Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-01-08 · Heft 428 (8.1.1935) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 428 (8.1.1935)
Date
1935-01-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712052--4815-2718347
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

7 entity mentions

Preis tO Groschen lahrgang J Dienstag, den 8« Jänner 191$ Nr. 428 V. tu MEIIV NEUL Zeitung vom Verleger versendet „Journal exp6di6 par lediteur" *itl. Un. 2ve^ ^tsbihh 'othek n H r. REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oestrrreirh monatlich S 1.10, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—: Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: Rumänien monatlich Lei 40.—. vierteljährig Lei 120.— : Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—. vierteljährig Lewa 80. — : Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 11.—; Schveiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. vierteljährig Schweizer Franc3 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universitätsstr.8, TeLA-20-2-78 — Erscheint Dienstag u.Freitag Schwindel um Berliner Olympiade 1936 Einige Länder, vor allem die Vereinigten Staaten, haben ihre Teilnahme an der Berliner Olympjade 1936 davon abhängig gemacht, daß jüdische Sportler des In- und Auslandes in keiner Weise bei der Vorbereitung und Teilnahme benachteiligt oder beleidigt werden dürfen, Amerika hat zur „Kontrolle" «inen Herrn Brundage nach Deutschland gesendet. Die Saarbrückener Zeitung „Grcnzlan d" schildert nun den Betrug, welcher um diesen „Kontrollor" aufgeführt wurde. Sie schreibt.' ,,UntPr den 4 00 0 Anwärtern für die Olympiade in Deutschland befanden sich eine Zeitlang sieben jung« deutsche Juden, Angehörige der zwei amtlich zugelassenen jüdischen Sportverbände; aber nur so lange, bis Mr. Brundage, der Vertreter der amerikanischen Sportbehörden, über die Teilnahme der Vereinigten Staaten an der Olympiade entschieden hatte. '£ w ö 1 f Tage nach seiner Abfahrt erhielten die sieben jungen Juden von den örtlichen Sportbehörden ein gleichlautendes Schreiben, wonach ihre Leistungen nicht g-e n ü g t e n, so daß sie durch den Reichssportführer von der Liste gestrichen seien. Von den 36 deutschen Sportstadien waren zur Zeit «Ter Deutschland-Reise des Mr. Brundage 2 2 für Nichtarier gesperrt, die übrigen 14 haben inzwischen g 1 e i c h f a 11 a ein Schild 'angebracht, daß das Betreten der Bahnen und Hallen N Ichtarier n und Farbigen untersagt, sei- Am 12. November hat der Reichssportführer durch Rundschreiben allen ihm unterstellten deutschen Spoftverbändeh jeden sportlichen V e r k e h r, jeden Wettkampf mit Nichtariern,. das .Benutzten .der gleichen Hallen und Bahnen untersagt. Seit Wochen wimmelt die deutsche Sportpresse von Einzelverfügungen dieser Art. Die „W e s t f ä 1 i s c h e Landeszeitung" in Dortmund hat in dieser Woche die katholische „Deutsche Jugendkraft" in Herne in der schärfsten Form angegriffen, weil sie ihren Sportplatz einer jüdischen Mannschaft zur Verfügung gestellt hat. Wer sich in solcher Weise mit Juden einläßt, so steht da, verliert allen Anspruch darauf, als deutscher Mensch angesehen zu \\erden. In allen deutschen Amtsgebäuden hängt seit Wochen ein riesiges Plakat der NSG. „Kraft durch Freude". Darin heißt es: „Juden sind im deutschen Sport unerwünscht und überflüssig. Juden wollen die Vernichtung der deutschen Rasse! Juden sind die Befürworter der Rassenschande! Juden sind die Blutsauger und Würger der deutschen Arbeiter! Juden sind die Schänder der deutschen Mädchen und Frauen! Juden sind die Schuldigen der vielen Kriege! Juden sind die Schuldigen des deutschen Unglücks! Drum fort mit allem Judengemäuschei!" Mr. Brundage hat nichts dergleichen feststellen können. Er hat sich, um mit dem Reichssportführer v. Tschammer-Osfcen zu sprechen, bei dieser Inspektion noch dümmer angestellt, als die Natiönalsozialisten erhofft hatten. Die braune Sportführuug empfing ihn am Schiff, sie geleitete ihn von Frühstück zu Frühst ü c k.ywon Führersitzufg zu Führ er Sitzung, von B aWk e 11 'zu Bankett — einen Nioht&rier bat Mr. Brundage während seiner Deutschlandfahrt kaum gesehen. Mr. Brundage hat sieh . damit begnügt, und Amerika ist geblufft- Dir Reichssportbehörden rühmen,.§ich, in jedem Rundschreiben, das jetzt an die einzelnen Vereine herausgeht, der glbiiosen Art, wie sie die Amerikaner genasführt haben." > | ^';::^:■ ■!■'::1 J:■ 1;:1.:.1 i:;1J;:1'11;!.';);)■ jj:;;;)1);,:'::j: ■ ■ i;:iii::;.::)iij;,:i1:■:■ >i.:i■;:.;,:;j::,...... ■:■.,;i,n,.;,i;,^ 1 JUOEMSTflflTSPARTEI OESTERREICHS j I Mittwoch, den 0. Jänner 1935, um ha.lb 9 Uhr abends i i im großen Saal des Heims, I., Werdertorgasse Ii ff | Vortragsabend | I £uH4*emH$e*t oh teeüUtHte (üdUdie ] | Dicktet | | Referent: Komponist HENOCH KON (Warschau), | p Schöpfer der Musik zu „Dyb.uk", „Golem", ff | „He. r schele. Ostropoler", „Die beiden §j |§ Kuni Lern 1" usw. || I Einleitende Worte: Dr. OSKAR ROSENFELD 1 1 Kleiner Regiebeitrag j Der lud' ist sdiuld auch an Sowjetrußländ Wie dicht sich auch S o-w jetrußland voa Europa abschließen mag, so gibt es doch Augenblicke, in denen diese Mauer,, wenn auch nur blitzartig, durchbrochen erscheint. Die letzten Meldungen, über eine Verschwörung gegen das gegenwärtige, von Stalin repräsentierte System halten sich nicht laege bei ebendieser Verschwörung auf. Sie gehen auf ein andere3 Moment über, auf das j ü d is c h e. Sogar Sowjetrußland, das. der Welt ein Beispiel der Menschenerlösung durch Lösung der soziale n Frage geben wollte, sogar der bolschewistische Staätenverband hat plötzlich seine — Judenfragc wieder bekommen ... Der Londoner ,„D ai ly Ex pre s s", der keine Animosität gegen Rußland hegt, bringt die aufsehenerregende Meldung aus Moskau, daß im Zusammenhang mit dem Mord an Kirow. und der darauffolgenden Vernichtung des oppositionellen, „Leningrader Zentrums" Judenhaß und Pogromgeist wiederum in Rußland,, avo sie nie ganz erlöschen Avaren, erwacht seien. Es wird behauptet, daß an der Verschwörung gegen die Sowjetleitung unverhältnismäßig viel e J ud e n beteüigt waTen; 40 Prozent der Verhafteten sollen angeblich Judten sein, auch seien die geistigen Urheber — Trotzky, Sinowjew und Kamenew— Juden. „Daily Express'* berichtet, daß in einer Anzahl Fabriken in Leningrad und Moskau junge Arbeiter ihre jüdischen A rb ei t s k o l l egen angriffen. Den entstandenen sehr heftigen Kämpfen machte erst die Polizei ein Ende. Zahlreiche verletzte jüdische Arbeiter wurden in das Hospital überführt. Unter den vierzehn Hingerichteten des angeblichen „Leningrader Zentrums" waren vier Jude n; Sergej Mandelstam, Wladimir Lewin, Ljew Soschitzky„ Ljew Chanik. Alle erklärten, sie hätten von dem geplanten Mord an Kirow nicht das geringste geahnt. Selbstverständlich . läßt sich die Meldung des „Daily Express" außerha-lb Rußlands sehr schwer auf ihre. Richtigkeit, nachprüfen. Aber soweit die Sowjetregierung selbst gesteht, haben tatsächlich die Hinrichtungen der genannten Juden wie die Angriffe . russischer Proletarier gegen ihre jüdischen Genossen, stattgefunden. .-.'•..' Was die vier "jüdischen „Verschwörer"1 anlangt, so scheinen sie in der Sowjetrepublik nur eine untergeordnete Rolle gespielt zu haben. Ihre Unzufriedenheit mit dem Diktator Stalin teilten sie mit Millionen anderer russischer Staatsbürger. Anders steht es um. die sogenannten geistigen Urheber des Leningrader Komplotts Sinowjew und Kamenew. Wie auch anderswo in der W.elt, .drängten sich diese zwei Juden, in die vorderste Front der politischen Verantwortlichkeit, in der Meinung, daß der russische Staat, das russische Volk ihre Mitarbeit an vorderster Stelle unbedingt, benötige.;Ganz in westlich-assimilatorischer Weise glaubten sie, im Sowjetland eine führende Rolle spielen, die Welt mit ihren Freiheits- und Gleichheitstendenzen beglücken zu müssen. Bis jetzt waren sie Sowjetführer. Aber plötzlich, da die russischen Herren im Kreml sich bedroht fühlten, waren die Herren Sinowjew und Kamenew nicht mehr .Genossen in der freien Sowjetrepublik, sondern jüdische Verschwörer, die man beseitigen muß. Das Einzelschicksal dieser zwei bolschewistischen Führer — sogar der fern von Sowjetrußland lebende Jude Trotzky wurde der Teilnahme am, Putsch, to» Erklärung des österreichischen Außen« ministers Aus Wien: Der Bundesminister für die auswärtigen Angelegenheiten, Berger v. Waldenegg, empfing die Vertreter der auswärtigen Presse und. gab ihnen Aufklärung über die äußere und die innere Politik der österreichischen Bundesregierung. Er verurteilte in scharfen Worten die im Ausland betriebene Propaganda gegen Oesterreich, dem man fälschlich nachsagt, daß es den nichtkatholischen Staatsangehörigen die Gleichberechtigung entzieht und die protestantischen und jüdischen Staatsbürger unterdrückt. Außenminister Berger von Waldenegg bezeichnete diese Behauptungen als „böswillige Erfindungen" und wiederholte die anläßlich des ersten Zusammentritte der neuernannten Bundeskörperschaften gegebene Regierungserklärung, daß die Bundesregierung den religiösen und nationalen Minderheiten einen Rechts- und Kulturschutz ajigedeiben lasse, ' der vielleicht für andere Länder als mustergültig und vorbildlich gelten kann. Der Minister kündigte ein scharfes Vorgehen gegen die „Lügenpropaganda" einer „gewissenlosen Publizistik" an. Ein katholischer Priester gegen »Protokolle' Aus Brüssel fJ. T. A.); JQer bekannte katho-. lische Gelehrte und Professor an der Universität Löwen, Pater Pierre Charles, hielt in Brüssel vor einem Auditorium von Geistlichen, hohen Beamten und Offizieren einen Vortrag über die sogenannten „Protokolle der Weisen von Zk>n". Der Vortragende, der Mitglied des Jesuitenordens: Ist/ legte die Entstehung; dieser ■, Fä lschung dar und richtete an die katholischen Geistlichen den Appell, jener Welle des Hasses entgegenzutraten, dje zur Abfassung des besprochenen Buches,' das er als „niederträchtiges Falsifikat" bezeichnete, geführt habe. 7iomstenkongreß 1915 'Palkorr. meldet aus Jerusalem: Der'politische Leiter der Zionistischen Exekutive, David ben Gurion, erklärte in einem Interview, daß der 19. Zionistenkongreß zeitgerecht für den Sommer 1935 einberufen werden wird. Jüdische Flüchtlinge aus Persien in der Türkei Aua. Istanbul: Die türkische Regierung hat den jüdischen Organisationen nahegelegt, die in der Türkei sich aufhaltenden jüdischen Flüchtlinge aus Weizniann — Ehrenbürger von Tel-Awiw — Mit den Stimmen der Revisionisten Aus Tel-Awiw (J. T. A.): Prof. Chaim Weizmann wurde anläßlich der Vollendung, seines 60. Lebensjahres vom Stadtrat von Tel-Awiw e i n s t i m m.i g zum Ehrenbürger der Stadt Tel-Awiw gewählt. Für die Ehrenbürgerschaft Weizmanns. stimmten auch die revisionistischen Stadträte. . Aus der Schweiz i In Basel hat der Regierungsrai'auf Antrag des Polizeidepartements eine Verfügung erlassen, in der den Herausgebern der „V.o 1 k sto u n d" untersagt wurde, die Juden weiterhin auf. gröbliche Art und Weise wie bis anhin zu b e s c h i m p f e n und zu verdächtigen. Am vergangenen Mittwoch verließ nun die Dezember- Auflage des. „Volksbund" die Solothurner Druckerei. Bevor Sie jedoch zum.W e i.t e r.v e r t r i e b bereitgestellt werden konnte,-verfügte das Polizeidepartement die sofortige Beschlagnahm e ..der-gesamten Auflage. Ebenso wurde auch die Kreispostdirektion angewiesen, die Z u s t e 1- 1 u n g. d u r c h .d i e Post zu verbieten. Gleichzeitig beauftragte das PoUzeidepärtement die Staatsanwaltschaft, gegen den verantwortlichen Herausgeber des Hetzblättchens, Major z.D. Ernst Lconhardt, wegen Widers e t z 1 i c h k e i t gegen eine amtliche Verfügung Klage •izu erheben.. '• t ,; Eine Komödie " Aus B e r 1 i n: Wie die deutsche ,Nazi-Presue meldet, ist - vom „V o 1 k-s b u.n d", der nationalsozialistischen Bewegung der Sc'hwei z, eine Strafanzeige wegen Meineids'bei'der Staatsanwaltschaft des Kantons Bern gegen Professor Dr. Chaim Weizmann, Sliosberg, Oberi*abbinere Dr. Ehrenpreis,. Dr. Meyer Ebner, Dr. Bodenöeimer, Dr. Farbstein, .Miljukoff, Rabbiner Swiatnikoff und -Nikolajewski eingereicht worden. Die angeführten Persönlichkeiten, die bekanntlich in der (auf Ende Jänner oder Anfang Februar-vertagten) Verhandlung in Sachen der „Protokolle der, Weisen von Zion" vor dem Berner Gericht, als Zeugen aufgetreten sind, sollen nach Angabe des Volksbundes falsche Aussagen gemacht haben. Der „Volksbund" hat auch ein Haftverfahren gegen die Genannten beantragt. Persien nach Palästina weiterzuleiten. «£i mit i^rer Ausweisung zu sectaea. Andernfalls 325 Jemeniten in Haifa eingetroffen. — - 18 Menschen , . auf ein Zertifikat ■ Aus .Jerusalem (J. T. A.)': In Haifa sind 325• jemenitische Juden, "die im Besitze von Einwandcrungszertifikaten . sind, eingetroffen. Auf eines der Zertifikate ist e in e Familie von 18 Personen einge- Ä*de£ts

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.