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Die neue Welt · 1935-01-25 · Heft 433 (25.1.1935) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 433 (25.1.1935)
Date
1935-01-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 9 MB NEUE WELT Wr. 433 GMANN, I. RABE«5ftlÜ3 HIMMELPFOBTQ. 6 KÖLLWERHQFw. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCwl UND wirkwarin SPOTTBILLIG! Fahrend in ETERNA Hemden Cven B*80 autw.) fügt haben, tragen einen großen Teil der Schuld an dem Umstand, daß die klnssenkämpferischen Parteien ihre Hegemonie als ihr legitimes Gut betrachten. Aber wie dem auch sein mag — die bestellenden Spannungen sind e in deutliches Symptom dafUr, daß der Geist der hartnlu kigsten Unduldsamkeit sogar auf einen Bereich übcrgetvrU'ftii hat, der zu einem Ausgleich der Gegensätze prädestiniert erseheint, nuf den Bereich des Sports. Hier sollten doch fraglos parteipolitische) Dogmen dem Gedanken einer aufbauenden jüdischen Solidarität weichen, im Sinne des Muskeljudentums, #as M :> x Nord a u als Zeichen der Abkehr von der unfruchtbaren Ghetto-Mentalität bezeichnet hat. Die jüdische Sportjugend, die sich in der ganzen Welt, in der Guluth und in Palästina, im Makkabi-Weltyerband zusammen ^esu-hlesson hat, bildet zweifellos einen überaus wertvollen Faktor in der Regenerierung des jüdischen Volkes und in der Errichtung des jüdischen Xationalheims. des A u d e n s t a a t s. Ist es nicht ein frivoles I'nterfangeu, dieses Gebilde zu zersetzen und seine Aktivität lahmzulegen? Darf es sein, daß die jüdischen Arbeiten-portler aus parteipolitischen Prestigegründen den aufmarschierenden Makkabim den Rücken kehren? Wo seil eigentlich der geschlossene Aufbauwille herrschen, \\\n\\ nicht bei unserer mmkclstarkcn nationalen Ju-;end? Der Konflikt zwischen den nationaljüdischen, überpolitischen Makkabi-Snortlern und dem klassenkämpferischen Hapoel stallt der Zionistischen Organisation kein ehrendes Zeugnis aus. Engländer und Araber werden den 3Iangel an nationaler Solidarität bei jeder Gelegenheit zu ihren Gunsten zu eskomptieren wissen. Sie werden die Schwäche der allgemein- 'zionistischen Politik zur Zurückdämiming unserer wichtigsten Positionen ausnutzen können. Und da« muß «ich für die Gesamtlage tragisch auswirken. An§diu8da4gungen der JL T« A. Gegen die zionistische Exekutive Hinter den Kulissen, von der jüdischen Oeffentlichkeit bisher unbemerkt, spielt sich in der letzten Zeit ein erbittert.?!- Streit z-vvischen zwei jüdischen Nachrichtenbüros ab: der Jüdischen Telegraphenagentur (J. T. A.) und der Palästina-Korrespondenz (Palcor.). Nun ist der Augenblick gekommen, wo dieses Spiel in einen Kampf auszuarten beginnt. An sich wäre dies kein Grund zu einer Betrachtung oder gar zu einer Stellungnahme. Aber der Umstand, daß es sich hier um Informationen allgemeinjüdischen Charakters handelt, hebt den Konflikt der beiden Nachrichtenagenturen aus der Sphäre der Anonymität hinaus. Die J. T. A. beliefert die jüdische und nichtjüdischc Welt schon seit 17 Jahren mit Nachrichten, die für die jüdische und zionistische Politik von zweifellosem Wert sind. Wenn man auch zuweilen mit der Art der J.-T.-A.- Berichterstattung nicht einverstanden ist, so muß man doch ihre Bedeutung für Presse und öffentliche Meinung anerkennen, zumal sie im großen und ganzen Unparteilichkeit an den Tag legt. Plötzlich erscheint die „Palco r" auf dem Plan, eine von dar zionistischen Exekutive gegründete palästinensische Korrespondenz, von der zionistischen Exekutive mit Geld und mit Nachrichten versorgt, ja sogar um Abonnenten werbend, also eine Konkurrenz gegen die private, unabhängige J. T. A. Die J. T. A. muß sich nun gegen Palcor wehren, die im Gewand der Exekutive-Autorität auftritt und selbstverständlich '.m Sinne der linksorientierten Exekutive öffentliche Meinung einseitig macht. Wir erleben es, daß die zionistische Exekutive, ein Instrument, der klassenkämpferischen Histadruth, nun auch den Nachricht e n d i e n s t in ihren Machtbereich bringen, ihn monopolisieren und für ihre parteiischen Zwecke ausnützen will. Die .7. T. A. wendet sich nun an die Oeffentlichkeit. In einem Kommunique weiß sie Pikantes über wirklich nicht einwandfreie Manöver des histadruthischen Palcor zu erzählen: davon, daß die Exekutive diffamierende Zirkulare über die J. T. A. verbreitet hat, der J. T. A. wichtige Nachrichten vorenthält, sie durch Drohungen einschüchtern will, kurzum ein Tun an den Tag legt, das mit der Würde der höchsten zionistischen Leitung nicht in Einklang zu bringen ist. Die Fairneß, von der sonst in den Enunziationen der Exekutive die Rede ist, wird man hier wohl schwerlich finden. Die J. T. A. schreibt u. a.: „Palcor wurde von den Führern der Histadruth gegründet, um eine Kontrolle über die aus Palästina gehenden Nachrichten zu üben und die eigene Stellung mittels eines ihren Partei- Interessen dienenden Propagandadienstea zu festigen. Um ihrem Nachrichtendienst erhöhtes Prestige und größere Autorität zu verleihen, haben die Histadruth-Führer ihre vorherrschende Stellung in der Exekutive dazu benützt, dieses Unternehmen im Namen und im Auftrag der Exekutive der Jewish Agency for Palestine starten zu lassen, obwohl der Palcor-Dienst sich nicht, einmal den Anschein der Unparteilichkeit gib t." Das Fazit der Auseinandersetzung zwischen den beiden Nachrichtenagenturen ist nicht sehr erfreulich. Der J. T. A. kommt der TJmstand zugute, daß sie keine Offizialität besitzt. Aber die Exekutive sollte in der Wahl ihrer Propagandamittel wählerischer sein. Mit Nachrichten schachern, Abonnenten werben und bei der jüdischen Welt die .T. T. A. diskreditieren, ist nicht gerade ein Zeichen von Sinn für Fairneß. Wir haben bei dieser Kritik das Kommunique der J. T. A. berücksichtigt. Wir haben nämlich so lange keinen Grund, an dessen Wahrheitsgehalt zu zweifeln, bis nicht die Exekutive, bzw. die verantwortliche Leitung der Palcor die Anschuldigungen der J. T. A. widerlegt hat. KREUZ-KINO Wollzeile 17 Tel. R-21-2-16 VIVA VILLA In der H.iuotroile Wallace Derry 20 Jahre hebräische Musik Vorstellungen: *, %6, y«a, v*io 4 vs&*,v^> >~ { VI' <. \ '.-"V * Ä^. Aduc Wolf Am 10. Februar findet im Großen Konzerthaussaal ein hebräisches Konzert unter Leitung des Prof. Artur Wolf statt. Auf dem Programm stehen Kompositionen von Engel, Millet, Wolf u. a. nach Texten von Ch. N. B i a 1 i k. Das Reinerträgnis fällt dem Keren Kajemeth und der Winterhilfe der Israelitischen Kultusgemeinde zu. Ein großer Teil des Verdienstes an der Veranstaltung hebräischer Konzerte fällt dem Prof. Wolf zu, de* vor zwanzig Jahren, von Oberbaurat Robert Stricker, dem er auch seine erste hebräische Komposition „Ness Ziona" widmete, wirksam unterstützt, den ersten hebräischen Gesangsverein ,,H a k i n o r" gründete und seither unablässig um die Propagierung der hebräischen Musik, des hebräischen Liedes, bemüht ist. Die bisherigen, unter der Initiative Prof. Wolfs veranstalteten hebräischen Konzerte gaben ein Bild von der neuen jüdischen Kultur auf dem Gebiet der Musik und trugen viel zur Geschmacksveredlung des jüdischen Wien bei. hg. ®ei rjjenntötifdjen Sefdjtoerben in Den ©clcnien unb (5Itebcrn foruic frei ilopftuel) luirfcu Xocjaf' XaBIcttcn rnfcfi imb fidjer. "Jßtnn Xaufcitbc uoit Wcr^teit biefcö sJJiittc,I üerorbncii, fömtett auef) Sic es oertraueuss ooU faufcn. 3" allen 3(potI)efcit crfjältlid). ^reis S 2.40. Judensfaatsjpartea Oesterreichs VerKammlungsknlender Samstag, den 26. d. M., um y,8 Uhr abends, J u d e 11 s t a a t s j u g e n d im Heim, I., Werdertorgasso Nr. 1.4, Heimabend mit Tanz. Regiebeitrag. Dienstag, den 29. d. M., Judenstaatsjugend, Sektion Prater, II., Kleine Zufahrtsstraße 166, Plcnarversammlung. Referent Fritz K o 1 b. Dienstag, den 20. d. M.. Judenstaatsjugend, Sektion Brigittenau, XX., Heinzelmanngasse 20, Plenarversammlung. Referent Karl Frankel. Dienstag, den 29. d. M.. Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32, um X>9 Uhr abends Versammlung. „Die Organisation der Judenstaatlerinnen .Deborah'". Referentin Frau Fanny K n. t. z. Dienstag, den 29. d. M., um >£9 Uhr abends, Sektion Leopoldstadt, II., Taborstraße 21a, Versammlung „Die Lage im Zionismus". Referent Oberbaurat Robert Stricker. Sektion XIV/XV, Sonntag, den 27. d. M., ^8 Uhr abends im ,,Esra"-Heim, XV., Schanzstraße 32, Literarischer Abend. Sektion Prater: Judenstaatsjugend, Sonntag, den 27. d., 8 Uhr abends im Heim, II., Kl. Zufahrtsstr. 166, Heimabend mit Tanz. Konstituierung der Bezirksgruppc Brigittenau Am 17. d. fand in der Bezirkssektion der Judenstaatspartei die konstituierende Sitzung statt, die folgende; provisorische Leitung wählte: Obmann: Ch. E d e r e r; Vizeobmänner: E. Nußbaum und B. St ein kl ein; Sekretärin: Frl. Frischmann; Kassier: B. Steinklein; Revisoren: H. Graulich u. I. Oppenheim; Propaganda und Organisation: E. Nußbaum und E. St ekel: Weiters: Bienstock, Goldmann, Fr. Graulich, Fritz Kolb, Fr. Nußbaum, Fr. Oppenheim, Rottenberg, Hr. und Fr. Unreich. Da« neue „Judensfaatsheim" in der Leopoldstadt Den Bemühungen der Parteileitung und der Gg. der Leopold3tadt ist es gelungen, im Zentrum des II. Bezirkes geeignete Räume für ein neues, schon lange notwendiges Heim zu finden, und soll dieses zu einem politischen, kulturellen und geselligen Zentrum unserer Bewegung ausgestaltet werden. Es ergeht an alle Herzl-Zionisten der Leopoldstadt der Ruf, sich zur Mitarbeit zu melden. Sekretariatsstunden täglich (ausgenommen Freitag und Sonntag) von 7 bis 9 Uhr abends. Daselbst werden Auskünfte erteilt und Mitgliederanmeldungen entgegengenommen. Zur Eröffnung spricht Dienstag, den 29. d. M. im Heime, II., Taborstraße 21a, Oberbaurat Ing. Robert Stricker in frei zugänglicher Versammlung zum Thema: „Die gegenwärtige Lage im Zionismus". Beginn präzise J/a9 Uhr abends. ergebnis dieser Tonsetzer jüdischen Blutes auch als jüdische Musik anzusehen sei. Die ersten der genannten Komponisten jüdischen Blutes lebten in einer Zeit, da es noch' keine bewußt nationale Bewegung im Judentum gegeben hat. Mehr als das: Gerade die intellektuelle Schicht, der diese Komponisten angehörten, vermied es, sich national zu exponieren. Musikalisch gesprochen, sind all diese Tonsctzer aus dem europäischen, deutschen, französischen usw. Musikkrei3 hervorgegangen, die großen deutschen Musikmeister waren ihre Lehrer und Vorbilder, die altjüdische Synagogal- und Volksliedmusik war ihnen vielfach unbekannt, jedenfalls fremd. In diesem Sinne ist das Schaffen dieser Komponisten kaum speziell jüdisch zu nennen und dem Schaffen der übrigen großen Meister anzureihen. Daß aber trotzdem auch im Schaffen der genannten Komponisten von Zeit zu Zeit der;iüdisch3 Musikiaut aufklingt, ist reizvoll-phantastische Wirklichkeit. Schließlich ist die Sache auch dadurch zu erklären daß yx alle diese Komponisten zuweilen, wenigstens als Kinder, Gelegenheit hatten, synagogale oder Volksmusik zu hören, und daß diese Eindrücke eben doch so stark waren, um später schöpferisch durchzubrechen. Eine ganze Reihe nationaler Musikschulen trat in Europa ungefähr um die Jahrhundertwende in Erscheinung. In Ungar n sind Kodaly und Bartok die Hauptvertreter dieser Schule, in Rußland ging schon viel früher von dem berühmten M ussorgsky eine ähnliche Bewegung aus, selbst. Debussy und seine Nachfolger stellen in gewissem Sir.ne eine solch französisch-nationale Musikbowegung vor und in der Tschechoslowakei, in Spanien und in noch manch anderen Ländern treffen wir auf ähniiehf- Erscheinungen. Sie gingen eben Hand in Hand mit dem Erstarken des allgemeinen nationalen Bewußtseins in der Welt. Auch durch das Judentum ging so f:in nationales Erwachen und im Zusammenhang damit entwickelte sieh eine bewußt jüdisch-nationale Musikbewegung. Eine Reihe Komponisten jüdischen Blutes wollten .<iich, wie in ihrer menschlichen Gesinnung, auch in ihrem Schaffen bewußt zum Judentum bekennen, studier c-ju und gingen aus von den Quellen der aynagogalen und Volksmusik, deren Motive und Rhythmen sie zur tonlichen Grundlage ihrer Musik machten. W'rnn wir dieses in ersten Moment gänzlich neuartig anmutende Phänomen einer jüdisch-nationalen Muaikbewegung näher ins Auge fassen, muß sich die Frage aufdrängen, wodurch sich denn die freie synagogale von der neuen „jüdisch-nationalen" Komposition unterscheiden sollte. Die Frage ist auch objektiv berechtigt. Wie entstand jene freie synagogale und wie entsteht die neue jüdisch-nationale Musikschöpfung? Indem ein Tonsetzer jüdische Motive, jüdische Musiksubstanz, die ihm aus der Bibel- und ursprünglichen Gebetsmusik und aus dem Volkslied geläufig ist, zu eigenen Erzeugnissen verarbeitet. Dieses Verarbeiten kann mehr oder minder nur in der Formgestaltung und Techn i k der abendländischen Kunstmusik vor sich gehen. Aus dem zwingenden Grund, weil es eine andere als die uns allein verständliche moderne Kompositionsgestaltung (etwa aus ältester Zeit auf uns gekommen) einfach nicht gab, wobei noch zu beachten ist, daß speziell die Verwendung von Instrumenten in der Synagoge die längste Zelt überhaupt verboten war. Als sie sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts endlich durchsetzte, konnte von einer etwaigen Entwicklung dieser Instrumentationstechnik aus jüdischem Musikempünden heraus schon gar nicht die Rede sein. Man setzte vielmehr mit einem Ruck den neuzeitlichen Instrumentalapparat in die jüdische Musiksphäre ein. Und auch die neue jüdische Musikbewegung tut ja nichts anderes, als dem traditionellen Motivmaterial in der Technik unserer Zelt Gestalt zu geben. Erst wenn man die künstlerisch wertvollen Erzeugnisse beider Gebiete betrachtet, beginnt der wesentliche Unterschied erkennbar zu werden. Hier in den Hochwerten stellen sich synagogale und nationaljüdische Tonschöpfung ihrem künstlerischen Zweck, ihrer geschichtlichen Mission und Sinngebung und auch den entstandenen und in Entstehung begriffenen Formen nach als zwei durchaus verschiedene Zweige des großen jüdischen Musikstammes dar. Im synagogalen Schöpfungskreis war wertvoll jene frühe, namenlose, rein vokale Produktion, deren Sinn weniger in der Verarbeitung zu zeitgenössischen technischen Formen als in der Fortbildung der jüdischmusikalischen Ursubstanz und ihrer organisch allmählichen Verschmelzung mit anderen grenznachbarlichen Musiksphären bestand. Hier war also die Intensität, die inspiratorische Weiterschöpfung im „Jüdischen" wichtig. In der neuen nationalen Musikbewegung umgekehrt kann nur das ala wertvoll gelten, wr aus der jüdischen Substanz an Form und Gestaltung gewonnen wird.. Nun hat sich in den letzten Jahren eine Reihe bedeutsamer Tonsetzer dieser nationalen Linie zugewendet. Hieher gehören der in Amerika lebende Schweizer Jude Ernest Bloch, ferner der auch als Geiger berühmte Josef A c h r o n und einige seiner Freunde. Speziell in. Rußland arbeitet eine ganze Gruppe von Komponisten in diesem Sinne: die Brüder Kr ein, Gn essin, Weprik u. a. Unsere nationale Musikbewegung ist nicht wie andere nationale Geistesbewegungen in der glücklichen Geschlossenheit eines räumlichen Zusammenhangs geborgen, sondern reicht verstreut durch andere Völker über die ganze Erde. Schon diese örtliche Differenzierung bewirkt vielleicht, daß sich in dieser kaum entstandenen Bewegung schon Gruppen, Spaltungen und Sondermelnungcn bemerkbar machen, während bei den anderen die nationale Gebundenheit an sich als Selbstverständlichkeit gilt, die Art und Stärke ihrer Ausprägung Wesensangelegenheit des Komponisten selbst ist. Die Tatsache, daß der Wert einer national-jüdischen wie jeder Musikschöpfung nur aus ihrem künstlerischen Rang abgeleitet werden kann, künstlerisch wertvolle Musilc aber nur in den seltensten Fällen für den Hörer leicht verständlich Ist, stellt den jüdischen Durchschnittshörer und damit auch den Schaffenden vor ein oft heikles Problem. Was im allgemeinen Musikbereich einfach als nicht „schön", als nicht konvenabel abgelehnt wird, erhält hier leicht die wirksamere Abwehr als „nichtjüdisch". Es hat sich übrigens in der Geschichte gezeigt, daß jede wahrhaft große Kunst von selbst in irgend einem Sinn national ist. Aber Beethoven und Mozart, deren Musikwesenheit sicher deutsch, und Verdi z. B., der so unverkennbar italienisch ist, sie alle sind gerade darum so weltumfassend geworden, weil das Nationale sich nie pompös vordrängte und an Stelle des Wertes setzen wollte. Damit soll durchaus kein Wort gegen den glückhaft aufstrahlenden nationalen Musikimpuls als solchen gesagt sein. Und es ist wohl kaum von der Hand zu weisen, daß für den jungen jüdischen Musiker neben dem Studium der großen europäischen Musikentwicklung, d i e einheitlich für alle Musik von heute das Form- und Arbcitsmatcrial beistellt, künftig auch das Studium und Eindringen in das jüdisch-musikalische Quellgut als erwünscht, ja notwendig zu betrachten sei,

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