Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 428 (8.1.1935)
- Date
- 1935-01-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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**ite 2 DIE NEUE WELT Nr. 428 schuldigt und die breiten Massen in Sowjetrußland glauben daran — ist gewiß bezeichnend. Aber von tieferer Bedeutung erscheint uns die Tatsache, daß inmitten der Betriebe, wo Genosse neben Genossen für das Wohl der Arbeiter- und Baueinrepubliken t*. d. S. S. R. (Union der soz. Sowjetrepubliken) arbeiten, jüdische Arbeitskollegen von ihren nichtjüdischen Nachbarn angegriffen und aus antisemitischen Gründen blutiggeschlagen wurden .Also Antisemitismus auch in Sowjetrußland, dem es angeblich gelang, alle Schranken zwischen den Klassen, Religionen und Nationen niederzureißen! Auch in Sowjetrußland, wo die Regierung schon seit 17 Jahren jede antisemitische Regung unter schwere Strafe gestellt hat! Was sagen jetzt die Herren Salonbolschewiken aller Länder? Die Befürworter der extremsten Assimilation? Die enthusiastischen Verehrer des bolschewistischen Rußland, das der Welt das Beispiel einer ktassen- und rassenlosen Gesellschaftsordnung gegeben habe? Die Männer rings um Stalin finden sich einer Opposition im eigenen Lager gegenüber und flugs wird diese politische Spannung in eine jüdische Verschwörung verwandelt! Und ebenso flugs schlagen junge Arbeiter in den verschiedenen Werkstätten gegen ihre jüdischen Genüssen los! Wieder ist der Jud' schuld. Sowjetrußland, das erhaben schien über den Vorwurf, es besitze noch die veralteten Vorurteile der bürgerlichen Gesellschaft, steht in der Judensache nicht besser da als die sogenannten reaktionären Länder. Mit unerbittlicher Schonungslosigkeit gibt uns das sowjetrussische Beispiel Kunde von der ewigen Existenz der Judenfrage — der Judenfrage, die wir selbst, wir ..nationalgerichtete" Juden, zu lösen haben. o. r. Judesi§faa*§partei Österreichs Versanimlungskalender Dienstag, fien 8. Jänner, K>9 abends, XIV., Schanzstraße 32: Versammlung. Thema: „Aktuelle Probleme". Referent: Oberbau rat Robert Stricker. Dienstag, den 8. Jänner, j<:_.9 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse Ii: Judenstuatsjugendseminar: „Jüdische Geschichte". Referent: V. Rosenleid. Mittwoch, den 9. Jänner, Uhr abends, im Judenstaatsheim, I., Werdertorgasse 11: Vortrag. Erinnerungen an jiddische Dichte r". Referent: Komponist Henoch Kon (Warschau). Musikalische Beispiele am Klavier. D o.nji e r s t a.g, den 10. Jänner, <49 Uhr abends, { im Judenstaatsheim, XX., Heinzelmanngasse 20: Versammlung : „Der antisemitische Vernichtungskampf". Referent: Oberbaurat Robert Stricker. Donnerstag, tfen TO. Jänner, >i9 Uhr abends, im Judenstaatsheim, II., Kleine Zufahrtsstraße 166: Versa mmlung. Thema: „Zionistische Außen- und I n n e n p o 1 i t i k". Referent Dr. S. Wol f. Die Landeskonferenz der Judenstaatspartei Oesterreichs findet am 20. und 21. Janner 1935 statt. Die Tagesordnung wird demnächst bekanntgegeben. Spendet jüdische Bücher! Die Pratersektion eröffnet eine jüdische Bibliothek, die unentgeltlich Bücher verleihen v.?rd. Wir ersuchen. Bücher, insbesondere jüdi- Mher Autoren, zu spenden (I., Werdertorgasse 14, oder IL, Kleine Zufahrtsstraße 166). Crepe-Mongol-Dimdl m. bunter Streifbordüre u. K.-Selden-Schürze.............S Elegante Ball-Dirndl, K.-s.-riongoi,handgestickt, oder apart gemustert, mic Organdl-Blusen-Ärmeln und K.-Seiden-Schürze...........S K.-Seidfcn-Flamisol-Tanzkleider mit apartem Blumenaufputz, In Pastelifarben.......S Eleg. Trotteurkleider, aus k. - 5. - ßibouidingue, neueste Fassons..............S Kleine Abendkleider aus k.-s.- Marocaimatin,eleg. Linienfasson S Hochaparte Satinkleider, orig. Fasson (auf 3 Arten zu tragen) S Vornehme Modellmäntel, aus vorzügl. hodestoffen, mit reicher Pelzverbrämung (echt Skunks oder Whitecoat), ganz K.-Crepe de Chine..........S K.-Seiden-Flamisol-Bluse, reich mit Handajour verziert . S Elegante Tanzschuhe, Boxcaif- Blnde-Pumps, \ >*5?T^ \Marl<e„Union"S 19 •80 V 19 50 4 Juden§taai§parfei Ortsgruppe Wien XX Donnerstag, den 10. Jänner 1935, um 8 t; abends Mitgliederversammlung im n e u e n Heini, XX., Heinzelmanngasse 20. Gäste willkommen! Vortrag: Oberbaurat Ing. Robert Stricker. wmmmmammmmmmmmmmmmmm Wackelnde Generale Ehret die toten Juden, nieder mit den lebenden — Solidarität auf fremde Kosten Wir haben Uber die merkwürdige Haltung der i t a- 1 i e n i s c h e n Delegation auf dem internationalen Faschisten-Kongreß in Montreux, insbesondere ihres Führers General C o s e 1 c h i, berichtet. Nach Abgabe entschiedener Erklärungen gegen den Antisemitismus hat Italien schließlich für eine antisemitische Resolution gestimmt. Um Aufklärung dieses sonderbaren Vorgehens befragt, erklärte General Coselchi, er habe nur aus „Solidarität" für die Resolution gestimmt und als E n tschuldig u n g hinzugefügt, daß ja gleichzeitig mit der antisemitischen Resolution ein zweiter Beschluß gefaßt wurde, dahin lautend, daß man die im Weltkrieg gefallenen Juden ehren solle . . . Bravo, Herr General! Nun meldet sich ein zweiter General zu Worte, nämlich ein griechischer. Aus Athen wird gemeldet: In der faschistischen Zeitung „E t h n i k i S i m a i a" (Nationalflagge) veröffentlicht der Faschistenführer General Mercouris, der an dem ersten Internationalen Faschistenkongreß in Montreux als Delegierter Griechenlands teilgenommen hat, einen Artikel, in dem er u. a. folgende Stellen aus seiner in Montreux gehaltenen Rede wiedergibt: ,,Ich erachte es als meine Pflicht, hier zu erklären, daß die jüdische Minderheit meines Vaterlandes jederzeit ein den Gesetzen ergebenes und patriotisches Element war; deshalb — abgesehen von der KREUZ-KINO «• Wollzeile 17 . Tel. R-24-2-16 Mit dem Tod um die Wette h, Va8, 'A10 (Ganaster der Rnnnbahn) mit Tim Mo Coy traditionellen Gastfreundschaft meines Landes — erfreuen sich die Juden in Griechenland voller Gleichberechtigung. Da der Kongreß das Recht jedes Staates auf völlige Unabhängigkeit bei der Behandlung innerer Fragen anerkannt hat, bestreite ich dieser Konferenz die Kompetenz: zur Behandlung der Judenfrage, die ich als innere Frage jedes Landes betrachte." Diese Erklärung hatte General Mercouris als Antwort auf die judenfeindlichen Angriffe des rumänischen Delegierten Jan M o t a abgegeben. Daß General Mercouris für die „Judenresolution" des Kongresses stimmte, begründet er in seinem Artikel damit, daß er seiner Solidarität mit den übrigen Vertretern im allgemeinen Ausdruck geben und daher die Einmütigkeit der Beschlußfassung nicht verhindern wollte. Er habe jedoch ausdrücklich verlangt, daß seine Erklärung zur Judenfrage in das Sitzungsprotokoll aufgenommen werde, und dies sei auch geschehen. * Wenn es nicht zu traurig wäre, könnte man um diese zwei Generäle eine Posse dichten. Beide lieben die Juden herzinniglich und stimmen für Beschimpfung und Verfolgung der Juden. Dafür laßt aber der eine die toten Juden hochleben und der andere schwarz auf weiß ins Protokoll schreiben, daß er ein feuriger Verehrer der zwei Minuten vorher von ihm mitverfluchten Juden ist. Wackere Generäle? Wackelnde Generäle! Der //Heilige Vater" Spara Man schreibt uns aus Prag: In Karpathorußland, dem östlichen Teil der tschechoslowakischen Republik, spielt sich seit längerer Zeit ein Kampf ab, der weit über den Lokalfall hinaus Interesse beansprucht. Im wesentlichen geht es darum, ob der Mukacevoer Kreis dem Terror des orthodoxen Rabbiners S p i r a weiter ausgesetzt sein soll oder ob sich die kompetenten Faktoren entschließen werden, dem kulturwidrigen Treiben eines Mannes, der sich „Heiliger Vater" nennen läßt, ein Ende zu machen. Der Zionismus hat in diesen dunkelsten Teil Europas ein wenig Licht gebracht. Ein hebräisches Gymnasium wurde in Mukaöevo errichtet und der jüdischen Jugend Gelegenheit geboten, auch die nationalen Werte des Judentums in der nationalen Sprache kennen zu lernen. Die trennungsorthodoxen Mächte sahen ihren Einfluß bedroht. Daher versuchte der orthodoxe Rabbiner Spira gegen diese Lehrstätte Sturm zu laufen. Kein Mittel wurde verschont. Rabbi Spira b eclrohte E 11 e r n, die ihre Kinder in das hebräische Gymnasium schickten, mit dem Bannfluch, terrorisierte Fleischhauer und Besitzer von Wirtshäusern, indem er ihre Waren unrein (daher unverkäuflich) erklärte, so daß schließlich viele Eltern aus Furcht vor Exintenzvcrlust ihre Kinder aus dem Gymnasium herausnahmen. Das Gymnasium selbst gilt als Musterbildungsstättc. Die Schulbehörden haben nur Worte der Anerkennung für das hebräische Schuswerk in Mukaöevo. Seit kurzem beschäftigt sich auch die tschechoslowakische nichtjüdische Öffentlichkeit mit dem gefährlichreu Spira-Kreis. So schreiben z. B. die •5 Novin y", ein führendes demokratisches „Die Herrschaft der Finsternis in Karpathorußland schreit nach Licht. Ein hoher Beamter des Schulministeriums hat als Prüfungskommissär bei den ersten Reifeprüfungen das tschechisch-hebräischo Gymnasium in Mukaöevo ein Licht in der jüdischen Finsternis in Karpathorußland genannt. Gegen diese Lehrstätte hat Rabbiner Spira seine Macht mobilisiert, von seinen abergläubischen Getreuen bis zu den abhängigen Politikern und anerkannten Würdenträgern. Es liegt im öffentlichen Interesse, daß das Licht von Mukaöevo inmitten der karpathorussischen Finsternis nicht verlösche und daß man im Reiche Spiras, das die Grenzen seiner Gemeinde überschreitet, zu lüften beginnt!" Unter diesem Aspekt ist es verwunderlich, daß dem Treiben des Bannflüche schleudernden reaktionären Wüterichs und Unlerwühlers jüdischer Würde noch nicht Einhalt geboten werden konnte. Man wird aber die Situation richtig einschätzen, wenn man weiß, daß die orthodoxen Kreise rings um Spira der Regierung K a rpathorußlands willfährig sind, bei Wahlen gegen die national jüdische Liste arbeiten und so den Wünschen der karpathorussischen Regierung entgegenkommen. In der Republik des Demokraten Masaryk allerdings ein ungewohntes Bild! Antisemitismus und Schneiderei Wir erhalten folgende Zuschrift: In Ihrer letzten Nummer wurde ein Aufruf des in die „Vaterländische Front" eingegliederten Oesterreichischen Gewerbebundes gebracht, in welchem der Boykott jüdischer Firmen empfohlen wurde. Jetzt linde ich in der Ausgabe eines gewerblichen Fachblattes einen Neujahrsartikel, in welchem die Juden als erbarmungslose Bedrücker des Gewerbetreibenden geschildert v/erden. In Nr. 12 der „Oesterreichischen Schnei der zeitung" heißt es: „Als nach den traurigen Ereignissen vom Juli es klar geworden ist. daß der Vorstoß gegen die österreichische Unabhängigkeit mißlungen ist und somit auch in rassentheoretischer Hinsicht keine Ueberraschungen zu erwarten sind, da bestätigte sich die instinktive Vermutung der Stückmeister, daß es die treibenden Kräfte unter den Konfektionären mit ihren widersinnigen Forderungen nur auf die Herbeiführung eines vertragslosen Zustandes abgesehen hatten, der ihnen die gefahrlose Möglichkeit bieten soll, die Schneider schrankenlos ausbeuten zu können. Für die weitüberwiegende Mehrzahl der Unternehmer in diesem Berufszweig ist der Stückmeiter längst schon nur ein Objekt der geschäftlichen Taktik geworden, denn die Zeit, wo ihre Vorfahren noch im S k 1 a v e n s t a n d die ägyptischen Pyramiden gebaut haben, liegt tausende Jahre zurück und , scheint daher ihren Widerhall schon längst verloren zu haben. Die Taktik, die sich die Unternehmer in der Herrenkonfektion zurecht gelegt haben, ist im letzten Jahre auch zum Allgemeingut in der Damen- Detailkonfektion geworden. Auch da, obwohl an der Spitze der Damcn-Detailkonfektionäre ein gutgläubiger Christ steht, unterscheiden sich die Verhältnisse nicht von dem vorgeschilderten Zustande." Man schreibt und spricht viel über die Judenhetzerei der Politiker und der antisemitischen Zeitungen. Ich halte den Antisemitismus, der ohne viel Lärm und Geschimpfe in gewerbliche Organisationen und Fachblätter hineingetragen wird, für viel gefährlicher. Hochachtend J. F. „Fröhliche Buden'' Aus London: Während mehrere englische Tageszeitungen, auch die „Times", in Telegrammen aus Deutschland die Brutalitäten der neuen a n t i j ü d isehen Boykottwelle und die vor den jüdischen Geschäften von den Nazi-Boykottposten arrangierten abscheulichen Szenen schildern und besonders die Lage in Frankfurt und in Darmstadt als gefährlich für die jüdischen Einwohner darstellen, veröffentlicht Lord Rothermcre, der kürzlich bei seinem Besuch in Deutschland Hitlers Ehrengast war, am 28. Dezember den ersten Artikel einer neuen Deutschland-Serie in seinem „Daily Mai 1", in dem er sich auch mit der Judenfrage befaßt. Er schreibt u. a.: „Fast alle Nachrichten über die Judenpolitik des Naziregimes, die selbst von unseren verantwortungsbewußtesten Zeitungen veröffentlicht wurden, sind .reiner Mondschein', Diese Nachricjiten suchen den Eindruck zu erwecken, daß die Juden in Deutschland fast eine Existenz von gehetzten Tieren führen. Ich aber habe in den deutschen Hotels und Restaurants häufig fröhliche Juden in Gesellschaft gesehen, ihre Gesichter zeigten keine Merkmale von Unsicherheit oder Leid." * Möge Seiner Lordschaft immer ebensoviel Ursacho zur Fröhlichkeit beschieden sein wie den deutschen Juden! Jüdisches im Radio Mittwoch, den 9. Jänner, 17.30 Uhr Pari s: Sendung der Voix d'Israel. S a m s t a g, den 12. Jänner, 13.05 Uhr W i 1 n ai Jüdische Musik auf SchaJJjjlattcu,