Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 9 (1935)
- Issue
- Heft 426 (1.1.1935)
- Date
- 1935-01-01
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 426 DIE NEUE WELT Seite 3 Die vorzuglichen, großen Luxusschiffe «GERUSALEMME* UND ,PliSNA' der direkten Eillinie TRIEST - JAFFA des LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr) führen nur eine erste und eine Touristenklasse Auch In der Touristenklasse höchster Komfort (zwei - und mehrbettige Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfte: Lloyd Tricstino.Wienl, Kärntnerring 6(Tcl.U-A7-5-60 kehrte sich nicht daran; er konnte in dem frommen Brauch nichts Strafwürdiges sehen. Die Folge war, daß der Rabbi in die Kerker der Tscheka kam. Als er daraus wieder entlassen wurde, suchte er alsbald wieder, die Jeschiwa fortzusetzen. Und wieder wurde Almanowitsch eingekerkert. Im ganzen verbrachte der fromme Mann nicht weniger als f ü n fzehn Jahre in den Kerkern der Sowjets. Vergebens suchte sein Sohn, der als Rabbiner in der polnischen Stadt Tiktin lebt, seinen Vater zu befreien. Er richtete Eingaben auf Eingaben an die russischen Behörden; sie blieben ohne Erfolg. Vor kurzem unternahm der Tiktiner Rabbiner eine Reise nach Amerika, auf der er Gelegenheit hatte, das Interesse des Senators Bor ah für den Fall zu erregen. Borah ließ sich eine genaue Schilderung geben, soweit das nach den Mitteilungen aus Rußland möglich war, darauf verhandelte er unmittelbar mit dem russischen Kommissär für auswärtige Angelegenheiten, Litwinow, und es gelang ihm, die Freilassung und Ausreisebewilligung Almanowitschs zu erwirken. Der Rabbi reiste alsbald hierher und erhielt soeben für sich und seine Frau das Zertifikat für Palästina, das der palästinensische Oberrabbiner Kook für ihn erwirkt hat. Rosenbusch unterm Weihnachtsbaum Wie aus Berliner jüdischen Zeitungen zu entnehmen ist, veranstaltete die Ortsgruppe Berlin-West des ..Verbandes nationaldeutscher Juden" in diesen Tagen einen „Geselligkeitsabend unter dem Weih nachtsbau m". Die versendeten Einladungen schlössen wie folgt: .....Die Veranstaltung trägt weder religiösen noch politischen Charakter. Weihnachten ist ein deutsches Fest, das uns nationaldeutsche Juden ebenso angeht, wie unsere nichtjüdischen deutschen Volksgenossen. Mit deutschem Gruß Verband nationaldeutscher Juden e. V. I. V. (gez.): Paul Rosenbusch." Die Zeitungen regen sich über die Veranstaltung des famosen Verbandes sehr auf, obzwar von dieser Gesellschaft wirklich nichts anderes zu erwarten war. Die Haupttätigkeit dieser nationaldeutschen Juden hat bis jetzt hauptsächlich darin bestanden, Hitler-Stiefel zu lecken und andere Juden, vor allem die Zionisten, als Vaterlandsverräter zu denunzieren. Da ist dieser nationaldeutschjüdische Christbaum noch eine harmlose Angelegenheit. Uebrigens ist dieser Rosenbusch wirklich nicht die einzige jüdische Pflanze, die unterm Christbaum sprießt. Die „Gnädige" im Pelz, hinter der ein Dienstmann oder eine Hausgehilfin unter der Last eines mächtigen Tannenbaumes keucht, ist eine in der vorweihnachtlichen Zeit gar nicht seltene Erscheinung. Man braucht gar nicht das Gesicht der Gnädigen rassenprüflerisch zu studieren. Die Dicke ihres Vormittagspelzes und die außerordentliche Größe des eingehandelten Christbaumes bezeugen einwandfrei dessen jüdische Bestimmung. Es sind noch viele Judenhäuser, in denen reinzumachen wäre, bevor man. Bich kritisch an nationaldeutschjüdische Weihnachten heranmachen müßte. HitleriDeutsehland Der Regierungs-Oberpräsident der Kurmark Wilhelm Kubc schreibt in der „Westfälischen Landeszeitung" über die Judenfrage: „Unsere Kinder brauchen ja schließlich auch einen Lebensinhalt. Und der Kampf gegen Juda bis zur Vernichtung soll ein Teil unseres stolzen Vermächtnisses sein . . . Wenn diese krummnasigen Theater huren männlicher und weiblicher Anatomie heute nicht Uberwiegend in Prag, Wien usw. säßen, sollte man sie noch nachträglich sterilisieren und einsperren. Die Sau suhlt im Mist, der Jude in dem, was er Kunst nennt . . sind wir bereit, Euch international an die Kette zu legen, wie es der Hyäne und den stinkenden Kojoten gebührt." 4 Im „Briefkasten" der neuesten Nummer des „Stürmer" findet sich unter anderen judenhetzerischeo Gegen die Berliner Olympiade Gouverneur AI Smith gegen Beteiligung der Amerikaner Auf der Convention de?' Amateur Athletic Union zu Miami, auf der über die Teilnahme Amerikas an der Olympiade Berlin 1936 endgültig entschieden werden soll, kam eine starke Stimmung gegen eine solche Teilnahme unter den Delegierten auf. Auch von außen trafen Telegramme von rührenden Persönlichkeiten und Institutionen ein, in denen auf A blehnung der deutschen Einladung gedrungen wird. Der frühere Gouverneur von New York und republikanische Präsidentschaftskandidat Alfred A. Smith telegraphierte an den Präsidenten der A. A. U., Avery Brundage: „Ich habe das lebhafte Gefühl, daß keine Amateur-Zusammenkunft in einem Lande stattfinden darf, wo die Leiter der Regierung rassische oder religiöse Bigotterie dulde n." American Jewish Congress ließ durch seinen Präsidenten Bernard S. Deutsch mitteilen, daß seit dem Juli 1933, an dem die Teilnahme Amerikas für den Fall, daß keine Juden-Diskrimination im Sportleben stattfindet, erwogen wurde, nicht nur diese Diskrimination andauere, sondern sogar sich immer mehr verschärfe, die Teilnahme müsse nun endgültig abgelehnt werden. Samuel Untcrnicyer, Piiisident der Unparteiischen Anti-Nazi-Liga für Verfechtung der Menschenrechte, txv schwor in einem Telegramm den A. A. U.-Präsidenten Brundage, keine Nennung e n zur Berliner Olyni' piade zu bescheinigen, da bis jetzt noch jedes von der Nazi ■ Regierung gegebene V e r* sprechen unerfüllt blieb. Der Verband der j ü disclien Kricgsvct cranen appellierte an die A. A. U., im Geiste des fair play es nicht zuzulassen, daß freie Amerikaner zum Wettkampf antreten in einem Lande, wo 65 Millionen Braunhemden die Vernichtung von 600.000 Bürgern, nur weil sie Juden sind, vollziehen. Richard J. Beamish kündigte an, daß der World Union-Sectaria Anti-Nazi Council vom 1. Mai bis 30. September 1936, zur Zeit der Berliner Olympiade, eine G cgcn-Ol ympiacle „Fes t der Freiheit" in England arrangieren wird. Die englische Amateur Athletic Union erwäge deshalb eine Rückgängigmachung ihres Beschlusses, an der Berliner Olympiade teilzunehmen. Auf der Convention der amerikanischen A. A. U. treten besonders scharf Charles L. Ornstein und Joseph. Dresner, die jüdischen Mitglieder des Präsidiums der A. A. U., für Abelehnung der Berliner Einladung ein. „Antworten" auch folgende: „Metzgermeister K. L., Barmen: Sie verlangen nun doch zu viel! Eine Mazzenbäckerei sollen wir Ihnen nennen, damit Sie derselben ein Angebot in Blut machen können. Mit diesem Offert werden Sie wenig Glück haben! Für Tierblut haben Mazzenbäckereien kein Interesse!" — Dazu bemerkt die „Jüdische Rundschau": „Wir erwarten, daß zuständige jüdische Instanzen bei den maßgeblichen Reichsstellen gegen diese Art der Verunglimpfung jüdischer religiöser Bräuche und gegen die neue Ritualmordbeschuldigung Protest erheben." Aus London (J. T. A.): „News Chronicle" berichtet aus Berlin, daß innerhalb der nationalsozialistischen Partei die J u d e n f r a g e neu zur Erörterung steht; Anhänger einer Annäherung der Partei und des Staates an die Juden versuchen, die maßgebenden Stellen der Partei davon zu überzeugen, daß man die Juden nicht austreiben, sondern vielmehr versuchen solle, sie zu friedlicher Zusammenarbeit innerhalb gewisser Grenzen zu gewinnen, ja sogar Juden zu gewissen Staatsposten zuzulassen. Die zionistischen Führer erwarten als Resultat dieser Erörterungen, daß eine Basis für gegenseitige Annäherung geschaffen wird. — Auch das Reuter-Büro verbreitet Meldungen, daß gewisse nationalsozialistische Gruppen eine humanere Lösung der Jude n frage in Deutschland erstreben. — Die J. T. A. ist nicht in der Lage, all diese Meldungen, deren deutsche Quelle dunkel ist, zu bestätigen; in jüdischen Kreisen weiß man nichts von solchen Versuchen und auch die Londoner deutsche Botschaft erwiderte auf eine Anfrage der J. T. A., ihr sei nichts davon bekannt. Reuter nennt nicht seinen Gewährsmann; in London rät man auf eine Quelle, die Goering nicht fernsteht, und weist darauf hin, daß Goering die einzige nationalsozialistische Führerpersönlichkeit ist, die zuweilen mit jüdischen Führern zusammentrifft. Die Schweden — Rassen Verräter Die in Saarbrücken erscheinende Wochenschrift „Grenzlan d", veröffentlicht den authentischen Text eines Briefwechsels zwischen dem Oberstudienrat Doktor Erich Roßkothen in Berlin-Friedenau und Alfred Rosenbergs Stabsleiter Urban. Roßkothen beschwert sich über den berühmten Physiker Heisenberg, der „im vorigen Jahr als Vertreter Deutschlands den Nobel-Preis für Physik in Empfang nehmen durfte" und dennoch in einem Vortrag über die Wandlungen der Grundlagen der Naturwissenschaften folgendes gesagt hat: „Die Grundlage der sogenannten klassischen Physik erfuhr ihre erste Erschütterung durch das Ergebnis des bekannten Versuchs von M i c h e 1 s o n, der zur Aufstellung der speziellen Relativitätstheorie durch Einstein führte, die heute zu den absolut gesicherten Grundlagen der Physik gehört." Roßkothen bezeichnet es als einen „Skandal, daß der amerikanische Jude Michelson und der niederträchtige Jude Einstein von den rasseverräterischen Schweden den Nobel- Preis erhielten, den ihnen die jüdische Internationale zuschanzte", und versteht es noch weniger, wenn ein „deutscher Hochschullehrer für diese Verbrecher eintritt". Darauf schrieb Rosenbergs Stabschef Urban an Roßkothen: „Der Reichsleiter der NSDAP., Beauftragter des Führers zur Ueberwachung der weltanschaulichen Erziehung der NS.-Bewegung (gemeint ist Alfred Rosenberg), läßt Ihnen erwidern, daß er grundsätzlich Ihre Auffassung teilt. Er hat Veranlassung genommen, den Professor Heisenberg auf das Verwertliche seiner Rede hinzuweisen und ihm in Form eines V e rweises nahegelegt, Bemerkungen dieser Art, die als Kränkung der Bewegung angesehen werden müssen, zu unterlassen. Bedauerlicherweise ist es mit Rücksicht auf das Ausland nicht möglich, dem Professor Heisinger eine schärfere Zurechtweisung zu erteilen oder ihn, wie das wohl wünschenswert wäre, zu maßregeln. Heil Hitler!" Jüdischer Sport Schöner Erfolg der Hakoah in Italien. Hakoah konnte auf ihrer Italienreise in Neapel einen überaus wertvollen Sieg erringen. Es gelang ihr, den F. C. Napoli, den Viertplacierten in der italienischen Liga, glatt und einwandfrei 2:0 zu besiegen. Gestützt auf eine ausgezeichnete Hintermannschaft, konnte sich der Sturm der jüdischen Mannschaft voll entfalten und ein einfallsreiches, hübsches Spiel vorführen. Hier war Mausner der Beste, der auch beide Tore schoß. Die 5000 Zuschauer zollten der jüdischen Mannschaft für ihr Spiel großen Beifall. Hasmonea Makkabi—S. C Praterstern 1:0 abgebrochen. — Antisemitische Exzesse. — Nach schönem Spiel in der ersten Hälfte, in welcher Hasmonea durch S c h ö n t a 1 den einzigen Treffer des Spieles erzielte, artete der Kampf in der zweiten Hälfte aus. —< Paterstern spielte überaus derb und die jüdische Mannschaft wurde von Spielern und Zuschauern mit antisemitischen Zurufen überschüttet, was um so bemerkenswerter ist, da es bei Praterstern jüdische Spieler und Funktionäre gibt. Der Schiedsrichter sah sich schließlich gezwungen, das Spiel aus Verschulden Praters terns abzubrechen. Max Baer bleibt Weltmeister. Chikago, 29. Dezember. Der Vierrunden-Kampf zwischen dem Welt-Schwergewichtsmeister Max Baer und King Lewinsky endete mit einem K.o.-Sieg Baers in der zweiten Runde. Da es sicU um einen Titelkampf handelte, bleibt Max Baer weiterhin. Weltmeister. Das Schwimmstadion in Haifa. In Haifa geht die erste moderne palästinensische Schwimmsportanlage ihrer Vollendung entgegen. Sie befindet sich im Villenvorort Haifas, in nächster Nähe der Meeresbucht. Die Schwimmanlage soll im März mit den Schwimmbewerben zur Zweiten Makkabiade eröffnet werden. Zwischen den beiden Längsseiten befinden sich Tribünen für, 3500 Zuschauer, Austritte aus dem Judentum Alexander Hof mann, geb. 21. Juli 1895 Wien, verh.,. XVI., Friedmanngasse 49. — Elisabeth Grünwald geb. Opravil, geb. 26. August 1903 Wien, ger. getr., VIII., Hernalsergürtel 2. — Anna Hugert geb. Flaschner, Rechtsanwaltsgattin, geb. 14. Jänner 1895 Wien, verh., Mödling. - - Heinz Hugert, geb. 29. März 1916 Wien, ledig, Mödling. — Elsa Krob geb. Lichtblau, geb. 1. Juli 1891 Wien, Mödling. — Margarete Hirschfeld geb. Kohn, geb. 17. Jänner 1901 Lundenburg, ger. getr., XVI., Mariahilferstraße 187. — Stephanie Rosenbaum geb. Fuchs, geb. 15. März 1888 Wien, verw., XIX., Paradiesgasse 53. — Marianne Rosenbaum, geb. 1. April 1913 Wien, ledig, XIX., Paradiesgasse 53. — Otto Kusenbaum, geb. 17. März 1919 Wien, ledig, XIX., Paradiesgasse 53. — Moritz Biß, geb. 3. März 1879 St. Janos Kuklo, verh., XIX., Heiligenstädterstraße 11. — Dr. Otto Wächter, geb. 8. September 1897 Wien, ger. getr., XIII., Hauptstraße 17. — Kurt Hermann Wächter, geb. 15. Juni 1929 Wien, XIII., Hauptstraße 17. — Hemüne Kessler geb. Ullianich, geb. 8. Dezember 1897 Wien, ger. gesch., XVII., Antonigasse 85. —- Marya Sofer, geb. 28. November 1902 Lemberg, led., VIII., Zeltgasse 14. — Robert Schwhtdt, geb. 24. Dezember 1897 Laxenburg, verh., II., Blumauergasse 22. — Dr. Siegfried Brecher, geb. 7. März 1885 Wien, verh., IX., Porzellaugasse 14. — Hermine Deri geb. Kohn, geb. 28. Jänner 1894 Wien, ger. gesch., IX., Kolingasse 10. — Maria. Nadler geb. Hejpetr, geb. 12. August 1895 Wien, verw., XII., Oswaldgasse 14. — Paula Baumhorn, geb. 29. Mai 1893 Wien, ledig, XVI., Hippgasse 5. — Ing. Josef Spielmann. Oberbaurat i. P., geb. 28. Mai 1881 Wien, verh., XVIII., Gersthoferstraßc 82. - Dezsö Korpekw, geb. 17. Dezember 1904 Wien, ledig, XIII., Anschützgasse 14. — Elfriede Steinberg, geb. 12. Februar 1916 Wien, ledig, XVIII., Schulgasse 90. — Margit Kiemenz geb. Karpeles, geb. 22. Februar 1902 Oedenburg, verh., XVI., Heigerleinstraße 26. •-- Charlotte Kiemen/., geb. 5. Jänner 1928 Wien, XVI., Heigerleinstraße 26. — Edith Bondy. geb. I. März 1912 Wien, ledig, II., Nordbahnstraße 54. — Margarete Maria Heß, geb. 23. April 1902 Wien, ledig, II. , Wolfgang-Schmälzl-Gasse 19. Jüdischer Angestelltenverband „Emunah" (I., Biberstraße 17). Donnerstag, den 3. d. M., 20 Uhr, erster Vor» trag: „V e r k au f s t e ch n-4k und Reklame." Eintritt frei. Gäste wiUkonuxuaa»