zionlsten-Revislonisten „Der J u d e n # t a a t" bemerkt zur Erklärung der Zionistischen Exekutive; „,,. pie Stellung der Revisionisten ist e i n d e u t i g und klar, tJabotinsky hat es in Krakau deutlich gesagt und die Weltltonferen» hat es beschlossen, daß die Revisionisten zum Zionlstenkongreß nichtgehen worden, wenn der Schekel die Disziplinklausel enthält." In einer folgenden Nummer schreibt der „Juden- Staat" unter dem Titel „Schändung des Schekels": ,»Die swlalisttsohe Zufallsmehrheit in der Z* O,, die diesen Standpunkt vertritt, hat sich sehr rasch in die Rollo des preußischen Generals einzuleben gewußt. Schon am letalen Kongreß in Prag hat sie dank einer aus „Blut» Beschuldigung' hervorgegangenen Majorität Diszi* plinparagraphe durch*uset*en vermocht, die sie unter allen Umständen ausaunutzeu bestrebt ist, um die .Diktatur des Proletariats* in Palästina und in der Z. O. m Stehern, Die Dltetplinklausei ist ein willkürlicher Akt, der nur und ausschließlich »u dem Zwecke vorgenommen wurde» um uns Revisionisten den Erwerb des Sehekels unmöglich zu machen." „Wir Revisionisten werden eine Dis*ipUuklausel am Schekel niemals anerkennen; wir können daher diesen Hchake 1 n 1 em a 1 s kauf e n. Die weitere Folge ist klar. Ohne Sehekel entfallt unser Wahlrecht «um Kongreß,'* Gegen den revisionistische» Tel-Chaj-Fonds Aus Jerusalem (J. T, A-); Die Zionistische Exekutive veröffentlicht eine Erklärung, in der festgestellt wird, daß der revisionistische KerenTelChaj von den zionistischen Stellen nicht anerkannt wird. Die Betätigung fttrihnschadige und gefährde die sioni- ^tischen Aufhäufend». Von einer Kolonisationsarbeit des Keren Tel Chaj sei der Exekutive nichts bekannt. An die jüdische Oeffentlichkeit wird der Appell gerichtet, den Be- «Uad der zionistischen Fonds zu behüten. Die großen, vorzüglichen Salonschiffe „GAULEA", „GERUSALEMME", „PALESTINA" der direkten Eillinie ST-JAFFA des TRIESTINO verkehren jeden Mittwoch und jeden zweiten Freitag Fahrpreis in der ausgezeichneten Touristenklasse samt vier Mahlzeiten täglich bloß ca. ö. S 258. Auskünfte: Lloyd Triestino, Wien, I., Kärntnerring ,~. >ge I Juden§taatf§partef Oesterreichs Versammlungs- und Veranstaltungskalender. Dienstag, den 12. Februar, Judenstaaisjiigcud Sektion Leopohle ladt, II., Taborstraße 21a: Vortrag Josef Frankel; Zionistische Geschichte. Beginn halb 9 Uhr abends. Dienstag, den 12. Februar, Jqdenstaatsjugend Sektion Prater, II., Kleine Zufahrtsstraße 166: Seminar für jüdisohe Geschichte. Vortragender Viktor Rosenfeld. Deginn halb 9 Uhr abends. D i e n st a g, den 12. Februar, Dezirksgruppe XrV/XV, Schanzstraße 33, halb 9 Uhr abends; Vortrag Dr. Salomon Wolf. Dienst a g, den 13. Februar, Judenstaatsjugend DHgittenau, XX., Hoinzelmunngasse 20: Vortrag Leopold Gold: Bodensozialismus, Beginn halb 9 Uhr abends. Mittwoch, den 13, Februar, im Zentralheim, L* Werdertorgasse 1.4, halb 9 Uhr abends; Versammlung. Referent Oberbaurat Robert Stricker: Revisionismus und Judenstaatspartei. Donnerstag, den 14. Februar, Sektion Leopoldstadt, IL, Taborstraße 21a, spricht Dr. Sal. Wolf in einem dreigliedrigen Zyklus über „Grundelemente und Entwicklung des Zionismus". Beginn halb 9 Uhr abends. Karten für den Zyklus (Regiebeitrag 60 Groschen) Im Vorverkauf im Sekretariat, H., Taborstraße Nr. 21a, täglich von 7 bis 8 Uhr abends außer Freitag und Sonntag bei den Vertrauensmännern. Die Sektion Leopoldstadt hat den bekannten Hebraisten Professor Wiesen für ihre Hebrälschkurse gewonnen. Kurse für Anfänger und Vorgeschrittene beginnen demnächst. Anmeldungen Im Sekretariat sind ehestens vorzunehmen. Geringer Kursbeitrag. Donnerstag, den 14. Februar, Gruppe Prater, IL, Kleine Zufahrtsstraße. 166, halb 9 Uhr abends: Vortrag Dr. Jakob Wein er: „Ist eine Verständigung zwischen Juden und Nicht Juden möglich?" Voranzeige: Am 21. Februar 1935 findet eine von der Sektion Prater veranstaltete Theatervorstellung im Jüdisohen Theater, IT., Prnterstraße 84, mit Sevilla Pastor statt. Spendet Bücher ilir die Bibliothek der Sektiou Prater, * Die Judenstaatsjugend bat eincTheater- und Orchestergruppe gegründet, die unter Leitung von Ch. Josef Feuer steht. Interessenton mögen sieh täglich (außer Freitag und Sonntag) im Sekretariat der Judenstaatsjugend, II., Untere Augartenstraße 28, zwischen 8 und 9 Uhr abends melden. Litauische Antisemiten über die Bedeutung der Juden Aus Kowno: In einer Versammlung des antisemitischen Kownoer Nationalen Wirtschaftsverbandes sagte der Verbandsvorsitzende Marzinkevviezis, der Verband verfolge nicht das Ziel, die Juden überhaupt aus Handel und Industrie hinauszustoßen, sondern nur den nationalen Litauern ihren Platz in der Wirtschaft des Landes zu sichern. Man müsse zugeben, sagte der Referent, daß die Juden für die Volkswirtschaft nützlich sind und daß sie sich in vielen Zweigen der Wirtschaft, besonders im Kleinhandel, als P i o n i e r e betätigt haben. Man müsse sich mit der Frage einer Z usammenarbeit mit dem jüdischen Kaufmann und Industrieilen befassen. Der Referent gab dann den folgenden Uebcrbliclc über die Beteiligung von Litauern und Juden an der Wirtschaft des Landes: Bei staatlichen Wirtschaftsunternehmungen sind 91 Prozent Litauer und 3 Prozent Juden beschäftigt; im Apothekergewerbe: 6& Prozent Litauer, 35 Prozent Juden; im Buch' und Schulutensihenhandel: Q6 Prozent Litauer, 33 Prozent Juden; im Milchhandel: 70 Prozent Litauer, 22 Prozent Juden; im Gastwirtegewerbe; 49 Prozent Litauer, 49 Prozent Juden; im Fleischhandel; 40 Prozent Litauer, öö Prozent Juden; in der Siißwareuerzeugung; 3g prqzent Juden; in der Konfektion: 85 Prozent Juden und nur 15 Prozent Litauer; im Kolonialwarenhandei; 34 Prozent Litauer, 64 Prozent Juden; in den Industrieunternehmungen sich Juden mit 52 Prozent und Litauer mit 40 Prozent vertreten. Von den Druckereien gehören 76 Prozent Litauern und 24 Prozent Juden; von den Kleiderwerkstätten gehören 26 Prozent Litauern, 71 Prozent Juden.