Mannheim
Compact Memory

Die neue Welt · 1935-01-01 · Heft 427 · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 427
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2711613-2712049-2712051--4809-2718340
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Seite 4 DIB NEUE WELT flr. 427 |3x BERGMANN,I. WABENSTEIO 3 . HIMMELPFORTG. 5 ,KÖLLNERHOFU. 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCHE UND wirkwaren SPOTTBILLIG! Führend In ETf.RNA-Hemden (von 6 80 auffw.) den Verlust. Es wird vielmehr der J. C. A. der Vorwurf gemacht, daß sie nach dem Weltkrieg der Sowjetregierung vier Millionen Goldrubel geliehen hat — gegen die Statuten der Gesellschaft wie auch gegen den gesunden Menschenverstand. Der Präsident hat keinerlei Bemerkungen über dio Statutenänderungen oder über die Investitionen gemocht, hingegen läßt sich der Bericht des Revisionskomitees /um Oktober 1934 auf keine Einschätzung der Wertpapiere ein, obwohl bekannt ist, daß seit 1929 (seit damals datiert die letzte Schätzung) alle Papiere auf die Hälfte oder gar ein Drittel ihres Wertes gesunken sind. Die jüdische Oeffentlichkeit ist beunruhigt. Sie verlangt einen finanziellen Rechenschaftsbericht, einen Modus, wie er in der ganzen zivilisierten Welt gang und gäbe ist. Die spanische Regierung feiert Maimonides Die spanische Regierung hat folgende, vom M inisterpräsidenten Senor Lerroux unterzeichnete Kundgebung erlassen: Am 30. März 1935 jährt sich zum S 0 0. Male der Tag der Geburt des großen jüdischen Humanisten Moises Ben Maimon, in der Geschichte bekannt unter dem Namen Maimonides, dessen Einfluß auf die mittelalterliche Kultur Spanien, besonders C o rd o v a, der Geburtsstadt des großen Rabbi, zum Ruhme gereicht. Es ist nicht notwendig, an die Bedeutung des Lebenswerkes dieses großen Gelehrten zu erinnern, ein Werk, das sich nicht allein in der philosophischen Konzeption der jüdischen Religion erschöpfte, sondern auch die humanistische Philosophie des Mittelalters und die Wissenschaften der Medizin, Astronomie, Mathematik und Orientalischen Sprachen, im besonderen die der jüdischen Studien, in ungeahnter Weise förderte und so dem menschlichen Denken einen neuen Horizont öffnete. Die Republik, stets bereit, dem Andenken der Söhne Spaniens, die seinen Namen erhöht und über die Grenzen hinausgetragen haben, den Tribut der Verehrung und Bewunderung zu zollen, hat den Wunsch, sich mit den Zielen des Komitees zu identifizieren, welches die Organisierung der Feier des 800. Geburtstages von Maimonides übernommen hat. In diesem Sinne hat der Präsident des Ministerrates in Uebereinstimmung mit der ganzen Regierung beschlossen: 1. Alle vom Komitee in C o r d o v a, dem das Arrangement der Feier des 800. Geburtstages von Maimonides obliegt, organisierten Akte tragen regierungsoffiziellen Charakter. 2. Der Minister für Volkserziehung und schöne Künste wird an allen Veranstaltungen aus Anlaß des Maimonides-Geburtstages mitwirken und wird hierin von dem Nationalen Touristenamt unterstützt werden. Die „Aguda" ist dagegen In Polen hat die Gruppe der religiösen, traditionstreuen Zionisten „Misrachi" die Initiative zu den Feiern für Rambam ergi-iffen — für Mosche ben Maimon, den großen Gelehrten, Forscher und Philosophen, von dessen Geist Jahrhunderte gezehrt haben. Wenn heuer, anläßlich der 800. Wiederkehr des Geburtstags Rambams die jüdische und auch nichtjüdische Welt den Mann ehrt, dann trägt sie bloß eine schön lange fällige Dankesschuld ab. In Buenos Aires beschäftigt sich ein Komitee mit der Herausgabe sämtlicher Werke des Maimonides (Rambam), die spanische Regierung wird sich an den Ehrungen für ihren Landsmann offiziell beteiligen. Nur die trennungsorthodoxe Aguda in Polen findet eine Ehrung des großen mittelalterlichen Philosophen nicht für notwendig, da ja, wie sie verschämt behauptet, die jungen Agudisten in der Schule täglich im Rambam lesen . . . Eine sonderbare Ausrede. Schon den „agudistischen" Zeitgenossen Rambams war dieser umfassende Geist ein Dorn im Auge. Sie verfolgten ihn, belegten ihn mit dem Bannfluch. Wenn die heutigen Agudisten ihn heute „ignorieren", so ist das eine historisch bedingte Fortsetzung. Man konnte von der Aguda keine andere Stellungnahme erwarten. Zum Glück allerdings wird durch diese Handlungsweise der Ruhm Rarahams nicht geschmälert. Die Aguda ist gegen Rambam eingestellt. Seine Millionen Verehrer werden sich zu trösten wissen . .. Aus Hitler-Deutschland Aus Königsberg: Ein englischer Journalist, der vor kurzem die Städte und Dörfer Ostpreußens bereiste, übermittelt der J. T. A. einen Bericht, in dem festgestellt wird, daß sich die Lage der jüdischen B evölkerung dieser exponierten preußischen Provinz verzweifelt gestaltet. Die unteren Funktionäre der nationalsozialistischen Partei werfen sich zu Herrschern über ihr Leben und ihr Schicksal auf und machen ihr durch fortdauernde Schikanen das Dasein unerträglich. Der a n t i j ü d i s c h e Boykott wird auch nach den Weihnachtstagen in unverminderter Kraft fortgeführt. In den kleineren Orten, wo einer den anderen kennt und überwacht, wagt es kein Mensch, ein jüdisches Geschäft zu betreten. Die Juden sind vom Getreideünd vom Viehhandel, einst ihre hauptsächlichsten Domänen, vollkommen verdrängt worden. Die v e rarmten jüdischen Getreide- und Viehhändler müssen zusehen, wie ihre Besitztümer wegen Steuer- und anderer kleiner Schulden um einen Pappenstiel verauktioniert werden, während ihnen selbst die Möglichkeit zur Einbringung ausstehender Schulden bei den Bauern genommen ist. In vielen Dörfern sind an den Eingängen Plakate mit der Aufschrift „Juden sind hier nicht erwünscht" angebracht. Julius Streichers Wochenschrift „Der Stürmer" gehört zu den verbreitetsten Zeitschriften in Ostpreußen, seine Devise „D i e JudensindunserUnglück" prangt in Riesenlettern an allen Zeitungsständen, Fortwährend werden Juden belästigt. Gesellschaftlich leben die Juden vollkom- KREUZ-KINO Wollzeile 17 - Tel. R-24-2-1Ü Mit dem Tod um die Wette!S5^ (Ganqster der Rennbahn) mit Tim MnCoy men isoliert, sie werden nicht gegrüßt und ihr Gruß nicht erwidert. Jüdische B e e r d t g u n g s z e r emonien werden oft durch Hitler-Jugend gestört. Der Bürgermeister von SchneidemUhl, S t e e h r, hat im städtischen Schlachthaus eine Bekanntmachung aushängen lassen, welche besagt, daß vor jedes Haus eines Schlächters, der sein Vieh bei Juden einkauft, ein Boykottposten gestellt werden wird. Aus London: „News C h r o n i c 1 e" berichtet über schwersten antijüdischen Boykotterror in Kassel und in Hannover. In beiden Städten drangen Nationalsozialisten mit und ohne Uniform in jüdische Geschäfte ein, warfen Tränengasbomben und trieben mit Brachialgewalt die Käufer aus den Läden auf die Straße. Dem Korrespondenten der Londoner „Time s" wurde von den oberen Behörden in Frankfurt a. M. erklärt, der dort sich breitmachende wilde Boykotterror sei nicht von „o b e n" anbefohlen worden, es sei lediglich angeordnet worden, daß Nationalsozialisten als friedliche Boykottposten vor jüdischen Geschäften Aufstellung nehmen und einzig und allein Mitglieder der nationalsozialistischen Partei vor dem Einkauf bei Juden warnen sollen; die Boykottposten seien jedoch über den ihnen erteilten Auftrag hinausgegangen, hätten das allgemeine Publikum am Betreten der Geschäfte gehindert und, als die Polizei zu Verhaftungen schreiten wollte, Schlägereien provoziert. Diese Auskunft wurde auch dem englischen Generalkonsulat in Frankfurt a. M. seitens deutscher Behörden gegeben, die dabei erklärten, sie mißbilligen durchaus den antijüdischen Boykott, weil der Zusammenbruch der jüdischen Geschäftshäuser die Stcllungslosigkeit der arischen Angestellten zum Ergebnis haben würde. Indessen treffen aus Frankfurt Meldungen ein, daß der Boykotterror dort andauert. Die Boykottposten vor den jüdischen Geschäften „a m t s h a n d e 1 n" weiter, die Polizei verweigert ein Einschreiten mit der Begründung, es handle sich um eine „wirtschaftspolitische" Maßnahme, die sie nichts angehe. Indische Kinder — erst gemartert — dann beraube Aus Prag (J. T. A.): Hergeflüchtete ehemalige Insassen des Oranienburger Konzentrationslagers haben das Martyrium der nach dem Lager verschleppten ZöglingedesjüdischenErziehungsheims für schwer erziehbare Kinder in Wolzig geschildert. Es waren dies 3 9 Jungen, der jüngste dreizehn Jahre alt. Das Erziehungsheim war eines Tages von der SA. ausgehoben worden, nachdem man vorher eine Hausdurehsxichung vorgenommen und angeblich in dem Bett eines Jungen einen Revolver und kommunistische Druckschriften gefunden hat. Die Zöglinge von Wolzig beteuerten, daß sie nichts mit kommunistischen Druckschriften zu tun gehabt haben und daß diese, ebenso wie der Revolver, von unbekannter Hand eingeschmuggelt worden sein müssen. Durch schrecklich e, nicht, wiederzugebende Folterungen wurden die Kinder jedoch zu dem Geständnis gezwungen, daß sie sich kommunistisch betätigt hätten. Nunmehr bringt der „Reichsanzeiger" vom 31. Dezember (Nr. 298) die folgende „Bekanntmachung": „Auf Grund des Gesetzes über die Einziehung kommunistischen Vermögens in Verbindung mit dem Gesetz über die Einziehung v o 1 k s- und staatsfeindlichen Vermögens wird hiermit das gesamte Inventar des früheren jüdischen Erziehungsheimes in Wolzig (Kreis Beeskow-Storkow) beschlagnahmt und zugunsten des Landes Preußen eingezogen. Potsdam, den 19. Dezember 193-1. Der Regierungspräsident für den Regierungsbezirk Potsdam. I. V. Dr. Honig." Die Beschlagnahme geht offenbar auf eine Diffamierung der jüdischen sozialen Fürsorge hinaus. Das Erziehungsheim in Wolzig wurde von den Jüdischen Spitzenorganisationen für soziale Fürsorge unterhalten, die doch gewiß kein Interesse an einer kommunistischen Beeinflussung der Zöglinge gehabt haben konnten. Der jüngste Kriegsfreiwillige muß Deutschland verlassen Aus Berlin wird uns berichtet: Im September 1914 brachten alle Zeitungen Meldungen, daß der Schüler Richard Ring von der Schulbank weg als jüngster Kriegsfreiwilliger Deutschlands bei den 156ern in Beuthen eingestellt worden sei. Im Dezember 1034 schilderten viele nationalsozialistische Zeitungen die Heldentaten des jüngsten Kriegsfreiwilligen. Mit fünfzehn Jahren wurde er eingestellt, um schon im November vor Verdun mitzukämpfen. Wegen hervorragender Tapferkeit wurde er mit dem E. K. II. Klasse durch den Kronprinzen persönlich ausgezeichnet. Richard Ring tat dann noch auf anderen Kriegsschauplätzen Dienst, er wurde dreimal schwer verwundet und mehrfach ausgezeichnet. Die nationalsozialistischen Zeitungen brachten jetzt diese Kriegserinnerungen, weil der jüngste Kriegsfreiwillige im Dezember Deutschland verlassen hat. Warum er das tat, haben die Zeitungen freilich verschwiegen. Richard Ring ist nämlich Jude und im April 1933 wurde er wegen „seiner Rassenzugehörigkeit" aus seiner Anstellung entlassen. Fast zwei Jahre war er arbeitslos und er mußte Deutschland verlassen, um nicht zu verhungern. Richard Ring befindet sich jetzt in New York. Judensfaafcpartei Ocsterretflis VersammUmgskulender Samsta g, 5. Jänner, 8 Uhr abends, Fratersektion und «Judenstaatsjugend, II., Kleine Zufahrtstraße 166: „J ii d i y e h - J i t e r a r i s e h e r A b e n d." Montag, 7. Jänner, 8 Uhr abends, im Heim, I., Werde rtorgasse 14: wichtige M i t g 11 e d e r v o r-;•, a m m laug d e s z w e i t e n B e x i r k o s. Montag, 7. Jänner, >/,9 Uhr abends, im Cafe Baldiahof, XVI., Ottakringerstraße 102: wichtige Besprechung der Mitglieder der Bezirke XVI und XVII. Dienstag, 8. Jänner, X>9 Uhr abends, XVI., Schansstruße 82: Ve rsamral u n g. Thema: „Ak t u e 11 e P r o b 1 e in c." Referent: Ob e r b a u r a t Robert Strick e r. Dienstag, den 8. Jänner, K«9 Uhr abends, im Heim, I., Werdertorgasse 14: Judenstaatsjugend- Seminar: „Jüdische Geschiente." Referent: V. Itosenleld. Mittwoch, den ä. Jänner, y.jS Uhr abends im Heim, I., Werdertorgasse 14: Versammlung. Die L a im! e s k o n f e r e n % der Judenstaatspurtei Oesterreichs rindet am 20. und 21. Jänner 1085 «tatt. Die Tagesordnung wird demnächst bekannt, gegeben. Spendet jüdische Bücher! Die Fratersektion eröffnet eine jüdische Bibliothek, die unentgeltlich Bücher verleihen wird. Wir ersuchen Bücher, insbesondere jüdischer Autoren, zu snenden (I., Werdertorgasse 14, oder II., Kleine Zufahrtsstraße 166).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.