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Die neue Welt · 1935-01-01 · Heft 426 (1.1.1935) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
9 (1935)
Issue
Heft 426 (1.1.1935)
Date
1935-01-01
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis tO Groschen M*ga»g££ Dienstag/ den t * Jänner §fe* 426 WWfo DIE HEUE II IE HEUE Zeitung vom Verleger versende« „Journal expedie par l'editeur'* REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, rierteljährig S 4.—, ganzjährig S 15.—; rolen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänicn monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—.* Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 40,—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—: Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u, Verwaltung: IX, Universitälsstr. 8, TeL A-20-2~78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Ob die Welt begreift *♦♦ Die Lage der Juden ist heute in vielen Ländern besorgniserregend. Aber unvergleichlicher Jammer ist über die. Juden des Saargebietes hereingebrochen. Sie sehen üch einer unabwendbaren Katastrophe gegentib'erge:;'-ellt. Der 15. Jänner 1935, der Tag der Abstimmung, welch-.r den Rückfall des Saargebietes an Hitler- Deutschland cringen wird, bringt ihnen Verlust der Mensch o r. r achte und grausame, erbarmungslose Verfolg;;r-:; V-.i den sechstausend Saar.juden haben alle, denen die Nüttel und Umstände es erlaubten, die Heimat verlassen, risammen zirka tausend. Die andern müssen bleiben und verzehren sich in Angst. Sie müssen ruhig mitansehen. wie die Messer für sie geschliffen werden. Unter den Augen der Mächte der Welt, die heute noch Herren der Saar sind, bereiten die Herren von morgen alles, vor, um die Juden auszutilgen. Ein kleines Häuflein Juden stoßt noch Hilferufe aus, die anderen schweigen schon. Unter dem Titel „Bedrohung, Beschimpfung und echließlich — Verhöhnung" schreibt das Nachrichtenblatt der SynagogenrGemeinden des Saargebietes: „Die .Deutsche Front' verwendet einen ganzen Leitartikel auf die Tatsache, daß in saarländischen Zeitungen Luxemburger Häuser und Grundstücke zum Kaufe angeboten werden- und sagt mit Anspielung auf die Juden: ,Ob Luxemburg, ob Frankreich, Qb Palästina . . . ubi bene ibi patria. — Wo es mir gut. geht, ist mein Vaterland! — Das ist die Moral der Separatisten." - So ist es denn Herrn Mages (Redakteur des Blattes) gelungen: Seine Leser wissen, daß seine Beschimpfungen gegen die Juden gerichtet sind, und doch hat .er sich nicht die Finger verbrannt und bei seinen Vorgesetzten, die ja immer noch glauben machen wollen, „den Juden passiere nichts", keinen Unwillen erregt. Zur Sache selbst haben wir nur zu bemerken, daß sich wahrscheinlich kein Jude von der Saar in Luxemburg ansiedeln würde, wenn uns im Saargebiet ein Leben in Ehre, Freiheit und ruhiger Arbeit gewährleistet wäre. Aus bloßer Wanderlust verläßt niemand das Land, in dessen Erde seine Väter ruhen. Die selben Leute, die alles tun, was in ihren Kräften steht, um uns ein Verbleiben im Lande unerträglich zu machen, sind schamlos genug, uns deshalb zu ver- PalästntariEiimanderuns im November 1934 Aus Jerusalem: Im Monat November 1934 kamen, wie das Eimvandernngsamt mitteilt, 4838 Juden nach Palästina, unter ihnen 371 Angehörige der Kapitalistenkategorie mit einem Mindestkapital von je 1000 Pfund. Auf Touristenvisen kamen 448 Juden ine Land. Der wachsende Orangenexport Palästinas Aus Jerusalem : Der Export von Citrus- Früchten im Jahre 1934 übertrifft den des Jahres 1933 an ■Umfang und Wert. Vom Beginn der Saison bis zum 16. Dezember betrug die Steigerung gegenüber 1933 bereits 17.75 0 Kisten. Die Gesamtausfuhr von 1934 betrog bis 16. Dezember 913.631 Kisten, davon 157.500 Kisten Grape Fruits, 21.750 Kisten Zitronen, der Rest Orangen. Allein vom 10. bis 16. Dezember wurden 150.848 Kisten Citrus-Früchte verfrachtet, davon 120.871 über Jaffa, 27.453 über Haifa und 2524 über Port Said. Die Juden fordern die Bürgermeisterstelle in Jerusalem Aus: Jerusalem. (J. T. A.) Der Distriktskommlsear für Jerusalem Major. Campb ell empfing die neugewählten jüdischen Stadträte von Jerusalem, die ihm ein Memorandum zwecks Weiterleitung an den High Comraissioner Sir Arthur Wauchope übergaben, worin das Ersuchen gestellt und begründet wird, den neugewählten Stadtrat unbeschadet des vom bisherigen Bürgermeister Ragheb Bey Nashashibi eingereichten, übrigens unbegründeten, Wahlprotestes einzuberufen, damit er die Verwaltungsgeschäfte übernehme. Bs wurde, u. a. darauf hingewiesen, daß nach dem kürzlich erfolgten Ausscheiden vcm drei arabiachen Stadträten, die ge^ep, Nashashibis Verwaltun^amethoden höhnen, weil einige von uns den Weg ins Freie suchen. Den allermeisten von uns ist dieser Weg versperrt, da sie keine Existenz im Auslande finden würden. Ein „herrschaftliches Wohnhaus in Luxemburg" existiert für sie höchstens im Wunschtraum. Diejenigen, die nach Palästina auswandern, erwartet dort ein Leben harter Arbeit. Für die große Masse der saarländischen Juden gibt es nur eines: Ausharren und kämpfen! Vielleicht werden sich Herr Mages und seine Freunde noch wundern, mit welcher Entschlossenheit die Saarjuden ihr Recht auf Leben und Ehre verteidigen. Vielleicht werden aber auch der Welt die Augen darüber aufgehen, welches Spiel man mit den Juden an der Saar treibt, wie man sie beschimpft und bedroht — und sie schließlich, wenn man ihnen die Heimat geraubt hat, als vaterlandslos verhöhnt. Ob die Welt nicht doch begreift, daß diese 5000 Menschen eines Schutzes bedürfen?" ■ * Herzzerreißend ist die Frage: „Ob die Welt nicht doch begreift...?" Die Frage verhallt ungehört! Die großen Mächte, welche die Wahrung der Menschenrechte an der Saar immer und immer wieder beschworen haben, haben sich's überlegt und wollen um 5000 Saarjuden keinen Lärm machen. Sie Haben mit Hitler Saarfrieden geschlossen. Arme Saarjuden! Eure Frage verflattert ins Blaue! Die Welt begreift nicht . . * Rasche Post Aus Saarbrücken (J. T. A.): Das ganze Saarland wird jetzt mit anti jüdischer Hetzliteratur überschwemmt. Die Pamphlete werden auch unter den Soldaten der ausländischen Besatzungen verteilt. Zahlreiche Offiziere der Besatzungskontingente, besonders die englischen, erhielten antisemitische Flugblätter, in denen vor allem zu erklären versucht wird, warum Hitler die Juden entrechtet hat. Aus dem Inhalt ist zu schließen, daß diese Flugblätter von einer reichsdeutschen Zentrale ausgegeben werden. Die saarländischen Behörden ordneten die Beschlagnahme der Flugschriften an und leiteten eine Untersuchung darüber ein, wie es kommt, daß die Privatadressen der Offiziere der Besatzungskontingente, denen die judenhetzerischen Flugschriften durch die Post ins Haus gesandt werden, den Absendern so rasch bekannt geworden sind. protestierten, ein legales Quorum nicht mehr besteht und der Stadtrat nicht mehr beschlußfähig ist. (Die jüdischen Mitglieder des alten Stadtrates sind vor längerer Zeit zurückgetreten.) Da der Stadtrat aus z"wölf Mitgliedern besteht, ist die Anwesenheit von mindestens sieben Stadträten zwecks Beschlußfassung erforderlich. Nach dem Ausscheiden von vier Juden und drei Arabern zählt der Stadtrat nur noch fünf Mitglieder. Es wird ferner ausgeführt, daß der Protest Nashashibis sich bloß auf die Neuwahl von drei Stadträten bezieht, während die Wahl von neun Stadträten (sechs Juden, zwei Christen, ein Araber) unangefochten bleibt, somit - der neugewählte Stadtrat über ein gesetzliches Quorum verfügt. In dem Memorandum wird die Regierung ersucht, in das Amt des Jerusalemer Bürgermeisters einen Vertreter der jüdischen Bevölkerung zu berufen,. da die Juden heute die überwiegende Mehrheit der Stadtbevölkerung bilden. Major Campbell versprach den jüdischen Stadträten, daß die Regierung ihre Postulate ernstlich in Erwägung ziehen wird; er stellte in Aussicht, daß der High Commissioner Sir Arthur Wauchope in einer direkten Aussprache mit den jüdischen Stadträten die Fragen behandeln wird i Agudah-Zertifikate werden in Warschau verlost Aus Warschau: Auf die .90 Palästina-Elnwanderungwertifikate, die der Agudas Jisroel in Warschau zur Verfügung gestellt wurden, waren rund 500 agudlstische Chaluzim vorgemerkt; sie alle fanden sich im Warschauer Aguda-Büro ein, wo die Zertifikate unter den Anwärtern SHWl&Sbk mit&w* Judenstaatspartei Oesterreichs Mittwoch, den 2, Jänner 1935, um halb 9 Uhr abends im großen Saale des Heimes, I, Werdertorgasse 14 Di*Uus#iaH&a6eHd „Ueber zionistische Außen« und Innenpolitik" Einleitendes Referat; Dr. Sah WOLF Freie Aussprache! Gäste aller Parteirichtungen willkommen! Wir §md fur§/Aufräumen' Wie alle Erscheinungen des sozialen und künstlerischen Lebens ist auch der Film der Kritik von rechts und links ausgesetzt. Seine Wirkungskraft, sein propagandistischer Einfluß, seine Werbefähigkeit machen ihn zu einem Objekt weitesten Interesses, besonders heute, wo jedes Mittel zur Führung der öffentlichen Meinung in Anspruch genommen wird. Die Bedeutung des Films für die kulturelle Bildung der Massen ist klar. Man sucht sich seiner zu bedienen. Damit aber greift man in die ästhetische und künstlerische Sphäre ein. Wenn man den Radius der Filmproduktion auf das rein Erzieherische einschränken will, dann nimmt man ihr die großen, internationalen Möglichkeiten, auf denen-sie bisher fußte.. Etwas aber ist klar: So wie jede Produktion, so ist auch die Filmproduktion den wirtschaftlichen Gesetzen unterworfen. Angebot und Nachfrage, Qualität und Quantität, Preis und Nutzen sind Faktoren, die sich hier nicht elimin leren lassen. Das „Wiener Montagsblatt" (die Vertreterin der seinerzeitigen christlichsozialen Interessen), so naiv es sich auch gebärdet, kennt, diese Gesetze zur Genüge. Es erzählt in einem „Aufräumen!" betitelten langen Aufsatz, daß durch die spekulative Filmproduktion viel Mist auf den Markt gebracht wird, Kitsch- und Schundfilme, die den Geschmack hauptsächlich der Jugend korrumpieren, weshalb es vom Gesichtspunkt eines christlich-deutschen Staates wie Oesterreich notwendig sei, hier einzugreifen, dem Volk nur den guten Film zu bieten usw. Es sind dies alte Klagen; ewige Sorgen einer auf Kultur und Sittlichkeit bedachten Gesellschaftsrichtung. Die Wirklichkeit sieht bekanntüch anders aus. Die Filmproduzenten in Amerika, England, Deutschland usw, haben sich ein Rezept für den internationalen Geschmack hergerichtet und nach diesem Rezept wird verfahren. Den Film übernimmt der Verleiher und dieser gibt ihn an den Kinobesitzer weiter. Das ist der Weg. Es gibt zur Zeit keinen andern. Das „Wiener Montagsblatt" aber, das sich zum, Anwalt österreichischer Kulturinteressen macht und als solcher sich verpflichtet fühlt,- jeden Montag einen Angriff gegen die Juden zu unternehmen, verknüpft diese Tatsache mit der „Judensache". Nachdem es über die von uns oben erwähnte Erscheinung theoretisiert hat, ruft ea plötzlich, ohne jeden Zusammenhang und auch ohne jede innere Logik, aus: „Es sind eben jüdischer Spekulation^ g e i s t und jüdische Geschäftspraktiken, die in der Filmproduktion wie im Filmverleih und nicht zuletzt im Kinobetrieb hemmungslos und derzeit noch unbehindert sich auswirken dürfen. Während in der Vorkriegszeit 90 Prozent aller Kinotheater in bodenständigem Besitze sich befanden, ist heute das Verhältnis umgekehrt. Damit ist der Ring geschlossen, aus dem alle Mißstände und Gefahren des heutigen Filmwesens immer voii neuem sich entwickeln." Es macht also letzten Endes den jüdischen Kinobesitzer für die gebotenen mehr oder weniger :?uten Filme verantwortlich. Der Ring, aus dem alle Gefahren sich entwickeln, besteht nach der Darstellung des antisemitischen Montagblattes aus den Gliedern: Produzent, Verleiher, Kinobesitzer, wobei alle mit dem Attribut „jüdisch" geziert werden. Das Montagsblatt weiß natürlich genau, daß sejna Schlußfolgerung purer Unsinn ist, ein Faustschlag ini Gesicht der Tatsachen. Aber ihm ist es ja in diesem Faili

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