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Die neue Welt · 1935-01-08 · Heft 428 (8.1.1935) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 428 (8.1.1935)
Date
1935-01-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 428 DIE NEUE WELT Seite 3 Einnahmen von Juden — Ausgaben für Araber Aus Tel -Awiw wird gemeldet: Der Tel-Awiwer Stadtrat hat einstimmig gegen den Vorschlag der Regierung, den Verwendungsplan der von der Prud^nti:-.! .>.<>.'urance nuf zunehmenden 350.500-Pfund-Anleihe abzuändern, Stellung genommen. Der Distriktskommissär hatte die Bewilligung zur Verwendung von 40.000 Pfund für die Errichtung eines neuen Krankenhauses und 30.000 Pfund für städtische Wohnbauten abgelehnt. Der Stadtrat beschloß, die Anleihe nur unter der Bedingung aufzunehmen, daß die Posten für Wohnbauten und für die Errichtung des Krankenhauses in den Verwendungsplan aufgenommen werden oder daß die Regierung das für den Bau des Krankenhauses notwendige Geld zur Verfügung stellt. Mit Erbitterung wurde von Vertretern aller Parteien festgestellt, daß die. Regierung ihre Finanzwirtschaft offenbar nach dem Grundsatz „E innahmen von den Juden und Ausgaben zu Gunsten der Araber" eingerichtet habe. Demnach würden aus Kegierungsmitteln arabische. Schulen sogar in der ,j ü d i sc h e n Stadt Tlber i a s gebaut, während Tel-Awiw dringend das Krankenhaus benötige, das unter Berücksichtigung der Bewohner des Hinterlandes einer Bevölkerung von 1 8 0.0 0 0 Mensche n zu dienen hätte. Der Vizebürgermeistcr R o k a c h teilte mit, daß erst vor kurzem der Leiter der Regierungsabteilung für Gesundheitswesen die dringende Notwendigkeit der Errichtung eines Krankenhauses mit 500 Betten und Erweiterungsniöglichkeit für mehrere hundert Betten in Tel-Awiw anerkannt habe. Der Arbeitervertreter Lubianker hob die Notwendigkeit städtischer Wohnbauten hervor und regte an, man möge den High Commissioner zu einer Besichtigung der von der ärmeren Bevölkerung bewohnten Stadtteile einladen, damit er sich davon überzeuge, daß dort oft bis zu sieben Menschen in einem Zimmer wohnen. Eine bedenkliche Entwicklung Landflucht in Palästina Auf einer Pressekonferenz in Warschau wurden seitens des Vertreters der palästinensischen Arbeitergewerkschaft (Histadruth) Dobkin folgende Daten bekanntgegeben: Die Zahl der Juden in Palästina Ende 1934 beträgt rund 310.000. 1933 hat die jüdische Bevölkerung Palästinas um 20 Prozent, im Jahre 1934 tun 22 Prozent zugenommen. Während im November 1931 die palästinensischen Juden 17 Prozent der Gesamtbevölkerung (170.610 Juden und 861.200 Araber) ausmachten, sei dieser Prozentsatz Ende 1934 auf 25 Prozent (310.000 Juden gegenüber 940.000 Arabern) gestiegen. Die Konzentration in den Städten. Von den 135.000 Juden, die in den letzten drei Jahren nach Palästina einwanderten, sind 114.000 in den Städten geblieben, nur 21.0 0 0 siedelten sich auf dem Lande an. 1931 betrugdie jüdische Bevölkerung Jerusalems 53.100, heute beträgt sie 66.500 Seelen. Die Bevölkerung (durchwegs jüdisch) von Tel-Awiw ist von 45.600 im Jahre 1931 auf 115.000 Menschen gestiegen. In Jaffa gab es 1931 7250 Juden, heute beträgt ihre Zahl 14.100. Die jüdische Bevölkerung Haifas ist von 16.000 im Jahre 1931 auf 36.000 gestiegen. In Tiberias und S a f e d lebten 1933 8000, heute 10.500 Juden. Die jüdische Bevölkerung aller dieser Städte zusammen betrug im November 1931 129.900, die Zahl der jüdischen Landbevölkerung war 44.710 (26 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung). Heute leben 244.000 Juden in den Städten und 66.000 oder 21 Prozent der jüdischen Gesamtbevölkerung auf dem Lande. 1919 war der Anteil der jüdischen Landbevölkerung an der Gesamtjudenheit Palästinas 10 Prozent, 1931 26 Prozent und Ende 1934 21 Prozent. Am 1. Jänner 1932 lebten von den 30.070 Mitgliedern der Gewerkschaft 11.600 (39 Prozent) auf dem Lande. Heute ist der Mitgliederstand um 113 Prozent auf 64.000 gestiegen. Der Anteil der auf dem Lande Arbeitenden habe jedoch im Verhältnis um 34 Prozent abgenommen. Die Zahl der jüdischen Bauarbeiter ist von 3000 auf 13.000 gestiegen. Die Zahl der Plantagenarbeiter aber ist mit 4500 dieselbe geblieben. Ende 1934 entfiel ein jüdischer Arbeiter auf 3 5 Dun am jüdisches Plantagengebiet. 1932 ist im Durchschnitt-ein jüdischer Arbeiter auf je 1 0 Dun am jüdischer Pflanzung entfallen. Viele Punkte der jüdischen Wirtschaft zeigen eine Tendenz zur Industrialisierung. So sei Rischon I e Z i o n heute schon mehr Fabriksiedlung als landwirtschaftliche Kolonie. Ebenso Ramath Gan, wo von 3 4.000 jüdischen Arbeitern n u r 2 0 0 bei Pflanzungsarbeiten beschäftigt sind, und auch hier bei Pflanzungen im Anschluß an Wohnbauten. Bedauerlicherweise werde von den Juden auch der Gemüsebau vernachlässigt. Man habe berechnet, daß die jüdische Bevölkerung Palästinas im Jahre 1934 Gemüse im Werts von einer halben Million Pfund konsumiert hat. Hievon sind nur 15 Prozent von jüdischen Landwirten geliefert worden. Das Uebrige wurde importiert oder von urabiachen Bauern gekauft. Die Befriedigung der jüdischen Nachfrage nach Gemüse würde die Zuführung von weiteren 6000 jüdischen Familien zur Gemüsegärtnerei erfordern. Auch andere Wirtschaftszweige, die große Aussichten für die Zukunft hätten, werden von den Juden vernachlässigt, weil sie sich vor allem der Bau arbeit zuwenden, dabei vergessen sie aber, daß bei einer Krise dieser Arbeitszweig in erster Reihe betroffen und die 13.000 jüdischen Bauarbeiter erwerbslos weiden würden. Dr. Weizmann unzufrieden mit dem heutigen Einwaitderungselement Aus Jerusalem: (J. T. A.) Dr. Chaim Weizmann, früher Präsident der Zionistischen Organisation, «rklärte dem Redakteur des „Doar Hajom", die gegenwärtige Palästina-Einwanderungsbewegung bringe neben Chaluzim und anderen konstruktiven Kräften auch Elemente ins Land, die vom Standpunkt des Aufbaus des Nationalheims als unerwünscht gelten können. Es sind dies orientalische und ghettoistische Elemente, zugleich leidenschaftliche Westler, die das Stadtleben lieben und leichten Verdienst bevorzugen. Die unverhältnismäßig starke Urbanisierung (Verstädtlichung) Palästinas sei außerordentlich zu bedauern in einer Zeit, wo die Industrialiserung mit der Entwicklung des Palästina-Marktes Schritt halten muß. Mein Ideal für den Palästina-Aufbau, sagte Dr. Weizmann, ist das Entstehen eines Bauerntums mit einem hohen durchschnittlichen Lebensstandard, wie z. B. in Dänemark; ein solches Bauerntum erst schafft die natürliche Basis für die Entwicklung der Industrie. Englische Betrachtung zur Palästina« Wirtschaft Wir haben einen abschließenden Bericht über das Wirtschaftsjahr 1934 gebracht. Nunmehr veröffentlicht auch die führende Londoner Wirtschaftszeitung „T h e Bconomist" eine Betrachtung über die Entwicklung der Wirtschaft in Palästina. Die Zeitung kommt zu folgenden Schlüssen: Das Anwachsen der Einfuhr übersteige alle modernen Rekorde, sei aber bisher durch das von den Einwanderern mitgebrachte Kapital bezahlt worden, so daß keine Gefahr bestände, daß durch die übermäßige Passivität der Handelsbilanz eine Währungskrise hervorgerufen werden könne; im Gegenteil, es seien anscheinend noch beträchtliche Reserven außerhalb des Landes vorhanden. Bedenklich seien dagegen zwei Punkte: erstens, daß fast vier Fünftel des Exports aus Orangen beständen, von denen 70 Prozent nach England gingen, und zweitens, daß die Knappheit an Arbeitskräften und die entsprechenden Lohnsteigerungen das Lohnniveau in Palästina weit über das der umliegenden Länder hinaufgetrieben habe. In der Orangenindustrie sei die Lage um so heikler, als die arabische Bevölkerung jetzt, durch die hohen Profite der jüdischen Pflanzungen verlockt, auch zum Orangenbau übergegangen sei. Die Orangenernte 1934-35, die sich auf etwa 6 Millionen Kisten belaufen werde, dürfte wohl noch den bisherigen Preis erzielen, dagegen werde die Gefahr akut werden, wenn in ein paar Jahren eine Ernte von 12 bis 14 Millionen Kisten zu verkaufen sein werde. Wenn der Lebensstandard der jüdischen Bevölkerung auch an sich bescheiden sei, so bleibe er doch im Vergleich zu dem der Fellachen geradezu üppig. Ob die Araber an den von Juden kontrollierten Verkaufsgenossenschaften teilnehmen würden, sei höchst fraglich. Vor allem sei aber das Problem der Ar b e i t akräfte dringlich. Die Löhne für ungelernte und landwirtschaftliche Arbeiter seien in Palästina fünf- bis sechsmal so hoch wie in Transjordanien oder Syrien! Dies habe viele Unternehmer dazu bewogen, selbst mit ihren Familien zu arbeiten, und habe außerdem auch eine starke Mechanisierung der Landwirtschaft herbeigeführt. Gegen den Mutti und gegen Nashashibi Aus Jerusalem: Der bekannte arabische Schriftsteller Ibrahim AI Shantis richtet in dem Jaffaer arabischen Tageblatt „AI D if aa" schwerste Angriffe gegen den Großraufti von Jerusalem Haj Amin cl Hussein!, gegen den bei den letzten Wahlen durchgefallenen Bürgermeister von Jerusalem Ragheb Bey Nashashibi und gegen das führende Mitglied der arabischen Exekutive Auni Bey Abdul Hadi und beschuldigt sie, die arabischen politischen und finanziellen Interessen verraten zu haben. Er fragt den Mufti, wie er das in Indien gesammelte Geld zum Bau einer Moslem- Universität in Jerusalem verwendet habe und warum er bisher keine Rechenschaft über diesen Fonds abgelegt habe. Bis heute sei kein vorbereitender Schritt zum Bau der Universität getän worden. Ragheb Bey Nashashibi wird beschuldigt, seine „nationale moslemitische Partei" zu rein persön.- An unsere ge§diälzlen Abonnenten! Wir bitten höflichst um pünktliche Ueberweisung der Abonnes m e n t s g e b ü* h r für die laufende Be* zugszeit, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintrete. Die wiederholte Uebersendung von Erlagscheinen verursacht Mühe und Kosten. Die Verwaltung „DIE NEUE WELT". liehen Zwecken gegründet zu haben. Auni Bey wird beschuldigt, daß er nach der arabischen Demonstration ira November 1933 in Jaffa seine Mitkämpfer im Stiche ließ und vor der Regierung zu Kreuze gekrochen sei. um selbst der Strafe zu entgehen, während andere Araber im Gefängnis schmachten mußten. Ibrahim AI Shantis ruft den Angeschuldigten zu: „Ihr seid verantwortlich für die nationale Schmach!" Audi Dr. Vevin Au» Jerusalem: Die Palästina-Regierung hat, wie bereits gemeldet, dem im Gefängnis sitzenden Führer der radikalen Revisionisten, Dr. Abba A c h i - M e i r, die j Staatsbürgerschaft entzogen. Nun erhielt auch Dr. Y e v i n, der zusammen mit Abba Achi-Meir wegen Teilnahme an illegalen Unternehmungen, wie Zugehörigkeit zur Birjonim-Organisation, eine längere Gefängnisstrafe verbüßt, vom palästinensischen Bürgerschaftsamt die Mitteilung, daß ihm die Bürgerschaftsrechte genommen werden würden, falls er nicht gewichtige Gründe gegen diese Maßnahme anführen könne. In keinem anderen Lande der Welt ist es möglich, einen Bürger staatenlos zu machen. Nur in Palästina ist dieser Vorgang, der mit den Prinzipien des Völkerrechtes unvereinbar ist, möglich. Dr. Abba Achi-Meir und Dr. Yevin wurden bereits übertrieben streng bestraft. Die neuerliche Maßregelung zeugt von Verfolgungssucht der palästinensischen Behörden gegen die Anhänger einer bestimmten politischen Richtung und steht zur Milde, mit welcher arabische Anstifter schwerer Unruhen behandelt werden, in bezeichnendem Gegensatz. Einbürgerung^ der Juden in Palästina Aus Jerusalem: Der Waad Leumi (Jüdischer Nationalrat) hat zur Forcierung der Einbürgerung jüdischer Palästina-Einwohner vor einem halben Jahr an alle jüdischen Gemeinden und Siedlungen des Landes ein Rundschreiben versandt, in dem zu einer energischen Aktion zwecks Erewrbung der palästinensischen Bürgerschaft für die Mitglieder dieser Gemeinden aufgefordert worden war. Diese Aktion ist nunmehr teilweise abgeschlossen. Wie der Waad Leumi mitteilt, hat der Spezialbevollmächtigte des Einwanderungsamtes 49 Siedlungen besucht und dort 1530 Gesuche entgegengenommen. Jetzt soll die Aktion auf eine Reihe weiterer Niederlassungen ausgedehnt werden. Aufzeichnungen des Waad Leumi zufolge wurden der Regierung seit dem Beginn der Einbürgerungsaktion (1. Juni 1934): 2400 Einbürgerungsgesuche übergeben. Die Palästina-Einwanderung im November nach Kategorien Aus Jerusalem: Im November sind 5040 Juden nach Palästina gekommen. Sie verteilen sich auf folgende Kategorien: 116 Handwerker mit 210 Familienangehörigen kamen mit Zertifikaten der Kategorie der Fachleute mit je 250 Pfund Eigenvermögen, weitere 797 Personen (davon einige Nichtjuden) kamen als Angehörige von Palästina-Einwohnern; 69 waren religiöse Beamte (unter ihnen einige christliche Geistliche), mit ihnen wanderten 85 Familienangehörige ein; Einwanderer der Kapitalistenkategorie mit einem Minimaleigenbesitz von je 1000 Pfund waren 526, unter ihnen 517 Juden, die 568 Familienangehörige mitbrachten. Ferner wanderte eine größere Anzahl S t ud e n t e n ein. Auf Arbeiterzertifikate wanderten 660 Männer und 86 Frauen mit 797 Familienangehörigen ein. Somit betraf die Arbeitereinwanderung im November nur 26 Prozent, nach Abrechnung der Familienangehörigen 14 Prozent der allgemeinen Einwanderung. Der Jerusalemer Rumpfgemeinderat bleibt im Amt Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Regierung hat den von zwölf Mitgliedern auf fünf Mitglieder zusammengeschmolzenen alten Gemeinderat von Jerusalem bis zur gerichtlichen Entscheidung Uber den Wahlprotest des bisherigen Bürgermeisters Rhageb Bey Nashashibi im Amt bestätigt. Die von den jüdischen Mitgliedern des neuen Stadtrates beim High Commlssioner erhobene Forderung, die neugewählten Mitglieder des Stadtrates provisorisch in ihr Amt einzuführen, ist unberücksichtigt geblieben. Die jüdische öffentliche Meinung Jerusalems erblickt in dieser Mißachtung des Willens der Wählerschaft eine schwere Gefahr, besonders deshalb,' weil nunmehr der frühere Bürgermeister und sein Rumpf-Gemeinderat die Möglichkeit haben, Verpflichtungen einzugehen, die auch ihre Nachfolger binden. — Zu bemerken ist, daß dem gestürzten Bürgermeister von seinen arabischen Volksgenossen u nlautere Gebarung zum Vorwurf gemacht wird. Palästina-Lichtbildervortrag. Die Urania hat Professor Dr. Karl Schieber eingeladen, den Palästina- Vortrag „Palästina von gestern und heute, mit der Kamera gesehen", mit Uber 100 eigenen Lichtbildern, der völlig ausverkauft war, am 10. Jänner* um 19.30 Uhr, zu wiederholen»

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