Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 425 (28.12.1934)
- Date
- 1934-12-28
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 425 DIE NEUE WELT Seite 7 " Kulturelle Not der |üdi§dien Jugend in Polen Tn der Budget-Kommission des polnischen Sejm erklärte Abg. Dr. Sommerstein im Namen des Jüdischen Klubs: Das Budget des Kultusministeriums betrifft 300 Millionen Zloty, dabei ist ein einziger, lächerlich kleiner Posten von 182.760 Zloty für die religiösen und Schulbedürfnisse der jüdischen Bevölkerung, d. s. 6 Groschen pro Kopf, eingesetzt. Es gibt heute keine einzige Staatsschule mit jiddischer Unterrichtssprache und den von den .luden aus eigenen Mitteln unterhaltenen jiddischen und hebfäischen Schulen wird, obwohl sie auf einem hohen pädagogischen . Niveau stehen, das O e f f e n tlichkeitsrecht. verweigert; eine Ausnahme bildet nur die Tarbuth-Schule in Brest-Litowsk. Die von der Regierung in jüdischen Wohnbezirken errichteten sogenannten „Sabbatuwskas" zeichnen sich von den anderen Staatsschulen nur darin aus, daß an Sabbattagen kein Unterricht erteilt wird, im übrigen aber wird nichts Jüdisches gepflegt und jüdische L e h r e.r werden in ihnen nicht beschäftigt, wohl aber getaufte Juden. Gegen die wenigen jüdischen Lehrer, die an Staatsschulen beschäftigt sind, wird eine hemmtmgslose antisemitische Propaganda mit dem Ziel ihrer Entfernung betrieben. Die jüdischen Berufsschulen erhalten lächerlich geringe Subventionen, obwohl sie den Staat entlasten. In den Hoohschulen herrscht ein strenger Numerus clausus. Die jüdische'akademische Jugend ist vom Genuß der Regierungsbeihilfen für Hochschüler und von Erleichterungen bei Gebührenzahlungen ausgeschlossen. Jüdischen jungen Leuten, die infolge des polnischen Numerus clausus ihre Studien im Ausland beendeten, wird die Nostrifi ka t i o n verweigert, so daß sie die Praxis in der Heimat nicht ausüben dürfen. Wollen, sie die Prüfungen in Polen wiederholen, so müssen sie mindestens fünf Jahre, bis 1939 oder 1940, auf den. .Prüfungstermin warten. Obwohl laut Gesetz die Universitätsverwaltung für die Beistellung' von Leichen zu Sektionszwecken zu sorgen hat, werden die jüdischen Medizinstudenten gezwungen, jüdische Ii eichen für ihre Uebungen zu beschaffen. Indem .sich die Lokalbehörden in die Inneren Angelegenheiten der jüdischen Gemeinden einmischen, z. B. bei Wahl von Rabbinern und Vorstehern, bringen sie eine Demoralisation in diese Gemeinden hinein. Die Aufsichtsbehörde streicht aus den Budgets der jüdischen Gemeinde die'für soziale Hilfe bestimmten Summen. In* der gleichen Sitzung sprach der Kultusminister J (! lf d z e j e-w'i g z zuden Vorwürfen der N at i o n a 1d e rfi^o^-f ä t e ri, 1 daß manche ' Sta'&tsschule'n ,,v e rj u d e V' sind. Er' wies darauf hin, daß in den Bezirken Suvalky und Augustovo, wo „g e w i s s e. In zl d e n z e n',' gpgen jüdische Lehrer vorkamen, im ganzen drei jüdische Lehrer unter insgesamt 403 vorhanden sind, und. daß in den sechs dem Brest-Litowsker Kuratorium unterstellten Bezirken unter 1674 Lehrern 72 Juden sind. (Es. handelt sich um Bezirke mit sehr dichter jüdischer Bevölkerung.) „Von einer Verjudung der Staatsschulden" — so stellte der Minister fest -•- „könne also nicht die Rede sein", die von gewissen politischen Faktoren aufgeworfene „Judenfrage" im Zusammenhang mit den Staatsschulden ist für mich kein Bildungsproblem." .. Auf die'Klagen des Sprechers des Jüdischen Klubs, Abg. Sommerstein, ging der Minister mit keinem W o r t e -ein.. Hess besdiulcHgt die jüdischen Emigranten der Kriegshetze Aus Berlin: Der Stellvertreter des Reichsführers Hitler, Reichsminister Rudolf Heß, der sich demnächst nach Frankreich begibt, um sich den Führern der französischen „Kriegsteilnehmer-Organisation" als Friedensfreund zu präsentieren, hielt in Bochum eine Rede, in der er erklärte: „Ich glaube nicht, daß es verantwortungsbewußte Politiker gibt, die zu einem Kriege treiben. Aber es gibt Interessenten am Mißtrauen der Völker, das sind die jüdischen Emigranten, die nur das Ziel haben: Rache zu nehmen an den Völkern, die sie ausgestoßen haben." Dazu ist zu bemerken, daß die Vorstellung geradezu grotesk ist, daß die aus Deutschland ausgewanderten Die I.A. „Jvcia* gratuliert herzlichst ihrem dz\. X Dipl.-Kaufmann Uud Schick anläßt, seiner Promotion zum Doktor beider Rechte f. d. Ak'lvltaa Dipl.-Kfm. Wilhelm Katz abs. merc. Imre Pollak dzt. X X dzt. X X X Juden, die sich in Palästina und anderswo um eine neue Existenz bemühen, irgendeinen Einfluß auf die Gestaltung der internationalen Verhältnisse hätten. Was aber Herrn Heß betrifft, der sich heute als Friedensfreund gibt, so hat er am 2. August 1924, also fast 6 Jahre nach Friedensschluß, als er schon Hitlers Stellvertreter in der Partei war, ein' Gedicht „Mein Morgengruß an Frankreich" parteiamtlich in den Nazi-Zeitungen veröffentlicht, das die „grausige Schönheit" einer Beschießung scher Forts durch Deutsche schildert, schließt: „Leuchtenden Auges sehen die Männer in dem Graben dieses Schauspiel eigener Kraft, und neue Kraft strömt über in sie selbst. He, Franzmann, das ist böser Morgengruß! Ihr dort müßt sterben, daß wir leben können f ranzösi- Das Gedicht Ritualmord hetze in der Slowakei Aus Bratislava: Durch ein zunächst mysteriöses Gerücht wurde die kleine Gemeinde Uhroves bei Prienidza in der Slowakei in Aufregung versetzt. Es hatte sich dort ein Mann als Arzt aus Preßburg ausgegeben und von mehreren Leuten Blutproben genommen. Es dauerte nicht lange und es verbreitete sich das Gerücht, daß Juden von mehreren Personen das Blut abgezapft haben, um es f ü r da,s Oster.brot.zu verwenden. Die Erregung in der Ortschaft war so stark, daß Gendarmerie die Ruhe herstellen mußte. Dies gelang ihr aber erst, als sie das Bratislavaer S t a a t sk rankenhaus ,angerufen hatte, wodurch die Sache eine harmlose Aufklärung fand. Ein junger Assistenzarzt der Klinik, übrigens ' ein . N i c h t j u d e, müßte, um ein wissenschaftliches VVerk beenden zu können, von gewissen Personen Blutproben nehmen. Dies. nützten dann gewissenlosa Elemente zu. einer argen Judenhetze aus, die allerdings im Keime erstickt, werden -..konnte. II« M akkabi'ah vom 2* bis; 7» April 1935 . .jn..Tef*A»*nY. . '''.Der. Kreis Oesterreich "des Ivfakiiäbf-Weltvei-bandes ruft die Mitglieder der Turn"- undcSportvereine;!: auf, nh der jüdischen Olympiade in großen Mengen teilzunehmen. . Der Leitung - des Makkabi-Weltverbancles ist es gelungen, bei dein Immigration Departement .für die Mitglieder der Makkabi-Orgartisatlonea Bescheinigungen zu erlangen, welche die Einreise nach Erez Israel oh he -H -I iv t e -r'le g u h g •'d e r "s on s t üblichen Kaution 'von ,S 2 00 0 ermöglichen. Die Teilnehmer müssen daher rechtzeitig die für das Jahr 1935 notwendigen Mitgliedskarten beheben. Die Makkäbi-Expeditioi* wird am-27. März 1935 von Tri est aus die Reise; antreten. Der Preis für diese Reise (Pauschalpreis) beträgt S, 7 3 0.—. In •' diesem Preis ist inbegriffen: Die Bahnfahrt D-Zug III. Klasse, tour-retour (Wien-r Triest—Wien'), Schiffahrt in der Touristenklasse. (Triest—Haifa— Triest). Visum-. Aus- und Einbootung und alle anderen vom Makkabi-AVeltverband vorgeschriebenen Gebühren. Da die Anzahl der dem Kreise Oesterreich zugeteilten 'Bescheinigungen nicht .4b hr groß, ist, werden die Mitglieder aufgefor_dert, ihre Anmeldungen längstens bis Mitte Jännervorzunehmen'.'' NUhere Auskünfte über die Reise sowie über den Landaufenthalt: Kreis Oesterreich des Makkabi-Weltverbandes, T.. Biberstraße 17: Sportklub ..Hakoah". Wien, I-.. Wiesingerstr. 11: Schwimmklub ..Hakoah". Wien, I.. Wipplingerstraße 21 (Doktor Valentin Rosenfeld); Palestine & Orient Lloyd (Reisebüro City). Wien, I., Kohlmarkt 8-10. Der obige Preis wird bei. eventuellen besonderen Schwankungen der Valutenkurse entsprechend reguliert werden.: Der jüdische Turnverein ,,Makkabi" II beginnt ain 8. Jänner 1935 in der Turnhallo, II., Leopoldsgasse 3 (Mädchenschule), mit dem Zöglingsturnen für Knaben und Mädchen im Alter von 12 bis 16 Jahren, welches" jeden Dienstag in der Zeit von viertel 6 bis dreiviertel 7 Uhr stattfindet- Die Turnzeiten für Damen, und Herr eh sind: Geräteturnen: Montpg und Mittwoch von 7 bis 9 Uhr: Gymnastik: Dienstag und Donnerstag von. 7 bis 9 Uhr. — Kinderturnen (von 6 bis 12 Jahren): Montag und Donnerstag , von halb. .6;bis 7 Uhr. Hiütadruth Iwrith, IL, Kl. Mohrengasse 3. Samstag, den 29. Dezember. S.Uhr abends,„im Heime, II., Kl. Mohrengass'e 3, Vortrag des Herrn Ploni Almoni über „Jachid", werabim'!. — Bialik-Seminar, Samstag, den 29. Dezember, halb ö Uhr., abends, im Zion. Heime, IX., Währingerstraße 6-8. Leiter Dr. T a r t ak o w e r. Bibel-Seminar. IL, Kl. Mohrengasse 3, Samstag, den 29. Dezember, ,7 Uhr abends.. Leiter Prof. J. Gelernter. Rambam- Seminar. Montag, den. 31. Dezember, S Uhr abends. Leiter Rabb.. M. Zucker. — K i n u s Hamorlm h a i v r i m findetam Sonntag, den 30. Dezember, 7 Uhr. im Heüne, IL, Kl. Mohrengasse 3, statt. -Vortragender: Der hebräische Pädagog und . Schriftsteller Jakobi aus Palästina über Hapoal behoraath liadik'duk. Erscheinen Pflicht! ,_ Billige Gesellschaftsreise nach Polen. Anläßlich der Weltkonferenz des Betar vom 3. bis 17. Jänner findet eine billige Gesellschaftsreise nach Krakau statt. Technische Durchführung Polnisches ' Verkehrsbli'ro '' ^FräTncopol'/, Wien, III., Renhweg 1, Gebäude des polnischen Konsulates. Telephon U-16-4-90. Filme der Wodie (Nach den Herstellungsländern geordnet) Oesterreich: Ein Stern fällt vom Himmel (Josef Schmidt). Ungern: Ende schlecht alles gut (Szöke Szakall — Peter (Franziska GaäU. Amci iKc-:: Liebe mch .Noten — -Mcrd in Manhattan — Prinzessin für 30 Tage. Intci nationale Produktion: Abschiedswalzer. Deutschland (Arierparagraph): So endete eine Liebe — Hof ball in St. Petersburg — Der junge Baron Neuhaus —- Reginc — Prinzessin Turandot (Ufa) — Peer Gynt Heute: „Ende schlecht . . . alles gut!" Heute erscheint im Schwarzenbcrgplatz-, Löwen-, Wienzeile-, Maria-Theresien-, Flieger- und Theater-Kino das Lustspiel „Ende schlecht . . . alles gut!", von Fritz Schulz nach dem gleichnamigen Repertoireerfolg Siegfried Geyers im Theater in der Josefstadt inszeniert. Die Hauptrollen spielen Szöke Szakall, Ernst Verebes, Rosy Barsony, Tibor v. Halmay, Georg Denes und Huszar-Puffy. Nikolaus Brodszky hat zwei große, kürzlich preisgekrönte Schlager ,,Warum, warum . . ." und „Eine Frau mit .solchen Beinen . . ." für dieses Lustspiel komponiert. Im Vorprogramm erscheint Hanv Moser in dem Lustspiel „Fuchs auf der Hetzjagd". Jcseph-Sciimdit-FUin: „Ein Stern lallt vom Himmel." Ab heute. Freitag läuft der Großfilm „Ein Stern fällt vom Himmel" im Elite-, Imperial-, Opern-. Schottenring-. Lustspieltheater- und Flotten-Kino. Direkter Schiffsverkehr Ferner Osten-Palästiiu. Aus Jet u s a 1 c m: Im Hafen von .1 a, f f a ankerte dieser Tage der japanische Dampfer „P i r o" der Ostasiatischen Schiffsgesellscbaft, die ihren europäischen Sitz in Kopenhagen hat. Aus diesem Anlaß wird mitgeteilt, daß von jetzt ab ein direkter Schiffsverkehr von den Häfen des Fernen Ostens (Schanghai, Singapore. Hongkong u. a. m.) nach Palästina bestehen wird. Die Ostasiatischc Schiffsgesellschaft ist in Palästina durch den Bürgermeister von Tel-Awiw, Dizeng o i i, repräsentiert. Fakfturaerung von Sendunsen r ach Palästina Ab i. Janner 1935 müssen alle Fakturen für Zollzwecke, die den palästinensischen Zollämtern -vorgelegt werden, einen Vermerk der Absenderfirma' enthalten, in welchem Lande die Ware hergestellt wurde, Zk B. Made in Germany, Made in Poland usw. Dieser Vermerk ist von der Firma, die die Foktura ausstellt, zu unterschreiben. Alle Fakturen, die den palästinensischen Zollämtern-vorgelegt werden, müssen folgendee.idesstaatliche Erklärung enthalten: ,,,We hereby certify that. this inveice is true and correct in all parts and contains all costs ihcl. packing arid is th'e only öne issue." Diese eidesstattlihc Erklärung ist von zwei Beamten der- Firma, beispielsweise Prokurist und Buchhalter zu fertigen.' " >; Ein lniport-Export-Clenring-House wird in'Palästina geschaffen Der Irapoi twert aus jedem- Lande da r'f höchstens dreimal so groß sein - als der betreffende Exportwert Aus J erusalem: Das Komitee* für- Eröffnung von Märkten für die palästinensische Landwirtschaft hat in seiner letzten in Jaffa abgehaltenen Sitzung beschlossien, dahin zu wirken, daß der Import nach Palästina künftighin in ein bestimmtes Verhältnis zum Export gebracht wird. Aus jedem Lande werden nach Palästina Waren importiert werden dürfen, deren Wert nicht mehr als das Dreifache des Exportwertes von Palästina-Waren nach dem betreffenden Lande übersteigt. Zur Regelung dieses Warenverkehrs soll ein Clearing House für Exporte und Importe errichtet werden. Es wurde beschlossen, daß die Importquote für 1935 auf den Exportziffern von 1934 basieren soll. Der Plan wurde den höheren Instanzen zur Eiegutachtung unterbreitet, da noch nicht geklärt ist, ob nicht nach dieser Richtung Schwierigkeiten im Zusammenhang mit der Interpretierung von Art. 18 des Palästina-Mandats bestehen. Bücher und Zeitschriften. Fntz Rosenthal, Die Lieder des ewigen Brunnens. Verlag R. Löwit. Wien, und Leipzig. — C. A. L o o s 1 i, Umschalten oder Gleichschalten? Verlagsgenossenschaft C. A. Looslis V-'crkr, Bern-Bümpliz. — Ben Chaviv, Lerne Hebräisch, die Sprache Palästinas. Praktisches Lehrbuch zum Selbstunterricht (3 Hefte), Verlag Jos. Schlesinger, Vien, I., Seitenstettengasse 5. — „D i e Z e i t", Blätter für Erkenntnis und Tat. Herausgeber Max Ermers, I., Sterngasse 13. - - „Der A u s w e g", Zeitschrift für Umschichtung', Wanderung, Siedlung. Verlag Le -Renouveaü, Paris, Zürich. Donnerstag, 27., Freitag, 28,. Samstag, 29. Dezember II. Tabor- ) straße 48 Ausnahms-Preise! Damen-Stoff-Schneeschuhe «90 I K.-telden-Mongql-Tanz- 1OJ0 I Graue Bouclfr-Mäntel Oft — mit Schnalle, warm gelauert, g^^nt j -fRÄ^*!* 7; > »0