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Die neue Welt · 1935-01-22 · Heft 432 (22.1.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 432 (22.1.1935)
Date
1935-01-22
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 DDE NEUE WELT ffr. 43$ NACH POLEN besonders billige Fahrt 20. Jänner bis 20. Februar Auskünfte and KBAlirftflAl Wien II!, Rannweg 1, Tat. U-16-4-60 Anmeld, nur rICMIl%Ul*Ult Ideale Qelejenfielt für Wlntertportler und den National Council of Jewish Women (Nationalrat der jüdischen Frauen) eingeladen, an der Wahl von Delegierten zum erweiterten American Jewish Congress teilzunehmen. Aus dieser Wahl sollten auch die Delegierten, zum Jüdischen Weltkongreß hervorgehen. Aber die beiden Organisationen lehnten ab. Schon vorher erklärten die amerikanische Bne-Brith-Loge und das Jewish Labour Committee (Jüdische Arbeitervereinigung), am Weltkongreß nicht teilzunehmen. Wie man sieht, stehen immer noch einige Gruppen abseits. Aber der Gedanke von der unbedingten Notwendigkeit des Jüdischen Weltkongresses hat sich Durchbruch verschafft und ist im Begriffe, viele Widerstrebende mitzureißen. In Amerika selbst haben sich die Allgemeinen Z i o n is t e n und verschiedene bedeutende Arbeiterparteien für den Weltkongreß ausgesprochen. Der M i s r a c h i der ganzen Welt, die Revisionisten, die Judenstaatler haben sich von Haus aus der Initiative des Rabbi Stephen Wise angeschlossen. Soeben hat auch das jüdische Palästina durch den Waad Leumi (Jüdischer Natiönalrat) beschlossen, sich aktiv am Kongreß zu beteiligen. Was im Judentum lebendig, zukunftsfreudig ist und sich verantwortlich fühlt für das Schicksal des jüdischen Volkes, hat sich rückhaltlos und ohne jede Einschränkung in den Dienst der Weltkongreß-Idde gestellt. Auf nationaler und demokratischer Basis wird die Tribüne geschaffen, von der herab die jüdischen Rechte in aller Welt verteidigt werden sollen. Der Jüdische Weltkongreß wird die legitime Institution der zerstreuten Judenheit sein, geboren aus der Stärke des "Völkerbundgedankens und gefestigt durch die Soüdarität der Juden der Welt. Gerade in den Tagen, da das Schicksal der S a a rjuden die fragwürdige Lage der Judenheit in den einzelnen Ländern enthüllt hat, erscheint die Aktualität der Jüdischen-Weltkongreß-Tagung mit erschütternder Deutlichkeit vor unseren Augen. Der Jüdische Weltkongreß ist Tatsache. Seine Notwendigkeit braucht heute nicht mehr erläutert zu werden. Wer sich von ihm ausschließt, bezeugt, daß er die Tragik der jüdischen Lage nicht versteht oder sich zynisch über sie hinwegzusetzen im Begriffe ist. Reichsdeutsche Kun'osa Seit einigen Wochen wird der Peer-Gynt - Film (nach dem Bühnenwerk von Henrik Ibsen), ein judenreiner Film, aufgeführt. Bs kommt darin eine Szene vor, die wörtlich dem vierten Aufzug des Ibsen-Dramas entnommen ist, und zwar: „Das Glück, von dem Ihr schon erführet, verdanke ich Amerika, Die wohlgefUUten Bücherschränke den jüngera Schulen Deutschlands schuld' ich, Frankreich mit Kleidern mich, versah . . . Von England lernt* ich, wie man denke . . . Vom Juden, wie man sei geduldig." Diese letzte Zeile wurde im Film weggelassen. Bei einer Aufführung von. Händeis Arien in Frankfurt a. Main wurde der Originaltext „Gott schützt sein Volk Israel" nicht gesungen, sondern ein Ersatztext, der den Zuhörern unverständlich war. In den deutschen Schulbüchern findet sich die berühmte „Lorele y" von Heinrich Heine mit dem bekannten ersten Vers „Ich weiß nicht, was soll es "bedeuten ..." Das Gedicht ist mit den Worten abgeschlossen: „Verfasser unbekannt." Tschechisches Radio und Itavag Im Prager Radio werden in nächster Zeit zwei Vorträge über Palästina gehalten werden. Dr. Paul Koeser, der Sekretär der Landessammelstelle des Jüdischen Nationalfonds in der Tschechoslowakei, wird am 31. Jänner im Rahmen der deutschen Sendung über dde Siedlungsarbeit tschechoslowakischer Juden in Palästina sprechen. Dr. Josef K u b ä 1 e k, der Sekretär der tschechoslowakisch-palästinensischen Handelskammer, spricht am 17. Jänner um 13.35 Uhr in der tschechischen Sendung über die wirtschaftlichen Beziehungen zu Palästina. Wie man sieht, hat die Tschechoslowakei ein Interesse darin, über Palästina, das neue und wichtige Wirtschafts- und Importgebiet, laufend informiert zu sein, wie denn auch die Weltpresse dem aufblühenden jüdischen Land sehr viel Aufmerksamkeit widmet. Die österreichische Radio-Gesellschaft, die offizielle Ravag, hält es nicht für notwendig, ihren hunderttausenden Hörern etwas vom jüdischen Palästina zu erzählen, insbesondere <kn österreichischen Industriellen, die Absatzmärkte brauchen. Die Ravag ist rücksichtsvoll. Sie will die Ohren ihrer Abonnenten nicht mit dem Wort „jüdisch" verletzen! Die Linken Spöttlet boykottieren die Makkabiah Aus Berlin: Wie der Deutsche Makkabikreis mitteilt, haben in Tel-Awiw, wie schon bei der ersten Makkabiah, Verhandlungen des Makkabiah- Aktionskomitees mit dem zionistisch-sozialistischen Arbeiter-Sportverband Hapoel über seine Teilnahme an der zweiten Makkabiah stattgefunden. Der Hapoel teilte durch seine Vertreter Dow Hos und Sprinzak mit, daß seine Mitglieder sich an der Makkabiah nicht als Gäste beteiligen können; dagegen werde gewünscht, daß ihm das Tel-Awiwer Stadion an einem Nachmittag während der Makkabiah für seine eigenen Vorführungen zur Verfügung gestellt werde. Das Makkablah-Komitee sprach sich ein* stimmig gegen diese Forderung des Hapoel aus, in der es eine Demonstration sah, die sich der Makkabi als ein seinem Wesen nach apolitischer Verband nicht gestatten könne. Dem Hapoel wurde diese Auf«< fassung bekanntgegeben und dabei wiederholt, daß der Makkabi nach wie vor den Hapoel zur Beteiligung am Aufmarsch und an den sportlichen Wettkämpfen einlädt« Entscheidung über das Sdudc§al der Saarjuden Die Angliederung des Saargebiets an Hitler-Deutschland steht bevor. Damit tritt die Entscheidung über das Schicksal der saarländischen Juden in ein akutes Stadium, Die Nachrichten der letzten Tage lassen diesbezüglich kein klares Bild zu. Vorsprachen bei Völkeriatsmitgliedern In Abwesenheit Dr. Nahum Goldmanns hat J. Jcfroykin, Mitglied der Exekutive des Comite des D6Iegations Juives, samt den Genfer Mitarbeitern des Komitees bei verschiedenen Mitgliedern des Völkerbundrates durch persönliche Demarchen zugunsten einer besseren Sicherung der Lage der Juden im Saargebiet, nach Rückkehr dieses Gebietes zu Deutschland, Interveniert. Die Vertreter des Comite des DelSgations Juives wurden insbesondere empfangen: vom französischen Außenminister Pierre Laval, vom tschechoslowakischen Außenminister Edvard Bencg, von den Vertretern Italiens und Großbritanniens und von einer Anzahl anderer Ratmitglieder. Die Vertreter des Comite des Delegations Juives wiesen darauf hin, daß die Beschränkung des Schutzes der Juden an der Saar auf ein Jahr deren Lage gefährdet, und daß eine derartige zeitliche Beschränkung auch nicht im Einklang stehe mit den vorjährigen allgemeinen KREUZ-KINO '• Wollzeile 17 » Tel. R-24-2-16 VIVA VILLA Vorstellungen: k, %*, ViB, tt10 In der Hauptrolle Wallace Berry Entschließungen der Völkerbundversammlung, die eine unterschiedliche Behandlung der Minoritäten der Sprache, Rasse und Religion als mit dem Geist und der Praxis des Völkerbundes unvereinbar erklärten. Was ein englischer Politiker sagt Der Vizepräsident des Oberhauses, Lord Marley, traf in Genf ein, um den Vorsitz im Untersuchungsausschuß über den Nazi-Terror in der Schweiz zu führen. Einem Mitarbeiter des „Pariser Tageblatt" erklärte Lord Marley u. a.: Was die jüdische Saarbevölkerung angehe, so hatte der Gauleiter Bürckel öffentlich bekanntgegeben, daß die Juden in der Saar in der gleichen Weise behandelt werden würden wie in Deutschland selbst. ' Wegen dieser Behandlung sind bisher über 50.000 Juden i aus Deutschland emigriert. Man müsse also auch für die ■ saarländischen Juden das Schlimmste fürchten. Ali dies macht es unerläßlich für den Völkerbund, Schutzgarantien zu schaffen. Der Völkerbund hat die Verantwortung für die Flüchtlinge übernommen durch die Ernennung des Oberkommissärs McDonald. Der Völkerbund sollte beizeiten die Mittel bereitstellen, die der Oberkommissär für die Unterbringung dieser Flüchtlinge brauchen wird. Eine Anleihe von 100 Millionen französischer Francs zwecks Unterbringung der zu erwartenden etwa 10.000 Saar-Flüchtlinge würde sofort gezeichnet werden. Eine Fülle von Not und Elend Der Rabbiner von Saarbrücken, Dr. Lothar Rothschild, der Nachfolger Dr. Rülfs, äußert sich über die Situation: „Die Situation der Juden an der Saar ist gegenwärtig dunkel und ungewiß. Seit acht Tagen führe ich, von Basel kommend, mein neues Amt, da Rabbiner Dr. Friedrich Rülf, einem längst gehegten Entschluß folgend, nach Palästina abgereist ist. Noch wissen wir nicht, wie das Schicksal der Juden sich hier gestalten wird. Unsere ganzen Hoffnungen ' setzen wir vorläufig auf die Beschlüsse des Saarkomitees von Rom, wo die Vertreter Frankreichs und Deutschlands übereingekommen sind, daß die A r i e rgesetzgebung an der Saar für die Dauer eines Jahres nach der Rückgliederung nicht eingeführt werden darf. Trotzdem bereiten sich die Juden an der Saar auf ihr schweres Schicksal vor. Wohl werden die Gemeinden weiterbestehen, doch müssen wir uns auf eine Wohlfahrtsaktion vorbereiten, die zweifellos nötig sein wird, um der Fülle von Not und Elend, die entstehen werden, gewappnet entgegentreten zu können. ) Nicht die reichen Juden sind unsere Sorge. Ein leichtes ist es für sie, auszuwandern und in einer neuen Heimat festen Fuß zu fassen. Groß aber ist die Zahl jener Juden, die heute noch an der Saar als Angestellte und Arbeiter von ihrem Gehalt, von der Hand in den Mund leben und die nun eines Tages, alle? Erwerbsmöglichkeiten beraubt, rat- und hilflos auf der Straße stehen werden. Wer kann, wird auswandern. Die Jugend will fast ausnahmslos nach Palästina, und wir sind bemüht, den jungen Juden von der Saar eine Zabl von Flüchte lingszertifikaten nach Palästina zu verschaffen« Andere wieder setzen ihre Hoffnung auf Frankreich, wo sie neue Arbeits- und Existenzmöglichkeit zu finden hoffen. Die Einwanderung nach Luxemburg steht allen jenen offen, die dort leben wollen, ohne arbeiten zit müssen. Endgültige Entscheidungen sind, wie gesagt, noch! nicht gefallen. Eine Anzahl Saarländer Juden hat allerdings das Land bereits verlassen. Ihre Zahl festzustellen, ist jetzt noch nicht möglich. Auch weiß man noch nicht] wie viele von den fünftausend Saarländer Juden bleiben* werden, bleiben müssen. Die Kommission des Völkerbundes ist hier und an; der Arbeit. Sie wird viel dazu beitragen, die Situation zu klären. Endgültige Klarheit allerdings wird erst de« 1. März bringen, Saar-Flüchtlinge nach Südfrankreich 56 jüdische Saar-Flüchtlinge, die die Grenze naett Frankreich Überschritten haben, sind nach Toulouse dirigiert worden; 40 Flüchtlinge weilen in Tetorchen, 140 in Forbach, eine Anzahl auch in Metz. Viele dieser Flüchtlinge sind deutsche Juden, die sich nach Hitlers Machtantritt im Saarland seßhaft gemacht haben Diese Flüchtlinge möchten gerne in Elsaß-Lothringen bleiben, wo die Umgangssprache zum Teil deutsch isfri die Regierung besteht jedoch darauf, daß sie EIsaß-JLothringen verlassen und nach Südfrankreich gehen, Nach dem Saar?$ieg — die Judenfrage Aus Berlin: Während der Siegeskundgebung an* Abend des 15. Jänner an der Siegessäule charakterisiert^ der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels die Statu». quo-Wählerschaft an der Saar ala ein „Gemengsei von Juden, Separatisten und Marxisten"« Die „Fränkische Tageszeitung" meldet unter der Ueberschrift „Koffer und Fahrpläne als ein Wink füü Juden und ihre Freunde", daß viele Geschäfte in den Saar* Städten Koffer, Fahrpläne und Peitschen in ihre Schaufenster getan haben: als WinK für die Juden an der Saar, daß sie sich nun auf die Beine machen müssen. Dio Zeitung gibt ihrer Freude Ausdruck, daß nun ein neuexp Auszug der Kinder Israels aus einem Sttictf deutschen Landes vor sich gehen werde. Der „Westdeutsche Beobachter" in Köln erklärt, „Juden, Marxisten, und anderes Gelichter" an der Saar hätten sich direkt} des Hochverrats schuldig gemacht. Aus Nürnberg: Auf einer Saar-Kundgebung anläßlich des Abstimmungsergebnisses sprach in Nürnberg Gauleiter Julius Streicher. Nach einem Bericht dep „Fränkischen Tageszeitung" äußerte er: „Wir mußten ea wissen, wer es war, der das Leid in das Saarland und da* mit ins deutsche Volk brachte. Mit dem Namen Matz B r a u n ist gesagt, wer das Unglück an die Saar brachte« Matz Braun gehört jener Rasse an, gehört jenem Volke, an, das durch den Mund Walter Rathenaus vor Jahrzehnten sagen ließ: „300 Männer, die sich gegenseitig kennen und durch das Blut verbunden sind, regieren diej Geschicke der Welt!" Der Jude Matz Braun war Beauftragter der jüdischen Rasse, des jüdischen Volkes. Er war beauftragt, zu verhindern, daß das Saar-VolK zum Mutterland zurückkäme. Ihr Nürnberger* Deutsche, vergeßt nie: ein Jude war es, der an der Spitze des Terrors stand, ein Jude war es, der mit dem Geld der Judenbanken und der jüdischen Weltbörse glaubte, dem deutschen Volke das UnglücK bringen zu können, daß hunderttausende Deutsche für immer dem deutschen Volke genommen werden. Was) wollen wir wünschen? Wir wollen wünschen, daß einmal ein Tag komme, wo die ganze Welt zur Abstimmung schreitet, wo der Menschheit die Frage vorgelegt wirdj Willst du noch weiterhin mit solchen Christusmördern gemeinsame Sache machen, willst du weiterhin dulden, daß das ewige Volk der Juden dich bedrück« Wollen Sie billig nach Pole» reisen? Ewie besonder« Gelegenheit bietet Ihnen „Francopol". Wien, III. Eea* ReonwOK 1* W U-JjP-4-flft.

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