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Die neue Welt · 1935-02-01 · Heft 435 (1.2.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 435 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DIE NETTE WELT Nr. 435 Qi ta Apar, Hans Jaray in Paul Abraham's grandiosem TONFILM 9Ball im Savoy' mit Rosy Barsony, Felix Bressart, Otto Wallburg, Wll;y Stettner Elite-Kino I, Opein-Kino I. Schot'enring-Kino I, K no Lustspieliheater Ii, Flotlen-Kino VI. Monopol: Lux-Film-Ges. m. b.H. Am aller Welt „Arische Front" gegen „Judeo-Marxismii9" in der Tschechoslowakei. Der Faschistenführer Gajda versammelte am letzten Sonntag etwa tausend seiner Unterführer, denen er verkündete, daß die NOF. in der Slowakei deutsche und ungarische Minderheiten unter dem Namen „Arische Front" vereinigen wolle. Seine Organisation kämpfe gegen Freimaurer und „Judeo-Marxisten". Er fand stürmische Zustimmung bei seinen Zuhörern. Eine jüdische Marineschule in Italien. In Civita Vecchia wurde eine Marineschule für die jüdische Jugend Italiens geschaffen, die am Sonntag, den 27. Jännsr, in Gegenwart des Oberrabbiners von Rom, Prof. Sacerdoti, des Präsidenten der Jüdischen Gemeinde Roms, Minerbi, des Präsidenten des jüdischen Sportklubs Italiens, Adv. Bassano, und der Führer anderer jüdischer Gemeinden Italiens sowie von Vertretern der Regierung feierlich eingeweiht wurde. Protest fremder Mächt« gepfen die Bevorzuming britischer Staatsangehöriger in Palästina. Der arabischen Zeitung „Ad Difar" zufolge haben die Vertreter der auswärtigen Staaten bei der Regierung von Palästina Protest erhoben dageTen, dnß fremden Ftaatsangehörigen — mit Ausnahme der britisch°n — der Erwerb von Land Im H?fen"-ebiet von Haifa untersagt worden sei. Dies stehe im Widerspruch zu der M^nd^t^igensch^ft Palästinas, die nicht gestatte, daß eine Nation der anderen vorgezogen werde. Für den Juäenstaat. Anläßlich der Eröffnung des größten Chrluzhcims Polens in Lodz sprach der polnische Vertreter de3 Wohlfahrtsministeriums sich dahin aus, daß Po'en vollstes Verständnis für die Betreuungen der Juden habe, einen eigenen Staat zu gründen, weil es den Polen genau so ergangen sei. Auch sie haben Jahrzehnte dafür gerungen und gekämpft, und die po^'^che R~"iorung werde weiterhin diesen Aufbau in Er^z Israel aktiv fördern. Verdrängung der jüdischen Kaufleute in der Türkei. Die Einwanderung türkischer Elemente aus Bulgarien und Rumänien, die in letzter Zeit infolge" des Bestrebens der türkischen Regierung, die Auslandstürken in der Türkei selbst anzusiedeln, eingesetzt hat, bildet eine ernste Gefährdung jüdischer Wirtschaftspesitionen in der Türkei. Die einwandernden Türken verdrängen vielfach, unterstützt durch eine in ihrem Interesse geführte lebhafte Propaganda, die jüdischen Kaufl'ute. E'ne weitere Schädigung der jüdischen Kaufleute bedeutet die Monopolisierung der Beamtenbelieferung durch staatliche Kooperativen. Die Beamten erhalten ihre Bezüge nur zum Teil in bar, zum Teil aber in Warengutscheinen auf diese Einkaufsgenossenschaften, so daß sie gezwungen sind, bei diesen ihren ganzen Bedarf zu decken. Der Film „Moskauer Nächte" in Deutschland verboten. Der französische Großfilm „Moskauer Nächte" ist in Deutschland von der Zensur verboten worden, weil der Regisseur Alexander Granöwsky und der Hauptdarsteller Harry B a u r Juden sind. Das Vermögen von Bernhard Weiß konfisziert. Das Vermögen des ehemaligen Berliner Polizeivizepräsidenten Bernhard Weiß ist laut Mitteilung des .Reichsinnenministers als dem Reich verfallen erklärt worden. Dr. Bernhard Weiß, der sich als Berliner Polizeivizepräsident auch im jüdischen Leben betätigte und u. a. Kurator des Instituts für die Wissenschaft des Judentums war, hat sich eigentlich nie als politischer Parteimann betätigt, sondern als Beamter nur den Willen der Regierung erfüllt, als er Maßnahmen gegen Uebergriffe der Nazi durchführte. Eine Nummer des „Stürmer". Die dritte Jännernurnmer des „Stürmer" enthält u. a. folgende Ueberschriften: „Der ewige Jude, Heiratsschwindler und Mädchenmassenschänder Heinz Menasse", „Jüdischer Wucher- und Finanzgeist", „Prager Juden sehen dich an", „Der verjudete Marxismus", „Die Verjudung des französischen Hcchadels". All das wird durch ekelerregende Bilder illustriert. Ein SA.-Führer wird beschimpft, weil zum Geburtstag seiner Tochter ein „Judenmädel" eingeladen wurde. Die ganze Nummer ist mit Seitenleisten geziert, die folgende Inschriften tragen: „Die Juden sind unser Unglück", „Frauen und Mädchen, die Juden sind euer Verderben", „Der Jude siegt mit der Lüge und stirbt mit der Wahrheit", „Geht nur zu deutschen Aerzten und Rechtsanwälten", „Ohne Brechung der Weltherrschaft der Juden kein Weltfrieden". Hunderte jüdische Familien in Deutschland ausgebürgert. Der Berliner Polizeipräsident gibt amtlich bekannt, daß neuerdings in seinem Verwaltungsbereich 207 Personen nebst Frauen und Kindern, die zwischen 9. November 1918 und 30. Jänner 1933 die preußische Staatsangehörigkeit erworben hatten, auf Grund des Reich'rgeaetzes über den Widerruf von Einbürgerungen das Bürgerrecht jetzt verloren haben. Das Deutsche Nachrichtenbüro fügt hinzu, es handle sich zum allergrößten Teil um Ostjuden. Die Liste enthält mit Frauen und Kindern 383 Personen, von denen sehr viele in Deutschland geboren sind. Wj Icung des antideutschen Boykotts Die Londoner „M orning Post" meldet au» Johannisburg (Südafrika): Das kürzlich zurückgestellte Handelsaustauscb.- abkomraeii zwischen Deutschland und Südafrika ist im Begriffe, vollständig aufgehoben zu werden. Aul Grund des Abkommens hätte Südafrika von Deutschland Wolllndustricartikel im Werte von 2,300.000 Pfund abnahmen sollen. Die Krise in der Durchführung des erwähnten H indelsaustauschabkommens Ist daraus entstanden, duü kraft des jüdischen antideutschen Warcnboykotts Südafrika das vorgeschriebene Kontingent deutscher Waren nicht beziehen kaum. Von judenremen Filmen Was ist ein österreichischer Film? Die Frage des „Arierparagraphen" in der österreichischen Filmindustrie ist noch immer nioht geklärt. Damit will gesagt sein, daß der größte Teil der in den Wiener Ateliers gedrehten Filme, dem reichsdeutschen Diktat folgend, bzw. unter deasen Zwang stehend, ohne Mitwirkung von Juden hergestellt wird. Die Lage soll jetzt eine Regelung erfahren. Der österreichische Film konnte bisher kontingentfrei nach Deutschland gelangen, wenn er dem Arierparagraphen entsprach. Da im Februar 1935 der deutschösterreichische Kontingentvertrag abläuft, begaben sich die Vertreter des österreichischen Bundes der Filmindustriellen nach Berlin, um dort mit der Reichsfilmkammer zu verhandeln. Die österreichischen Vertreter könnten natürlich mit ein wenig Energie durchsetzen, daß die österreichischen Filme als österreichisch in Deutschland laufen, d. h., daß — mit Ausnahme etwa P.msieu ithtetH - SeHweiiw prominenter, auf der Leinwand sichtbarer jüdischer Darsteller, die das reichsdeutsche Publikum ablehnen könnte — Juden als Musiker, Komparsen, Techniker usw. verwendet werden. Denn dem österreichischen Film steht Insbesondere nach den letzten Erfolgen der große Filmmarkt des Auslandes offen, während die Nazimentalität der reichsdeutschen Filme diesen den Weg in die Welt zu versperren im Begriffe ist. Aber den österreichischen Vertretern, sonderbarerweise Menschen jüdischer Herkunft, fehlt die Entschlußkraft, so daß eine Aenderung zugunsten der jüdischen Filmschaffenden nicht zu erhoffen ist. Es liegt jetzt an den jüdischen Filmproduzenten, die hitleristische Vormundschaft abzulehnen und Filme zu produzieren, die auf den deutschen Markt keine Rücksicht nehmen müssen. Palästina wehrt sich Wir schrieben in unserer Ausgabe vom 30. Oktober v. J.: „Die österreichische Handels- und Gewerbekammer könnte Filmen, die von hitleristischen Regisseuren, Schauspielern, Technikern, Komparsen, für diet. Mentalität Nazideutschlands hergestellt werden, das österreichische Ursprungszertifikat verweigern. Es wäre dies ihr formales und moralisches Recht. Denn ein Film, der vom Drehbuch bis zum Hilfstechniker mit ausschließlich . hakenkreuzlerlschen Mitteln hergestellt wird, ist kein österreichischer Film." Flugs antwortete P a 1 ä s t i h a. Es läßt deutschsprachige Filme, die nach Nazirezept mit „Arier* Paragraph" hergestellt wurden, nicht mehr ins Land hinein. Oesterreich darf sogar diesen verhältnismäßig engen Markt nicht vernachlässigen. Es muß verhindern, daß die in Wien hergestellten Filme in der Welt als Nazifllme verschrien werden. Unsere seiuerzeitige Aufklärung hatte Erfolg. Nach Palästina werden nunmehr andere Kulturländer deutschsprachige Arierparagraph-Filme zurückweisen. Die freche „Ufa" Die reichsdeutsche „U f a" ist immer noch die Hauptlieferantin der in der Tschechoslowakei gespielten Filme. Allerdings wollen wir hoffen, daß diese Tatsache 8 UHR früh ONTAG, beginnen yfe) l&iimz VZF^P. J^hiffmann WIEN Ii. TABO«STCASS£ 4M JUDEN STAATSPARTEI MONTAG, den 4. Februar 1935, um 8 Uhr abends im KLUBLOKAL des CAFft BALDIAHOF, XVI, Oiiakringerslraße 102 VERSAMMLUNG Thema: JUDENSTmAT - JUDENNOT. Referenten: Frfti Richter und Theodor Crabner. nicht etwa ein Maßstab ist fUr den Geschmack des tschechoslowakischen Filmpublikums . . Diese „Ufa" also bekam in Ruzomberok, einem. Städtchen im tschechoslowakischen Karpathorußland, die Erlaubnis, die Skigelände und Wintersportpartien sowie öffentliche Gebäude zu filmen. Bei dieser Gelegenheit sprachen zwei Operateure der „Ufa" beim Direktor des Realgymnasiums in Ruzomberok vor, um die Studenten der Anstalt filmen zu dürfen, mit Ausnahme jedoch der jüdischen. Der Direktor der Schule, ein Mann in der freien Republik C. S. R., wies das Ansinnen der Nazileuto rundweg ab. Er gab ihnen zu verstehen, daß sie sich nicht in dem von Julius Streicher beherrschten Franken befinden . . . Das erlaubte sich die „Ufa", die Hauptlieferantin der Tschechoslowakei. Späte Erkenntnis Ungarn war noch bis vor kurzem die Hochburg der liberalistischen Einstellung des Judentums. Das Fehlen jedes Antisemitismus in der Gesetzgebung förderte diese Situation, aber im Augenblick, da sich der Lebensraum für die ungarische Jugend verengte, begann man auch in Ungarn die Existenz dessen zu fühlen, was gemeiniglich als Judenfrage bezeichnet wird. Die jüdische Jugend Ungarns sieht sich vor das Nichts gestellt. Die Berufe, in die sie bisher strömte, werden von der magyarischen Jugend besetzt und so ergibt sich die Frage nach dem Wohin? Baron Berthold Hatvany, ein Lebensalter hindurch Führer der liberalistischen Wirtschafts- und Geistesordnung, nahm als Vizepräsident des Propalästina- Bundes ungarischer Juden zu dieser Sachlage Stellung. Was er sagte, kann als definitiver Verzicht auf ein© Aenderung der jüdischen Situation in der Galuth gewertet werden. „Die einzige von der bitteren Notwendigkeit diktierte Teillösung", führte Hatvany aus, „wäre eine intensivere Unterstützung der Palästina-Arbeit. Auf dieso Weise könnten nicht nur die zur Auswanderung gelangenden jungen Leute ihre Lebensmöglichkeiten finden, sondern, falls die gesamte ungarische Judenheit mitarbeitet, auch diejenigen, die vorerst nicht nach Erez Israel gelangen können. Die ungarische Judenheit sollte sich diese Tatsache vor Augen führen und sich nicht länger den Täuschungen längst begrabener liberalistischer Phrasen hingeben. Das Palästina- Werk ist unzweifelhaft die einzige Möglichkeit, das bittere Los der ungarisch-jüdischen Jugend zu lindern; die Abwanderung der hier überflüssig gewordenen Arbeitskräfte würde zugleich der ungarischen Sache einen guten Dienst erweisen." Es ist also das von Herzl in die Welt gesetzte, vom Zionismus praktisch gehandhahte Programm. Erfreulich, daß nun auch ungarische Juden zur Erkenntnis der jüdischen Lage gekommen sind. Goebbels und die jüdischen Kinder Der Herr Minister des Dritten Reiches geht nun in seiner edlen Art die jüdischen Kinder an. Seine Zeitung „Angriff" befaßt sich unter der Ueberschrift „Benehmität auf der Straße" mit einer Notiz in der „Jüdischen Rundschau", die jüdischen Kindern rät, sich in der Oeffentlichkeit einer besonderen Zurückhaltung zu befleißigen Der „Angriff" schreibt: „Nun wissen wir au3 früheren Zeiten, daß das sogenannte »jüdische Benehmen jüdischer Kinder* ein ganz genau umrissener Begriff ist, der mit allem, nur nichts mit dem guten Ton zu tun hatte. Es war nichts anderes als freche Rotznasigkeit einer sich mehr dünkenden Rasse, die von gewissen Eltern, die heute pädagogische Bedenken hegen, systematisch gezüchtet wurde. Es war die Ueberheblichkeit, die verschiedene Bengel mosaischer Konfession arischen Dienstmädchen gegenüber an den Tag legten und die sich überall verpflichtet fühlten, die „Verfolgten" zu spielen. Wenn all diese Unarten gewissen Judenkindern abgewöhnt würden, so wäre dies bestimmt der erste Schritt gegen den Antisemitismus^ dessen Keim nicht aus theoretischen Ueberlegungen genommen wurde, sondern von jüdischen Kindern bereits in der Schule durch ihr freches Auftreten gesät wurde . . . Die antisemitische Propaganda fand stündlich neue Nahrung in der jüdischen Frechheit, die uns vor zwei Jahren noch täglich begegnete und die sich heute wieder mausig zu machen versucht . . . Wenn es schon .deutsche Juden' gibt, deren Ziel es ist, sich mit den gegebenen Umständen in Deutschland abzufinden, so sei ihnen auf alle Fälle geraten, ihre Kinder dahin zu erziehen, daß sie in späteren Jahren nicht wieder der Stein des Anstoßes sind, den sich 65 Millionen Mensche» unter keinen Umständen auf <tea Weg weifen lassen.**

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