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Die neue Welt · 1935-01-01 · Heft 427 · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 427
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Nr. 427 DIE NEUE WELT Seite 7 das Theatern HadascU in fortMma Von Tinserem palästinensischen J.-L.-Mitarbeiter Tel-Awiw, Anfang Dezember. Als Mitte Oktol::r die ersten Plakate mit der Ankündigung des „Thcatron Hadasch" (Neues Thea- Irr) affichiert wurden, stellte sich der größte Teil des .'ischuws dem neuen Unternehmen skeptisch gegenüber; •lagar Menschen, die für jede Art Kunstoetätigung Sympathie haben, fragten sich, ob neben den bereits bestehenden drei hebräischen Bühnen noch eine vierte notwendig sei. Die Gründe der Ablehnung und des inneren Widerstandes waren verschieden. Die einen lehnten ein neues Theater mit der Begründung ab, daß es für künstlerische Experimente noch zu früh sei; die zweiten machten daraus ein Politikum; die dritten sprachen sich gegen die Förderung eines Theaters aus, das hauptsächlich neueingewanderte Oesterreicher und Deutsche beschäftigte, denen hebräische Sprache und hebräischer Geist fremd seien; Nur e i n Kreis hatte Vertrauen, ja Siegesgewißheit: die Schauspieler und ihr Regisseur. Die erste Aufführung kam. Allmählich, nach kurzer Zeit des Staunens und der Skeptik, wandelte sich die Stimmung. 600 Menschen waren gekommen, um Zeugen ' eines Debakcla zu sein. In dieser Hoffnung sahen sie sich betrogen. Das Theatron Hadasch hat seine Widersacher eines Besseren belehrt. Einige Wochen sind seit der denkwürdigen Premiere vergangen und schon hat sich die. Existenz dieses Theaters so weit durchgesetzt, daß es aus dem künstlerischen Bereich Palästinas mit seinen besonderen Theaterverhältnissen nicht mehr wegzudenken ist. Nun einiges über diese Theaterverhältnisse. Die Führung im palästinensischen Theaterleben besitzt zweifellos die Hab im ah. Ihre Gastspiele in Europa waren ein einzigartiger Triumph. Obwohl ich nur mit geringen hebräinchen Sprachkcrmtnisscn ausgestattet war, als die Habimah in Wien gastierte, kannte meine Begeisterung bei den Aufführungen von „Dybuk". ,,L>er Golem" und „Der ewige Jude" keine Grenzen. Als ich vor drei Jahren nach Palästina kam und den „Dybuk" wiedersah, war der Eindruck auf mich noch tiefer. Ich erfühlte bereits die Kraft ihrer Sprache und ihres sprachlichen Ausdrucks, die Klassizität des breiten, pathetischen Habimah-Hebräisch. Ihrer Sprache gleicht ihr Darstellungsstil. Aber gerade dieser Vorzug stellte sich bei der Aufführung moderner Konversationsstücke .und Komödien 'als Hindernis dar; Die Habimah, echoo in jungen Jahren mit einer verpflichtenden Tradit-ipn,.^!^^^. blieb in einem gewissen Stil stecken. Obwohl sie sich von diesem zu entfernen versuchte, genügte das nicht, um den Aktionsradius ihrer künstlerischen Ambition zu erweitern. Sie versäumte auch, junge, vorwärtsstürmende Kräfte heranzuziehen. Das zweite Theater ist das Arbeiter-Ensemble „Oh c l". Bemüht, den Anforderungen eines kulturell interessierten und verwöhnten Publikums Rechnung zu tragen, kann es keine außergewöhnlichen Leistungen erzielen,' da die Mitglieder größtenteils aus Amateuren bestehen, die tagsüber in schweren Berufen arbeiten. Das dritte Theater, „Matateh" (Besen), gehört in die Reihe der satirischen Bühnen, die wohl viel Unterhaltendes bieten, aber nicht als absolutes Theater gewertet werden können. Der junge deutsche Regisseur Arthur Wolf (wir berichteten über ihn in unserer Ausgabe Nr. 393 unter dem Titel „Palästina im künstlerischen Aufstieg". Anm. d. Red.) inszenierte beim „Ohel" die „Dreigroschenoper" mit durchdringendem Erfolg, blieb, jedoch .weiter abseits stehen. Erst als einige palästinensische und europäische Schauspieler den Weg zu ihm fanden, konnte ,er an die Errichtung des neuen Theaters „Theatron Hadasch" schreiten. Eröffnet wurde das Theater mit Sheriffs „Die andere Seite". Es sei dahingestellt, ob die Wahl dieses Stückes die glücklichste war, aber es ist ein Stück, das dem Regisseur und seinen Schauspielern Möglichkeiten gibt. Da sind Kaiman Kon st antin er (Osborne), ein ehemaliges „Ohel"-Mitglied, ein Schauspieler mit viel Herz und großem Können; Ari Ariel, ein junges, entwicklungsfähiges Talent, und Wolf Berlinsky mit viel Persönlichkeit. Diese drei sind lange Jahre im Lande und wurden, mit Axisnahme Konstantiners, von keinem Theater herangezogen. Hier mußte erst Wolf kommen, der herzhaft zugriff und eine glückliche Hand hatte. Von den Europäern ist Josef Schapira, der den Stanhope spielte, sicher ein besonders begabter Schauspieler. Er wie Ernst Ceiss sind Wiener, letzterer Lehrer am Reinhardt-Seminar, in Tel-Awjw als Rezitator schon bekannt beliebt,1 dem das erste Mal Gelegenheit geboten wurde, hebräisches Theater zu spielen. Da ist Können, Bravour und BUhnenpraxis; ferner der Wiener Mario Kranz, den ia die Wiener vom Deutschen Volkstheater her in bester Erinnerung haben; ihn konnte man hier merkwürdigerweise als Komiker großen Formats begrüßen.. Den Oberst spielte Elieser Donath, der auch ein wirksames Bühnenbild entwarf, ausgezeichnet. Bleibt zum Schluß noch Wolfs Regie, die man ohne Einschränkung bewundern muß. Einige Tage nach dieser gelungenen Erstaufführung brachte die neue Gruppe bereits drei Einakter („Märchen", „Tobby" und „Minna Magdalena") von Kurt Götz heraus und zeigte damit, daß sie auch vorzügliche Repräsentanten der leichten Muse hat. Hier mögen sich die männlichen Darsteller mit einem Kollektivlob zufriedengeben. Die Frauen Antigone Bing und Rahel Markus waren schauspielerisch auf voller Höhe. Esther Taube hat ganz große Anlagen. Sie, eine Wienerin, Schülerin von Gertrud Kraus, bot die Glanzleistung des Abends. Auch hier schuf Donath ein reizendes, kammerspielartiges Bühnenbild. Wolf versteht die Inszenierung von Lustspielen ebenso wie die des Dramas. Und jetzt die Hauptsache: die Sprache. Das Theatron Hadasch hat ein Meisterstück geleistet. Die Schauspieler sprechen das Hebräisch ohne Pathos, klar und deutlich. Und das ist bedeutungsvoll. Das „Theatron Hadasch" hat die Aufgabe, das Neuhebräische zu erweitern und der Lehrer und Uebermittler zu sein. Es hat die Sache richtig angepackt und wird sie hoffentlich ebenso konsequent durchführen. §<diaiom Schwarzbar* und die ftleiate Peiljuras Interessante Erinnerungen an den Mordprozeß Man wird sich erinnern, daß der Uhrmacher Schalom Schwarzbart, der in Paris den weißgardistischen Pogromgeneral Petljura im Jahre 1926 erschoß und in einem sensationellen Geschwornenprozeß freigesprochen wurde, knapp nach der Gerichtsverhandlung verschwand und sich jedes Vorteils seiner plötzlich großgewordenen Popularität entschlug. Hie und da tauchte die Nachricht auf, daß Schwarzbart sich in verschiedenen Berufen versuche, aber zu keiner gesicherten Existenz gelangen könne. Aber erst jetzt, neun Jahre nach dem Prozeß, werden Einzelheiten bekannt, die des weitesten Interesses sicher sein können, Einzelheiten über einen Prozeßhelden, der aus dem Blickfeld . der Oeffentlichkeit verschwand, verfolgt von den Hooligans Petljuras, die ihren Chef rächen wollten ... Auch später, als die Sensation des Tages verrauscht war, erzählte Schwarzbart nicht, wo er sich damals verborgen hielt.. Jetzt erst is,t, man, hinter das. Geheimnis gekommen.. Man wird sich erinnern,' daß im Zusammenhang mit' der Stavisky-Affäre der Name des Untersuchüngsr'iciiters P r i n c e populär" wurde, ' dessen Leichnam man auf der Bahnstrecke Dijon—Paris fand. Auf eine bestimmte Bande fiel der Verdacht, France umgebracht zu haben. Die Führer dieser Bande waren „Jean mit dem weißen Haar" und der „Baron Caätan de Lucance" nebst einigen bekannten Figuren der Pariser Unterwelt. Sie wurden verhaftet, aber mangels Beweisen wieder freigelassen. Ihre Namen waren in aller Munde. Diese populären Persönlichkeiten begannen, Memoiren zu schreiben. Die Erinnerungen von „Jean mit dem weißen Haar" erscheinen soeben in der Pariser Zeitschrift „Candide". Interessant sind sie für uns dadurch, daß einige Kapitel von Schwarzbart, seinem plötzlichen Verschwinden und von einzelnen Episoden des Mordprozesses handeln. Wie jetzt bekannt wird, galten die Drohungen der antisemitischen „Schwarzen Hand" nicht bloß Schwarzbart, sondern auch seinem Verteidiger, dem berühmten Advokaten Heriry Torres. Torres wußte, daß er in Gefahr sei, und umgab sich rechtzeitig mit einer Leibwache. Diesbezüglich erzählt „Jean mit dem weißen Haar", der Baron de Lucance hätte ihm davon Mitteilung gemacht, daß Advokat Torres ihn um die Organisierung der Leibwache angegangen sei. Jean und der Baron stellten eine Bande zusammen, die den Verteidiger von Schwarzbart keinen Augenblick aus den Augen ließ. Die Bande begleitete Torres, wenn er zu Gericht fuhr, in zwei besonderen Automobilen. „Jean mit dem weißen Bart" trug die Aktentasche von Torres und beschritt gleichzeitig mit ihm den Gerichtssaal. Die Aktentasche barg außer dem Prozeßmaterial zwei geladene Revolver. Die Leibwache saß die ganze Zeit über im Saal und beobachtete alles. Sie hatte die besten Plätze inne, so daß sie die Feinde von Torres und Schwarzbart, die Banditen Petljuras, genau kontrollieren konnten. Der schwerste Tag war der letzte Prozeßtag. „Torres", so erzählt Jean, „hielt seine große Verteidigungsrede, die einen gewaltigen Eindruck auf den Richtertisch machte. Inmitten der Rede warf er hin, daß er in letzter Zeit ein paar Drohbriefe erhalten habe, und daß auch das Leben Schwarzbarts, wenn das Gericht ihn freisprechen werde, bedroht sei. Nach diesen Worten machte Torres eine Pause und suchte mit dem Blick den Saal ab. Er suchte seine „Leibwache". Sie war vollzählig da, jeder auf seinem Platz. Daraufhin setzte er seine Rede mit den heftigsten Angriffen gegen die Anhänger Petljuras fort. Als sich der Gerichtshof zur Beratung zurückzog und diese sehr lang dauerte, war TQrres bleich wie die Wand. Er saß starr an seinem Tisch. Wer weiß, was geschehen wird! Die „Leibwache" umstand ihn. Endlich ein Klingelzeichen: Die Richter erscheinen. Es kommt der erlösende Freispruch. Man hört die Worte des Vorsitzenden: „Schwarzbart, Sie sind frei!" Jubel im Saal. Beide Advokaten, der Verteidiger Torres und sein Gegner, der Zivilkläger Kampenki, umarmen einander. Eine ungeheuer eindrucksvolle Szen Schwarzbart frei, aber wo ist er plötzlich hingeraten? Torres wird nervös, voller Unruhe. Die Leibwache tritt zu ihm. Torres ist um Schwarzbarts Leben besorgt. Ein paar Polizisten haben diesen aus dem Saal geführt. Torres hat den Befehl gegeben, für Schwarzbarts Sicherheit zu sorgen. Die Leibwache ist der Aufgabe gewachsen. Sie übernimmt Schwarzbart und setzt ihn in ein Auto dag vor dem Oerichtsgebäude gewartet hat. Schwarzbart ist also verschwunden. Die antisemitische Meute Petljuras weiß nicht, daß er sich in den Händen von „Jean mit dem weißen Haar" und dem Baron Lucance befindet. Viele Tage vergehen. Niemand weiß, wo Schwarzbart sich aufhält. Die Banditen Petljuras fahnden vergebens. Schwarzbart wird gut bewacht. Bisweilen fahren die Herren der Leibwache ihn durch das Bois de Boulogne im Auto spazieren. Bis endlich der kleine jüdische Uhrmacher Schalöm Schwarzbart Frankreich verlassen und seine Freiheit genießen kann-. Jetzt weilt Schwarzbart in Amerika. Er organisiert dort die jüdischen Frontsoldaten. illlllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllllK Unverlangte Manuskripte werden nur retourniert, wenn Rückporto beiliegt. «lllltlll II I II II III lllll 11 II Ulli 1111 III III I IUI III II II III II 11111 III 111111' Tf\^ in allen Pasteilfarben Nachmittagskleider aus guten Wollstoffen, mit Mode- *1 /[• aufputz . . . . S l*+ K. Seiden-Flamisol- Kleider mit langen In dunklen Farben .' Eleg. Trotteu.rkleider, aus k. s. Ribouldingu'e, neueste Fassons S Kleine, Abendkleider aus k. s. 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