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Die neue Welt · 1935-02-08 · Heft 437 (8.2.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 437 (8.2.1935)
Date
1935-02-08
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 437 Fürsorge, Pflege und mütterliche Behandlung. Die Stadt Tel-Awiw muß dies aus eigenen Mitteln schaffen. Anfangs 1933 beschloß der Stadtrat von Tel- Awiw, als dringende Maßnahme gegen die erwähnten Zustände, eine Abteilung für Kinderbetreuung (Machlakan l'tipul j'ladim) einzuführen. Ein Heim für verlassene Kinder wurde errichtet, wegen der bescheidenen Mittel nur mit 50 Betten. Im Budget für den Monat April 1934 waren für diesen Zweck insgesamt 300 Pfund vorgesehen. Die Palästina-Regierung, als Aufsichtsbehörde, zögerte, sogar diese kleine Summe — was bedeuten 300 Pfund im Budget einer großen Stadt? — zu bestätigen. Man schritt zu einer Propaganda für die Anstalt. Bis zum Jänner 1935 liefen im ganzen 1160 Pfund ein. In den Kassen der britischen Palästina-Regierung Hegt ein Budgetüberschuß, der sage und schreibe das Dreitausendfache dieses zusammengetrommelten Betrages ausmacht. Nach Schätzung des englischen Richters B odilly in Jaffa lungern fast tausend jüdische Kinder in den Straßen von Tel-Awiw herum. Hungernde, ruhelos«, aus fieberigen Augen in die Welt blickende Kinder, in Fetzen gehüllt. Sie beginnen die Laufbahn von Gangstern. Ihre Energie und ihr Wagemut wären einer besseren Sache würdig. Tel-Awiw kann allein nicht Abhilfe schaffen. Die Palästina-Regierung ist es, die aus unglücklichen Kindern Verbrecher macht. Sie läßt die Eltern nicht ins Land, sie schützt die Kinder nicht vor Verwahrlosung. So wächst unter der Aegide der vom Völkerbund betrauten Mandatarmacht ein neuer Typ im Nationalheim heran: der jüdische jugendliche Verbrecher! Fledc auf der Ehre ♦ ♦ ♦ Das jüdische Palästina — bester Kunde Triumphierend berichten Zeitungen und Redner in Hitler-Deutschland, daß Palästina zur besten Kundschaft Deutschlands zählt. Nur die „jüdischen Kommunisten" lehnen dort, deutsche Waren ab. Alle anderen kaufen sie gerne. So wird denen, welche die nationale Ehre um 2 und 3 Prozent Mehrprofit verkaufen, verdientes Hakenkreuzlob zuteil. Diejenigen, welche die nationale Ehre wahren, werden mit jüdisch-kommunistisches Gesindel abgetan. Aus Köln: Der Abteilungsleiter der Reichsstclto für den Außenhandel, Dr. Schneider, Berlin, hat hier über „Die Gestaltung der deutschen Ausfuhr im Kähmen der wirtschaftlichen Entwicklung P a 1 ä s 11n«, s" gesprochen. Er schilderte die rasche Entwicklung dieses englischen Mandatsgebiets, das durch die jüdische Einwanderung sich mpid entwickelt hat. Wesentlich ist die Nachfrage nach deutschen Maschinen. Bei Verbrauchsgütern Ist nnch wie vor mit einem Boykott gegen deutsch«« Erzeu»;tr!SKe zu rechnen, wenn auch diese Boykotthetze, die meist von j lidiscli-kommiinistischer Seite ausgeht, die Unterstützung offizieller Stellen dieses Landes bisher noch «ich t gefunden hat. Aus Essen: Der „Anzeiger für Maschinenwesen", Essen, gibt „Winke für das M a s c h i n e n g e s c h ä f t mit Palästina": „Falsche Anschauungen herrschen vielfach über die Absatzmöglichkeiten für Maschinen deutschen Ursprungs. Hiezu ist zu bemerken, daß gerade in Palästina der Boykott deutscher Erzeugnisse bei weitem nicht so scharf ausgeprägt Ist wie in einzelnen anderen Ländern. Gerade in den beiden letzten Jahren hat sich die palästinensische Einfuhr aus Deutschland sehr günstig entwickelt und konnte in den ersten drei Monaten der Jahre 1933 und 1934 jedesmal eine Steiger u n g von etwa fiO Prozent gegenüber dem Vorjahr erzielen." Bei Regen, Wind. Kä'te fwird man leicht von Erkältung befallen, man muß daher rechtteltlg dafür Sorge tragen, daß im Hause nid fehle der In seiner schmerzlindernden Wirkung einzige fana Franzbranntwein mit NENTN0L welcher für Massage, Einreibung, Umschlage und als Gurgelwasser gleich unentbehrlich In jedem besseren Ge?ch&ft erhältlich. Verlangen Sie ausdrücklich DIANA und nehmen Sie nur DIANA. Minderwertige Nachahmungen sind energisch zurUck7.uweisen. Verla§§ene Kinder werden Verbrecher Von Dr. I. Z..Kanner Der Titel kündigt kein Theaterstück, kein Filmdrama an. Er bezeichnet ein Stück Wirklichkeit. Ein Straßenbild in Tel-Awiw. Wir gaben uns der Genugtuung hin, die schönen Seiten unseres Nationalheims zu sehen — die Entsumpfung weiter Landstrecken, die Errichtung von Städten, den Bau von Straßen, die Pflanzung von Bäumen, die Hebräiaierung des altneuen Landes; denn wir sehnten uns nach Erlösung und wollten nichts mehr hören von Judennot, Und nun enthüllt sich, wie in diesem Blatt schon zu lesen war, „die andere Seite" ... Zu den Uebeln, über die wir zu klagen haben, gesellt sich, ein neues. Furchtbar klingt das Wort: I'ladim asuwim — Verlassene Kinder. Hefker-Kinder, herrenloses Gut, Unrat der Straße. Es gibt nichts, das unser Herz stärker erchüttern könnte, erschüttern müßte als dieses Wort. Man höre: Viele hundert jüdische Kinder lungern in den Straßen Tel-Awiws herum 1 Nachts schlafen sie auf den Bänken vor der Synagoge oder in der Rothschild-Allee. Bei Tag verkaufen sie. wie Hausierer, Zeitungen und Schuhbänder. Ihr eigentüches Geschäft beginnt vor Sonnenaufgang, zu einer Zeit, da Kinder noch schlafen. Auf den Zufahrtsstraßen lauern sie auf vorüberziehende Kamelkarawanen und, in unbewachten Augenblicken, schneiden sie die Säcke auf und hamstern, was heraus-. fällt: Obst, Lebensmittel... Die Karawanenleiter sind solchem Treiben gegenüber machtlos. Verlassene, unglückliche, gestrandete Kinder! Schon vor längerer Zeit beschäftigte sich eine Konferenz von Aerzten, Lehrern und Erziehern (Dr. Wolf, Rabb. Bermann, die Herren Berachian, Altermann) mit diesem Problem. Es wurde festgestellt, daß die meisten „verlassenen Kinder" 8 bis 12 Jahre alt sind, wobei die Knaben sich des Diebstahls, die Mädchen der Prostitution schuldig machen. 110 Fälle wurden einwandfrei registriert. Man spricht nicht gern von diesen beschämenden Dingen, aber besser, sie abzustellen als zu verheimlichen. Nun geht es darum, nach Konstatierung der Krankheit deren Ursachen aufzudecken. Lange schon gehen die Nachrichten über das Treiben der verlassenen Kinder durch die hebräische Presse Palästinas, aber bei uns in der Gallith nahm man davon keine Kenntnis. Aus Scham? Aus Sentimentalität? Aus falsch gesetzter Rücksicht? Dem, was wie eine Schande für das jüdische Palästina aussieht, muß man auf den Grund gehen. Tut man dies, dann ergibt sich eine bittere, zum Himmel schreiende Anklage. Die unglücklichen, verwahrlosten, entarteten Kinder sind nämlich keine Findlinge, Bastarde, Verstoßene, auf die Straße Gesetzte. Sie wurden nicht in Massenquartieren, Armenvierteln, Höhlen des Lasters und Verbrechens ge- 'boren. Nein. Sie stammen von ehrbaren griechischen, polnischen, jemenitischen Eltern, die nicht zusehen wollten, wie ihre Kinder dem Hunger und der Verzweiflung anheimfallen, und daher zu «inem abenteuerlichen Mittel griffen, bzw. greifen: Einer kinderreichen Familie, die da« Glück hat, eine Einreisebewilligung nach Palästina zu bekommen, schließen sie auch ihr Kind an. Bei der Paßkontrolle, die hauptsächlich den erwachsenen Illegalen gilt, fällt ein Kind* mehr od'uweniger nicht, auf. Die Hauptsache bleibt, man ist ins Land gokommen. Nun braucht man sich um das aus bloßer Gefälligkeit mitgenommene Kind nicht mehr zu kümmern. Jede Verpflichtung hört auf. Was aber soll das auf sich allein angewiesene Ki^d tui? Dil Ma.ndatarmoc.ht hat keine staatlichen; Schulen mit Schulzwang errichtet Die Mandatar- I macht hat keine Jugendheime gebaut. Die Mandatarj mnoht hält Beratungsstellen (für Jugendliche) für , üb rnüssig. In Tul-Keren hat sie allerdings eine Erziehungsanstalt aufgestellt. Aber diese Anstalt ist «ichts anderes als ein Zuchthaus. Kinder brauchen > 9ei RoDffdjmewtt, rfieumatiWiett tmfc giefttifchen 23efd)tuerbeu wirft Xogal rafdj unb jtefier. £aut notarieller 23efiäiigtntg aiterfettnen über 6000 Sierße, baruntcr nielc bebeutenbe ^Srofefforeu, bic heroorragenbe SBirfung bes Sogal. 3?t allen SIpotfi. erpltl. <ßr. S 2.40. Herr Naumann muß den „Stürmer" abonnieren Der „Stürm er" des - Hitler-Freundes Julius Streicher in Nürnberg hat sich in der Kulturwelt — außerhalb Deutschlands — dadurch einen Namen gemacht, daß er die hakenkreuzlerische Haßpropaganda gegen das Judentum in einer Weise betreibt, die alle Grenzen auch der vom Rassenwahn umnebelten Vernunft überschreitet. Man hat den gegenwärtigen deutschen Geisteszustand zum Teil auch nach den Auslassungen des „Stürmer" beurteilt. Das war der deutschen Reichsregierung nicht recht. Zitate aus dem „Stürmer" in jüdischen Blättern, die aus Deutschland Dach dem Ausland gehen, wurden als Greuelpropaganda betrachtet und mit der Drohung bedacht, man werde solche Blätter einstellen. Nun kommt aus Berlin eine Nachricht, die alles Bisherige dieser Art übertrifft. Sie lautet: „In einem Rundschreiben der Deutschen Arbeitsfront wird sogar den provinziellen und örtlichen Organisationen in ganz Deutschland die Propaganda für den „Stürmer" zur Pflicht gemacht. Es wird verlangt, daß jeder Betrieb zumindest ein Exemplar des „Stürmer" abonniert. Diese Forderung wird jetzt auch an nichtarische Betriebe gerichtet, die sich gegen eine solche Zumutung sträubon, während von der Deutschen Arbeitsfront erklärt wird, daß gerade darauf Wert gelegt werden müsse, daß auch in den nichtarischen Betrieben der „Stürmer" gelesen werde." In Hitler-Deutschland werden also jüdische Geschäftsinhaber verpflichtet, d. h. gezwungen, den Ritualmord -„Stürmer" zu abonnieren. Die beste Antwort an Herrn Naumann, den Führer der nationaldeutschen Juden, der erst kürzlich (siehe unsere Ausgabe vom 5. Februar!) dem Hitler-Regime seine Reverenz erwiesen hat. das teste und fäUtendc -reo nunänUcUe RESTAURANT SPRITZER (früher im „National", dann im „Stefanie") jetzt II, Hammer-Purg«tall*Qaate 7 (Nähe Dianabad), biirißt vorzügliche, abwechslungsreiche Mittagsu. Abend-Menüs schon ab Schilling 1.60. Bekannt gute Wiener Küche und alle orientalischen Spezialitäten 0f am Rost und Spieß "lag S?a!ä*tin<ifSiedlung der ludenstaatfluqend Aus Warschau wird berichtet: Dem Hauptkommando des Brith Hakanaim in Polen wird aus Palästina telegraphiert, daß die letzten Olim des Brith Hakanaim Polens und Litauens in der ersten Arbeltssiedlung des Brith Hakanaim in Neß Ziona auf Nationalfondsboden angesiedelt worden sind. Die oberste Leitung des Brith Hakanaim, der Jugendbewegung der Judenstaatspartei, hat der bekannte hebräische Dichter Dr. Jakob Kahan, der sich jetzt dauernd in Tel- Awrw niedergelassen hat, Übernommen. Das Handelsabkommen zwischen Südafrika und Deutschland bricht zusammen Aus London: „Morning Post" meldet aus Johannis bürg, daß das zwischen Deutschland und Südafrika abgeschlossene Handelsaustauschabkommen am Zusammenbrechen ist. Auf Grund dieses Abkommens hätte Südafrika von Deutschland Wollwaren um 2% Millionen Pfund beziehen sollen. Infolge des Boykotts deutscher Waren durch die südafrikanischen Juden Ist Südafrika außerstande, auch nur annähernd dieses Kontingent deutscher Wollwaren abzunehmen. Das Palästina-Komitee für Boykott Hitler-Deutschlands Aus Haifa: Dem letzten Bulletin des Palästina- Komitees für Boykott Nazi-Deutschlands ist zu entnehmen, daß die Boykottzentrale in Haifa getagt und eine Reorganisation der Boykottbewegung vorgenom-. men hat.. Gegenstand der Aussprache bildete auch das Transferabkommen! Es wurde festgestellt, daß die Boykottaktion in Palästina in eine neue Phase getreten ist, es wurden besondere Handelsbräuchen organisiert, auch wird eine Boykottprqpaganda unter Handwerkern geführt. Die jüdischen Kaufleute erhalten regelmäßige Boykottzirkulare. Eine Jugendversammlung in Haifa beschloß den totalen Boykott deutscher Waren. Eine revisionistische Erklärung Die J. T. A. meldet aus New York; Der jetzt in Amerika wellende Präsident der Union der Zionisten-Revisionisten, Wladimir Jabotlnsky, gab dem Vertreter der J. T. A. folgende Erklärung ab: Eine Frage der Sezession existiert heute nicht mehr, denn die Revisionistische Union Ist bereits ein von der Zionistischen Organisation vollkommen getrennter Körper. Unsere Bewegung ist nicht Teil irgend einer anderen Organisation. Unsere Union hat kein besonderes Interesse am Zlonistenkongreß. Gerne jedoch wollen wir verhandeln, um Verständigung zu schaffen. Was die sogenannten Friedenspakte betrifft — es gibt gar keinen Friedenspakt. Es handelt sich lediglich um Einstellung der Feindseligkeiten in ihrer schlimmsten Form. Bisher haben wir nur einen Waffenstillstand erreicht. Als der J.-T.-A.-Vertreter es zur Sprache brachte» daß Jabotlnsky während der Rede Dr. Wolfgang von Weist» auf der Weltkonferenz der Revisionisten in Krakau den Saal verlassen hatte, gerade als Welsl die Forderung nach einem klaren Bruch mit der Zionistischen Organisation aufstellte, erklärte Jabotlnsky: Ich freue mich, daß Sie diesen Punkt zur Sprache bringen. Mein Verlassen des Saales während der Rede war auf einen rein zufälligen Umstand zurückzuführen. Ich hörte Weisl mit großem Interesse zu. Zum Schluß erklärte Jabotlnsky: Es ist meine Ueberzeugung, daß der: Revisionismus die dominierende Macht im Zionismus werden muß. Natlonalzaranisten lehnen den Numerus clausus ab Aus Bukarest: Der Rat der gegenwärtig in Bukarest tagenden nationalzaranistischen Partei (Nationale Bauernpartei) lehnte mit großer Mehrheit den vom früheren Ministerpräsidenten Vaida Voevod gestellten Antrag, in das Parteiprogramm die Forderung nach Numerus clausus gegen Juden und ander« Minderheiten im Schulwesen, in staatlichen und privaten Anstellungen, in Industrie und in verschiedenen Berufen und Gewerben aufzunehmen, ab. Die Parteiführer M a n i u und M i h a 1 a c h e sowie andere prominente Parteimitglieder nahmen entschieden gegen den Antrag Stellung und erklärten, eine Annahme dieses Antrages würde der Nationalen Bauernpartei, dl« in den Reihen der Juden und der Minderheiten größer« Sympathien genießt als di« anderen Partelen, se** schaden.

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