Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 438 (12.2.1935)
- Date
- 1935-02-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 droschen Jahrgang * Dienstag, den!«♦ Frr <*JS Nr* 43S DIE NEUE Zeitung vom Verleger versend«* „Journal expedie par TMiteur'* REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, 3 16.—: Polen monatlich Zloty 1.00, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ka 15.« ^©«lawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deut* .and monatlich Mark 1.—, vi«rto10hrlg Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Urt 14.—i Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitä'sstr. 8,7et. A-20-2-78 — Erseheint Diensteg u. Freitag Was sagt die Kulturwelt? Äne neue Welle des Hasses und Terrors ergießt «Ich. über die Juden in Deutachland. An der Spitze der blutrünstigen Haßpropaganda steht der Nürnberger „Stürmer", der mit einer großzügigen Reklame für eine von ihm veranstaltete Sondernummer begonnen hat. Die „Jüdische Rundschau" (Berlin) schreibt darüber: „Das zur Reklame ausgegebene Flugblatt, das unserer Redaktion yon mehreren Empfängern zugesandt wurde, zeigt eine widerliche Gestalt, die offenbar einen Juden darstellen soll, mit einem spitzenMesser in der Hand, auf dem groß das Wort „Talmud" steht. Zu dieser Art Propaganda paßt es gut, wenn in der letzten Nummer des „Stürmer" unter der Rubrik „Zeitgemäße Anzeigen des Stürmer" folgender Text steht: „Streng koschere Kille (Judengemeinde) sucht erstklassigen .schochet* (Schächter) zum , Schwarz- Schächten', welcher auch Erfahrung in »Ritualmorden' hat. Zuschriften unter ,Gojlmbluf koscher •chel Pesach." Wir Juden können nur erstaunt fragen, wie lange noch derartige Beschimpfungen gegen uns fortgesetzt werden sollen. Der neue Staat, der die Idee der Ehre als eine der höchsten proklamiert hat, muß Verständnis dafür haben, daß auch wir Juden einen Schutz unserer Ehre beanspruchen." * Solche Auageburten einer widerlich-krankhaften Phantasie werden in Deutschland als Kampfmittel zur Verunglimpfung der Juden und des Judentums benützt. Hitlers intimster Freund Julius Streicher, ein verantwortlicher Führer, ein Oberpräsident mit Regierungsvollmachten, leitet die Kampagne vor den Augen der Welt, vor den Augen der maßgebenden Faktoren aller Länder. Wie lange noch werden die Kulturstaaten mit den Männern eines Regimes verhandeln, das derart Schändliches teils veranlaßt, teils duldet? Es muß einen Punkt geben, wo die menschliche Gesittung aus Gefahr für sich selbst eine Berührung mit derlei Niedrigem ablehnt. Sie haben auf das Mmderheitsredil verzichtet ♦ ♦ ♦ Aus Loh do n wird gemeldet:. Colonel Josiah Wedgwood richtete im Unterhaus an' den Minister Sir. John Simon die Frage, ob die Regierung Nachrichten über den überhandnehmenden Antisemitismus und die antijüdischen Aktionen im Irak habe; ob die Regierung nicht glaube, daß durch solche Aktionen die britische Stellung In Palästina tangiert wird und ob die Regierung nicht im Irak deswegen Vorstellungen erheben wolle. Sir-John Simon erwiderte: „Ich habe in den letzten Monaten Berichte über eine judenfeindliche Entwicklung im Irak gesehen und ich bedauere, sagen zu müssen, daß diese Berichte bis zu einem gewissen Maß durch meine Informationen bestätigt werden. Ich habe keinen Grund zur Annahme, daß die Irak-Regierung irgendeine Aktion unternommen hat, um die Stellung der britischen Regierung in Palästina zu beeinträchtigen." * Die Irak-Regierung hat bei der Aufnahme des Irak in den Völkerbund die Klausel bezüglich Schutz der Minderheiten nicht unterschreiben müssen, weil sie eine Erklärung der jüdischen Gemeinden des Irak beistellen konnte, daß die Juden des Landes auf Minderheitenschutz verzichten. Seither sind die Juden der Willkür der Behörden schutzlos preisgegeben. Als Folge der Propaganda der mandatsgegnerischen palästinensischen Araber nimmt die antisemitische Bewegung im Irak zu und die Regierung hat ein raffiniertes System der Unterdrückung der Juden eingeführt, das sich auch äüf geistige Dinge erstreckt. So z. B, darf kein jüdisches Buch und keine jüdische Zeitung aus dem Auslande in das Land kommen. Ausländischen Juden wird die Einreise grundsätzlich verweigert. Sogar dem Londoner Direktor der Shell Company Sir Robert W a 1 e y - C o h e n, der an der Einweihung der pipe line in Kirkus teilnehmen wollte, wurde das Einreisevisum verweiget. Auf diese mandatsfeindlichen Einflüsse im Irak, die die britische Stellung in Palästina berühren können, spielte Colonel Wedgwood in seiner Unterhausanfrage an. Der Fall des Judenschicksals im Irak bestätigt wieder einmal die von zionistischer Seite seit jeher betonte Bedeutung des Minderheitsrechts für die Juden. Der Willkür der Behörden schutzlos preisgegeben das ist der Zustand, in den die jüdische Minorität geraten kann, wenn sie sich des im Völkerbund vorgesehenen Schutzes der Minorität freiwillig und unbedacht begibt Das Vorgehen der Irak-Regierung gegen ihre jüdischen Staatsbürger ist ein warnendes Signal für alle jene* die immer noch das Minderheitsrecht bekämpfen, indem sie vorgeben, daß ja die im Gesetz vorgesehene Gleichberechtigung genüge und Minderheitsrecht — minderes Recht bedeute. Frühling in Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: Nach den Stürmen, Wolkenbrüchen und Ueber- •chwemmungen der letzten Tage herrscht heute in Palästina strahlendes Frühlings wette r. Die Aufräumungsarbedten nach den Verwüstungen durch das Unwetter sind überall in vollem Gange. Mittel-Palästina ist noch' Immer vom Verkehr mit der Umwelt zu einem großen Teil abgeschlossen. Der High Oommissioner hat sich in das Uoberschwemmungsgebiet begeben. In die Salomonischen Teiche sind durch die Wolkenbrüche Innerhalb 24 Stunden 25 Millionen Gallonen Wasser eingeflossen. Das sind drei Viertel des Wasserbedarfs Jerusalems. Die mit dem Dampfer „Polonia" im Hafen von Jaffa eingetroffenen Palästina-Einwanderer konnten wegen des herrschenden Sturms nicht landen. Das Schiff * fuhr nach HVi'f 'a, wo die Einwanderer, landen konnten, Wettefrsdiaden in Palästina Aus Jerusalem: Laut amtlicher Bekanntmachang wurde mit Rücksicht auf die Folgen der Wetterkatastropbe für die Stadt Nablus (Sichern) ein allgemeines Moratorium bis zum 20. Februar gewährt Ueber den durch die Ueberschwemmungen in Palästina angerichteten Schaden liegen verschiedene Schätzungen vor. Die Reuter-Agentur beziffert den Schaden mit ' 150.000 Pfund, Laut offiziellen Angaben haben während der Katastrophe 1« Araber in verschiedenen Teilen Pa- — den Ertrinkungstod «rUtten« davon drei in Nablus und zwei in Istan in der Nähe von Tulkarem. Inoffiziell schätzt man die Verluste an Menschenleben wesentlich höher. So z. B. wird gemeldet, daß die Fluten in Kai kl IIa ein Haus fortgeschwemmt haben, wobei dreizehn Personen umgekommen sind, sieben Leichen wurden geborgen. Dreieinhalb Millionen Kisten Orangen Aus Jerusalem: Seit Beginn der diesjährigen Citrus-Saison wurden 3,358.800 Kisten Citrus-Früchte, hauptsächlich Orangen, aus Palästina exportiert. In der vorjährigen Saison wurden 2,565.000 Kisten Citrus- Früchte aus Palästina exportiert. Jiddisdustisdie l*alästina*Zeilung eingestellt Die „Naje Welt", das linkspoalezionl stis c h e Organ für jiddischistische Propaganda in Palästina, hat, nach einer kürzlich erfolgten Meldung, zu erscheinen aufgehört. Insgesamt waren fünf Nummern erschienen. In der letzten Nummer verabschiedet sich die JRedaktion von ihren Lesern und erklärt, das Blatt habe eingestellt werden müssen, da keine Druckerei zu finden war, die den Druck der Zeitung übernehmen wollte. Die Redaktion wendet sich gleichzeitig in einem Aufruf an ihre Gesinnungsgenossen in der ganzen Welt, worin die Sammlung von Geld zwecks Ankaufes einer eigenen Druckerei in Palästina propagiert wird. IUPENSTAATSPARTEI_ Mittwoch, den 13. Februar, im ZENTRALHEIM 1, Werdertorgasse 14, um %9 Uhr abends VORTRAG Referent: Oberbaurat ROBERT STRICKER Thema: Revisionismus und ludensfaafsparvei Gäste willkommen! Ihm tkkmam Eine Schaffensperiode von sechzig Jahren ermöglichte die Eingliederung in die Kunstgeschichte schon bei Lebzeiten des soeben im Alter von 87 Jahren verstorbenen Max Liebermann. Sein Werk beginnt in der Aera des europäischen Naturalismus, überwindet die Hobenzollernperiode und wehrt sich gegen alle Schläge, die der sogenannte Expressionismus gegen die Entdecker des Lichts und aller anderen atmosphärischen Reize geführt hat, Max Liebermann ging es um" die. W a h r h e i t Jn der Malerei. Dir diente er . sein langes Leben lang. Durch sie wurde er Repräsentant der — deutschen Malerei. Die Karriere war etwas, das sich von selbst ergab. Als Gründer und Präsident der Berliner Sezession, als Führer der Preußischen Akademie genoß er auch alle äußeren Ehren. Der deutsche Reichspräsident Hindenburg, sein Altersgenosse, verlieh ihm zum 80. Geburtstag den Adlerschild des Reiches. Als das Dritte Reich anbrach, legte Liebermann, der Jude, sein Amt als Präsident der Akademie nieder. Für den Mann, dessen Werke in der Welt als Produktion „deutschen Malergeistes" halten, war seit Einführung des Rassenprinzips in der Bewertung der Kunst kein Platz mehr. Das Werk des Juden Max Liebermann ist unsterblich — unabhängig davon, ob man es in die deutsche oder in die allgemeine Geschichte der Malerei eingliedert. Unfug mit //jüdisdien" Interviews In der Auslandspresse wird jetzt viel über ein in der holländischen katholischen Tageszeitung „De Tijd" abgedrucktes Interview mit dem österreichischen Bundeskanzler Dr. Sehuschnigg geschrieben. In dem sehr umfangreichen Artikel werden dem Bundeskanzler u. a. folgende Aeußerungen zugeschrieben: „Ich halte die vom Gesichtspunkte der deutschen Rassenfrage unternommenen antisemitischen Aktionen für falsch. Die Juden sind den Ariern gegenüber durchaus nicht inferior sie sind ihnen „ebenbürtig". Wenn sie sich zuweilen als geistig stärker, schärfer erweisen, so geht ihnen andererseits „Bodenständigkeit* ab. Wenn jüdische Geietagkeit falsch gelenkt wird, so hat dies weit gefährlichere Folgen als bei arischer Geistigkeit. Ich beabsichtige nicht, gegen die Juden in Oesterreich etwas zu unternehmen, ich halte es z. B. für falsch und töricht, einen Künstler, nur weil er Jude ist, aus seinem eigentlichen Betätigungsgebiet auszuschließen. Aber ich bringe nicht gern Juden in die höchsten Positionen, weil „au fond" es nur sehr wenige Juden gibt, die sich nicht vor allem anderen als Juden statt als Oesterreicher fühlen. Im Hinblick auf die Tatsache, daß die Bans» häuser fast alle in den Händen von Juden wäret)