Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-02-12 · Heft 438 (12.2.1935) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 438 (12.2.1935)
Date
1935-02-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712062--4886-2718428
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Seite S DIE NEUE WELT Nr. 438 haljt« ich es f$r besser, daß es nun in der Leitung der „Creditanatelt" fceine Juden mehr gibt. Wenn die Arier gegen die Juden, weil sie anderer Rasse sifld, vorgehen wollen, dann dUrfen sie an das eine nicht vergessen: daß die Juden in der Minderheit sind und 4*ß es unfair ist, gegen ßiß Mittel anzuwenden, wie sie in Deutschland gegen sie angewandt werden." Auf die Frage, ob wirklich viele jüdische Angestellte von der Wiener Stadtverwaltung entlassen wurden, erwiderte Bundeskanzler Doktor Schusehnigg: „Das stimmt, aber diese Personen wurden entlassen, weil sie Sozialisten sind, und die So^aMsten nehmep eine feindliche Einstellung zur Regierung ein. Es ist bloßer Zufall, daß sie auch Juden sind." Die J. T. A. bringt hjezu folgende Meldung aus Wien: Seitens; des Bundeskanzleramtes wird gegenüber dem Wiener Vertreter der J. T. A. auf dessen Anfrage die Richtigkeit des angeblichen Interviews beatritten. Der Bundeskanzler hat kein Interview gegeben; seine in einer Unterhaltung mit einer holländischen Dame gefallenen zwanglosen Aeußerungen sind durchaus falsch wiedergegeben worden. Der Inhalt des angeblichen Interviewe stimmt keineswegs mit den Ansichten des Bundeskanzlers überein. Das Bundeskanzleramt legt Wert auf die Mitteilung, daß Aeußerungen des Bundeskanzlers weder in der von „De Tijd" veröffentlichten, noch in einer ähnlichen Form erfolgt sind. * Es scheint angezeigt, bei dieser Gelegenheit endlich ein offenes Wort über den Unfug zu sagen, der jetzt mit „jüdischen" Interviews getri&ben wird. Sie wachsen einem schon beim Ifalse hinaus. Kein Tag vergeht, ohne daß einem nicht „hochwichtige" Aeußerungen „einflußreicher" nichtjüdischer Persönlichkeiten über die Judenfrage aufgetischt werden. Vor allem glauben gewisse jüdische Journalisten und Funktionäre, wer weiß was für die jüdische Sache geleistet zu haben, wenn sie offiziellen Persönlichkeiten bei irgend welchem Anlasse Aussprüche über die Juden abbetteln oder abpressen und in der Presse und in Versammlungen breitschlagen. Nichtjüdische Schreiber folgen dann dem Beispiel. Dabei kommt nichts heraus, als belanglose Plattheiten, Dutzendphrasen. Interviews mit offiziellen, unter dem Zwange hundertfältiger Rücksichtnahme stehenden Persönlichkeiten haben nicht den geringsten Wert, sie täuschen nur über die faktische Lage weg. Man soll sich nicht einreden lassen, daß sie mit wirklicher Aufklärung und Verständigung etwas zu tun haben. KREUZ-KDHO '■ Wollzelle 17 Tel. R-24-2-16 „Der lange Schatten" Vorstellungen; V«|,V4lQ Klassenkampf/ Revisionismus/ Judenstaatspartei r4m lüärung In meinem ersten, der Klarlegung des Verhältnisses zwischen revisionistischer Union und Judenstaatspartei gewidmeten Artikel bin ich zu dem Schluß gekommen, daß eine Vereinigung der nach der Kattowitzer Konferenz 1933 voneinander geschiedenen Parteien unter den gegebenen Umständen grundsätzlich unmöglich ist. Ich haha, als einen der Hauptgründe, den Umstand hervorgehoben, daß wir Judenstaatler die zionistische Weltorganisation und den Zionistenfcongreß als großartige und unersetzliche Schöpfungen des Hersjsehen Genius ansehen und unser WUie» in ihnen?u verharren und sie wieder mit der Herzischen Judenstaatsidee zu erfüllen, unerschütterlich bleibt, trotz der schädlichen, Unzulänglichkeit d>r derzeitigen, ü>r Judenstaatsidee untreuen J^eitUUg dieser Institutionen. Der Präsident der revisionistischen Union Jabotinsky — und sein Wille ist ja dort der einzig maßgebende —,. will eine zweite, selbständige zioni- »tisciie Weltorganisation, einen zweiten Zionistenkongreß schaffen. Das trennt uns von ihm; und daß er aus taktischen Erwägungen der Realisierung seines Willens — ausweicht und halb geht und halb bleibt, trennt uns Judenstaatler noch weiter von ihm. Denn wir wollen Klarheit in der jüdischnatianalen Freiheitsbewegung, Ich will jetzt einen weiteren Grund behandeln, welcher der Wiedervereinigung der getrennten Parteien entgegensteht; den in jüngster Zeit zwisehen dem Führer der Zionisten-Soziallsten Ben Gurion und dem Revisionistenfiihrer Jabqtinsky abgeschlossenen Friedenspakt. Nicht wenige Zioniaten haben daran geglaubt, daß die „Versöhnung" der extremsten Parteien im Zionismus auch eine Annäherung zwisohen Revisionisten und Judenstaatlern, die doch programmatisch wenig weit voneinander entfernt sind, bewirken wird. Bs tut mir leid, diese optimistische Auffassung enttäuschen zu müssen. Der „FriedenspaktM hat etwas zerstört, was den Revisionisten und Judenstaatlern gemeinsam war. Beide waren einig in der vorbehaltlosen Ablehnung der Ideologie des Klassenkampfes. Der zwischen Jabotinsky und Ben Gurion abgeschlossene Pakt bedeutet aber Preisgabe dieses Standpunktes seitens der Revisionisten, Anerkennung der Ideologie des Klassenkampfes und ihrer Mittel durch die Revisionisten. Daß der Friedenspakt diesen und keinen anderen Sinn hat, geht aus der Darlegung des wesentlichen Inhaltes des Übereinkommens hervor, welches seitens Ben Gurions iro londoner Organ der Zionistischen Exekutive erfolgt ist. Ben Gurion sagt dort -~ unwidersprochen — folgendes: „Das abgeschlossene Ueberelnkommen verbietet den Streikbruch aus irgend welchen Gründen. Der Streikbrucb, welchen die Revisionisten früher als »nationale Pflicht* betrachtet haben, war eine der emstesten Ursachen der Spaltung des Jlschuw ... Infolge des nunmehr abgeschlossenen Uebereinkommens müssen die revisionistischen Arbeiter mit den anderen Arbeitern gemeinschaftlich handeln ... Nur wenn eine, einer gewissen Grupue angehörlge Minorität — über meinen VorsoMag 25 Prozent aller Arbeiter im Streikgebiet — ein Schiedsgericht vorschlägt, n u r d a n n Holl der Streik unterbleiben. Wenn der Unternehmer Unterhandlungen verweigert oder einen Schiedsspruch nicht erfüllen will, dann Ist der Streik erklärt und diese Erklärung ist für alle bindend. Die Minorität kann aber einen Streik nicht verhindern, wenn der Unternehmer es versucht, die Arbeitsbedingungen zu verschlechtern oder einen seiner Arbeiter aus ungenügenden Gründen zu entlassen oder deshalb, weil dieser Arbeiter der .Histadruth' (die auf sozialdemokratischem Standpunkt stehende Gewerkschaft. Anm. der Red.) angehört." Es sei vorerst festgestellt, daß dieses Abkommen absolutes Diktat der auf die Mittel des Klassenkampfes eingeschworenen Histadruth be-r deutet, da sie ungefähr zwölf- bis dreizehnniäl soviel Mitglieder zählt als die revisionistische Gewerkschaft. Unter solchem Verhältnis ist der Punkt, welcher einer Minorität von 25 Prozent ein Veto gegen den Streik einräumt, eine leere Floskel. Gestreikt wird werden, wann und wie die Histadruth will. Nur mit dem Unterschiede, daß jetzt jeder faktische oder moralische Widerstand der revisionistischen Arbeiterschaft, die mittun muß, fortfällt. Also — vom Standpunkte der Gegner der Klassenkampf-Ideologie besehen — eine Verschlechterung des bisherigen Zustandes, eine weitere Vertiefung des Gegensatzes zwischen jüdischer Arbeiterschaft und. jüdischen Unternehmern in Palästina, Viel wesentlicher ist aber der Umstand, daß durch dieses Uebereinkommen der wichtigste Programmpunkt gegen den Klassenkampf, die Forderung nach dem nationalen Arbeitsgerichte preisgegeben ist. Von diesem Gerichte, das nicht von streitenden Unternehmern und Arbeitern da und dort gewählt, sonder« von der ganzen Nation ein« gesetzt und mit deren ganzer Autorität ausgestattet wird, von diesem Geriohte ist in der Abmachung überhaupt keine Rede. Das einzige Mittel, welches den werdenden Judenstaat vor ruinösen sozialen Erschütterungen bewahren kann, findet in der Abmachung nicht einmal Erwähnung. Die Klassenkampf-Ideologie siegt mit ihr. Wir Judenstaatler sind Schüler Theodor Herds, erachten den Widerstand gegen Klassenkampf' bestrebungen als unerläßliche Vorbedingung für den Kampf um den Judenstaat, Ein Vo]k, dessen wichtigste Teile in unversöhnlicher sozialer Feindschaft gegeneinander stehen, ist unfähig, einen Staat zu bauen, und gar den Judenstaat, dessen Errichtung an die Ueberwindung einzigartiger Hindernisse ge* bunden ist. Und wir lehnen den Klassenkampf in Palästina ab, weil er mit dem Grundsatze der jüdischen Arbeit im jüdischen Lande unvereinbar ist und weil er mit einer Niederlage der jüdischen Arbeiterschaft endigen muß. Jier Klassenkampf hat schon in anderen Ländern zu gefährlichen Reaktionen geführt und Entrechtung der Arbeiterschaft mit sich gebracht. In Palästina steht aber die Arbeiterschaft im Kampf* unter noch viel schlechteren Bedingungen. Der kämpfende Arbeiter In Palästina hat nicht nur den Unternehmer vor sich, er hat die ungeheure Reservearmee der arabischen Arbeiterschaft hinter sich. Der arabisohe Arbeiter ist bereit, unter allen Bedingungen an die Stelle des jüdischen Arbeiters zu treten, aus wirtschaftlichen und nationalen Gründen. Der jüdische Unternehmer braucht nur au winken und er wird kommen, und dann ist die jüdlsohe Arbeiterschaft ausgeschaltet und zerschlagen. Und der jüdisohe Unternehmer wird aicher den arabischen Arbeiter rufen, wenn ihm droht, von der jüdischen Arbeiterschaft im Klassenkampf besiegt zu werden. Nur die nationale Solidarität der jüdischen Unternehmerschaft mit der jüdischen Arbeiterschaft kann die erste davon abhalten, den billigeren und gefügigeren arabischen Arbeiter einzustellen. Die Ideologie des Klassenkampfes aber, welche die unversöhnliche Feindschaft zwischen jüdischen Ar-« heitern und Unternehmern als „naturgegeben" ansieht, zerstört die nationale Solidarität und be/aubt so die jüdische Arbeit ihrer Grundlage. Wir Judenstaatler lehnen daher jede Form de9 organisierten Klassenkampfes ab: weil wir den Judenstaat wollen, weil wir die jüdische Arbeit im Lande wollen, weil wir die jüdische Arbeiterschaft vor Ausschaltung, Entrechtung, Verelendung, vor unausweichlicher Niederlage im Klassenkampf bewahren wollen. Dieses unabänderliche Wollen hat uns seit jeher davon abgehalten, in der Frage des Klassenkampfe? eine Konzession zu machen, um mit der „H1 s t adruth" gehen zu können. Wir sind natürlich ebensowenig bereit, eine Konzession zu machen, um mit der Revisionistischen Union gehen zu können, in deren Namen Herr Jabotinsky jetzt eine Abmachung abgeschlossen hat, welche Kapitulation vor der Ideologie des Klassenkampfes bedeutet. Ich halte es für gut, einem eventuellen Verwand zu begegnen. Vielleicht wird der oder jener, von der Abmachung peinlich berührte Revisionist tröstend sagen, daß es sich nur um ein dem Tagesfrieden dienendes provisorisches Kompromiß handle. Darauf ist nur zu sagen, daß es kaum eine ärgere Versündigung an der Judenstaatsidee gibt, tla solche Kompromisse um ihre wichtigsten Grundsätzen Wir Judenstaatler wollen Klarheit in diesen Dingen. Vor allem Klarheit um der Jugend willen. Ich habe in meinem ersten Artikel darauf hingewiesen, daß es verderblich wirkt, wenn man die Jugend in ein leichtsinniges Spiel um Ernstes hineinzieht: Heute in der Weltorganisation bleiben, morgen von ihr weggehen. Heute wird der Zionistenkongreß anerkannt, morgen wird er verleugnet. Jetzt wieder wird zum Klassenkampf gerufen, morgen wird man abpfeifen ... Wir Judenstaatler lehnen das mit aller Kraft ab. Die Abmachung, welche die Herren Jabotinsky und Ben Gurion namens der Zionisten-Revisionisten und Zionisten-Sozialisten getroffen haben, hat Judenstaatspartei und revisionistische Union gewiß nicht näher gebracht. Robert Stricker, Audi in der Schwefe Aus Zürich: Die im Kanton Basel mehrfach beschlagnahmte und verbotene, hetzerisch antisemitische Zweiwochenschrift „Der Volksbund" wird weiter in Solothurn herausgegeben, Unter dem Titel „Eine SumpfblüteM schreibt die „Neue Zürcher Zeitung", die letzte Nummer des „Volksbundes", die auf deutschen Bahnhöfen zum Kaufe angeboten wird, werde mit einem quergeklebten roten Kopfzettel ala die „nationalsozialistische Zeitung der Schweiz" bezeichnet. Sie sei zum Verwechseln dem reichsdeutschen Stürmer" ähnlich. In JSild und Schrift wird das Leitthema „Juda verrecke" über vier Seiten variiert. Die „Neue Zürcher Zeitung" schreibt: „Den zuständigen politischen und Veri keh.rsin.stanzen möchten wir empfehlen, sich, vom Standpunkt unserer nationalen wurde wie auch der Wahrung unserer gastgewerblichen Interessen, mit dem in Solothurn erscheinenden Blatte zu befassen. Die Pressefreiheit sollte denn doph nicht zum Freibrief für Jeden Schmierfink werden." Es sei bemerkt, daß auch in Genf, in französischer Sprache, ungehindert eine Monatsschrift unter dem Titel „L'Horamede d r o i t e" erscheint, die ebenfalls, ganz dem Vorbild des reichsdeutschen „Stürmer" entspricht und in allen Zeitungskiosken zum Verkaufe angeboten wird. Man zweifelt nicht daran, daß auch diese französisch getarnte Hetzschrift aus deutschen Quellen gespeist wird, Ueberfall auf eine jüdische Versammlung in Nancg Aus Paris: Mitglieder der antisemitischen nationalistischen Organisation „A c t ion Frangalse" haben in Nancy eine Versammlung jüdischer Studenten überfallen. Eine jüdische Studentin wurde verletzt. Hcbräisch-Lehrer oder -Lehrerin gesucht. Eine jüdische Gemeinde in Jugoslawien sucht einen hebräischen Lehrer oder eine Lehrerin, Auskünfte in den Verwaltung unseres Blattes, Wien, IX., Universitätsstr. 8< t, Der Fratz" (RaimundsTheatff) In diesem überschäumend lustigen StüeH haben Inszenierung, Kleider und Hüte nicht wenig isum Krfolg beigetragen. Lotto Lang ala reisender FraU sieht in ihrem Vormittagskleidchen aue buntbedrucKtem Crepede-ohlne, ferner Im weißWauen mit weißem CHU'tel und im vornehmen weißen Sommer-AhendKlold aus geblümten Organdy entzückend aus. Letztmodern sind die Hüte: ein rotes Filz- Auf schlagstilhütchen und ein großer, weißer, aus Stroh-Wollgeflecht geschaffener Hut. Die Hall der englischen Villa erhellen schöne bronzene Wandleuchter und eine gegossene Bronze-Stehlampe beim Ruhebett. DIE HUT! S T A M N ■ N VOM HVTSAION -R 1* €5 (Herta Messinger) I.BeglerungHgoiise 1, Telephon U« 30 «8* 18 Die hübschen jugendlichen Kleider stammen vom SALON M4RINOVICH Wien Ii, ichUtt«M*tr*ne ai, Telephon 0-51-2-35 Die modernen Beleuchtungskörper stammen von der ERZGIESS FREI Ä. Q. Wien VUI.Josefslädterstrtfe 44, Telephon A-20-5-4S

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.