Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 429 (11.1.1935)
- Date
- 1935-01-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NÄUJfc WELT Nr. 429 Umständen bezüglich dieser Petition dem Rate keine besondere Empfehlungvorzulegen <*ei". Petition des Zentralkonsistoriums der Israeliten Bulgariens: Diese Petition enthält Klagen gegen die Mandatarmacht wegen der falschen Handhabung des Grundsatzes der „wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes", der Tolerierung einer massiven Araberein Wanderung usw. Die Mandatarmacht bemerkte hiezu bloß, daß die Einwanderung weiter der wirtschaftlichen Aufnahmefähigkeit des Landes angepaßt bleibt. Die Kommission begnügte sich mit dieser Erklärung der Mandatarmacht bezüglich Kontrolle der illegalen Einwanderung und schlug dem Rat „keinerlei Empfehlung dieser Petition" vor. Petition syrischer Araber aus Paris: Diese Petition protestiert gegen die jüdische Einwanderung nach Palästina, gegen das „brutal e" Eingreifen der Polizei anläßlich der „pazifistischen Manifestationen" der Araber im Jahre 1938 und verlangt für Paliistina die Unabhängigkeit. Sie ist in sehr drohendem Tone gehalten und enthält u. a. den Satz, daß, „da die palästinensischen Araber keinen Ausweg mehr hüben, sie sich gezwungen sehen, ihm Existenz mit allen Mitteln zu verteidigen". Die Kommission hat in ihren Empfehlungen an den Rat dessen „Aufmerksamkeit auf den Geisteszustand, den diese Petition sehen laßt, gelenkt" und beschlossen, „sonst dieser Petition keine andere Folge zu geben". Behördliche Maßnahmen gegen Ritualmordhetze Aus Wilna: Die polnischen Behörden haben Maßnahmen gegen die unter der weißrussischen Bauernfcevölkerung getriebene Judenhetzc angeordnet. Unter den Bauern wird das Märchen von einem Ritualmord an einem Knaben aus dem Dorfa K o b i 1 n i k i verbreitet, obwohl die gerichtliche Obduktion Hunger als Todesursache festgestellt hat. „Gazeta Warszawska" meldet, daß die Bauernschaft davon überzeugt sei. daß ein Ritualmord verübt wurde. Der jüdischen Bevölkerung in dem benachbarten Städtchen habe sich angesichts der Haltung der Bauern eine Panik bemächtigt. Wegen Ritualmordverleumdung verurteilt Aus Wilna: Die Dienstmagd Marja Libowska wurde wegen Verleumdung zu drei Monaten Gefängnis verurteilt, weil sie gegen ihren Dienstherrn Chaim B r i t a n s k i die Beschuldigung des Ritualmordes erhoben hatte. Jüdische Kolonisation in Zypern Aus Athen: Die in Athen erscheinende Zeitschrift „Ergassia" berichtet mit Anerkennung von den in letzter Zeit vollbrachten Leistungen jüdischer Aufbauarbeit in Zypern. Juden — schreibt das Blatt — haben soeben in Larnaka größere Terrains erworben, auf denen eine Fabrik und 130 Arbeiterhäuser errichtet werden sollen. Ferner wurden bei Larnaka und Ammokostou Grundstücke zur Anlage von Orangenplantagen angekauft. Die lebhafteste Tätigkeit entfalten die Juden jedoch in L i m a s s o I, wo mehrere tausend Stremmas für Orangenpflanzungen gekauft wurden. Diese Gebiete waren früher unkultiviert und ausgesprochene Malarianester. Jetzt entwickeln sie sich zu einem Paradies, das die Bewunderung der Besucher hervorruft. Der Name der ersten von Juden geschaffenen und nur von Juden bewohnten landwirtschaftlichen Kolonie ist Fassouri. Sie steht untor der Leitung eines jungen, begisterten Mannes, der voll Vertrauen in die Zukunft ist. Die Finanzgruppe, die er vertritt, hat 50.000 Pfund allein in Kolonisationsarbeiten Investiert. Die Gruppe beabsichtigt, die Ländereien zu parzellieren und jüdische. Familien im Küstengebiet, wo es guten Boden und Wasser* gibt, anzusiedeln. Sie hofft, auf diese Weise im Verlauf von 20 Jahren 25.000 .luden ansiedeln zu können. gründe, dem Palästina, wo die Chaluzim der Linken von den Dörfern in lohneifrigen Städte eilen, wo die „Städter" professionelle Verdiener werden wollen und dem Heroismus, der aus Herzla Judenataatsideologie floß, ein flüchtiges, überhebliches Achselzucken zuteil wird? Der werdende Judenstaat - auch der schon wäre jener Traum, den Herzl vor 40 Jahren träumte. Der werdende Judenstaat hätte Anspruch darauf, Herzls Gebeine zu beherbergen. Im werdenden Judenstaat schon könnten Herzls Gebeine ruhen. Ruhen. Denn sie sollen ja ruhen, ruhen in der heiligen Erde des Heiligen Landes. Das Stückchen Erde, worin Herzls Gebeine ruhen, müßte zwangsläufig Wunder wirken -- auf das Gemüt der Juden von Erez Israel und der Juden, die hingehen wollen —, ein Heiligtum für alle, die Sinn haben für die Weihe eines Ortes. Kann man ernstlich glauben, daß das von Klassenkämpfen unterwühlte, vom Notstand europäischer Juden hastig besetzte Palästina das Wunder wirken kann? Herzls Judenstaat kann, wenn Farbensymbolik noch nicht ihren magischen Sinn verloren hat, nur ein blau-weißer sein. Eindeutig blau-weiß. Oder wünscht jemand, dem der Judenstaat Sache der Ehre, der Würde, des reinen Gewissens ist, daß dort rings um das Stückchen Erde, wo Herzl ruht, rote Nelken promenieren, rote Fahnen baumeln, die blau-weißen Embleme verdrängend, während gleichzeitig Sehomrim der II. Internationale dort Wache stehen, den Ort flankierend, wo der Schöpfer des Judenstaates, des jüdischen Volksstaates ruht? Gerade dl'j Respektierung des letzten Willens unseres Führers Theodor Herzl verpflichtet, die Geschäftigkeit der Ueberführung kritisch zu betrachten. Herzl wollte im Judenstaat Palästina ruhen. H**et ein! Palästina ist noch nicht empfangsreif. MODE.RUBRIK Zwi§dien§aison Nur von ganz besonders gut informierten Modeschöpfern ist es möglich, heute Vorahnungen der Frühjahrsmode zu gewinnen. Die Hutmode beispielsweise ist heuer ein rechter Wechselbalg'. Alle zwei Wochen gibt es ein anderes Feldgeschrei: Hie Russenkappen, Hüte aus Die individuellen HUTHOOfiLLE der Vorsaison bei ROSA KRIESER. Margarefonstraße 31 dem Gesicht ... hie Kaipaks, Toques, Hüte ins Gesicht I usw. Es gelang uns, Frau Rosa Krieser zu einer ehrlichen I prophetischen Aussage zu bewegen: „Niemand, der die j verschiedensten Kopf- und Gesichtsformen, die schlanken, < vollen, großen, kleinen Gestalten so zu beobachten Gelegenheit hatte, wie ich, kann dokumentieren: Man trage hohe, niedere Hüte etc. Alles, natürlich im Rahmen der allgemeinen Mode in großen Zügen, sei individuell auf dem Kopfe der Trägerin geformt. Elegant wirken Reiherhütchen für Abendgelegenheiten, ferner Lame- und Seiden- In Bälde sind die schönsten Modelle der Vorsaison zu beschlge„bei|OSEFDUBSKY ehem. Stückmeister der Firma Chramosta IV. PHORUSGASSE 12 . TELEPHON B-88-1-89 B toques mit geflochtenem Zopfrand. Aus-dem-Gesicht-HUte stehen nur jungen Personen mit tadellosem Profil." — Bezüglich der Kostüme, Mäntel und Kleider hatte Herr Josef Dubsky, ehem. längjähr. Stückmeister bei Chramosta, die Liebenswürdigkeit, uns mitzuteilen, daß kragenlose Dreiviertelmäntel mit breiten Revers, Trotteurs, längere Sportjäckchen mit Gürtel modern sind, französische Jacken werden bis zum Ellbogen reichende Pelerinchen haben, die Mäntel Stofffransen und Plisses aufweisen, Kleider dieselbe Linie wie bisher, mit geringen Abänderungen. — LdSlBX'MiBdßr nach Maß und andere im Mieder-Salon —BETTY PEXA_ I, flöttwolhargagf 1. fei R-21-8-7 Eine Miederschöpferin, die viel in Amerika und im Ausland lebt, Brau Betty Pexa, zeigt uns als Neuestes streng nach Maß gearbeitete Lastex-Mieder, ferner mit besonderen Tricks erdachte Entfettungsmieder, fischbeinlose, geschmeidige Fregolis, die Magen, Leib und Büste stutzen. — Mitten in den Vorbereitungen für den Fasching befindet sich der Spezialist für Ausseer-, Sport-, Kostüm- und Jagdhüte, Herr Kommerzialrat Ceschka. Er zeigt uns graugrüne, blauschwarze, den modernsten Hutformen angepaßte, für jedes Gesicht und Haar gedachte Filz- und Moderne Typen-, echte Ausseeru. Jagd-Hüte bei Ceschka Alserstraße 6, Lerchenfefderstraße 123 Telephon-Nummer: B-3K-»-34 iniin mm miiiumiMiiiiiii ii imiiKiimii im Velourhüte mit breiten Seidenbändern, feschen Schnüren und Troddeln. Auf dem Jägerball werden wieder an Herren und Damen seine einzigartigen Hüte gesehen werden. — In einigen Tagen gibt es schon sichere Taster für die Frühjahrs-Vorsaison. e. str. Traurige Konkurrenz zwischen deutsch-jüdischen Flüchtlingen und verhungernden polnischen Juden Aus London: Auf der Tagung des Rates der Anglo-Jewish Association gab der Präsident Leonard G. Montefiore einen Rückblick auf das .Jahr 1984. Das abgelaufene bürgerliche Jahr war für die jüdischen Gemeinschaften auf dem Kontinent ein Jahr der Sorge. Nur Optimisten können glauben, daß die Wolken sich Iichtan. Er sagte: Wer glaubt, daß die Lage der deutschen Juden sich gebessert hat, nur weil die Zeitungen müde geworden sind, täglich über jüdische Tragödien zu berichten, der will die Wahrheit nicht sehen. Wohl mag es jüdische Gemeinschaften geben, denen es wirtschaftlich schlechter geht als den Juden In Deutschland, aber nirgendwo sonst gibt es eine Regierung, die auf jede Weise versucht, die Juden zu degradie r e n. Nur in Deutschland lehrt man Kindern und Erwachsenen, die eigene Rasse anzubeten und d?e Juden als inferior anzusehen. Montefiore verlas einen Auszug aus einem Artikel in der letzten Ausgabe des „N e w S t a t e s m a n and ' N a t i o n", -worin dessen Berliner Korrespondent mitteilt, 1 „daß, im ganzen genommen, der Nationalsozialismus noch verderblicher wirkt als früher, weil er seine Technik verbessert hat. Ein Beispiel hiefür sei die wachsende Härte, der die deutschen Juden ausgesetzt sind, ohne daß, wie früher, die Publizistik jetzt nooh ein Interesse für sie zeigt." Montefiore wandte sich der Lage der Juden In anderen Ländern, besonders in Polen, zu und sagte, er wünschte, es stünden größere Mittel zur Verfügung, um die Not der Juden in Polen zu lindern; solange aber der Krieg gegen die Juden in Deutschland andauert, muß alles andere vor diesem Problem In den Hintergrund treten. Montefiore teilte mit, daß der zweite Appell für Hilfe an die deutschen Juden eine Summer von Pfund Sterling 176.000 erbracht hat. Das Flüchtlings-Hilfskomitee hat zwei Ausgabeposten zu decken übernommen: 1. IJebernahme der Bürgschaft gegenüber dem englischen Innenministerium, daß kein Flüchtling der Oeffentlichkeit zur>Last fällt; 2. Leistungen an den Keren Hajessod. Aus Warschau: Im Hause der Loge Buei Brith in Warschau fand eine Beratung der Führer der polnisch - jüdischen Hilfsinstitutionen statt, die von Rabbiner Prof. M. Schorr, vom Präsidenten des jüdischen Sejmklubs, Dr. Osias Thon, von den Senatoren Rafael Szereszewski und Rabbiner Rubinstein und von Dr. Gerschon Lewin einberufen worden war. Der Vorsitzende erklärte, die jüdische Bevölkerung Polens befindet sich am Rande der Katastrophe. Da» polnische Judentum ist schon zu sehr geschwächt, um aus eigener Anstrengung eine Besserung herbeiführen zu können. Rabbiner Rubinstein wies in seiner Ansprache darauf hin, daß man im vergangenen Jahre in Amerika eineinhalb Millionen Dollar für Hilfe an die Juden in Europa gesammelt hat, davon haben die jüdischen Institutionen in Polen nur 7 8.0 0 0 Dollar, d. h- 5 P r o z e n t, bekommen, der Rest wurde fast zur Gänze zugunsten der deutschen Juden verw endet. Es sei furchtbar und tragisch, über solche Dinge zu reden und bezüglich der Verteilung von Theodor Herzls Bild darf in keinem jüdischen Hau«e fehlen Wir geben ein ausgezeichnetes, auf Kunstdruckpapier farbig in Palästina hergestelltes Herzl-Porträt (Format 50 mal 83 cm) zum Preise von S 1.20 ab. Bei Postversand S 1.60 inkl. Porto gegen Voreinsendung des Betrages. Zu beziehen durch die Verwaltung „Die Neue Welt", Wien, IX.» UnlversitätsHtraßo 8. Hilfsgeldern eine Konkurrenz zu statuieren. Aber wir haben die tragische Pflicht, unsere Not in die Welt h i n a u s z u s c h r e 1 e n, da unser wirtschaftlicher Ruin und die damit verbundene physische Degeneration die größte jüdische Gemeinschaft der Welt mltSJ/' Millionen Seelen betreffen. Senator Rabbiner Rubinstein gab einen Ueberbllck über die Lage der einzelnen Klassen der polnischen Judenhelt, über die Arbeit der Institutionen für Kleinkredit, Kinderversorgung, Gesundheitswesen usw. und kam zu dem Schluß, daß der ökonomische Untergang auch den g e i s t ig e n Untergang mit sich bringt. Das Weltjudentum muß in sejnem eigenen Interesse die SV? Millionen polnischer Juden retten, in denen noch der jüdische Geist in höchster Vitalität strahlt. Zum Schluß wurde eine Resolution angenommen, in welcher es u. a. heißt: Die in den letzten Jahren von ausländischen jüdischen Institutionen dem polnischen Judentum zur Verfügung gestellten Summen stehen in gar keinem Verhältnis zur wirklichen Notlage und machen nur einen ganz geringen Teil jener Summen aus, die vom American Joint Distribution Committee für Hilfsarbeiten in Europa aufgebracht wurden. Die seinerzeit vom Joint geschaffenen verschiedenen sozialen Hilfs¬ Institutionen befinden sich am Rande des Unterganges. _:_ Presseausstellung anläßlich der Makkabiah iii Tel-Awiw Aus Tel-Awiw: Anläßlich der Makkabiah wird in Tel-Awiw eine Presseausstellung eröffnet, die ein Bild von der Entwicklung der j 11 d i s c h e n P r e s s e Palästinas in den letzten 70 Jahren vermitteln soll. Eine bemerkenswerte S o n d e r s c h a u wird die Samm* lung von etwa 2000 Artikeln darstellen, die in der jüdischen Presse aller Sprachen erschienen und dem verstorbenen großen Dichter Ch. N. B i a 1 i k gewidmet sind. 3 D ©rab , V.-i f. Sri rjemife f orotur eft bie Temperatur i £5&e unter Mull, u m iitäfidjten für f)' »rcffimg ber Sd)neefälT : c8 im mpera tt'TAPORSTR* 48