Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 430 (15.1.1935)
- Date
- 1935-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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»Site. 4 DIE NEUE WELT Nr. 430 %d loäumm tot (fatöe Von J. L. P e r e z Müde, erschöpft von der Gemeindearbeit, kam Rebb . Jochanaali der Gabbe, heim. In der Küche duftete ihm der wohlige Geruch des Abendessens entgegen, Fleisch und Apfelmus mengten ihre Düfte. Rasch ging er ins Wohnzimmer und fand dort seine Frau Sosche; doch der Empfang, den sie ihm bereitete, war nicht allzu freundlich. ',,Nichtstuer!1' rief sie zornig, so wie der Gabbe nur über die Schwelle trat. „Warum bist du heute, so böse? Diese, ewigen Gemeindesachen.' Und wann wirst du, Nichtstuer, etwas für dich tun?" „Für mich?" fragte der Gabbe verwundert. „Was habe ich denn für mich zu tun? Unsere' Kinder sind Gottseidank schon selbständig und uns selbst fehlt es doch— glaub' ich — an nichts ... Was hätte ich also zu tvs>*" Und indem er in der Stube umherblickte, setzte er hinzu: „Das ist aufgebettet ohne mich, die .Leuchter sind blank ohne meine riHfe: die Wände habe ich nicht angerührt und ich sehe auf ihnen kein Spinngewebe; Der Tisch ist auch schon hergerichtet, das Tischtuch weiß wie Schnee, Löffel, Gabel und Messer blitzen silberblank. Ich sehe auch angemachten Rettich, geriebenen Kren, ein Fläschchen mit Likör..." „Hör auf mit den Spässen, wasch dich lieber." „Nein, Sosche, ich gehe mich nicht eher waschen, bis. du'nicht selbst zugibst, daß ich recht habe. Hier im Haus gibt es für mich gar nichts zu tun, dafür aber dort im Beth-Hamidrasch die schwere Menge. Wer wird sich denn um diese Dinge kümmern, wenn'ich es nicht tue? Etwa Jossei, der Krämer, der kaum Zeit findet zu essen? Oder gar Jechiel, der Dorfgänger, der am Sabbat nach der Hawdala bei Nacht vom Haus weggeht und erst spät am Freitag heimkommt? Vielleicht Kuben, der Wucherer, der den ganzen Tag bei den armen Leuten herumlauft, um ihnen ein paar Groschen abzunehmen? Vielleicht am Ende einer von den armen Handwerkern, die schwer "für ihren Unterhalt arbeiten müssen?" „Laß mich in Frieden! Ich bin nicht mehr böse..." „Gewiß, ich weiß, daß du nicht mehr börse bist. Ich will dir nur beweisen, daß ich auch für mich dort arbeite. Sie mich an, Sosche, mein Bart ist schon weiß! GlauV .nicht, daß. ich noch ein Jüngling bin. Es heißt schon, sich zur Fahrt bereitzumachen . \ ." „?ur Fahrt? Was für eine Fahrt?" fragte Sosche verwundert. Bald begriff sie, was gemeint sei, und rief erschrocken: „Behüte! Behüte! Nicht, davon .sprechen! Oeffoe'.die Lippen nicht für den Satan.!'' '. ' „Keine Furcht, Sosche, du bist auch schon über die Zwanzig hinaus... Und was werden wir, tun, wenn man uns dort fragt, was wir geleistet haben auf dieser Welt? Was we.rden. wir da antworten? Werden wir sagen, -daß wir .hier* gegessen und getrunken, haben? Was wird.dann der-oberste Richter sagen? Du freilich wirst-dann noch anführen können,' daß du etwas geleistet hast im Aussteuern'-von Brautleuten.. '-';,StiJl!'- bittet Sosche. Sie fürchtet,'das Rühmen dieser Guttat könnte ihr auf jener Welt Schaden bringen. " .'„Darum will auch ich etwas Gutes tun..." .. '; „Sehr. gut,, sehr gut, Tu, wie du..willst. Doch jetzt wasch .dich!" . •; •: ,,Noch. eins",, fährt der Gabbe fort, „erinnerst du dich hoch deines seidenen Hochzeitskleids mit den; Silberbprten, Sosche?" ■ ^.Freilich." - .^Möchtest du es für einen Thora^vorlxang,spenden?";; „Aysf ezeichnet. Gewiß. Ich hole es sofp.rt - - ..,J31ejb', Sosche, ich habe es schon selbst genommen. Es hängt schon an dem Thoraschrein," - . ,;PieV»!" sagt Sosche lächelnd. - . ■ -.Jetzt erst geht Reb Jochanaan, um sioh zu. waschen. Dann ißt er mit Appetit, betet und legt .sich-schlafen. * R,eb Jochanaan, der Gabbe, entschlief und seine Segle ,üc£-^uin Himmel auf. Dort schrieb sie in das Buch ihrer Taten unter die guten Werke: . ,",Icb, Jochanaan, der Sohn der, Sarah, habe den ganzen 7$g an heiligem Werk gearbeitet; .denn ich dachte: ich- und Sosche, meine Frau, wohnen, in. einem schönen Haus, während Gottes Haus, das heilige Beth-Hamidrasch, baufällig ist und der Erneuerung bedarf. Darum habe ich Werkleute gedungen, damit sie es ausbessern. Heute hat man zwei neue Bänke und einen neuen Tisch hineingestellt- Ich habe auch die Dielen reinigen lassen, ebenso die*Wände- und alles Gotteadienstgerät'-Auf -dem Bet- Tisch-an der Ostseite habe ich einen neuen. Leuphter aufgestellt.-• -Dafür waren in der Gemeindekasse bloß 300 Gulden; den Rest — 45 Gulden und 18 Groschen — habe Jchaus eigenem zugelegt, Auf Rechnung, meiner Frau Sosche habe ich den seidenen Thoravorhahg anfertigen lassen. ' i .Abgesehen davon, befaßt sie sich mit der Aussteuer für arme Brautleute. Gott möge es ihr zu Gutem anrechnen. Im Beth-Hamidrasch ist alle Arbeit fertig... Und. ich. habe dem Diener aufgetragen, er möge ja niemanden;mehr im Beth-Hamidrasch übernachten lassen. Gottes,.Haus soll keine Herberge sein. Der Diener muß das Beth-Hamidrasch nachts verschließen ..." Während Reb Jochanaans Seele also schrieb, flog efoie andere Seele empor und schrieb in ihr Buch folgendes: j „Ich, Berl, Sohn der Judith, bin schön hoch in den Siebzig. Solange ich Kraft hatte, habr ich meinen Lebensunterhalt redlich erworben. Dann bin ich alt geworden und die Kraft ist erloschen; ich habe nicht-mehr verdienen können und beginnen müssen, in die Häuser um milde Gaben zu gehen. Es ist mir im Anfang nicht schlecht gegangen. Ich habe stets zu essen gehabt. Die Stadtleute, die mich kannten, haben mir geholfen. Allmählich aber sind sie meiner überdrüssig und ihre Gaben seltener geworden. Das Brot, das sie mir schenkten, war oft alt, und ich habe es nicht kauen können, da ich keine Zähne hatte ... Da habe ich gemerkt, daß ich in meiner Heimatstadt Hungers sterben muß, und bin fort. Der E'rost ist slark und ich habe heute in der fremden Stadt im Beth- Hamidrasch Ur?rnachten wollen, wie es bei uns Juden Sitte ist. Der Diener aber hat die Tür verschlossen und mich nicht eingelassen. Der Gabbe hat ihm aufgetragen, niemanden im Beth-Hamidrasch' übernachten zu lassen, damit Gottes Haus keine Herberge werde .. . Jetzt schlafe ich auf offener Straße und die Kälte frißt mir das Mark aus den armen alten Knochen. Ich bin hungrig und friere bitterlich . . . Und ich frage dich, Herr der- Welt: Wer braucht eher das Beth-Hamidrasch, du oder ich?" Da tönte aus den Himmeln eine Stimme: „Ruft beide vor mein Gericht!" Am Morgen fand man im Städtchen tot: den Gabbe, Reb Jochanaan, in seinem Bett und einen alten Bettier, der erfroren'war,'auf der Straße neben dem Beth-Hamidrasch. WUUe den Ouden — eine Jüdin Aus Paris (J. T. A.): Die jugendliche Holländerin W-illie den Ouden gilt allgemein als die beste Schwimmerin der W e 1 t, mit der es auch keiner der männlichen Meisterschwimmer aufnehmen kann. Da nun Holland überhaupt sehr gute Schwimmerinen hervorbringt," sind französische Journalisten zu .der Feststellung gelängt, daß die tiiederlä'n'd'isc'he Rasse besondere Schwimmbegabung aufweise. Nachdem man nun zur Ueberzeugung gelangt war, daß die: ungewöhnlichen Fähigkeiten der Willie den Ouden nur möglich sind, weil eben das holländische - Blut oder die batavische Rasse diese Eignung einschließe, wurde bekannt, daß Willie den Ouden an der Makkabiade in Tel-Awiw teilnimmt,'da sie Jüdin ist. . Dazu bemerkt das .„Pariser Tageblatt": Wirklich ernsthafte Rasseforscher sollten sich die Mühe machen, den .Sport . in ihre Theorien einzubeziehen, denn gerade' hier treten ja physische und mentale Eigenschaften in den Vordergrund. Die Jüdin den Ouden ist nämlich tatsächlich eine typisch holländische Schwimmerin, die Juden Max Baer, Levinsky, Lasky, Rosenbloom, Barney Ross u. v.' a. sind in all ihrer stilistischen Gegensätzlichkeit typische amerikanische Boxer, der Jude de Morpurgo war Prototyp des italienischen Tennis, wie ein^t Fuchs und Hirsch das deutsche Fußballspiel verkörperten. Matf :köpnte.diese Liste beliebig'verlängern und etwa den englischen Sprintor Abrahams oder den finnischen Langstreckenläufer Katz als Beispiele zitieren. Denn die jüdischen ' Sportler erscheinen in denjenigen Disziplinen, die in ihrem Land:* gepflegt werdon. Dir Juden bilden im Sport keine eigene, rassisch abgetrr nnt e ■Gemeinschaft. Nicht die Rasse beeinflußt sportliche Leistungen, sondern die S c h u 1 e n. Es wäre besser, dm Rasse ganz aus dem Spiel zu lassen. Sie schafft nur Verwirrung. Legitlmistischer judischer Frauenbund. Donnerstag, den 17. Jänner 1935, um halb 8 Uhr abends, In den Ge«. sellschaftsräumen des Wiener Ring-Caf6s. I., Stubenring Nr. 18, Werbeversammlung. Auskünfte und Beitrittsanmeldungen in der Kanzlei, I., Parkring 4. Tel. R-27-7-67* Bar-Mizwah. Sondervorstellung, Mittwoch, den 16. d. M„ in den Jüdischen Künstlerspielen (Theater Reklame). Zur Aufführung gelangt der Schlager der Saison „Bar-Mizwäh" mit Sevilla Pastor. Rest* liehe Karten an der Abendkassa. Nur Ix im Jahr/ anläßlich der heute beginnenden „Seiden-Sensation e n" bei Schiffmann, können Sie aktuelle Seidenstoffe, Seidenkleider, Seidendirndl, Seidenblusen usw. für jede Gelegenheit und in jeder Qualität in enormer Auswahl zu wirklich sensationell billigen Preisen kaufen. lOOOe Seiden- Reste, Wasch- und Wollstoff-Reste (2 bis 7 Meter) bringt jetzt Schiffmann . . . solange Vorrat, reicht, so billigwie noch nie. Alle Wintermäntel sind im Preise tief reduziert. 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Jänner 1876 Zabchlin, verw., IV., Lothringerstraße 6, — Kurt Georg Firtel, geb.. 25. Juli 1915 Wien, ledig, IV., Blechturmgasse 12. — Hedwig Puchwald geb. Wilder, geb. 29/September 1905 Wien, ger. gesch., V., Bacherplatz 5. — Frieda Lahr geb. Goidschmidt, geb. 20. August 1887 Pees, verh., III., Landstraßer Hauptstraße 8. — Alice Kary, geb. 31. Jänner 1910 Wien, ledig: XIII., Hietzinger Hauptstraße 3. —< Dr. Bruno Mandel, geb, 8. Mai 1896 Wien, ledig, VIII., Florianigasse 2. — Jonanna, Weiß, geb. 28. November 1898 Wien, ledig, Wiener- Neudorf. — Richard Kurth, geb. 2. Juni 1873 Wien, verh., Preßburg. — Erna Dabrov.ski geb. Reisfeld, geb. 18. Jänner 1892 Mähr.-Ostrau, verh., XVIII., Dürwaringstraße 20, — Dr. Felix Gutfeld, geb. 28. Aprü 1893 Wien, verh., XIX., Glatzgasse 4. — Rosa Marton geb. Kanczuka, geb. 22. Jähner 1902 Bacskalu (Rum.), verh.., VI., Theobaldgasse 19. lese Preise | x JAHR!! 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