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Die neue Welt · 1935-01-15 · Heft 430 (15.1.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 430 (15.1.1935)
Date
1935-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 430 DIE NEtJE WELT Sötte 3 | Judenstaatspartei Oesterreichs Tagesordnung der f-andeskonferenz der Judenstaatspartei Oesterreichs Sonntag, den 20. Jänner, ]A10 Uhr vor« mittags, Im Heim, I., Werdertorgasse 14: 1. Eröffnung und Begrüßung — Oberbaurat Robert Stricker; 2. Wahl eine« Tagesprä«idiums; 8. Tätigkeitsbericht und Organisationsreferat - Referent: Theodor Grubner; 4. Die Judenstaatspartei In Oesterreich — Referent: Fritz Richter; 5. Wege und Ziele der Judenstaatspartei — Referent: Mendel Hager; 6. Brith Hakanalm — Referent: Dr. Rabb. Kanner; 7. Hechalu« Halettml — Referent: Mosche K e r z n e r; 8. Frauenorganisation „Deborah" — Referent: Frau Fanny Katz; 9. Studentenklub der Judenstaatspartei — Referent: Josef Frankel; 10. Dio Judenstaatspartei In der Provinz — Referent: Dr. Felix Klug; 11. Das Verhältnis der Judenstaatspartei zu den andern Parteien Im Zionismus —• Referent: Dr. 8. W o 1 f; 12. Die t.age der Juden — Referent: Oberbaurat Robert Stricker; 18. Debatte; 14. Berichte der Kommissionen und Wahlen. Versammlungskalender Dienstag, den 15. Jänner, %9 Uhr abends, Judenstaatsjugend, I., Werdertorgasse 14. Versammlung: „Probleme der Landeskonferenz". Referent: Fritz Ko!b, Moschch Kerzner. Dienstag, den 15. Jänner, Y,9 Uhr abends, XV., Schanz straße 3 3, Versammlung. Thema: „Die Landeskonferenz der Judenstaatspartei Oesterreichs". Referenten: Josef Fränke 1 und Fritz Richter. Mittwoch, den 10. Jänner, l/a9 Uhr abends, im Judonstaatspartelheim, I., Werdertorgasse 14: Versammlung: „Die jüdische Frau In der zionistischen Bewegung." Referenten: Frau Fanny Katz, Frau Dr. Lucy Offner, Fritz Richter, Ing. Robert Stricker. Donnerstag, den 11. Jänner, um %9 Uhr abends, im Prater, H., Kleine Zufahrtstraße 160. Versammlung. Thema: „Problem der Landeskonferenz der Judenstaatspartei". Referent: Fritz Richter. mmmmmmmmmmmmmmmmmm arstalteten Bankett war, erzählt nun einem Interviewer, daß er eich mit Hitler über die Judenfrage unterhalten habe. „Hitler behauptet", so lauten die Worte des jungen Lord Rothermere, „nicht mehr die Juden Deutschlands zu verfolgen. Er hat ihnen Jeden Einfluß genommen. Er will sie nicht aus Deutschland ausweisen: er erkennt bereits ihre Bedeutung in volkswirtschaftlichen Dingen." So weltfremd ist nicht einmal Rothermere jun., um nicht zu wissen, daß die antijüdische Hetze in Deutschland eher noch zunimmt. Wozu also die Stimmungsmache für Hitler? Verbindet Herr Rothermere diese Stimmungsmache mit seinen eigenen Interessen? Glaubt er vielleicht, die Kulturwelt werde ihm mehr Glauben schenken als jenen, die bezeugen, daß die Diffamierung der Juden In Deutschland nach wie vor geübt wird? Herr Rothermere irrt, wenn er vermeint, durch Fabeln über Hitlers neue Judenpolitik die Stimmung gegen das Dritte Reich verbessern oder gar der Welt einreden zu-können, daß in Deutschland nun auch für die Juden das goldene Zeitalter beginnt. Julius Streicher auf Tschechisch Aus Prag (J. T. A.): „Sozialdemokrat" schreibt: „Herr Streicher, Führer der fränkischen Nationalsozialisten, Herausgeber des „Stürmer" und seinerzeit Führer des Judenboykotts, hat eine unerwartete Konkurrenz bekommen. Die „Obec faäistickä" gibt seit neuestem eine „Arische Korrespondenz" („Arljskä Korrespondence") heraus, die es sich zur Aufgabe gestellt hat, die Maßlosigkeit der antisemitischen Polemik Streichers in tschechischer Sprache zu verbreiten. Von gewissen Rücksichten auf die Zensur abgesehen, ist dieses neue Unternehmen inhaltlich vom Nürnberger „Stürmer" kaum zu unterscheiden. Eine Erklärung der Zionistischen Exekutive Aus London: Gegenüber irreführenden Gerüchten stellt das Organisations-Departement der Zionistischen Exekutive fest, daß bisher ein Beschluß über den Ort und das Datum des 19. Zionistischen Kongresses nicht vorliegt. Die Exekutive hat die Absicht, dem Aktions- Komitee die Einberufung des Kongresses während des Sommers 1985 vorzuschlagen. Sowohl das Datum des Kongresses wie der Ort, bezüglich dessen in einigen Ländern Erhebungen angestellt wurden, werden vom Aktions-Komitee festgestellt werden. Eine Theateraut'fUhrung in jüdisch-italienischer Sprache Aus Florenz (J. T. A.): Im Florentiner Verein für jüdische Studien, „Convegno die Studii Ebraicl", wurde zum erstenmal ein in dem jüdisch-italienischen Dialekt „GJudaico-fiorentino" abgefaßtes Theaterstück „La Gnora Luna" aufgeführt. In einigen Provinzen Italiens hat sloh ein besonderes Judenitallenisch ausgebildet, so das „Giudalco fiorentino" in Toscana. In Rom wurden vor einiger Zeit Gedichte in jüdisch-italienischer Sprache unter dem Titel „Soneti giudalCQ-romaneschi" herausgegeben. Palästina/ heute — und vor 79 Jahren Von Dr. J. Adler (Tel-Awiw) Gerade in den letzten Tagen, um die Jahreswende 1934/35, hat der jüdische Volksbestand in Palästina die Höhe von schätzungsweise rund 30 0.0 00 Seelen Uberschritten. Das erscheint viel, wenn wir die frühere Verödung unseres Landes bedenken, als sich am heutigen Platze Tel-Awiws nur trostlose SandhUgel befanden, als der Emek Jesreel einzig und allein ein riesigar Malariasumpf war. Und wiederum erscheint die Zahl noch sehr gering, wenn wir in unseren Geschichtsbüchern lesen, daß dieses Land vor zweitausend Jahren reichlich fünf Millionen Menschen beherbergt, beschäftigt und ernährt hat. Zugleich richtet sich an dieser Landmarke unserer Entwicklung der Blick des palästinensischen Statistikers vergleichend auf die jüdischen Volksgruppen in der Diaspora. Manchem wird die Tatsache überraschend erscheinen, daß Palästina heute bereits bedeutend mehr Juden zählt als Litauen (160.000), Lettland (100.000) und Estland (5000) zusammen, mehr Juden auch als Oesterreich, schon 75 Prozent der Judenzahl der Tschechoslowakei, schon 60 Prozent der Judenzahl Deutschlands. 25. Schuljahr Tel. U-46-4-37 Neues Wiener Konservatorium Musikvereinsgebäude, I, Böaencfotrfersfraße 12 Unterricht in Gesang, Klavier und allen Orchesterinstrumenten von den ersten Anfangen bis zur künstlerischen Ausbildung. Eigene Kinde rabteilung. Anmeldungen und Aufnahmsprüfungen täglich vor- und nachmittags ausschließlich im Musikvereinsgebäude. Der zahlenmäßige Aufstieg des1 Jischuw in der Nachkriegszeit wird in folgender Uebersicht veranschaulicht: 1919: 57.900 Juden in Palästina 1922: 83.790 „ „ 1926: 147.398 „ „ 1931: 175.006 ...... Ende 1934: 300.000 „ Zu diesem Zuwachs von 242.100 Personen innerhalb der letzten sechzehn Jahre hatdie Einwanderung mit schätzungsweise 192.100, die natürliche BevÖlkerungsvermehruug (Ueberschuß der Geburten über die .Sterbefälle), die man gern im Scherz als „innere Alijah" oder als „die Alijah, die ohne Zertifikat und doch legal kommt" bezeichnet, mit schätzungsweise 50.0 00 Seelen beigetragen. Von nicht geringem Interesse ist es, aus oft halbvergessenen Quellen die jüdischen Bevölkerungsverhältnisse Palästinas in älteren Zeiten kennen zu lernen. Im Jahre 1856, also vor 79 Jahren, unternahm der jüdische Arzt Dr. Ludwig Frankl aus Wien eine Palästina-Reise, um im Auftrage einer Wiener jüdischen Philanthropin, der Frau Elise Herz, geb. Edlen von Lämel, auf den Namen ihres Vaters die heute so blühende Lämel-Schule in Jerusalem zu begründen. Sein Reisetagebuch „Nach Jerusalem!", das — in deutscher Sprache — zwei Jahre später vom „Institut zur Förderung der israelitischen Literatur" herausgegeben wurde, ist seitdem eines der wertvollsten Dokumente zur Kultur- und Sozialgeschichte der Levante im 19. Jahrhundert geblieben. In diesem Werk hat uns Dr. Frankl auch eine Bevölkerungsstatistik der palästinensischen Juden hinterlassen, die gerade heute eine Wiedergabe verdient, da wir nunmehr das Dveißigfache des vor 79 Jahren vorhandenen Vplksbestandes erreicht haben. Jüdische Bevölkerung Palästinas im Jahre 1856: Jerusalem .......5.700 Safed....... . . 2.100 Tiberias ........ 1.514 Hebron......... 400 Jaffa 400 Akko......... 120 Haifa........ . 100 Shafr-el-Amr ...... 60 Peki'in ......... 50 Nablus......* » . 40 Ramien......... 5 Insgesamt........10.489 Natürlich ist die Feststellung ziemlich einfach, an welchen Punkten des Landes seit jener Zeit der Aufschwung im besonderen eingesetzt hat. Heute wohnen in Jerusalem nahezu 75.000 Juden, in Haifa mindestens 30.000, in Jaffa mindestens 15.000, und hiezu kommt das rein jüdische Tel-Awiw, erst vor 26 Jahren errichtet und jetzt schon eine Großstadt von 110.000 Bewohnern, sowie der reiche Kranz der jüdischen Kolonien des Landes, deren älteste, Petach-Tikwah, heute bereits eine ansehnliche Landstadt von 20.000 Bewohnern, erst 1878 entstand. Was indessen unser Studium in besonderem Grade herausfordert, das sind gewisse auffällige Divergenzen von der allgemeinen Entwicklung. Ein Vergleich mit dem neuesten amtlichen, „Zensus" vom IS. November 1931 zeigt nämlich, daß von 1856 bis 1931 die Zahl der Juden in Safed nur von 2100 auf 2529, in Akko von 120 auf 233, in Ramien nur von 5 auf 7 gestiegen ist, während sie in N a b 1 u s sogar von 40 auf 4, in Hebron von 400 auf 134, in Shafr-el-Amr von 60 auf 1 zurückging. Vor 79 Jahren waren also noch relativ bedeutende jüdische Niederlassungen an Orten anzutreffen, die heute als „rein arabisch" gelten. Der Konzentrationsprozeß, der in der Gegenwart die jüdisch«» Massen vor allem in Tel-Awiw, außerdem auch in Jerusalem und Haifa zusammendrängt, hat ferner die unerwünschte Folge gehabt, daß uralte jüdisch« Kulturzentren, wie Tiberias (1931: 5260 Juden) und Safed (Vergleichszahlen schon vorhin genannt) an demogfaphischem Gewicht stark verloren haben. Es gibt also aucn im heutigen jüdischen Palästina, trotz aller Prosperität, „backward areas", in der Entwicklung zurück« gebliebene Gegenden, um ein modernes englische« Schlagwort zu gebrauchen, das in der Heimat unserer Mandatsverwalter jetzt eins große Rolle spielt. Daher ist es eine wichtige nationale Aufgabe für. uns und unsere kolonisatorischen Institutionen, auch an Tiberias, Safed, Hebron zu denken, zugleich, mindestens schon aus Respekt vor einer einzigartigen und bedeutsamen Tradition, an das einsame Judendörflein P e k i' i n, hoch oben in den Bergen zwischen Safed und Akko, dessen Juden sich dessen rühmen, daß ihre Ahnen niemals das Land verließen, sondern ununterbrochen seit der Zerstörung des Judenstaates auf Ihrer Scholle ausharrten und unser unverjährbares historisches Heimatrecht an Ort und Stelle aufrechterhielten. Peki'in hat heute kaum mehr Einwohner als vor 7 9 Jahren. Wer nimmt sich Peki'ins an? Ueberhaupt sollten wir die Besiedlung der Gebirge Galiläas sowie der Gebirge Juda und Benjamin, auf denen einst üppige Terrassen-Kultur unzählige Kleinbauern ernährte, und des ganzen, jetzt noch so menschenleeren Südens baldigst der praktischen Lösung näherbringen. Bestehen wir unbeugsam darauf, daß entgegen allem hier und dort spukenden „Kantönli-Geist" die administrative Einheit Palästinas für immer unantastbar bleibe, so ist es erforderlich, daß — mit kulturellem, ökonomischem und sozialem Rückhalt an unseren heutigen Siedlungszentren —. ein dichtes Netz neuer jüdischer Niederlassungen da» ganze Land überziehe. Das hat schon, wenn auch in bescheidensten Ziffern, der alte Jischuw in der Osmanen-Zeit fast instinktiv getan. Es war ein Zeichen hoher Weisheit, daß er seine Menschen nicht ausschließlich in Jerusalem zusammenzog, sondern die „heiligen Städte", deren Bewohner zu sein eine religiöse Pflichterfüllung bedeutete, über das ganze Land verteilte, von Hebron im Süden bis Safed im Norden. So trug schon vor 7D Jahren, mit nur wenig mehr als zehntausend Juden, das Land doch schon allenthalben wenigstens die Grundzüge eines jüdischen Charakters. Wir sollten daraus lernen, auch das nationale Heil nicht allein in einem Groß-Tel-Awiw zu erblicken. Dürfen „Touristen" in Palästina arbeiten? Aus Haifa: Sali Esra Sobami aus Aleppo war unter der Beschuldigung, in Palästina Arbelt angenommen zu hab'en, ohne im Besitz einer Einwanderungserlaubnis zu sein, als „illegaler Einwanderer" vor dem Haifaer Gericht angeklagt worden. Demgegenüber wies der Verteidiger Argaman darauf hin, daß die Immigration Ordinance keine Bestimmung enthalte, derzufolge die Annahme von Arbeit in Palästina durch Touristen verboten sei. Der Richter 'W. C. CUrry schloß sich dieser Ansicht an und sprach den Angekippten frei. Aus Jaffa: Vor dem Jaffaer Oberrichter Commander B o d i 11 y hatten sich die aus Aegypten stammenden Reuben M i s r a c h i und Albert Cohen wegen illegaler Einwanderung zu verantworten. Misrachi wurde zu einem Monat Gefängnis verurteilt. Das Verfahren gegen Cohen wurde auf Ersuchen der Polizei vertagt, um seine Angaben, daß er seit über zwei Jahren im Lande weilt und somit nicht mehr „illegal" ist; nachzuprüfen. Misrachi erklärte, er lebe seit anderthalb Jahren in Palästina und sei eingewandert, weil er in Aegypten keine Arbeit habe finden können und eine Familie zu erhalten habe. Der Richter empfahl den zuständigen Behörden die Deportierung des Verurteilten noch vor vollständlgerVerbtißung seiner Strafe. Jüdische Konzession in Syrien Aus Jerusalem: „Le Commerce de Lev a n t" meldet, daß mehrere jüdische Grundstückmakler aus Haifa sich bei der Regierung des (im Rahmen der syrischen Republik selbständigen) Sandjaks A1 e x a nd r e 11 e um die Uebernahme der Konzession der Bntsumpfung des Amokgebietes, ganz im Norden Syriens in der Nähe der türkischen Gnenze, bemühen. Der Antrag auf diese Konzession sei bereits im vergangenen Sommer an das Auswärtige Amt in Paris gerichtet worden, das seinerseits die Angelegenheit dem Oberkommissar in Beirut zur Erledigung zuleitete. Syrische und libanesische Abgeordnete sollen sich für die Konzessionserteilung an die Juden verwenden, die in dem Erwerb, der Entsumpfung und dem Wiederverkauf des Geländes besteht. Für tj/ks Projekt sind 170 Millionen Francs Unkosten vorgesehen. Eine jüdische Ansledlung in diesen Gebieten ist ins Auge gefaßt. Ferner wird berichtet, daß elsässische Juden im Libanon 12.000 Dunam Land für 45.000 türkisch» Goldpfund (etwa 75.000 pal. Pf.) aus arabischer Han4 erworben hätten, um dort Landwirtschaft naefc modernen Prinzipien zu treiben.

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