Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 428 (8.1.1935)
- Date
- 1935-01-08
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 428 Bei den Juden in Südafrika Von ein?m gelegentlichen Mitarbeiter ,,Snuth YV e s t Africa", die gewesene deutsche Kolonie, dir jetzt Mandiitsterntorinni unter der Aufsieht der südafrikanischen .Regierung bildet, steht schon seit längerer Zeit unter einer sch-iri ausgeprägten Na .'. i- Agitation. Bereits im Jahre 1929 bestand hi"r eine bakenkreuzleriaeh'1 Organisation, aber erst nacb der Machtergreifung durch H:*'cr h-gann e«"ne großzügige Propaganda unter den -wenigen Deutsohrn, die, mit Gold vom Dritten Reich unterstvtz*. «:rfe der nationa'snri-iU:/':- schen Bewegung anschlössen. Diese blinde Hitler-Gcfeigsehait haben die deutschen Kolonisten Südwest;» fri'-ius feu>r bezahlt. Sie warr>n nicht, genug weitsichtig,?.u rrkennen, daß die südafrikanische Republik, deren Söhne im Weitkrieg das südwestafrikanisch^ Gebiet Hm Deutschen entrissen hatten, keine Sympathie für Menschen haben kann* welche von früh bis nacht „Heil Hitler!" rufen Sie glaubten, nach dem Sieg H'tlers :n Deutschland pich h:er alle« erlauben zu dürfen, indem sie antisemitische Agitation betrieben und auch vor Terror gegen die paar hundert jüdischen Einwohner des großen Territoriums nicht zuückschreckten. Aber bald kam die große Enttäuschung, die schwere Niederlage. Zunächst gelang es den afrikanischen Nazi nicht, die deutsche Sprache als zweite offizielle Sprache für Südwestafrika durchzusetzen-, ferner wurde die Organisation der „Hitler-Jugend" verboten und ihr A r c h i v konfisziert. In diesem Archiv fand man — ganz nach reichsdeutschem Muster - ein Verzeichnis von Juden und anderen „Schädlinge n", die an dem Tag. da die südwcstafrikanisrhe Kolonie an Deutschland zurückfiele, gekillt, d. h. ermordet werden 6-0 Ilten. Die Fegierung hält die ganie Sache geheim, uro. die Bewohner nicht :n Unruhe zu versetzen, und die . Hitleristen leugnen die Tatsache. Die Regierung tat. war. sie konnte- Sie verbot die nationalsoziaJ's*i5<~be Partei, wobei :sie kundgab: „D i e nationalsozialistische deutsche Arbeiterpartei" (N. S. D. A. P.) gefährdet den Frieden, die Ordnung und die "Verwaltung des Landes . . ." tTnd weiter: „Jede Person, die sich aktiv oder passiv an der Nazi-Organisation beteiligt, wird als Teilnehmerin eines Verbrechens betrachtet." Diese scharfe Stellungnahme der Regierung erwies sich insbesondere mit Hinsicht auf die Rückgang der ungarischen Judensdiaft •. . Aus Budapest: Die „Ungarische Statistische Rundschau" gibt ein Bild von den Bevölkerungsverhältnissen des ungarischen Judentums. Seine Anzahl zeigt seit dem Jahre 1927 einen ständigen Rückgang und -hat in den letzten zehn Jahren um 6 Prozent abgenommen. Die Einwanderung hat vollständig aufgehört, die Zahl der Geburten erreicht in keinem Jahre mehr die der Todesfälle. Besonders aus den Dörfern verschwinden die jüdischen Kaufleute infplge der Konkurrenz der staatlich, unterstützten Genossenschaften fast vollständig. Von den statistisch aufgenommenen . 440.000 Juden in Ungarn leben mehr als die. Hälfte in B u d a p e s t, wo sie mit einer Seelenzahl von 232:000 ungefähr 20 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Aber auch diese Verhältniszahl verschlechtert sich von Jahr zu Jahr. Innerhalb der Pester Kultusgemeinde machen sich seit Jahr und .Tag Bestrebungen geltend, die darauf hinzielen, die auf dem Verwaltungsgebiete der Hauptstadt bestehenden .vier selbständige n-Ge-meinden unter gemeinsamer Leitung zu vereinigen. Gemeindepräsident Hofrat. Samuel Stern konnte bei der jüngsten Generalversammlung mitteilen, daß der X. Bezirk (Steinbruch) sich der ,ZetLtralgejneinde angeschlossen hat. O f e n und A 11ofen mit.ihren alten geschichtlichen Traditionen weigern sich noch, ihre Autonomie aufzugeben. Weniger als;500,000 Juden in Deutschland -Aus . Berlin: In einer Veröffentlichung des Rassepolitischen Amtes der NSDAP, wird darauf hingewiesen, daß im Jahre 1925 in Deutschland noch 5 6.4.3 79 Angehörige der jüdischen Konfession gezählt worden sind, was damals 0,9 Prozent des Gesamtvolkes ausmachte. 1933 betrug diese Zahl noch 499.682 oder. 0,77 Prozent. Es ist also ein Rückgang der Angehörigen der jüdischen Konfession in Deutschlandum 64.697 oder 11,5 Prozent festzustellen. Dieser Rückgang sei in der Hauptsache auf Auswanderung und auf den Geburtenrückgang bei den Juden zurückzuführen. Seit dem Stichtag des 16. Juni 1933 dürfte die Zahl der . Juden in Deutschland weiterhin a b g en o m m'e n haben, weil die Aus w a n d e r u n g anhält und die Fruchtbarkeit der jüdsichen Ehen besonders gering gewesen sei. Es entfallen allein auf Berlin vorgefundenen Listen als notwendig.?r zu ermordenden „Schädlinge" In Sü'«9.frka seibs* hörten die Störungen durch die ■,Hrnji!en"-OrganiS2tionen nicht auf. In C a p e t o w n kam er. sc weit, daß nachts Steine gegen .jüdische Hauser geworfen und Synagogen mit Hakenkreuzen besudelt wurden In den Provinzstädten gibt es s n t i j ü d i s c h e Meetings. Zv.-j» sirt' diese nich- 'sehr zahlreich besucht, verursachen 2*r.?r <1?mir.c'.: R?unruhigijng fo?i' der jüdischen Bevölkerung. Vor kurzem affichierte ein antisemitisches Blatt Plakat^ mit der Aufschrift: „Juden und Schwarze b e ' s t i g e n weiß c IVI i rtoh e n!" Es kam zu keinem Exzeß, aber jüdische Burschen rissen vor den Augen der Polizei die Plakate hrrun*er, wurden verhaftet und ni't kleinen Geldstrafen belegt. Es ist Hoffnung vorbanden, daß die Angriffe gegen die bilden aufhören werden. Der Innenminister Hof fw 'f. y e r gab kürzlich in einer Pede bekannt, daß die Regierung ein Gesetz gegen Rassenhetze und Verleumdung herausgeben werde. Gleichzeitig aber wendete er sich gegen die Organisierung de s antideutschen VVarenboykotts. Er, der a!s Judenfreund une" Anhänger des zionistischen Palästina-Aufbaus gilt, Nprach sich nicht gegen den individuellen Boykott des Konsumenten aus, sondern bloß gegen die — Organisierung des Boykotts. ö Die südafrikanischen Juden bezeugen ein intensives Intf-rf sse an den Friedensbestrebungen im Zionismus. Ihr Sinn für konstruktive Arbeit verlangt eine Reinigung der Atmosphäre, Darum war es natürlich, daß sie einen Sonderdslegierten, Morris Contridge (Mitglied des südafrikanischen Parlaments, Vizepresident der Südafrikanischen Zionistischen .Vereinigung), nach Europa schickten, damit er sich an den Bemühungen um den innerzionistischen Frieden beteilige. Es herrscht hier die Ansicht vor, daß ein Land, das s o viel Geld für zionistische Zwecke aufbringt und einen großen Teil des zionistischen Budgets deckt, auch einen entsprechenden Einfluß auf die zionistische Bewegung beanspruchen darf. Man erwartet daher von der Reise des Delegierten Contridge wichtige Resultate. gegenwärtig riind 160.500 Juden. Die Ziffern, die sich aus der Konfessionszugehörigkeit ergeben, seien aber, so erklärt das Rassepolitische Amt, unvollständig, weil sie nicht nach Rasse unterschieden sind. Man muß vermuten, daß der Anteil der jüdisch vermischten Bevölkerung in Deutschland mehrfach so groß sei wie der Anteil derer, die sich auch heute noch zum jüdischen Glauben bekennen. Rasputin der Judenknecht Aus Prag IJ. T. A.): Alfred .Rosenberg,' der in Hitlers Auftrag über die kulturelle Erziehung des deutschen Volkes zu wachen hat, hat seine Artikelserie im „Völkischen Beobachter", in der er sich bemühte, die „innere Echtheit' der Protokolle der Weisen von Zion" zu erv/eisen, a b g ebrochen. Dafür veröffentlicht in'seinem Auftrag ein gewisser Harald Sie wert im „Völkischen Beobachter" in großer Aufmachung „s e nsationelle jüdische Enthüllung e n", in denen ein obskures Buch, die angebliche Beichte eines gewesenen jüdischen Sekretärs" von R a s p u t i n namens Simanowitsch, für das Bestehen einer „jüdischen Weltherrschaft" zum Beweis herangezogen wird. Siewert nennt dieses Buch „eines der erschütterndsten Dokumente der Zeitgeschichte", in welchem sich „fast Punkt für Punkt alle Abschnitte der Protokolle in praxi bestätigen". In Wirklichkeit schildert der angebliche jüdische Sekretär Rasputins, wie Juden versucht haben, Rasputins Einfluß auf die Zarenfamilie dazu auszunützen, um Erleichterungen der Judengesetze im zaristischen Rußland zu erlangen. Sie verlieren auch den Titel Aus Berlin: Das Gesetz zur Aenderung der Rechtsänwaltsorcinung vom 20. Dezember 1934 ist im Reichsgesetzblatt veröffentlicht worden. Für jüdische Rechtsanwälte, die durch das Gesetz vom. 7. April 1933 in der Liste der Rechtsanwälte gelöscht worden sind, ist wesentlich, daß nun bestimmt wird: Frühere Rechtsanwälte dürfen die Bezeichnung ,,Rechtsan wa 11'4 auch mit einem auf das Erlöschen der Zulassung hinweisenden Zusatz nicht führen. Palästina-Pässe der Grabespilger Aus Sofia: (J. T. A.) Ueber Initiative de:; bulgarischen orthodoxen Kirchen synods hat die bulgarische Regierung bei der englischen Regierung Scbritt.fi unternommen, daß diese als Mandatarin Palästinas die. Verordnung aufhebe, wonach künftig nach Palästina nicht mehr Wallfahrer zum Heiligen Gr;i,b einreisen dürfen, die einen Sa,rnmclpaß besitzen. Die. Verordnung wurde aus dem Grunde erlassen, weil viele derartige Wallfahrer aus den orthodoxen Ländern des Balkans, von wo aus jedes Jahr zu Ostern große Wallfahrten nach Jerusalem veranstaltet werden, i n P alästina blichen, wo sie Arbeit suchten und weilsie des öfteren in ihre Heimat zurückbefördert werden mußten, was mit. großen Kosten verbunden war. Künftig muß sich jeder Wallfahrer zum Heiligen Grab mit einem, besonderen Pal?> ausweisen, wobei er außerdem bei der englischen Paßabteilung in Sofia eine Garantie, in der Höhe von 2.c>.000 Lewa erlegen muß. Rcgierungsgrüder für jüdische Wohlfaiirtseinriehtungen in Griechenland Aus Athen f J. T. A.): Im offiziellen Organ der1 Regierung wird ein Dekret veröffentlicht, durch das der A n s p r u ch der jü d i s c h e n Wohlfahrtseinrichtung auf staatliche Beihilfen aus dem Budget des Ministeriums für soziale Wohlfahrt avsdTücklich anerkannt wird. Die griechische Regierung hält ihre antijüdische Veiv Ordnung aufrecht Aus Saloniki: Der Chef der Salonikier Polizei' erklärte dem J.-T.-A.-Vertreter, daß die Verordnung den griechischen Regierung, wonach kein ausländischer Jude ohne spezielle Erlaubnis des Außcnministeriums int Athen in Griechenland einreisen darf, in Kraft bleibt. Die Zusage des griechischen Premiers T s a. I d ar i s, diese Verordnung außer Kraft zu setzen, ist also nichb erfüllt worden. Protest gegen die neue Bodensteuer Aus Jerusalem: Die zionistische Exekutive hat bei der Palästina-Regierung gegen die geplante Reform der Besteuerung von Grund und Boden Einspruch erhoben. Nach dem neuen Grundsteuergesetz soll fast die gesamte Grundsteuerlast auf die vorwiegend jüdischen Orangenplantagen gewälzt werden. Der neue Steuerplan geht im wesentlichen darauf hinaus, die bisherige Werko-Steuer (eine- Art von Bodenbesitzstcucrli und den „Osch er" (Zehent) in eine Steuer zusammenzufassen. .Während der in arabischem Besitz bef indr liehe, wenig entwickelte landwirtschaftliche Boden, der den größten Teil des landwirtschaftlich genutzten Bodens Palästinas ausmacht, nur mit 1 oder 2 Piaster pro Dunam besteuert werden soll, ist die Steuer für Orangenpflanzungen mit 82V2 Piaster pro Dunam festgesetzt. Nach dem bisherigen Steuersystem war der. Zehent (Oscher) auf dem landwirtschaftlichen Bruttoertrag aufgebaut, von dem 10 Prozent (vor dem Krieg 12 Prozent) abzuf ühren waren. Unter der britischen Palästina-Verwaltung wurde diese Steuer für manche .Gebiete oft teilweise oder ganz erlassen. Die. Werko- Steuer beträgt 4 bis 12 Prozent des Wertes des besteuerten Objektes. Grundsätzlich hat alle fünf Jahre eine neue Einschätzung für Steuerzwecke zu erfolgen. Die Werko-Steuer beruht auf einem ottomanischen Gesetz vom Jahre 1886. Die zweite Makkabiah Der Bürgermeister von Tel-Awiw Mayer Dizengoff gab in einer Pressekonferenz bekannt, daß tausend aktive Sportler aus allen Ländern der Welt in 18 verschiedenen Spieltypen sich produzieren werden. Im Rahmen der Makkabiah wird ein Scha. ch-Weltturnier, das erste in Palästina, stattfinden, für welches fast 20 Länder bereits ihre Teilnahme zugesagt haben. Reichsverband der jüdischen Legitimsten Oesterreichs. Die Legitimistischen jüdischen Frontkämpfer im „Eisernen Ring", der Verband jüdscher Legitimisten und der Legitimistische jüdische Frauenbund haben sich zu einer Arbeitsgemeinschaft unter dem Namen „Reichsverband der jüdischen Legitimisten Oesterreichs" zusammengeschlossen. Anmeldungen und Auskünfte in der Kanzlei, Wien, I., Parkring 4, Telephon R-27-7-57. Wiener Jüdisches Symphonie-Orchester des Bund jüdischer Frontsoldaten Oesterreichs. Samstag, den 12. Jänner 1935, um 8 Uhr abends im Großen Konzert« haus-Saale T. Symphonie-Konzert, Dirigent: Dok« tor Kurt P a h 1 e n. Mitwirkend: Evi Wächter (Klavier)« Programm: Karl Goldrnark, Ouvertüre „Sakuntala", Robert Schumann, Klavierkonzert A-Moll. Peter J. Tschaikowsky, Symphonie Nr. 5. Karten zum Preise von S 1.— bis 5.— an der Konzertksasse Dr. Hohenberg, I., Operngasse (Operngebäude), in der Bundeszentrale, I., Bräunerstraße 2, im Probelokal des Orchesters, VI., Nelkengassc 6, jeden" Mittwoch ab 6 Uhr, bei allen B. O. G. und den Orchestermitgliedern. Damen-Stoff- Spbneeschuhe mitsamtkragen u.ReißyewWuß. grau, unkurant, alle Qrößen 1.90 Damen-Gummi- Schneeschuhe Vh hoch, mit Wollfutter, grau oder beige, unkurant, alle Qrößen MO&mWh X.erlegert ges&WgeteC Ußd Kfi£äfttwprtliclwc #*dafct$Ur: .Oberhaurat Robwt SWck^-^ Drufifc; Rjj^rst, ujtf Xsflp^&^Gr,. 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