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Die neue Welt · 1935-01-01 · Heft 426 (1.1.1935) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 426 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sehe 2 DIE NEUE WELT Nr. i26 rächt um Entdeckung- und Formulierung der Wahrheit zu tun, sondern um die übliche antisemitische Montagsbetrachtung, die diesmal gegen die jüdischen Kinobesitz er gerichtet ist. Ebenso wie alle anderen Geschäftsleute haben auch diese mit der Not der Zeit zu kämpfen. Die Dranche verlangt Kapital, Geschmack, psychologischen Spürsinn und administrative Tüchtigkeit. Der jüdische Kinobesitzer sieht sich vor große Risken gestellt. Denn er ist sowohl vom Verleiher wie vom Geschmack des Publikums abhängig. Es fällt ihm nicht ein, den moralischen oder ästhetischen Vormund zu spielen. Er will als Kaufmann gute Ware bieten. Was hat also d^r Angriff des Montagsblattes mit der Korrumpierung des christlich-deutschen Publikums durch den jüdischen Kinobesitzer zu tun? Oder vielleicht gar mit dem Produzenten, dem Filmbuchautor und Regisseur? Der Film „Maskerade", dem das „Wiener Montagsblatt" doch nicht Korrumpierungstendenz zusprechen wird, hat einen Juden zum Autor. Der Film ,.M a t e r n i t e", der sogar in Hitler-Deutschland einen Sensationserfolg hatte — als Verkünder wahrer Mutterliebe.' — hat einen Juden zum Regisseur. Die Reihe der von Juden gemachten Filme ersten Ranges ließe sich beliebig verlängern. Wozu also die bei den Haaren herbeigezogene Polemik gegen die jüdischen Produzenten und gar — Kinobesitzer? „Aufräumen!" verlangt das „Wiener Montagsblatt". Ja, aufräumen. Insbesondere mit der unverantwortlichen Weise, den gesellschaftlichen Frieden im Staat zu gefährden, sei es auch um den Preis der Wahrheit und Logik. Wie in jeder anderen, so sind gewiß auch in der jüdischen Gesellschaft Erscheinungen zu verzeichnen, welche zu kritisieren sind. Aber was hat das mit jüdischen Kinobesitzern in Wien zu tun. welche die gleiche Ware auf den Markt bringen, wie ihre christlichen Kollegen, und der gleichen behördlichen Zensur unterworfen sind wie diese. Wenn das Montagsblatt das heutige Filmwesen als korrupt ansieht und seine Bekämpfung für notwendig erachtet, dann möge es sich an die Regierung, an die Aufsichtsbehörde wenden. Die jüdischen Kinobesitzer verantwortlich zu machen ist Demag^eie. Eine judische Rede im Wiener Stadtrai Im Verlaufe der Budgetverhandlungen im Wiener Stadtrate hat der jüdische Vertreter Rat Dr. Jakob Ehrlich eine Rede gehalten, in welcher er die Wünsche und Beschwerden zum Ausdruck brachte. Den neuen Bestimmungen zufolge liegt nur ein amtlicher Bericht über diese Rede vor, der auch in allen Tageszeitungen wiedergegeben war. Dem Berichte ist zu entnehmen, daß Dr. Ehrlich in mannhafter und gut jüdischnationaler Art die Sache der Juden vertreten hat. Er sagte u. a.: „Der Bürgermeister hat auf den christlichdeutschen Charakter des Bundesstaates und der Bundeshauptstadt hingewiesen. Niemand kann bestreiten, daß die erdrückende Mehrheit der Bevölkerung im Bundesstaat und in der Bundeshauptstadt christlich und deutsch ist, weshalb auch der Mehrheit nicht das Recht abgesprochen werden kann, das Verfassungsleben nach der christlichen und deutschen Weltanschauung einzurichten, wenn sie es so für gut findet. Auch die jüdische Minderheit wird sich in das neue Verfassungsleben in aufrichtiger Loyalität und williger Bereitschaft zur Mitarbeit eingliedern können, wenn man unter deutsch nicht jenen, nicht auf österreichischem Boden gewachsenen Rassendünkel versteht, und wenn unter christlich, wie auf der ganzen Welt, wahres Christentum verstanden wird. Die jüdische Minderheit kann auch unter der Herrschaft des christlich-deutschen Staatsgedankens die uneingeschränkte Anerkennung ihrer bürgerlichen Gleichberechtigung auch in der Stadtverwaltung und die Respektierung und Förderung ihres eigenen kulturellen Lebens beanspruchen. Werden diese Grundsätze eingehalten, so ist die Voraussetzung für ein friedliches und ruhiges Zusammenleben und Zusammenarbeiten an den Aufgaben des Staates und der Stadt Wien gegeben. Eine Mitarbeit, zu der jeder Bürger verpflichtet, aber auch berechtigt ist." Man kann diesen Worten nur beipflichten. Sie bringen in würdiger Form die einzig mögliche Stellung der jüdischen Bürger in Oesterreich zum Ausdruck, klar und frei von jeder Anbiederung. Sie werden sicherlich auch in allen einsichtigen nichtjüdischen Kreisen einen guten Eindruck hervorrufen. Es gibt allerdings jüdische Kreise, welche mit Mißbehagen von der Stellungnahme Dr. Ehrlichs Kenntnis nehmen. Das Organ der Union, die „Wahrheit", schreibt: „Die maßgebenden Faktoren haben schon gewußt, warum sie gerade einen Jüdisch nationalen als Sprecher der Juden ins Rathaus beriefen. Sie sind in Ihren Erwartungen nicht enttäuscht worden, und nicht nur der Bürgermeister, sondern auch die „Reichspost" war mit den Ausführungen des jüdischen Stadtrats, die einen vollkommenen Verzicht der Juden auf jede, aktive Beeinflussung des allgemeinen Staats- und Kulturlebens enthalten, zufrieden." Es wird Herrn Dr. Ehrlich gewiß nicht schwer fallen, dieser Kritik standzuhalten, und zu beweisen, daß die Festhaltung des jüdischnationalen Standpunktes nicht Preisgabe irgend eines jüdischen Bürgerrechtes bedeutet. An die Rede Dr. Ehrlichs wäre lediglich der Wunsch zu knüpfen, daß in Hinkunft die Erörterung der brennend gewordenen jüdischen Schulfrage nicht unterbleiben sollte. Die Ausgestaltung des Wiener Schulwesens in deutsch-christlichem Sinne hat die Forderung nach Errichtung eines vollwertigen, gleichberechtigten jüdischen Schul Werkes aus öffentlichen Mitteln, also auch aus Mitteln des Staates und der Großgemeinde Wien, dringend und unabweisbar gemacht. KREUZ"KINO Wollzeile 17 . Tel. R-21-2-16 „Mord in Mahatian" KS mit C ork Gable, Myrna Loy, William Powell Demonstration im Wiener Palästina-Amt Wegen Verteilung der Eiinvanderungszertifikate Am Sonntag war das Wiener Palästina-Amt Schauplatz einer lärmenden Kundgebung. Eine größere Anzahl von Zionisten-Revislonisten und Betarim besetzte die Räume und protestierte gegen die Art der Verteilung der E i n w anderungs-Zertifikatc. Vom Palästina-Amt begab sich eine Abordnung in die Kultusgemeinde und forderte vom Präsidium Stellungnahme gegen das Vorgehen des Leiters des Palästina-Amtes, Herrn Dr. Alois Rottenberg, welchem die Verteifung obliegt. Die Demonstranten verteilten auch einen Aufruf, in welchem eine öffentliche Protestversammlung angekündigt und u. a. gesagt wird: „W er sind Friedensstörer im Zionismus? Vor kurzem ging durch die Presse die Nachricht, daß im Zionismus Friedensschluß erfolgt sei. Das gegen die Revisionisten seinerzeit willkürlich erlassene Einwanderungsverbot wurde vereinbarungsgemäß aufgehoben. Dieses gentleman-agreement wird jetzt von den A 11 g e m e i n en und den ihnen verbündeten zionistisch linksstehenden Gruppen schmählich gebrochen und so eine neue Krise herbeigeführt. Die allgemeinen Zionisten, die außer Frieden kein Programm haben, stören den Frieden bei der ersten Gelegenheit. Beim Wiener Leiter des Palästina-Amtes, Herrn Dr. Alois Rottenberg, sind 117 Elnreisezertifikate eingelangt. Von 117 Zertifikaten will man aber den Revisionisten, sage und schreibe, 5 S tück geben. Der Rest soll an die Protektionskinder der „offiziellen" Parteigrößen verteilt werden. Eine unerhörte Provokation, nicht nur der Revisionisten, sondern der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit. Wer erhält diese Zertifikate? Die Wiener Kultusgemeinde hat eine gemeinsam mit den Revisionisten erkämpfte zionistische Majorität. Aufgabe dieser zionistischen Kultusgemeinde wäre es, dafür zu sorgen, daß zumindest in zionistischen Dingen die Gemeindemitglieder nicht benachteiligt werden. Trotz Urgenz ist bisher nichts geschehen, die Kultusgemeinde schläft weiter ihren von revisionistischen Steuerzahlern noch gewährten Schlaf. Juden! Wenn ihr gleich uns der Meinung seid, dali Palästina, allen Juden und nicht nur bestimmten Parteien gegeben wurde, dann protestiert mit uns gegen diese Mißwirtschaft, protestiert gegen die „allgemein" und zionistisch links orientierten Provokateure und Friedensstörer." Diese ganz unerquicklichen und das jüdische Ansehen schwer beeinträchtigenden Demonstrationen und. Publikationen kommen nicht überraschend. Wiederholt, und auch in diesem Blatte, wurden die zlonlstischa Oeffentlichkeit und die zionistischen Mandatare daran gemahnt, gegen die Art der Verteilung der Zertifikats Stellung zu nehmen, und es nicht zuzulassen, daß einzeln^ Parteigruppen bevorzugt und andere schwer beeinträchtigt werden. Leider waren die Mahnungen vergebens. Nun ist es zu einem Eklat gekommen, der gewiß zu vermeiden gewesen wäre. Hoffentlich wird er eine Wendung zum Besseren bringen, denn die Erregung unter den betroffenen Gruppen kann auf die Dauer nicht ignoriert werden. Es geht um Existenzen. Und keiner schreit Verrat"! Aus Paris: Der französische Ministerpräsident: Fl an diu empfing eine Abordnung des Komitees für Schutz der jüdischen Rechte in den Ländern Ost- und Mitteleuropas, bestehend aus dem Führer der katholischen Pazifisten und Deputierten Marc Sangni e r, dem Mitglied des Zcntralkonsistoriums der französischen Juden George L e v e n und dem Führer der russisch-jüdischen Gemeinde in Frankreich Baron de Gunzbourg. Die Abordnung brachte dem Premierminister gegenüber die Gefühle der Sympathie der Juden für Frankreich zum Ausdruck und erklärte, die Juden in den verschiedenen Ländern unterstützen Frankreichs Kampf für den Frieden und für die Gleichheit der Nationen und Rassen. Sie wiesen aber den Premierminister auf die Tatsache hin, daß die. letzten administrativen Maßnahmen gegen Fremde in Frankreich, verbunden mit Ausweisungen, sich katastrophal für die jüdischen Flüchtlinge in Frankreich ausgewirkt und die jüdische öffentliche Meinung in der Welt mit Sorge erfüllt haben. Die aus Deutschland nach Frankreich übersiedelten jüdischen Industriellen haben etwa 12.000 französische Arbeitslose wieder in Arbeit gebracht; diea allein rechtfertige die Ausgabe von Arbeitserlaubnissen für Flüchtlinge aus Deutschland. Ministerpräsident Flandin, der die Ansprachen de? Mitglieder der Abordnung mit Interesse anhörte, gab der Hoffnung Ausdruck, daß sich eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Franzosen und Juden zum Besten des moralischen und wirtschaftlichen Wiederaufbaues der Welt entwickeln werde. Er versprach, zu versuchen, daß den vom Komitee gestellten Forderungennach Möglichkeit entsprochen werde. Die französischen Zeitungen haben über diesen Protest gegen Maßnahmen der französischen Regierung und den Hinweis darauf, daß diese Verfügungen dem Rufe Frankreichs im Auslande schaden, berichtet. Keine einzige hat die Beschwerdeführer der Verbreitung von „Greuelnachrichten zum Schaden Frankreichs" bezichtigt. Anderswo ist's anders! Unser Blatt, dessen Haltung zu Oesterreich auch von Gegnern nie angezweifelt wurde, mußte von gewissen Zeitungen den Vorwurf der Verbreitung von Greuelnachrichten hinnehmen. Und das nur aus dem Grunde, weil es gegen behördliche Verfügungen Stellung nahm, welche die jüdischen Bürger in ihrer wirtschaftlichen Existenz schädigen. Diese offene Aussprache wurde dem Blatte arg verübelt. Dabei sind dia französischen Zeitungen um das Wohl Frankreichs gewiß nicht weniger besorgt, als diese österreichischen Zeitungen um das Wohl Oesterreichs. Die französischen Zeitungen haben eben das richtige Gefühl, daß offene und loyale Aussprache gedeihlicher ist als Unzufriedenheit, die im Verborgenen arbeitet. Ein Unverbesserlicher Das „Hamburger Isr. Familienblatt" berichtet aus Warschau-: Vor wenigen Tagen kam. hier ein Mann an, der zu den Märtyrern des jüdischen Glaubens in unserer Zeit gehört. Es ist der Rabbiner Almanowitsch aus Anapol in Sowjetrußland, ein greiser Talmid Cbacham, dem Lehre und Lernen über alles gingen. Als die Sowjets mit ihrem Kampf gegen alles Religiöse einsetzten, machten sie natürlich auch nicht vor den Jeschiwoth halt; sie schlössen die Tore der frommen Häuser und verboten bei strengen Strafen deren Fortführung. Rabbi Almanowitscü Damen-Stoff- Schneeschuhe mitSamtkragen u. Reiliverschluo. grau, unkurant, alle Qrülien |.90 Damen-Gummi- Schneeschuhe Gummi -Uebarstiefel S<hUfmann-SchnecS(huhc^

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