Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-02-01 · Heft 435 (1.2.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 435 (1.2.1935)
Date
1935-02-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712059--4862-2718401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

A*S Preis 20 Groschen Jahrgang 9 Freftag, den 1* Fefcrua r,'tl. v . *3$ V* b* b« tl*vom Vorleger versendet t$bi expedie par l'edfteur«' REVUE BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, viertelj&hriR S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—. vierteljährig Dinar 40.— : Kumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljäbrifj Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire Ii.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. HERAUSGEBER : ROBERT STRICKER Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel. A-20-2-78 - Er s die int Dienstag u. Freitag €Ses§ter der Vergangenheit Vor einigen Tagen erschien in den Wiener Zeitungen eine kurze amtliche Verlautbarung über die polizeiliche Ausihefbung eines Klubs in der Inneren Stadt wegen Verdachtes verbotener kommunistischsozialistischer Tätigkeit. Ueber dde Art der Tätigkeit, das Resultat der Einvernahme der angehaltenen Personen etc. wurde nichts gesagt. Es wurde nur der Umstand erwähnt, daß die Klubräume luxuriös ausgestattet sind und vornehmlich von Studenten, sonstigen Intellektuellen und vielen Frauen und Mädchen aufgesucht wurden. Kurz darauf erschien im christlichsozialen Hauptorgan „R e i c h s p o s t" unter dsm die Aufmerksamkeit des Lesers anregenden Titel ,,Geister der Vergangenheit" eine ergänzende Notiz folgenden Wortlautes: „Wie die „Reichspost" erfährt, handelt es sich um einen Zirkel ehemaliger Marxisten. Insgesamt wurden 94 Personen zur Ausweisleistung angehalten; bei ihnen wurden heute Hausdurchsuchungen vorgenommen. Ein Teil dieser Personen ist der Polizei bereits bekannt. Von den 94 Angehaltenen ist einer Katholik; zw'eiu n dsiebzig sind mosaisch, drei evangelisch und der- Rest konfessionslos, früher mosaisch." Weiter nichts! Wieder Isein Wort über die Natur der von der Polizei beobachteten Vorgänge und das sachliche Ergebnis der Untersuchung. Es ist offenbar, daß die inhaltlich sonst so arme Notiz einen Zweck verfolgt: Die Feststellung, daß von 94 unter dem Verdachte kommunistisch - sozialistischer Betätigung stehenden Personen nicht mehr und nicht weniger als 90 Juden sind. Andere Zeitungen haben sofort begriffen, um was es sich da handelt, und die Notiz der „Reichspost" wiedergegeben. Man könnte an die „Reichspost" und ihre Nachdruckendie Frage richten, warum sie bei Behandlung von Ereignissen weit erschütternder Bedeutung, etwa des Kanzlermordes und der auf Zertrümmerung Oesterreichs gerichteten, so blutigen nationalsozialistischen Julirevolte, keinen Wert auf die Feststellung der Konfession und Abstammung der Beteiligten gelegt ha'ben. Man könnte fragen, warum sie nicht bei Analysierumg der noch vor kurzem in Oesterreich abgegebenen Million sozialdemokratischer Stimmen Bekenntnis- und Aibstammungsforschung betrieben haben. Aber solche Fragen sind müßig und allzu naiv. Solche Fragen stellen der jüdisch-assimilatorische Liberalismus und Sozialismus, jene, die glauben, die Judenfrage mit Verteidigungs¬ und Abwehrreden erledigen zu kennen. Es ist besser, ohne jede nervöse Scheu und Furcht vor antisemitischer Begleitmusik ' der Sache auf den Grund zu gehen. Daß viele Juden, und besonders viele junge Juden, links und radikal orientiert sind, ist eine längst bekannte Tatsache und kein Geheimnis, das erst von der „Reichspost" enthüllt werden mußte. Aber der Grund hiefür ist nicht, wie die „Reichspost" und ihre Freunde mehr oder weniger zart andeuten, in einer „zerstörungslustigen jüdischen Eigenart" zu suchen, sondern ganz anderswo. Verfolgung und Entwurzelung der Juden sind Ursachen, imd an beiden trägt die nichtjüdische Gesellschaft den Großteil der Schuld. Ein ganz großer Teil der nichtjüdischen Gesellschaft will die Judenfrage durch Verdrängung, Verfolgung und Ausrottung lösen. Diesem Teil steht es wohl schlecht an', wenn er salbungsvolle Klagen darob ausstößt, daß Juden gegen eine sie erwürgende Gesellschaftsordnung ankämpfen und in ihrer Verzweiflung zum Radikalismus kommen. Der andere, zahlenmäßig weit geringere, doch in seiner Art ebenso gefährliche Teil der nichtjüdischen Gesellschaft glaubt die Judenfrage damit zu lösen, daß er von den Juden Preisgabe der jüdischen Eigenart, Charakterlosigkeit auf allen Linden fordert: „Anpassung", „Assimilation", „Bodenständigkeit" und wie die Ausdrücke für nationale Selbstverleugnung und Heuchelei sonst noch lauten. Auch diesem Teil der niohtjüdischen Gesellschaft steht es übel an, wenn er über „Unzuverlässigkeit" des nach seinen Wünschen charakterlos gewordenen jüdischen Individuums klagt, darüber, daß es heute der und morgen jener Partei nachläuft, die gerade an der Macht ist, und sei es auch die radikalste. Eine für beide Teile annehmbare Lösung der Judenfrage ist nur dann zu erreichen, wenn die nichtjüdische Gesellschaft endlich Verständigung mit jenem Teil der jüdischen Gesellschaft sucht, welcher voll und ganz auf .dem Boden des nationalen Judentums steht, und den Bestrebungen dieses Judentumes, daß der verhängnisvollen Wurzellosigkeit ein Ende machen will, Verständnis und Förderung angedeihen läßt. Das gilt für alle Welt und auch für Oesterreich. Es muß festgestellt werden* daß. diese einzig richtige Erkenntnis nicht in jene Kreise gedrungen ist, die. Ursachen, und an beiden trägt die nicht jüdische Gcdie heute das gesellschaftliche politische Leben in Oesterreich bestimmen. Von jenen, welche die Vernichtung des Judentumes wollen, soll weiter nicht gesprochen werden. Ihnen sei nur gesagt, daß man das alte Volk nicht mit einem Knüppel erschlagen, mit einem Strick erwürgen kann. Man kann ihm Leid zufügen, aber noch keiner, der es tat, hat letzten Endes Freuden daran erlebt. Kein Staat noch ist am Antisemitismus gesund und stark geworden, keiner wird es werden. Aber zu jenen soll gesprochen werden, welche die Verantwortung für die ruhige Entwicklung des Staates Oesterreich auf sich genommen und aus dieser Verantwortung heraus die Notwendigkeit erkannt haben, die Judenfrage in Oesterreich sachlich zu behandeln. Sie haben bis heute nicht den Weg zum nationalen Judentum gefunden, zu jenem Judentum, das ehrliche und gründliche Verständigung will. Die Vertreter des national organisierten Judentums in Oesterreich haben die Behandlung der wichtigsten Fragen des jüdischen Erziehungswesens, der beruflichen Gruppierung, der Stellung der Juden in der Vaterländischen Front u. a. m. gefordert. Sie sind bis heute ohne Antwort geblieben. Augenscheinlich hält man es für bequemer, ihren Forderungen auszuweichen und sich an jenes Judentum zu halten, das selbst jeder Entscheidung ausweicht und in der Unklarheit das Heil sucht. Bequemer mag diese Politik sein, aber sicher ist sie schlecht. Schlecht für Oesterreich und schlecht für seine Juden. Solange man diese Politik in der Judenfrage betreibt, werden die Klagen der Juden über ihre Behandlung und die Klagen der „Reichspost" über die „radikalen" Juden nicht verstummen, r. st. Dizengoft's Genesung Tcl-Awiw, 30. Jänner. Nach seiner schweren und lebensgefährlichen Krankheit hat Bürgermeister Dizengoff heute zum erstenmal seine Wohnung verlassen und ist bei der Ausstellung der jüdisch-russischen Bildhauerin Channa O r 1 o f f erchienen. Dizengoff gilt als völlig hergestellt. NTHRACIT KOHLE BESTE QUALITÄTEN! KOKS %}o^ HASCH IV, ARGENTINIERSTR. 22 - TEL. SERIE U.47.5.40 wissenschaftlich richtig konstruiert, individuell sorgfältigst angepaßt Dr. Hechfs Hernlastat Bruchband ärztlich dort empfohlen, wo bis jetzt jedes andere Bruchband versagt; Corpufront-Stützmleder die wissenschaftliche Spitzenleistung bei Hängebauch. Schwangerschaft usw.; Noch Operationen bei Magensenkung, Wanderniere usw. sind unsere richtigen Spezialbandagen Gebot Seit 32 Jahren erstrangiges Fachinstitut Bandogen-rtlTholpsch Wien II, Taborstraße 22, Telephon R-47-1-85 Aufschlußreiche Broschüren kostenlos überallhin - Sorgfältigste individuelle Beratung - Aufschlußreicher Katalog überallhin Erster öffentlicher Protest der deutschen Juden Aus Berlin wird gemeldet: Die Reichsvertretung der deutseben Juden hat folgende Erklärung veröffentlicht: „Auch das überwältigende Ergebnis der Saarabstimmung hat zu unserem schmerzlichen Bedauern dem Gauleiter Julius Streicher dazu gedient, in einer Rede in Nürnberg uns Juden zu diffamieren. Er tat dies mit folgenden Worten: „Der Jude Matz Braun war Beauftragter der jüdischen Basse, des jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saarvolk zum Mutterland zurückkehre. Ihr Nürnberger, Deutsche, vergeßt nie: Ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors staud, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbanken und der jüdischen Wcltbörse glaubte, dem deutschen Volk das Unglück bringen zu können, daß hunderttausende Deutsche für immer dem deutschen Volk genommen werden. Jawohl, wollen wir nie vergessen: Eine Jude stand an der Spitze der Schande, die wir erlebten.' Demgegenüber erklären wir: Dies ist nicht wahr, und stellen fest: Max Braun ist weder Jude noch jüdischer Abstammung. In derselben Rede hat der Gauleiter Streicher; Dr. Walther Rathenau die Worte in den Mund gelegt: ,300 Mäner, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut verbunden sind, regieren die Geschicke der Welt.' Demgegenüber stellen wir fest: Die Aeußcrung Rathenaus (in seinem Buch „Zur Kritik der Zeit", Berlin 1912, Seite 206) lautet: ,800 Männer, von denen jeder jeden kennt, leiten die Wirtschaftsgeschicke des Kontinents und suchen sicli Nachfolger aus ihrer Umgebung.' Die Worte .durch das Blut verbunden' hat Rathenau nicht gebraucht. Wann endlich werden solche uns tief verletzende Aeußerungen ein Ende nehmen? Zur Wahrung unserer Ehre bleibt uns nichts als feierlicher Protest! Die Reichsvertretung der deutschen Juden: Baeck. Hirse h." Mord in Palästina Aus Jerusalem: Der jüdische Milchmann Israel Lachmann aus Ramath Gan und seine Ehefrau Malka Lachmann wurden von Arabern überfallen. Lachmann wurde getötet, seine Frau schwer verwundet. Drei Araber wurden verhaftet. Es wird angenommen, daß ein persönlicher Racheakt vorliegt. II Elektr. Kraft-, moderne Beleuchtung*- und Radioanlasen, elekti. Haushaltungsgeräte, Luster, Radio. Fachmännische Beratung kostenlos. PAUL HELLER, I, Lichtensteg 1 // Tel. U-21-9-12 Installationen t^d Hotel Arras NIZZA 7 Avenue Baquis Aller Komiort. Elegant« /immer. Nahe am Meei und Kasino. Idealer Aufenthalt. Komplette Pension: Ihres. 35.— Pension Irma Meister. Meran Idealer nanzjähriejer Autenthalt, letztei Komioii, gerühmte Küche, herrl. Park, mäßige Preise, verlangen Sic Prospekte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.