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Die neue Welt · 1935-01-11 · Heft 429 (11.1.1935) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 429 (11.1.1935)
Date
1935-01-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 429 DIE NEUE WEVt Seite 5 „Rationalisierung" in Palästina? Von Dr. j. Adler, Tel-Awiw Tn den programmatischen Erklärungen zur englischen Palustina-Politik, die der High-Commissioner neulich vor einer arabischen Delegation abgab, fand sich, wie bekannt, auch das bedeutsame Eingeständnis, daß infolge der Einwanderungs-Drossclung ein fühlbarer Arbeltermangel in der Industrie und im Baugewerbe unseres Landes entstanden ist. Leider ist die Palästina-Regierung, wie die jüngste „Labour-Schedule" zeigte, noch himmelweit davon entfernt, aus ihrer neuesten, späten Erkenntnis die einzig richtige praktische Konscqusnz entsprechend erhöhter Einwanderungsquoten zu ziehen. Infolgedessen muß man befürchten, daß gewisse nicht sehr erfreuliche Erscheinungen im Wirtschaftsleben Palästinas, die aus dem Arbcitermangel herrühren, sich noch weiterhin ausbreiten werden, vor allem das Phänomen, daß die an sich so begrüßenswerte industrielle Initiative wider ihren eigenen Willen technisch-organisatorisch in eine dorn wirklichen Aufbauintercsse nicht dienliche Entwicklung hineingezwungen wird, nämlich auf den Weg der die Arbeitshand ausschaltenden Rationalisierung. Bevor wir uns mit diesem Problem näher befassen, zunächst noch eine Zwischenbemerkung Uber die Einschüchterung der aufs Produktive gerichteten Tendenzen überhaupt! Die Zahl der industriellen Neugründungen in Palästina, soweit sie auf Grund von Sozietätsverträgen als Genossenschaft, Aktiengesellschaft, offene Handelsgesellschaft und Kommanditgesellschaft amtlich protokolliert und publiziert werden, ist — nach letzten vorliegenden Daten — von 37 im September 1934 auf 36 im Oktober und 27 im November zurückgegangen, im Gegensatz zum Aufstieg der Firmeneintragungen insgesamt (von 90 auf 100 und 115). Der Anteil der Industrie an der allgemeinen palästinensischen Gründungstätigkeit ist also von 41,1 Prozent im September auf 36,0 im Oktober und knapp 23,5 Prozent im November gesunken. Ueber die Ursachen belehrt uns die tägliche Erfahrung. Zahlreiche neue Industrieprojekte, die an sich volkswirtschaftlich durchaus berechtigt sind und auch privatwirtschaftlich die besten Aussichten besitzen, werden im Hinblick auf die Arbeiterfrage wieder aufgegeben, weil Facharbeiter in der notwendigen Zahl garnicht zu finden sind, oder nur bei einer Lohnhöhe, die das Rentabilitätsfundament des neuen Unternehmens sprengen würde. Es versteht sich von selbst daß die Expansion bereits vorhandener Betriebe auf ganz ähnliche Hindernisse stößt und daß all diese Schwierigkeiten, die uns bei der Industrie begegnen, in noch weit stärkerem Maße für die Gründung und Erweiterung von Pflanzungsunternehmungen bestehen. Die Auswirkung davon ist, daß ein nicht geringer Teil des Kapitals, das mit produktivem Aufbauwillen ins Land kommt, von Plänen, In deren Gefolge das' Arbeitsproblem mit besonderer Schärfe auftritt, sich wieder entmutigt abwendet und seine Zuflucht in bankmäßiger Anlage, in der B b d e n s p e k u 1 a t i o n," fer der Gründung immer neuer Import-, Groß- und Einzelhandelsge. Schäfte sucht. Wer dies aber nicht will, wer beim Industrie- oder Pflanzungsprojekt beharrt, und noch ganz im besonderen der schon bestehende Industrie¬ oder Agrarbetrieb, der seine Existenz nicht preisgeben kann und auf sein natürliches Wachstum nicht verzichten darf, sieht sich vor eine peinliche, doch kaum zu umgehende Alternative gestellt: Abkehr vom Prinzip der nationalen Arbeit und Einstellung billiger arabischer Arbeiter oder arbeitssparende Rationalisierung. Wie sehr der Grundsatz der nationalen Arbeit heute gefährdet ist. soll hier nicht von neuem behandelt werden. Es sei nur aus täglicher persönlicher Beobachtung erwähnt, daß der jüdische Arbeiter bei anhaltendem Aufstieg in die höheren Facharbeiterkategorien und bei unzureichendem Immigranten-Nachschub nicht bloß mehr und mehr aus den Pflanzungen verschwindet, sondern auch aus der Unterschicht der Industrie- und Bauar beit (Lastträger, Fuhrleute, Erdarbeiter, Bauhilfsarbeiter, Bauabbruchsarbeiter usw.). Im Hinblick darauf beklagen wir besonders die Tatsache, daß die Drosselung der Immigration sich auch in aller Härte auf den Zuzug der für jene Arbeitsgebiete so wichtigen jemenitischen Juden erstreckt. Nunmehr die Rationalisieriung! Sie ist speziell für den Betrieb, der aus Gründen der Qualifikation oder aus ideellem Interesse das Prinzip der nationalen Arbeit nicht aufopfern will, der einzig noch verbleibende Ausweg aus dem Dilemma des Arbeitermangels und der daraus resultierenden betriebswirtschaftlichen und kalkulatorischen Nachteile. Die Arbeitsplätze, für deren Besetzung mit unseren im. Auslande sehnsüchtig wartenden Fachleuten uns die Zertifikate fehlen, werden von der Maschine ausgefüllt, und mit den vorhandenen, durch ihre Knappheit verteuerten Arbeitskräften geht man von Tag zu Tag sparsamer um. Die Grundgedanken des Taylor-Systems, einst unter ähnlichen Begleiterscheinungen im Lande der höchstbezahlten Arbeitskräfte, in Amerika, ersonnen, gewinnen in Palästina, wo man bis noch vor kurzem so orientalisch „large" zu wirtschaften pflegte, rapid an Boden.' in den Pflanzungen wird gegenwärtig ein allerneuester;„B a b y" - T r a k t o r ausprobiert, der die Mechanisierung verschiedener, bisher ausschließlich von Menschenhand verrichteter Bestellungsarbeiten gestattet. In den Orangenpackhäusern triumphiert das „laufende Band". Industriebetriebe, die neu entstehen, oder alte, die sich vergrößern, verlangen von ihren Lieferanten Offerten über Werkzeugmaschinen, die halb- oder vollautomatisch sind und mit einem Minimum an menschlicher Mitarbeit auskommen. Die für das palästinensische Gastwirtschaftsgewerbe so schwierige Kellnerfrage wird bald an Schärfe verlieren, wenn das soeben in Tel-Awiw eröffnete erste Automatenrestaurant des Landes Nachahmer findet. Nicht nur in größeren, sondern auch schon in mittleren Büros dominieren Rechen-, Buchhaltungs- und Diktiermaschinen, und der Bürodiener wird durch das Haustelephon, die Hausro'hrpost, die automatische Aktenbeförderungsanlage verdrängt. Die technischen und. organisatorischen Spezialisten für wissenschaftliche Betriebsführung, die sich in den letzten Jahren in Palästina etablierten, sind lebhaft von Unternehmern aller Branchen beansprucht, die sich für die Einführung energie-und kostensparender Methoden in Ihren Betrieben interessieren. Dabei fehlen leider auch nioht die bedenklichen sozialen Auswüchse der Rationalisierung, vor allem die Auswertung der ..teuren" Arbeitskraft bis zum äußersten, durch ein rücksichtsloses Uebcrstunden- 3y stein, namentlich in Bürobetrieben, durch die Institution des Antreibers — „Speed boss" nach amerikanischem Vorbild — und durch aufreibende AkkordmethodiTi in den Industriebetrieben und auf den Bauplätzen. Selbst die Sabbat-Entweihung fehlt nicht: in nicht wenigen Büros wird bis in den späten Freitagabend hinein hinter verschlossenen Rolläden gearbeitet. Hier ist nicht die Stelle, das Problem der Rationalisierung im allgemeinen zu erörtern. Ganz gewiß liegt der techn lache und organisatorische Fortschritt der Produktion und Distribution im Interesse der Menschheit, solange er nicht Selbstzweck wird und s*ich nicht der sozial-, kultur- und nationalpolltischen Kontrolle entzieht — wobei uns die Schwierigkeit und das ewig Fragwürdige solcher Unterordnung der Technik und Wirtschaft unter die höheren menschlichen Zwecke völlig klar ist. Von alledem aber abgesehen, ist, was uns jetzt und hier beschäftigt, die Rationalisierungstendenz in Palästina, und von ihr dürfen wir konstatieren, daß sie — mag man Uber Einzelheiten urteilen, wie man will — im entscheidenden Punkt, in der Eliminierung der entbehrlichen und in dem Mißbrauch der unentbehrlichen Menschenarbeit, den nationalen, kulturellen und sozialen Zielen unseres Aufbauwerkes widerspricht. Wir wollen das verödete Land mit Menschen und nicht mit Automaten füllen! Man braucht kein Feind der Maschine zu sein und nicht in unzeitgemäßer Verehrung ehemaligen orientalischen Schlendrians sich vernünftigen, modernen Wirtschaft.1-:- und Arbeitsformen zu widersetzen, um diesen Gedankengängen zuzustimmen. Wir sind uns der Notwendigkeit höchster Oekonomie mit dem jüdischen Volksvermögen und der jüdischen Arbeitskraft in Palästina vollkommen bewußt. Was aber unsere Warnung und unsere Abwehr herausfordert, ist die unverantwortliche Uebernahme von Methoden, die selbst im hochentwickelten. Europa schweres Unheil "angerichtet haben, geschweige denn, daß ihnen die wirtschaftliche und gesellschaftliche Struktur Palästinas gewachsen wäre. Wir wenden uns dagegen, daß man unsere Menschen, den wertvollsten Fundus der nationalen Heimstätte, in diesem schweren Klima, in diesem Lande ohne primitivste soziale Schutzbestimmungen, durch U e b e r s t u n d e n-, Akkord- und Hetzarbeit vorzeitig zermürbt. Wir erheben Einspruch gegen die Fehlinvestierung von Kapitalien in mehr oder minder automatisierte,n Betriebseinrichtungen, welche auf eine Massenproduktion berechnet sind, die über die Aufnahmefähigkeit der uns zur Verfügung stehenden Absatzmärkte weit hinausgeht. Hauptsächlich aber fürchten wir, daß eine Rationalisierung, die aus der Klemme eines zeitweiligen Arbeitermangels den Ausweg einer dauernden Arbeiteräussehältung sucht, zu einem gefährlichen Hln- .dernls für künftige Masseneinwanderung werden könnte, gefährlicher noch als manche Immigrationsrestriktion und unter Umständen sogar der Anstoß zur Erwerbslosigkeit der schon im Lande befindlichen Arbeiter. Uns warnen europäische und amerikanische Erfahrungen. Zugegeben: Nach einer Enquete der zionistischen Eekutive sind 28 Prozent der in der jüdischen Industrie Palästinas vorhandenen Arbeitsplätze (5331 von den in der EnquCte gezählten 18.929) Infolge Arbeitcrmangels heute unbesetzt! Alles, was daraus an Nachteilen für die ELnzelunternehmung und für die Gesamtwirtschaft folgt, erkennen wir in seiner vollen Schwere. Ebensowenig aber, wie deshalb das Prinzip der nationalen Arbeit ausgelöscht werden darf, vermögen wir daraus die Zulässigkeit einer Rationalisierung abzuleiten, die den Kern des nationalen Aufbauplanes, Raumvorsorge für eine Masseneinwanderung, unmittelbar bedroht. Und was ist dann zu tun? Die Antwort darauf ist die unermüdliche polltische Aktion für jene Elnwanderüngsquote, die wir haben müssen, um das bisher 'in Palästina vom jüdischen Volke Geschaffene aufrechtzuerhalten und weiterhin auszubauen! Orangen und Grape fruit B. C. P- London Saftig — Ohne Kerne —Ideales Aroma — Bei Handel und Pu^ blikumgleicheiv weise beliebt Voraus muß man denken, sich sichern — versichern Phönix Allgemeine Veisf dtrruitgs* Oes»/ Wien IX, Ats«rp!atz 3 Die Linken gegen Dizengoff Die 3. T. A. meldet aus Tel-Awiw: Auf der letzten Sitzung des Tel-Awiwer Stadtrats haben die linken Stadträte den Bürgermeister Mcir Dizengoff aufs schärfste angegriffen, weil er ein« Reihe von Maßnahmen in der städtischen Verwaltung angeordnet habe, mit denen die linken Vertreter nicht einverstanden sind. Es kam zu stürmischen Auftritten, in deren Verlauf von der linken Seit« dem Bürgermeister u. a. das Wort „N a s h a s h i b i" zugerufen wurde (gemeint war mit diesem Zuruf ein beleidigender Vergleich mit dem Jerusalemer arabischen Bürgermeister Nashashibi, dessen Verwaltung sich bekanntlich ungünstig für die Juden ausgewirkt hat. Anm. d. Red.). Als Reaktion auf diesen Angriff erklärte Bürgermeister Dizengoff, daß er das Amt des Bürgermeisters von Tel-Awiw niederlege. Die Angelegenheit wurde in einer zweiten Sitzung behandelt, in welcher ein Brief Dlzengoffs eintraf, worin er die Bedingungen formulierte, unter welchen er bereit sei, seine Demission zurückzuziehen. Nach einer längeren Diskussion nahm der Stadtrat gegen die Stimmen der Linken Dlzengoffs Bedingungen au und auf diese Welse wurde die Krise um die Btirgermcisterstelle von Tel-Awiw vermieden. * Die Gegnerschaft der Linken gegen den verdienten Gründer und Bürgermeister der jüdischen Stadt Tel-Awiw ist älteren Datums. Sie begann im selben Augenblick, wo Dizengoff zu erkennen gab, daß er die Verwaltung der Stadt nicht der Politik der linksradikalen Arbeiterorganisationen ausliefern wolle. Insbesondere die neutrale und objektive Haltung Dlzengoffs bei Vergebung städtischer Arbeiten hat den Widerstand der Kreise rings um die . Histadruth erregt. Bisher Ist es dem Bürgermeister Dizengoff gelungen, die Attacken der linken Stadträte zum Wohl Tel-Awiws zurückzuschlagen. Die Mehrheit des Tel-Awiwer Stadtrats hat durch ihre Stellungnahme deutlich zu verstehen gegeben, daß sie Dizengoff volles Vertrauen entgegenbringe. Weiderecht der Beduinen nicht anerkannt Aus Jerusalem: Das Jerusalemer Berufungsgericht hat den . von Beduinen im Norden Palästinas erhobenen Anspruch auf Ausübung von Weiderechten auf einem dem Jüdischen Nationalfonds gehörenden Gebiet in Zamania, in der Nähe von Nahalal, zurückgewiesen. Im Dezember v. J. versuchten die in den Dörfern Nazärin und Mahloul domizilierenden Beduinen ihre unberechtigten Ansprüche mit Brachialgewalt durchzusetzen. Sie überfielen zwei Juden, Jehuda Schaftel und Moses Dayan, die auf diesem Nationalfondsboden pflügten, und brachten ihnen Verletzungen bei. Zwei der angreifenden Araber wurden verhaftet. Der Distriktsbeamte von Näzareth, Wadi Isawi, verfügte die Einstellung der Pflugarbelten bis zur Entscheidung über die Besitzverhältnisse durch das Gericht, das nun die arabischen Ansprüche zurückwies. Die Palästina-Regierung läßt 500 Dunam Sumpfland für Beduinen trockenlegen Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat beschlossen, im Bassa-Sumpfgebiet 500 Dunam zur Ansiedlung von Beduinen des Beisan-Distrikts drainleren zu lassen. Die Landwirtschaftskommission der Palästina-Regierung hat die Gewährung von Krediten an die Beduinen im Gebiet von Berscheba vorgeschlagen. Diese Kredite sollen die Höhe des Getreidepreises sichern, einen Ansporn für den Anbau von Gemüse bilden und eine Reihe weiterer Verbesserungen in der Landwirtschaft ermöglichen. Wichtig für Polenreisende! Ende Jänner findet eine Fahrt nach Polen mit mehrwöchigem Aufenthalt statt Aeußerst günstige Gelegenheit, längere Zeit billig die Reise nach Polen und zurück nach Wien mitzumachen. Angenehme Fahrt unter bewährter Führung garantiert. Polnisches Verkehrsburo „Frankopol", III., Rennweg 1, im Gebäude des polnischen Konsulats. Tel.-Nr U-16-4-19. Lebensstellung In Haifa bietet sich tüchtigem Zahnarzt durch Uebernahme einer neu und modern einf gerichteten zahnärztlichen Prai xts (Unit, Rö. etc.) auf bestem Posten, 1 deren Besitzer sich krankheitshalber zu- 1 rückziehen möchte. ] Nötiges Kapital zirka £ 600.— f i Näheres in der Administration des Blattes! i,„,.,lHi»num..iW.nl.,HWiim„rm.,„.u,l,..lri uminiiitiiimiiii im

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