Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 436 (5.2.1935)
- Date
- 1935-02-05
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wr. 436 Seit« 3 1 AUS PALÄSTINA Der Kampf um Hille beginnt Von unserem Jerusalemer Korrespondenten Wir haben wiederholt und ausführlich Uber den Erwerb des Hule-Gebletes dureh die Zionistische P. L. D. C. berichtet. Nachdem die P. Ii. D. C. alles gezahlt und diesen Staatsboden mit Zustimmung der Regierung übernommen hat, beginnt arabischeraeits ein Kampf, Über welchen unser Korrespondent be richtet: Es wäre ein Wunder gewesen, wenn eine so große Transaktion, wie es der Kauf der Hule-Geblete durch die Palestino Land Development Co. ist, ohne weitere Differenzen beendet worden wäre. Ich will heute nicht davon sprechen, daß sich eine Reihe führender zionistischer Persönlichkeiten nicht gerade begeistert 2eigte, daß man so viel Geld an die früheren arabischen Konzessionäre zahlen mußte, in einem Zeitpunkt, da die Konzession «a«t borfilta abgelaufen war. Auch darüber will Ich nicht schreiben, daß die Ansiedlung von Juden in diesen Gebieten alles andere denn billig sein wird, besonders wenn man die Verpflichtung berücksichtigt, dort auch Araber anzusiedeln. Darüber wurde ja schon viel geschrieben. Ueber den Rattenschwanz von Prozessen, die nun laufen, will ich berichten. Eine Gruppe von Aktionären der „Society du domaine de Houlö" bestreitet die legale Durchführung der ganzen Transaktion, die seitens des Präsidenten der Gesellschaft M. Salim bey Ali Slam durchgeführt worden ist. Sie hat eine Reihe von Prozessen, die teils in Beirut, teils in Palästina ausgetragen werden sollen, angestrengt. Ein Prozeß geht im Namen des Said Bezzi gegen die Erben nach Michael Sursok, den Hauptaktionär, und interessiert weniger, da es sich hier um einen Oeldstreit handelt. Der zweite Prozeß geht gegen Salim bey Ali Slam, der Präsident der Hule-Geaeüsohaft war. In diesem Prozeß wird die Annullierung des Verkaufes an die Palestine Land Development Co. angestrebt und basiert auf dem Konzessionsakt und den Gesell8chaftsstatuten, laut welchen die Zession der Domäne nur an ottomanische Bürger, die im Lande geboren sind, möglich ist. Der dritte Prozeß läuft gegen die zionistische Land Development Co. selbst und fordert nicht mehr und nicht weniger als die Nutznießung des Gebietes, das sich die P. L, D. C, nach Ansicht der Kläger, zu Unrecht angeeignet hat. Selbstverständlich behaupten alle beteiligten Advokaten, daß sie ihren Prozeß gewinnen werden, ja, daß es ihnen gelingen wird, den Verkauf zu annullieren. Da das ganze Material noch nicht bekannt ist, kann man jetzt noch nicht die Chancen abwägen. Prozesse hier und in Syrien sind schwer zu überblicken, da zuviel Momente hereinspielen. Und wenn es gar um einen Prozeß geht, der vielleicht sogar gewisse politische Hintergründe hat, wird das Resultat noch zweifelhafter. Der Vorteil liegt im Augenblick bei der P. L. D. C. Sie hat das Land bereits übernommen, in Anwesenheit eines Regierungsvertreters, und hat alle materiellen Voraussetzungen erfüllt. Sie muß jetzt die Entwicklung des Prozesses in Beirut abwarten, denn erst dann wird die entscheidende Frage aufgeworfen werden, ob nämlich die Vertragspartner zu Abschlüssen berechtigt waren. Aus dieser Frage können sich dann allerdings sehr schwere Komplikationen ergeben. Oskar Herlinger. Vermachtes aus Palästina Am 18. Jänner ist in Beirut das rumänische Schiff „Dacia" mit 50 jüdischen Passagleren angekommen. Die Hafenpolizei ließ die Passagiere nicht aussteigen, da sie die Meldung bekommen haben soll, daß diese Touristen sich über Syrien nach Palästina einschmuggeln wollen. Eine Intervention angesehener jüdischer Persönlichkeiten blieb erfolglos. * Die Stadt T i b o r i a a wendete sich an den Waad Leumi mit der Bitte, die Malmonides-Feiern in Tiberias abzuhalten, wo bekanntlich die sterblicnen Reste des großen Religionsphilosophen ruhen. Der Waad Leumi •ist nicht abgeneigt, der Anregung der Juden von Tiberias Rechnung zu tragen. * Die in Beirut erscheinende arabische Zeitung „Al-Missak" schreibt unter dem Titel „Laßt die Z i o* nisten zu uns herein": „Die Juden haben niemals auf den Libanon aspiriert. SSflcht einmal König Salomo, der die Zedern des Libanon für den Großen Tempel benützte. Jetzt sehen wir, was die Zionisten aus Palästina, dem öden und wüsten Land, gemacht haben, obwohl sich Zeter und Mordio gegen sie erhob. Die Schreier gehören entweder zu denjenigen, die nichta an den Juden verdient haben, oder zu jenen, welche die Aufmerksamkeit von sich ablenken wollen, nachdem sie von der zionistischen Tätigkeit ganze Säcke Gold profitiert haben. Unser Land ist wüst und arm. Man muß Schluß machen mit dem Feldgeschrei. Man muß die Zionisten hereinbringen, damit aie schaffen und auch unser Land in die Höhe bringen." Die neue Bodensteuer in Palästina Jerusalem. (Palnews.) Das neue Bodensteucrgesetz („Rural Property Tax Ordinance") ist Jetzt verkündet worden. Die Steuersätze für die vorgesehenen 16 Bodenkategorien stellen sich wie folgt (per Jahr, 1 Mil rund 3 Groschen per 1 Dunam -= 1000 Quadratmeter): Orangen (ausgenommen Akko-Subdlstrlkt) . . 825 Mite Orangen (Akko-Subdlstrlkt)........410 „ Bananen .......... .... 560 „ Ländliche Gebäude und Bauplätze......160 „ Bewässertes Land und Fruchtpflanzungen 1. Grade» ... 40 „ Bewässertes Land und Fruchtpflantungen 2. Grade« . . . 35 „ Bewässertes Land und Fruchtpflanzungen 8. Grades ... 30 „ Bewässertes Land und Fruchtpflantungen 4. Grades ... 25 „ Ackerboden 1. Grades.........»26 „ Bewässertes Land und Fruchtpflantungen 5. Grades ... 20 Ackerboden 2. Grades..........20 <• Bewässertes Land und Fruchtpflantungen 6. Grades ... 18 „ Ackerboden 3. Grades......... . 18 „ Bewässertes Land und Fruchtpflanzungen 7. Grades ... 15 ,» Ackerboden 4. Grades..........15 »» Bewässertes Land und Frucht Pflanzungen 8. Grades ... 12 „ Ackerboden 5. Grades........• . 12 „ Bewässertes Land und Fruchtpflantungen 9. Grades . . 8 t, Ackerboden 6. Grades.........• 8 „ Bewässertes Land 10. Grades und Ackerboden 7. Grades . . steuerfrei Ackerboden 8. Grades.........steuerfrei Forsten und unkultlvierbarer Boden . . . . steuerfrei Bananenpflanzungen sind in den ersten zwei Jahren, Orangenpflanzungen und bisher unkultiviertes, in Bebauung genommenes Land in den ersten sechs Jahren, andere Fruchtpflanzungen in den ersten zehn Jahren, Industriebauten in den ersten drei Jahren steuerfrei. Die Einordnung der Böden in die vorgesehenen 16 Kategorien wird durch offizielle Schätzer Haek Pjrf&stitoib WWW&WwW m inF^ffwIr zu PUR M zur MAKKABIADE und zu P E S S A C H durch ReisebÜ ro Lutzky & Co«A^^yv«7iuA#»« Wien IX. Spiraleasse 3, Tel. B-47-.V38 UmtftO&S l/HVR („Official valuers") vorgenommen, gegen deren Entscheidung Berufung an das „Appeal committee" möglich ist. Die Bodenlisten werden dorfweise angelegt und von Jahr zu Jahr nachgeprüft. Die Steuern werden vom Eigentümer (nicht vom Pächter) gezahlt. Industriegebäuüe werden mit einem Steuersatz bis zu 15 Prozent des Mietwertes (nach Abzug eines Drittels für Reparaturen) belegt. Die neue Bodensteuer, die einer seit langem erhobenen Forderung entspricht, ist an und für sich als ein Fortschritt au begrüßen. Hinsichtlich ihrer Auswirkung kommt sehr viel auf die Klassifizierung der Böden durch die „official valuers" an. Orangenpflanzungen (mit Ausnahme des Akko- Subdistrikts) werden steuerlich starr behandelt und dem Satz von 825 Müs per Dunam unterworfen. Bei günstiger Ernte und günstigen Preisen dürfte dieser Satz für gute Pflanzungen in günstiger Verkehrslage nictit zu hoch sein. Die Steuerrate hätte aber elastisch ausgestaltet werden müssen, um den VerschiedenheJten der Erträge, Verkehrslage und Preisverhältnisse Rechnung tragen zu können. Als starrer Satz ist die Steuer zu hoch. Ein wesentlicher Mangel des Gesetzes ist darin zu erblicken, daß kein Unterschied zwischen Wirtschaften, die für den Eigenbedarf und Markt produzieren, gemacht wird, wodurch Insbesondere die kleinen jüdischen Intensivwirtschaften auf weitgehend autarker Grundlage geschädigt werden. ,Man muß sich darüber im klaren sein, daß das Bodensteueraufkommen im wesentlichen von der Orangen wirtschaf t getragen wird. Wenn die gesamte bepflanzte Fläche in spätestens sec. *> Jahren bodensteuerpflichtig geworden ist, werden di« Orangenpflanzungen einen Steuerertrag von etwa 200.000 pal. Pf. erbringen. Demgegenüber wird der sonstige Ertrag der Bodensteuer kaum ins Gewicht fallen, obwohl im Einzelfall insbesondere die Steuer auf ländliche Industriebauten sehr drückend ist. Die arabische Fellachenwirtschaft dürfte steuerlich nahezu vollständig entlastet werden, da die unteren Ackerbodenkategorien nur eine ganz geringe oder gar keine Steuer tragen. 41 SO luden eingewandert Au» Jerusalem: Amtlich wird bekanntgegeben, daß Im Dezember 1981 4120 Juden nach Palästina eingewandert sind. In dieser Zahl sind 267 Touristen Inbegriffen, denen die Erlaubnis zu dauernder Niederj lassung erteilt wurde, 295 Ein Wanderer gehörten der Kategorie A an, für die ein Vorzeigegeld von. mindestens 1000 Pfund vorgeschrieben toi. } Die grollen, vorzüglichen Salonschifte „GERUSALEMME", „PALESTINA" u. „PILSNA" der direkten Eillinie TRIEST-JAFFA des LLOYD TRIESTIHO verkehren jeden Mittwoch u. jeden zweiten Freitag Fahrpreis in der ausnezeichne'en TouristenMrisse samt vier Mahlzei en täglich bloß ca. ö. S 258.- AuskUnfie: Lloyd Triestino, Wien I, Kärntnerring b Von der Judensf aal §parf ea Versammlung«* und Veranstaltung skalender Dienstag, den 5. Februar, Judenstaatsjugend, Zentralheini, I., Werdertorgasse 14, 8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Dr. Sal. Wolf. Dienstag, den 5. Februar, Iiezirksgruppc XHI, XV., Schanzstraße 32, 8 Uhr abends, Vortrag Fritz Richter. Mittwoc h, den 6. Februar, entfällt der Vortrag Ina ZentraJhe^m Werclertorgasse. Mittwoch, den 6. Februar, Gruppe VI bis VHI, Cafe Patria, VI., Mariahilferstraße 127, 149 Uhr abends, Vortrag David Neben zahl über „Völkerrecht — Minorit&tenrecht". Donnerstag, den 7. Februar, Bezirksgruppe Leopoldstadt, n., Taborstraße 21a, >/Z9 Uhr abends, Mitgliederversammlung. Erseheinen aller Mitglieder und Gg. der Leopoldstadt Pflicht! Seminar für jüdische Geschichte unter Leitung eines bekannten Historikers und Hebräischkurse eines . erstklassigen Pädagogen beginnen demnächst. Anmeldungen im Sekretariat der Bezlrksgruppe Leopoldstadt, II., TaborStraßc 21 a, täglich zwischen 7 und 9 Uhr abends. Donnerstag, den 7. Februar, Gruppe Prater, H., KL Zufahrtsstraße 166, Vortrag Josef Frankel. Thema: Judenstaatszionismus und Revisionismus. Donnerstag, den 7. Februar, Gruppe XIDT, XV., Schanzstraße 32, Vortrag des Religionslehrers Viktor Rosenfeld. Vortrag für Jugendliche. Donnerstag, den 7. Februar, Gruppe Brigittenau, XX., Heinzelmanngassc 20, Vortrag Theodor Grubner. * XI. Sammlung im Altersheim des Gr. d. Wr. Kaufmannschaft durch Fr. Dr. Rifczes für den Haluz . HM^uml S 85.—. Allen Spendern herzlichster Dank! Neu et Konflikt im Serusa einer Gemrinderat Aus Jerusalem (J. T. A.): Gleich zu Beginn der Amtstätigkeit des neuen Jerusalemer Stadtrates kam es zu einer schwerwiegenden Krisis, die dadurch entstand, daß der neue arabische Bürgermeister Dr. Hussein K h a 1 d i den Tätigkeitsbereich des ersten jüdischen Vizebürgermeister Daniel Auster scharf abgrenzte und ihm keinen wesentlichen Anteil an der Leitung der Stadtgeschäfte überlassen will. Die jüdischen Stadträte gaben hierüber ihrer Empörung Ausdruck, sie werfen dem neuen arabischen Bürgermeister vor, daß er sieh, ebenso wie der unterlegene Bürgermeister Nashashibi, usurpatorischer Mittel bedient. Die jüdischen Stadträte verhandeln mit den Führern des Jischuw über Maßnahmen zur Sicherung der Rechte der jüdischen Repräsentanten in der Stadtverwaltung. * A n m. d. Red. Khaldi ist mit Unterstützung der Juden gegen seinen Rivalen Nashashibi, welcher die Juden yon der Verwaltung fernhielt, gewählt worden. Wenn er sich nun erlaubt, das judenfeindliche Treiben Nashashibis fortzusetzen, so ist er eben durch den Kampf der Juden gegeneinander — sie strittei sich monatelang um den Vizebürgermeisterposten — zu dieser Provokation ermutigt" worden. Blutiger Zusammenstoß zwischen Arabern und Polizisten Aus Haifa (J. T. A.J: Auf Boden des Kercu Kajemeth in Harthia kam es zu einem blutigen Zusammenstoß zwischen Polizisten und Arabern. Es handelt sich um Boden, den Beduinen seinerzeit für sich in Anspruch nahmen, der aber durch das Gericht dem Keren Kajemeth zugesprochen wurde. Als nun der Boden von Juden übernommen wurde, wobei englische Polizisten assistierten, bewarfen die Beduinen die Polizisten mit Steinen, wodurch drei Polizisten verletzt wurden. Die Polizei eröffnete auf die Angreifer das Feuer, wobei ein Araber getötet wurde und die übrigea flüchteten.