Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 432 (22.1.1935)
- Date
- 1935-01-22
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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186 Preis fO Groschen JMflfgMIMg # 2Vf/ BNemfag, den **♦ Pkmer H». r7*''!^ V« b. »r»m Vorleger versendet d expediö par I'cditcur1* DIE NEUE WELT REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: «esterreich monatlich S 1.40, vierteljäbrig S A.~, ganzjährig S 16.—; Polen monatlieh Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc IS.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierte!- iähritr Dinar 40.—; Bumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.— : Dcntschland monatlich Mark vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig: Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Liro Schwei» und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion it. Verwaltung: IX, Universitäfssir. 8,7et, A-2Q-2-78 — Erscheint Dienstag i*. Freiiag Landeskonferenz der Judensiaatler Oesterreichs Sonntag, den 20. d. M., wurde in Wien die erste Landeskonferenz der Judenstaatspartei Oesterreichs abgehalten. Die ein Jahr nach Konstituierung der Organisation veranstaltete Konferenz gestaltete sich zur imposantesten, inhaltsreichsten Kundgebung für den Herzlechen Judenstaats-Zionisraus, der sich hier in seiner grandiosen Klarheit manifestierte. Ueber 200 Delegierte und Vertrauensmänner, Vertreter der Bezirks- und Provinzgruppen, der Jugend, der Frauen, der Studentenschaft und der judenstaatlerischen Chaluzim nahmen in größter Spannung an den viele Stunden dauernden Beratungen teil, die durch keinen Mißton getrübt wurden und wieder 3'enc Würde und Geschlossenheit bewiesen, welche die zionistischen Konferenzen zur Zeit Hcrzls charakterisierten. Das programmatische Hauptreferat von Doktor Sal. Wolf, das als tiefgründigste und eindringlichste Darstellung des Judenstaatszionismus bezeichnet werden kann, das Organisationsreferat von Theodor Grubner, die politischen Referate Fritz Richters und Robert Strickers, die durch Frau K a t z (Frauengruppe), Dr. Zwi Kann er (Brith Hakanaim), Hager (Jugend), Dr. Klug (Provinzarbeit), Kerzner (Palästina- Arbeit), Frankel (Studenten), waren von Begeisterung und Sachlichkeit getragen. Die Tagung wurde durch Obmann Robert Stricker eröffnet und von den Herren Direktor A. Reich (Vorsitzender) und Dr. Weidenfeld und Katz (Stellvertreter) in musterhafter Weise geleitet. Die Konferenz, über deren Verlauf noch berichtet wird, nahm nach Wiederwahl Robert Strickers zum Parteiobmann und Einsetzung desgroßenParteirates, welohem die Konstituierung' der Leitung und Kommissionen obliegt, folgende Resolutionen an: Von der Ueberzeugung durchdrungen, daß nur ein Graßkolonlsation zu schaffender Judenstaat in Palästina, zu beiden Seiten des Jordan das Ziel des Zionismus bilden kann, fordert die Konferenz von der britischen Mandatarraacht und von der Palästina-Regierung, sie mögen ihrer Politik der Einschränkung und Behinderung der jüdischen Kolonisation «>in Ende bereiten und die für eine jüdische Großkolonisation notwendigen Bedingungen. Die Konferenz fordert demgemäß Abschaffung des ganz unzulänglichen Zcrtiiikatcnsystems und Freigabe der jüdische» Einwanderung nach P a 1 ä »t i n ». Einzig und allein der Zionistischen Organisation als der im Mandat anerkannten Vertreterin der Interessen des jüdischen Volkes soll es obliegen, das jeweilige Ausmaß einer der Fassungskraft des Landes entsprechenden Einwanderung zu bestimmen. Sie fordert Freigabe der Staatsländereien für jüdische Kolonisation und Wiedervereinigung dem willkürlich von Palästina losgetrennten und jetzt für die jüdische Kolonisation gesperrten Tr an» jordan i en ,mit Palästina. Im Interesse, der Sicherung des jüdisehen Aufbauwerkes und der Rtthe im Lande fordert die Konferenz die Bildung jüdischer Einheiten innerhalb der Garnison, der Polizei und des Grenzschutzkorps in Palästina. Sic fordert budgetäro Ueber nähme des Schul- und Gesundheitswesens durch die Regierung. Sie fordert die Einleitung einer Steuer- und Zollpolitik, welche den Bedürfnissen der Landwirtschaft, des Gewerbes, der Industrie und des Handels angepaßt ist, deren Entwicklung fördert und nicht — wie bisher — behindert. Sie lehnt den Plan der Einrichtung eines palästinensischen Parlaments mit arabischer Majorität, als dem Geiste und Wortläute des Palästina-Mandats widersprechend ab. ' Die kohferenz muß der derzeitigen Leitung der Zionistisch,oir Weltorganisation ihr V e rtruuen versagen. Die Tätigkeit dieser auf dem letzten Kongreß von einer kleinen Majorität einseitig gebildeten Exekutive handelt ncht so, wie es die Grundsätze einer auf Errichtung des Judenstaates hinzielenden zionistischen Politik erfordern. Die maßgebenden Mitglieder dieser Exekutive süid Vertreter der Ideologie des Klassenkampfes, welche den Aufbau des Juden Staates immögllch zu machen droht und daher von der Judenstaatspartei mit allem Nachdrucke abgelehnt wird. Wichtige Gruppen der Bewegung »ind in «lieser Exekutive nicht vertreten, sie kamt daher unmöglich als Vertreterin des jüdischen Volkswillens gelten. Nur eine Exekutive, welche der Judenstaatsidee voll und ganz ergeben ist und Männer des Vertrauens aller zionistischen Gruppen in sich schließt, ist zur Führung des Zionismus und der jüdischen Arbeiter In Palästina beruf e&< Die Konferenz begrüßt die Einberufung des Jüdischen Weltkongresses im Jahre 193 5. Sie macht es allen Mitgliedern der Judenstaatspartei in Oesterreich zur Pflicht, die Idee des Weltkongresses zu fördern und bei dessen Vorbereitung tatkräftig mitzuwirken. Die Konferenz anerkennt den Jüdischen Volksbund für Oesterreich als berufene Vertretung der nationalen und bürgerlichen Interessen der Judenschaft Oesterreichs und macht es den Mitgliedern der Judenstaatspartei zur Pflicht, die Arbeit des Jüdischen Volksbundes in jeder Hinsicht zu fördern. Alle Mitglieder der Judenstaatspartei, welche den statutarischen Bestimmungen des Volksbundes entsprechen, haben demselben als Mitglieder beizutreten. Die Konferenz legt schärfste Verwahrung gegen die Gebarung des Wiener Paläst ina-Amtesmit den Ei uwanderu n gs Zertifikaten ein. Die Leitung dieses Amtes, welcher die gerechte Verteilung der Zertifikate obliegt, ist zum Instrument der linken zionistischen Arbeiterpartei und ihres, engeren Anhanges geworden. Ihr Vorgehen bei der Verteilung hat bei den anderen Parteien Entrüstung und Verzweiflung hervorgerufen. Die Konferenz beauftragt die Vertreter der Judenstaatspartei, den Kampf gegen diesen zynischen Mißbrauch mit Einwanderungszertifikaten mit allen Mitteln und vor der breitesten jüdischen Oeffentlichkeit zu führen. Wünsche für Genesung Bürgermeister Dizengoffs Die in der Eröffnungsansprache Robert Strickers enthaltene Meitteiluhg von der schweren Erkrankung des Gründers und Bürgermeisters von Tel-Awiw, M e i r Dizengoff, erregte die herzlichste Anteilnahme der Konferenz, welche die Parteileitung beauftragte, dem kranken Führer Palästinas die innigsten Wünsche zur Genesung zu übermitteln. * . Kundgebung für Meir Großinann Die Konferenz bereitete dem unermüdlichen Führer der Weltleitung der Judenstaatspartei Mei r Großmann eine große Ovation. Sie drückte ihm uneingeschränktes Vertrauen und Dank aus. Dizengoffs Befinden gebessert T e 1 - A w i w, 18. Jänner. In der letzten Nacht hat sich der allgemeine Gesundheitszustand des Bürgermeisters gebessert, zumal die Temperatur wesentlich gefallen ist. Im Jüdischen Kunstmuseum, für das der kranke Bürgermeister seinerzeit einen Teil seines Wohnhauses zur Verfügung gestellt hat, befindet sich den ganzen Tag eine Gruppe von Juden, welche um die Genesung Dizengoffs beten. Heute erschien an Dizengoffs Krankenbett der 93jährige Tel-Awiwer Einwohner Samuel Rot heim und brachte dem Kraulten ein Amulett, das er vor 60 Jahren von seinem Rabbi erhalten hatte. Dizengoff war über das Geschenk sehr gerührt. Er legte »las Amulett unter den Kopfpolster, dankte dem alten Mann und sprach den Wunsch aus, ihn unter glücklicheren Umständen wiederzusehen. Kein jüdischer Bürger? meister in Jerusalem Trotzdem Jerusalem eine jüdische Bevölkerungsmehrheit besitzt, hat die Palästina-Regierung keinen Juden,. sondern den Araber Dr. Hussein K h a 1 d i zum Bürgermeister ernannt. Hiezu meldet die J. T. A.: Nach der Abweisung des vom ehemaligen Bürgermeister Nashashibi eingebrachten Wahlprotestes durch das Jerüsalemer Distriktsgericht sind sofort die Verhandlungen mit den Regierungsstellen, betreffend die Besetzung des Bürgermeisterpostens, aufgenommen worden. Der Ditriktskommissär Campbell hatte Vertreter des Waad Leurai zu einer Besprechung eingeladen, in der die Möglichkeit der Besetzung des Bürgermeisterpostens mit einem Juden erörtert wurde. Die Ergebnisse dieser Besprechungen wurden auf Wunsch des Distriktskommissärs nicht veröffentlicht. Es folgten weitere Verhandlungen mit dem High Commissioner, in denen die Vertreter der jüdischen Wählerschaft eich schließlich damit zufriedengaben, daß ihnen der Posten des ersten VizebUrgermcisters, dessen Befugnisse er« luiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiifiiiiiifnimiiiiiivs 1 JUPENSTAAI SPARTE! ÖSTERREICHS | s Mittwoch, am 23. d. M., um %9 Uhr abends, im S ~ Judenstaatsparteiheim, 55 VORTRAG r Thema: Moses. ~ 5 Keferentin: Fräulein Sarah Schacht er. j= Gäste willkommen! 2 Ciiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiin,^ weitert werden sollen, überlassen wird. Zum Bürgermeister von Jerusalem wurde der erfolgreiche Gegenkandidat Nashashibis bei den letzten Wahlen, Doktor Hussein Fakri cl Khaldi, ernannt. Zum ersten Vizebürgermeister wurde Chaim Solomon, zum zweiten Bürgermeister Jakub Farradsch als Vertreter der chistlichen Bevölkerung bestimmt. Der High Commissioner bemerkte hiezu, daß er es vermeiden wollte, die christliche Bevölkerung bei der Besetzung des Stadtpräsidiums zurückzusetzen. Die neugewählte Stadtvertretung hat die Arbeiten bereits aufgenommen, ohne die Entscheidung über den Wahlprotest, der von zwei anderen Mitgliedern der Nashashibi-P artei eingereicht wurde, abzuwarten. * Hingegen meldet die Nachrichtenagentur Palkor; Im Zusammenhang mit den unrichtigen. Meldungen, die bezüglich der Ernennung des jüdischen Vizebürgermeisters verbreitet wurden, teilt Palkor mit, daß für diesen Posten die Palästina-Regierung den Advokaten Daniel Auster und nicht Dr. Chaim Solomon bestimmt hat. Auf nationaler und demokratischer Basis Zum Jüdischen Weltkongreß Viele Jahre hindurch wurde in der jüdischen,. Welt die Frage diskutiert, in welcher Weise eine Repräsentanz der gesamten Judenheit geschaffen werden könnte. Diese Frage verdichtete sich immer mehr, so daß schließlich im Jahre 1932 der Gedanke eines Jüdischen Weltkongresses greifbare Formen annahm. Man dachte an ein großes öffentliches Forum, von dem aus das jüdische Volk seine Forderungen zu erheben und seine Haltung gegenüber allen, bedeutenden Problemen zu dokumentieren habe. Ein gut Teil der Initiative ging von den im American Jewish Congress zusammengefaßten nationalen Juden : Amerikas unter Führung von Rabbi Stephen W i s e aus. Da die Idee vorschwebte, alle jüdischen Gemein-. schaften zu diesem Kongreß heranzuziehen,, begannen Verhandlungen des vorbereitenden Komitees mit' Gruppen, die bisher in sämtlichen, die Gesaintjudsnheit betreffenden Problemen abseits standen. In der Haupsache waren es solche Gruppen, denen ihr enger Landeststandpunkt den Blick auf, das Große, Umfassende verwehrte. Aber die Zeit stand nicht still. Die Ereignisse in einzelnen Ländern, wie beispielsweise die Judenkatastrophe im nationalsozialistischen Deutschland, schoben die Notwendigkeit des Jüdischen Weltkongresses immer mehr in den Vordergrund. Der tragisch© Prozeß der Entrechtung und Verelendung der jüdischen Massen außerhalb Palästinas begann auch jenen jüdischen Kreisen die Augen zu öffnen, die vo.u der Entwicklung der menschlichen Zivilisation eine grundlegende Aenderung der jüdischen Situation erwarteten. Nun, da sie sich in dieser Erwartung betrogen fühlten, begannen sie eine Art Solidaritätsgefühl mit ihren jüdischen Volksgenossen in den anderen Ländern zu empfiuden. Aber immer wieder traten hemmende und verzögernde Elemente auf den Plan. In Amerika, wo mehr als vier Millionen Juden wohnen, hat der American Jewish Congress, die Repräsentanz der nationalgesinnten amerikanischen Judenschaft, das American Jewish Committee (dit Vereinigung der ameritoischen Judengemeiude^'