Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 435 (1.2.1935)
- Date
- 1935-02-01
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- Haifa 1× ep/1047930
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 435 <3fk GMANN, I. HmmDBnBniMMini RABE WS (T fc ttf 3 HIMMELPFORTQ. I KÖLLMtRHOF f »AMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UND WIRK WARIN SPOTTBILLIG! Führend In ETERNA Hemden (von (T80 auffw.) ■v I Die andere Seite Wir sind in der glücklichen Lage, in jeder Nummer unseres Blattes über enerm^ Fortschritte berichten zu können, welche de- Aufbau des jüdischen Palästina macht. Europäische Technik und Zivilisation, getragen von jüdischer Schaffensfreude, wirken sich dort einzigartig aus. Aber immer dringlicher tönt aus Palästina die Mahnung daran, daß nicht nur europäische Entwicklung, sondern auch europäische Entartung übertragen wird. Diese Warnung darf nicht überhört werden. Wir nehmen hier davon Abstand, selbst Betrachtungen anzustellen, und bringen die Stimmen anderer. Was Dlzengoff sagt Der wichtigste Mann im Lande, der Gründer und Burgermeister Tel-Awiws, schreibt in einer Broschüre: »Die Mißachtung der religiösen Güte r. Ich bin nicht Gesandter Gottes, noch will ich lochten fiir die der Religion angetane Schmach. Aber icn will das Verhältnis zum Sabbat, dem kostbaren und teuersten nationalen Gut, für dessen Heiligung sich tnusenrie und aber tausende unserer Väter opferien, feststellen. Alle jene, die in Tel-Avrnv leben, hier ihr Brot verdienen und seine Einrichtungen genießen, müssen den Charakter der Stadt, ihre Sabbate und Feiertage, ihre Sprache und nationale Kultur voll respektieren. Denn ohne diese drei — sind wir eventuell Wh i t e c h a p e 1 oder anderen gleich. Die freien Geister lassen die nationale und soziale Seite des Sabbats seiner religiösen Seite wegen unbeachtet. Meiner Ansicht nach aber ist jeder, der den Sabbat — ohne. Grund von Piknach-Nei'esch — öffentlich in der jüdischen Stadt entue'ht, ein Verräter an seinem Volke. Ein Teil unserer Jugend liebt es, in deinen freien Stunden de» Sabbats Motorrad zu fahren, und passiert, just zentral gelegene Straßen und Synagogen zur Zeit des Gebetes, ohne zu bedenken, welch eine Entartung und moralische Anarchie darin liegt." „Die Freiheitsbewegung muß eben eine Fortsetzung der Geschichte und der TJeberliefcrung des Volke«; sein, denn hierin liegt ihre Stärke. Knüpft aber das Ideal der Wiedergeburt, nicht an die Vergangenheit und die Tradition unserer alten Kultur an — so pflanzen wir ein fremdes Gewächs in unserem Weinberg. Und wer weiß, wie lange wir dann den Stürmen, die Uber uns und unserem nationalen Streben von allen Seiten berwehen, werden standhalten können?" „Die Mißachtung der Sittlichkeit. Ein Großteil unserer Jugend passiert die Straßen der Stadt in Badekostümen, halb nackt in verfänglichen Situationen, als würde er am Meeresstrand promenieren, wo dieses Benehmen auch zu verurteilen ist. In den Küstenstädton Europas, wo die Sittlichkeit geringer eingeschätzt wird als In den üstJ.'ehen Ländern, ist das Tragen der Badekostüme — Sittlichkeitsnormen vorausgesetzt — nur in den Badezonen, keineswegs aber in den zentralen Punkten der Stadt gestattet. Wir wandten uns schon häufig mit besonderen Kundmachungen an das Publikum und ersuchten es, auf diese Dinge zu achten. Denn viele unier uns erblicken in diesen Sitten eine Verletzung der Sittlichkeit. Der Orient ist ja streng bedacht auf die äußeren Zeichen der Sittlichkeit und wir stehen bloßgestellt vor unseren Nachbarn, die in diesen Sitten eine Ausgelassenheit sehen. Aber auch diese Worte fanden k.e'n Echo im Herzen unserer Jugend, die scheinbar nur den Ermahnungen eines Polizisten gehorcht." Ueber das jüdische Schulwesen Die in Palästina erscheinende englische Zeitung „Palcstine Illustrated News" schreibt in einem Artikel über das Unterrichtswesen im Lande: „Was nun die jüdischen pädagogischen Institute betrifft, so sind sie ebenso verschieden wie die Juden selbst. Die Schulen und Hochschulen der orthodoxen Jude n- Schaft können den Schulen des Islams gleichgesetzt werden. Man könnte sie mit den Schulen der Renaissancezeit vergleichen, denn sie bieten tatsächlich eine echte humanistische Erziehung. Es ist traurig, daß die Regierung keinerlei Hilfe für den verzweifelten materiellen Zustand dieser Schulden gewährt." „Dann gibt es die jüdischen Privatschulen, wie die Evelyne-Rothschlld-Schule, das Technikum in Haifa, die den europäischen Schulen entsprechen. Die Schulen der J e w i s h Agency bieten ungeheure Probleme. Man kann tatsächlich sagen, daß die Kinder fliese Schulen mit sehr geringen Kenntnissen verlassen." „Was ist die Ursache? Das System hat keinen Zusammenhang mit der straffen Disziplin und den Methoden mitteleuropäischer Schulen und auch keine Spur des sportlichen Humanismus in den fortgeschritteneren englischen „public shools". Die Wurzel dieser Fehler müssen wir in bestimmten Erziehungsexperinienten suchen, die in ihrem Heimatlande genug Unheil verursacht haben. Ein jeder Pädagoge weiß, daß die Hochschulen der Vereinigten Staaten hinter den europäischen Instituten weit zurückstehen, während die Ergebnisse ihrer mangelnden Zucht In den erschreckenden Berichten der Jugendgerichte zu finden sind." „Das ist keineswegs unser individuelles Urteil. Im Gegenteil. Die. wachsende Zahl neuer jüdisch or Privat s c h u 1 e n beweist, daß die Eltern ihre Kinder nicht länger unwissende Burschen lassen werden wollen, denen die Achtung vor den Eltern und das gute Betragen gegen ihresgleichen abgehen. Es Kritik des proletarischen Zionismus Autsatzreihe von Dr. Arje Köppel (Verfasser der Schiift „Grenznutzen Theoiie m;d Marxismus") beginnt im Febiu'irheft des „TEL HAV der repräsentativen zionistischen Zeitschrift. Preis 50 Gr. Bei Kolporteuren erhaltlich rder zu beziehen durch die Administiaüon, Wien J, Adlergasse Nr. 4 wäre unverzeihliche Feigheit, den gegenwärtigen Zustand nicht zu kritisieren." G ebur ten rückgan g In der Prager „S e 1 b s t. w c h r" bespricht Dr. Ilil-!el Schachtel (Haifa) den bedauerlichen Rückgang des Geburtenüberschusses bei der jüdischen Bevölkerung Palästinas: „Die Zahl des jüdischen Geburtenüberschüsse« in Palästina ist von 23,9 pro 1000 >m Jahre 1926 (1924 halfr s'.e sogar 25,"? erreicht) auf 19,6 im Jahre 1932 zurückgegangen." „Diese rückläufige Tendenz ist um so betrüblicher, als man sich doch vergegenwärtigen muß, was 1 Promille bei den Juden bedeutet und im Gegensatz dazu bei den Nichtjuden in Erei. Bei den Juden waren 1928 die damaligen 23 pro 1000 Geburtenüberschuß 3478 Menschen, bei den Nichtjuden deren 25,3 pro 1000 16.340. Also ein ganz bedeutender Unterschied! An ein Einholen Ist in absehbarer Zeit nicht zu denken. Dennoch darf der eruste Kern des früher oft «cherzhaft ausgesprochenen Satzes, daß die palästinensischen Juden die amtlichen Beschränkungen der AHjah dureh eine „AHjah" wettmachen müßten, die keiner Beschränkung von Regie« r u n g n s e i t e unterworfen werden kann, nicht so ganz seine Geltung verHeren." „Und es soll bei dieser Gelegenheit einmal offen ausgesprochen werden, daß diese Tatsache, daß ein früher in Berlin ziemlich bekannter Sexualhygic niker in den Kwuzoth und Moschmvoth von Erez Jisroel herumgereist ist und dort überall belehrende Vorträge über Geburtenbeschränkung gehalten hat, ein« durchaus nicht erfreuliche und Im jüdischen Volksinteresse sehr unerwünschte Begleiterscheinung der neuen deutschen Alljah ist. Man hat auch vorher nie etwas davon gehört, daß dieser so vorsorgliche Herr irgend welches Interesse an jüdischen Dingen je gezeigt hätte." „Die nächsten Jahre werden hoffentlich erweisen, daß diese Propaganda ohne schlimme Folgen geblieben ist. Zionismus und jüdischer Aufbau Palästinas sollen auch Rückkehr zu gesundem, natürlichem Volksempfinden bedeuten und nicht Uebertragung europäischer E n ta r t u n g se r s eh ei n u n g e n nach Erez Jisrocl." KREUZ-KINO Wollzeile 17 . Tel. R-24-2-16 „Der lange Schatten" Tel-Awiw wird Zentrum des palästinensischen Eisenbahnwesens Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Frage der Uebertragung des Eisenbannknotenpunktes von Ludd nach Tel-Awiw ist, wie es scheint, nun in die en tscheidende Phase getreten. Der frühere Generaldirektor der Great Western Railway in Engländ, jetzt Mitglied des Rates für koloniale Entwicklung, Sir Felix Pole, der auf Einladung der Palästina-Regierung über einen Monat in Palästina geweilt und das Eisenbahnwesen studiert hat, hat vor seiner Abreise aus Palästina sich, wie die J. T. A. erfährt, d e f i n i t i v für die Uebertragung des Eisenbahnknotenpunktes von Ludd nach Tel-Awiw ausgesprochen und dabei vielfache andere Vorschläge zur Entwicklung des Eisenbahnwesens in Palästina gemacht. Wird der Eisenbahnknotenpunkt nach Tel-Awiw verlegt, so wird dies unzweifelhaft zu dem weiteren Wachstum der jüdischen Stadt Tel-Awiw erheblich beitragen. Wiederholt wurde in Interpellationen im englischen Parlament gefordert, daß Tel-Awiw als großes Industrie- und Handelszentrum des palästinensischen Eisenbahnwesens werde. Um den Bodenbesitz auf dem Berg Kanaan Aus Jerusalem (J. T. A.) Im Namen des mohammedanischen Religionsfonds (Wakf) in Safed hat das Mitglied der arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi beim Obersten Gerichtshof m Jerusalem gegen die Entscheidung des Safeder Administrativen Gerichts in der Frage des arabischen Anspruchs auf den jüdischen Bodenbesitz auf dem Berg Kanaan Berufung eingelegt. Bekanntlich hatte der Distrilctkommissär für den Nord-Distrikt den größten Teil des strittigen Gebietes endgültig den jüdischen Besitzern zugesprochen, während die Entscheidung übor einen kleineren Teil noch getroffen werden sollte. Jemcniiiidie Juden in Palästina Jerusalem, 29. Jänner. Heute ist in Palästina eine größere Gruppe jemenitischer Juden angekommen. Die Gesamtzahl beträgt 223 Jemeniten, welche auf Grund von hundert Zertifikaten ins Land gekommen sind. Es ist dies die dritte Partie Jemeniten im letzten Monat. Die Immigranten sind im Jaffaer Hafen von deh Vorstehern der Sephardim-Verbände von Jerusalem übernommen worden. Die jemenitischen Juden erzählen grauenhafte Geschichten über die Leiden, welche die Juden unter dem Regime des jetzigen Imam zu erdulden haben. Abweisung einer arabischen Amnestie-Petition Jerusalem. (J. T. A.) Wie aus London gemeldet wird, hat das Kolonialamt das Gesuch an den englischen König wegen der Begnadigung der Araber, v/elche im Zusammenhang mit den blutigen Auguatunruhen 1929 zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt wurden, abschlägig beachieden. Wichtig! Wir bitten höflichst um pünktliche Ueberweisuhg der Abonne* rrtentsgebühr für die laufende Be* zugszeit, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintrete. Die wiederholte Uebersendung von Erlagscheinen verursacht Mühe und Kosten. Die Verwaltung „DIE NEUE WELT". „Ein Jahr der Verteidigung Palästinas" Aus Jerusalem: Die arabische Zeitung „A - D i f aa" propagiert den Gedanken eines Burgfriedens der arabischen Parteien und der Proklamierung eines „Jahres der Verteidigung Palästina s". Die Zeltung fordert alle arabischen Führer und Zeitungen auf, sich diesem Plan anzuschließen, ein Jahr lang jeden inneren Streit und gegenseitige Kritik zu vermeiden und alle Kräfte zur „Verteidigung des Landes" zusamenzuschließen. Segelflug in Palästina Aus London: Zum erstenmal in der Geschichte des jüdischen Sportes werden auf der 2. Makkablah Segelflugvorführungen gezeigt werden. Der Segelflug ist ein Sport, in dem Juden bereits beachtliche Leistungen aufzuweisen haben. Mit Unterstützung des Makkabi-Weltverbandes ist in London der Anglo- Palestine Gliding Club ins Leben gerufen worden, der sich die Aufgabe stellt, alle Flugsportler und wissenschaftlichen jüdischen Kräfte zusammenzufassen und dem Segelflug in Palästina ein neues Betätigungsfeld zu schaffen. Palästina ist ein Land, das durch seine klimatischen und orographischen Bedingungen für den Segelflug besonders prädestiniert ia\. Jüdische Segelflieger, Konstrukteure und Meteorologen sollen zusammenwirken, um alle Möglichkeiten für den Scgelflug zu erschließen, anderseits auch die Ergebnisse für das Land auszuwerten. BankkonfroHe in Palästina Gegen die Kleinbanken Aus Jerusalem wird berichtet: Die von der Regierung eingesetzte Banken-Kontrollkommission, die beauftragt war, die gegenwärtigen Verhältnisse im Bankwesen zu überprüfen und Vorschläge betreffend eine etwa notwendige Aenderung der gesetzlichen Bestimmungen für die Gründung und den Betrieb von Bankinstituten zu erstatten, hat ihre Arbeiten abgeschlossen. Es wird jetzt ein Bericht ausgearbeitet, in dem besonders auf die Gefahr des Bestehens einer ü b e rgroßen Zahl kleiner Bankgeschäfte hingewiesen wird. Unter den augenblicklichen günstigen Wirtschaftsverhältnissen ist es Banken, die nur kleine Reserven haben, möglich, Geschäfte abzuwickeln, ohne daß auch nur das im allgemeinen ungenügende Betriebskapital voll eingezahlt ist. Wenn auch häufig hinter den kleinen Unternehmungen größere Banken stehen und ihnen ihren Kredit zur Verfügung stellen, so biete doch nach Ansicht der Kommission das geltende Gesetz die Möglichkeit der Gründung von Banken, ohne daß für die erforderliche Sicherheit vorgesorgt wäre. In Bankkreisen wird erwartet, daß die Kommission für Bankinstitute ein Mindestkapital von 2 5.0 0 0 Pfund, das binnen einem Jahr nach der Registrierung voll eingezahlt sein muß, vorschlagen wird. Ferner soll die Vornahme geschäftlicher Transaktionen erst gestattet werden, sobald das Grundkapital eingezahlt ist. Für Niederlassungen ausländischer Banken soll ein weit höheres Mindeatkapital, vermutlich 100.000 Pfund, vorgeschrieben werden. Die Banken sollen verpflichtet werden, auf Briefbogen, Drucksorten usw. nicht nur das bewilligte, sondern auch das tatsächlich eingezahlte Kapital anzugeben. Wahrscheinlich ist ferner eine einschränkende Bestimmung über die Zulässigkeit von Worten wie „Royal" oder „National" in der Firmenbezeichnung. Kooperative Kredltgesellschafton werden vermutlich einheimischen Banken gleichgestellt sein, wobei die „eigenen Mittel'4 als Kapital betrachtet werden. >..... Voraussichtlich wird den bestehenden Banken, deren Kapital niedriger ist als das vorgesehene Mindestkapital eine angemessene Frist zur Aufbringung der Kapitalsdifferenz' gewährt werden. Wird diese Frist nicht eingehalten, so soll das betreffende Unternehmen liquidiert werden. Es sollen qualifizierte Rechnungsprüfer bestellt werden, die für Nachlässigkeiten gerichtlich belangt werden und im Fall der Feststellung eines Verschuldens das Recht zur weiteren Ausübung ihres Berufes verlieren sollen. lUce SdUffskacfa* kk§S™* befiten im CotnfiOS* Toucs besorgen Sie am besten im Re'sebüro LUTZKY & Co. Wien IX, Splta R isse 3 Telep i) B-42-5-3«