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Die neue Welt · 1935-01-01 · Heft 427 · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 427
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Kr. 427 DIE NEUE WEL1 Seite 5 Wa§ will die Palästina * Regierung? Vor wenigen Tagen wurde berichtet, daß die Palästinr:-Regierung an 150 arabische Arbeiter aus Aegypten und Syrien Einwanderungszertifikate für Palästina ausgegeben hat. Das Mandat für Palästina sieht vor, daß den in der ganzen Welt zerstreuten und verfolgten Juden die Möglichkeit gegeben wird, in Palästina ihr Nationalhehn zu erbauen. Von syrischen und ägyptischen Arabern, die ihre Nationalstaaten haben, ist in dem Mandat keine Rede. Unter Berufung auf eine nicht vorhandene Gefahr der Ueberfüllung Palästinas mit Menschen hält die Palästina-Regierung die im Mandat vorgesehene jüdische Einwanderung zurück. Gleichzeitig aber läßt sie eine im Mandat nicht vorgesehene arabische Einwanderung zu. Was will die Palästina-Regierung? Jetzt kommt eine, zweite. Nachricht aus Palästina, welche ebenso eigenartig klingt, wie die vorstehende. Aus Jv-ru.-ialem wird gemeldet: „Die Palästina-Regierung hat eine Anleihe von 3 0 0.0 0 0 Pfund für Tr ansjordanien bewilligt. Die Anleihesumme wird dem Reservefonds der Palästina- 7t?gierung entnommen. Von dem Gesamtbetrag sind 30 000 Pfund für die Unterstützung der notleidenden landwirtschaftlichen Bevölkerung Transjordaniens bestimmt." Die Palästina-Regierung hat viel Geld, vom jüdischen Standpunkt besehen, zu viel Geld. In einer Zeit, da alle Regierungen in der Welt mit schweren Defiziten zu kämpfen haben, liegt in ihrer Kasse ein Ueberschuß von fast 4 Millionen Pfund. Sie verdankt diesen Ueberschuß nur der jüdischen Einwanderung und der jüdischen Kolonisation, welche aus der türkischem Hungerprovinz ein überquellendes Steuerreservoir gemacht haben. Der Ueberschuß ist jüdisches Produkt, und er wird nicht zuletzt deshalb immer größer, weil die Regierung den jüdischon Steuerzahlern alles verweigert, was sonst eine Regierung ihnen leisten muß. Das ganze jüdische Schulwesen und alle Sanitätseinrichtungen müssen die Juden aus eigenen Mitteln bestreiten, die reiche Regierung steuert widerwillig lächerlich kleine Summen bei. Nun gibt sie eine Anleihe für Transjordanien, für das Land, das den Juden weggenommen und von der jüdischen Einwanderung hermetisch abgeschlossen wurde. Jüdisches Geld für ein den Juden verbotenes Land! 150 Araber und 100.000 Pfund sind nicht viel, aber vom grundsätzlichen Standpunkt aus besehen, liegt die Sache so, daß mit jüdischer Kraft und jüdischem Gelde arabische Kolonisation betrieben wird. Ist das der Anfang einer neuen Politik? Was will die Palästina-Regierung? Rückblick auf die Palä§tina*Wirfediaft int Jahre 1934 Frohe Hoffnung — Ernste Warnung Die letzte Ausgabe von ..Palncws" bringt folgenden umfassenden Bericht über das Wirtschaftjahr 1931: Die im Anschluß an die Ereignisse in Deut s c h- Iand im Jahre 1933 einsetzende Einwanderungawelle hat ihren Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung des Landers erst im Jahre 1934 voll zur Auswirkung kommen lassen. Die Eingliederung der Massen der Neueinwanderer in das wirtschaftliche Leben des Landes, in Industrie und Landwirtschaft, fällt im wesentlichen in das nunmehr zu Ende gehende Jahr 1934. Die Jahre 1933 und 1934 haben einen Einwanderungsstrom von ungefähr 8 0.0 00 Menschen ins Land gebracht. Der jüdische Bevölkerungssektor und überhaupt der in europäischem Sinne konsumierende Teil der Bevölkerung haben sich in diesen beiden Jahren um etwa 30 0.0 00 Menschen vermehrt. Die jüdische Bevölkerung dürfte von ungefähr 200.000 auf 300.000, die konsumierende Gesamtbevölkerung von 300.000 auf 100.000 Mensch an angewachsen sein. Im Jahre 1934 sind schätzungsweise 10 Millionen Pfund im Lande investiert worden, nachdem das Jahr 1933 bereits eine Kapitalsinvestition von ungefähr 6 Millionen mit sich gebracht hatte. Der Kapitalzustrom muß in beiden Jahren aber ein weit höherer gewesen sein, da sich in den palästinensischen Banken bis Ende 1934 eine Kapitalsubstanz von ungefähr 15 Milllionen angesammelt hat. Die investierten Kapitalien sind zum großen oder größten Teil in die Bau Wirtschaft gewandert, da es sich zunächst darum handelte, Wohnraum für die Neueinwanderer zu schaffen. Weiterhin ist der Orangenanbau sehr stark entwickelt worden, man schätzt die Investitionen in neuen Pflanzungen auf 3 bis 4 Millionen. Auch die übrigen Zweige der Landwirtschaft, vor allem die intensive Gemischtkultur, sind durch Kapitalinvestitionen zur Portentwicklung gebracht worden. Die Investitionen im Handels- und Verkehrswesen haben mit der Entwicklung — und darüber hinausgehend — Schritt gehalten. Obwohl die industriellen Investitionen nur einen kleinen Teil — etwa 10 Prozent — der in den beiden letzten Jahren investierten 16 Millionen ausmachen, liegt der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Entwicklung dennoch auf der industriellen Seite. Der industrielle Produktionswert dürfte sich in den beiden letzten Jahren um annähernd 2 Millionen Pfund gesteigert haben, die Industrie hat einen sehr großen Teil der neu hinzugekommenen Arbeitskräfte absorbiert. Industrie und Bauwirtschaft zusammen haben den Einwandererstrom saldomäßig nahezu völlig aufgesogen und in die städtisch-industrielle Erwerb.srichtung gelenkt. Trotz des großen Entwicklungsfortschrittes, den das Jahr 1934 in Verbindung mit dem vorhergehenden für «Up. Wirtschaft des Landes mit sich gebracht hat, ist dieser Fortschritt dennoch nur als ein Anfang anzusehen. Symptomatisch dafür ist die Entwicklung des palästinensischen Außenhandels in den beiden letzten Jahren. Der Import wird sich von rund 8 Millionen Pfund im Jahre 1932 über 11 Millionen im Jahre 1933 auf schätzungsweise 15 Millionen Pfund im Jahre 1934 steigern. Der Warenexport ist in den drei Jahren auf einem Niveau von ungefähr 2i/2 bis 3 Millionen Pfund stabil geblieben. Der Import und noch stärker der Ueberschuß des Imports über den Export hat sich also in einem Maße erhöht, das im Augenblick bis zu einem gewissen Grade natürlich, auf die Dauer aber untragbar ist. Palästina muß im Laufe dieser Entwicklungsjahre im Zeichen des Menschen- und Kapitalzüstromes dahinkommen, seine Wirtschaftsbilanz auszugleichen. Niemand weiß in Anbetracht der unsicheren Weltverhältnisse, wie viele derartige Jahre dem Lande noch vergönnt Bein werden. Sowohl auf agrarischem wie auf industriellem Gebiet muß das Land — selbstverständlich im Rahmen des rationell Möglichen — in ganz anderer Weise, als das bisher der Fall ist, in den Stand gesetzt werden, seinen Bedarf zu produzieren. Auf der anderen Seite muß der Export so entwickelt werden, daß er den verbleibenden Importbedarf deckt, insoweit die Zahlungsbilanz nicht durch den Fremdenverkehr und einige andere Positionen mit ausgeglichen wird. Bis zu diesem Ziele, das — wenn nicht heute und morgen — so doch einmal erreicht werden muß, ist es noch ein weiter Weg, welcher Landwirtschaft und Industrie vor große und schwierige Aufgaben stellt. Diese Aufgaben seien in positiver und negativer Beziehung kurz skizziert: Auf agrarischem Gebiet liegt vor allem ein gewaltiges und wachsendes Getreideversorgungsdefizit vor, dessen Ausfüllung im wesentlichen Aufgabe der extensiven arabischen Landwirtschaft sein wird. Andererseits fällt die Deckung der großen Defizite auf dem Gebiete der Milchprodukten- und Eiererzeugung insbesondere dem jüdischen .Siedlungswesen zu, "wobei es. auch sehr darauf ankommt, die Produktionskosten auf einem Niveau zu halten, das den Einkommens- und Kaufkraftverhältnissen des Landes entspricht. Sehr ernste Aufmerksamkeit ist der Gefahr zuzuwenden, daß die agrarische Produktion sich zu einseitig auf gewisse Produkte konzentriert, was zu ernsten Fehlschlägen führen kann und muß. Die Produktionserweiterung muß in erster Linie in Einklang mit dem Bedarf des Landes bleiben, damit Enttäuschungen erspart bleiben, von denen die Landwirtschaft anderer Länder aus den Erfahrungen der letzten Jahre ein Lied singen kann. Auf industriellem Gebiete stehen dem Kapital große Investitionsaufgaben und -probleme bevor. Sie bestehen vor allem darin, in rationeller Weise für einen FFA Orangen und Grape fruit Saftig — Ohne fdZ^ Kerne —Ideales Aroma — Bei Handel undPu* blikum gleichere weise beliebt Gaststätte für Jedermann I, KarntnerstraOe Ol U/IENER RAT^/JU KELLER I, Neues Rathaus „WIEN MQR 469 JAHREN" allabendl. W ener Musik Gesang : Hans Blaschek beschränkten kleinen Markt zu pro« d u z i e r e n. Auf der einen Seite ist jede Ueberdimensionicrung zu vermeiden, auf der anderen in engem Rahmen auf rationelle Produktion und niedrige Produktionskosten hinzuwirken. Als eine sehr bedenkliche Seite der wirtschaftlichen Entwicklung dieses Jahres erscheint uns die Ueberfüllung des Groß- und vor allem auch Detailhandels. Schon jetzt sind beide so übersetzt, daß es — mitten in der Hochkonjunktur — kaum noch möglich ist, einen ausreichenden Gewinn zu erzielen. Es »ersteht nicht nur die Gefahr der Fehlinvestierung beträchtlicher Kapitalien, sondern es steh2n auch Hunderte und Tausende von Existenzen auf dem Spiel. Es handelt sich hier um Nachwirkungen der Berufsschichtung des Diaspora- Judentums, die in der ernten Generation schwer zu ändern sind und über die man nicht einfach aburteilend hinweggehen kann. Gerade diesen kleinkapitalistisch-mittelständischen Existenzen gegenüber haben die zezitralen jüdischen Instanzen die besondere Aufgabe, ihnen zu billigen Klein- und Vorstadtsiedlungs-Existenzen zu verhelfen. Man soll sich nicht darüber hinwegtäuschen, daß die gebotenen landwirtschaftlichen Siedlungsmöglichkeiten im allgemeinen sowohl d?e Kapitalwie familiäre Arbeitskapazität der hier in Frage stehenden Einwandererkategorie in den meisten Fällen übersteigen. Die großen Aufgaben, vor die die Industrie und Landwirtschaft in den nächsten Jahren gestellt sind, stellen zugleich die Entwicklungsmöglichkeiten dar, die die Wirtschaft Palästinas noch in reichem Maße vor sich hat. Gesetzliche Sabbatruhe an Palästina Aus Jerusalem: Wie die J. T. A. erfährt, gedenkt die Regierung Palästinas, den verschiedenen Stadtverwaltungen Vollmacht zu erteilen, die Geschäftsstunden innerhalb ihres Bereiches von sich aus zu regeln; auf diese Weise werden die Munizipalitäten in Orten mit vorwiegend jüdischer Bevölkerung die Geschäftsschließung an Sabbat- und jüdischen Feiertagen verfügen können. Der High- Commissioner — so verlautet es — zieht es vor, in dieser Frage das lokale Bedürfnis entscheiden zu lassen; eine diesbezügliche für das ganze Land gültige Gesetzgebung ist nicht geplant. Sprunghaftes Ansteigen der Zolleinnahmen in Palästina Jerusalem (Palnews). Die Zolleinnahmen der Regierung haben im Oktober 1934 die Rekordhöhe von Pfund 245.593 erreicht. Seit Beginn dieses Finanzjahres zeigen die Zolleinnahmen folgende Entwicklung: April . ,......Pfund 192.741 Mai......... „ 214.500 Juni „ 205.539 Juli . . . -4 .... . „ 200.017 August ......... 193.710 September ...... „ 182.950 Oktober ....... „ 245.593 April bis Oktober . . . " Pfund 1,435.050 Die sprunghafte Steigerung der Zolleinnahmen zeigt die enorme Steigerung der Einfuhr auf. Noch immer keine Regelung der Flaggentrage Haifa (Palnews). Der dem Palestine Maritime Lloyd gehörige Dampfer „Risveglio" liegt seit dem 12. Dezember in Haifa still, da die Regierung die Flaggenfrage noch immer nicht geregelt hat. Durch die Stillegung des Dampfers ist bereits ein erheblicher Schaden entstanden. Durch das passive Verhalten der Regierung, die bereits seit Monaten auf das Erfordernis einer Regelung der Flaggenfrage aufmerksam gemacht ist, werden der Palästina-Schiff uhrt die größten Schwierigkeiten bereitet. Die prinzipielle Frage bedarf dringend einer umgehenden Erledigung. Eine jüdische Siedlung in Syrien Aus Jerusalem: Die syrischen Zeitungen teilen mit, daß eins Gruppe elsässischer Juden ein Area1 von 12.000 Dunam Boden in Syrien an der palästinensischen Grenze erworben hat; auf dem Boden sollen drei jüdische Kolonien errichtet werden. Kompagnon gesucht Für alteiiifjelühr'es I.vbensroil elü.'sclui.t (tu i ros und en Ol1 ail auf demb sien Wiener lJ atzewirc fuchkundiger mitarbeitenderKoniDfisi on Res u ehr. '--ilordei liches Kaplial S 0. - . Zug hnnep unter ,,Konipannci'i die AiMn-nistnition de* Blities

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