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Die neue Welt · 1934-12-28 · Heft 425 (28.12.1934) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 425 (28.12.1934)
Date
1934-12-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. m DIE NEUE WELT Seite 5 Die Palä§t'na-Regierung verhindert Petroleumbohrungen Vor einigen Wochen wurde uns aus Palästina berichtet, daß dort Petroleum gefunder, wurde, die Regierung aber - um den englischen Petroleumgesellschaften die Konkurrenz vom Leibi' zu halten - kein Schürf recht erteilt, d. h. Bohrungen nach Petroleum verbietet, obzwar das dem in Palästina geltenden Bergrecht widerspricht. Diese Schädigung des Landes zugunsten der ausländischen Petroleumspekulanten ist nun im englischen Parlament zur Sprache gekommen. Aus der gewundenen Antwort der Regierung geht hervor, daß die Palästina-Regierung tatsächlich unter dem Vorwande nötiger „Gesetzesverbesserungen" durch Außerkraftsetzung des geltenden Rechtes das Entstehen einer palästinensischen Petroleumindustrie gewaltsam verhindern will. Aus London: Im Unterhaus richtete die Herzogin von Atholl an den Minister für die Kolonien die Frage, warum die Berggesetze für Palästina und Transjordanien außer Kraft gesetzt worden seien. Ferner fragte sie den Minister, ob es ihm bekannt sei, daß eine englische Gruppe, die die Ausbeutung der Oelfeldcr am Toten Meer im wirtschaftlichen Interesse Palästinas und Transjordaniens und zur Sicherung britischer Kontrolle und britischen Schutzes über die für die Landesverteidigung lebenswichtigen Oelfelder sofort in Angriff nehmen wollte, daran durch die Suspendierung uer palästinensischen Berggesetzgebung gehindert wurde, und ob dieser Gruppe die Möglichkeit, neue Vorschläge zu erstatten, gegeben werden würde, sobald das Bergrecht wieder in Kraft gesetzt sein werde. Kolonienminister Sir Philip Cunliffe-Lister erklärte, beide Fragen zusammen beantworten zu wollen. Es habe sich in letzter Zeit eine Ueberprüfung des Bergrechts (!) für Palästina und Transjordanien im Interesse sachgemäßer Forschung nach Oelvorkommen und des Ausbaues aller Oelquellen, die etwa in diesen Territorien gefunden werden sollten, als notwendig erwiesen. Deshalb sei beschlossen worden, keine Schürfrechte zu erteilen, bevor diese Ueberprüfung vorgenommen sei. Zur Zeit, da dieser Beschluß gefaßt wurde, hätten mehrere Gesuche um Erteilung von Schurfrechten vorgelegen. Sobald die notwendigen Ergänzungen des Gesetzes durchgeführt sein würden, werde man diese Gesuche überprüfen. Die Revision de.« Gesetzes sei zur Zeit im Gange. Die Interpellantin fragte weiter, ob der Minister wisse, wann die Ueberprüfung des Gesetzes abgeschlossen sein wird, und ob er, sobald dies der Fail sei, in Berücksichtigung des hohen nationalen Interesses an den Oelfeldern dafür sorgen wolle, daß ihre Erschließung womöglich von englischer Seite erfolge. Der Minister erwiderte, er wisse nicht, wann das Gesetz fertiggestellt sein werde, denn es sei wichtig, daß es. wenn auch unnötige Verzögerung vermieden werden soll, die möglichst beste Form erhalte. Das bisherige Gesetz sei insbesondere deshalb verbesserungsbedürftig gewesen, weil in ihm keine genügende Sicherheit für entsprechende Leistungen der Schurfberechtigten gegeben gewesen sei. Auf eine Zwischenfrage von Sir Arnold Wilson, ob dem Minister nicht bekannt sei, daß das Vorkommen von Erdöl in Palästina, sehr unwahrscheinlich ist. antwortete dieser, soweit ihm bekannt sei, berechtigten die Ergebnisse der bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen nicht zu außerordentlichem Optimismus. Handgestrickte u. «gehäkelte Toiletten vom MODELLHAUS WAND A KOFLER Wien V. Bezirk, Hauslabsa»« 7-9 Teigphon U-A5-0-74 Brief aus Jerusalem Von unserem Palästina-Korrespondenten. Jerusalem, Mitte Dezember. Vor wenden Tagen kam der High Commissioner aus London zurück. Damit hat der politische Betrieb wieder begonnen. Der High Commissioner hat, wie er den Zeitungsleuten erklärte, alle palästinensischen Probleme mit dem Kolonienminister in London besprochen und Zustimmung auch für seine Pläne in bezug auf Legislative Council (Parlament) gefunden.1 Gleich am ersten Tag empfing er eine Delegation arabischer N o t a b e 1 n, Führer der arabischen Exekutive, unter Führung des Präsidenten Y a c o u b Ef f endi F a r r a j. Die arabische Delegation überreichte ein Memorandum, das auf den Landverkauf an Juden und die jüdische Einwanderung Bezug nimmt. Es wird darin ausgeführt, daß 1929 und 1930 englische, arabische und jüdische Vertreter vor der Shaw-Komm i s s i o n den Landüberfluß der Araber mit 100.000 Dunam festgestellt hätten. Nun zeigen die Zahlen des Registrieramtes, daß in den Jahren 1930 bis 1933 118.000 Dunam aus arabischem Besitz in jüdischen übergegangen sind, nicht gerechnet jener Boden, der nach Meinung der arabischen Exekutive überhaupt nicht registriert worden ist. Auni Bey Abdul Hadi, der im Namen der Araber «prach, führte weiter aus, daß die arabische Exekutive Grund zu der Annahme hätte, daß die jüdische Einwanderung die Zahl von 50.000 Menschen überschreit c. Unter diesen Umständen sieht sich die «.rabische Exekutive genötigt, festzustellen, daß in wenigen Jahren der Einfluß der Araber unter den der Juden fallen wird, was im Widerspruch mit den Versprechungen, die den Arabern gegeben wurden, stehe. Ihre zivilen und religiösen Rechte wären unter diesen Umständebedroht. Der High Commissioner antwortete der arabischen Delegation sofort und teilte einige interessante Daten mit. Zur Frage der jüdischen Einwanderung sagte er, daß sie in den ersten zehn Monaten des Jahres 1934 die Zahl 36.000 nicht überschritten hätte. Was die illegale Einwanderung anlange, müsse doch zugegeben werden, daß die Regierung nach besten Möglichkeiten Widerstand entgegensetze. Er sagte, daß die illegale Einwanderung im Jahre 1934 gegenüber 1933 um die Hälfte gesunken sei und daß die Zahl im kommenden Jahre weiter reduziert werden dürfte. Eine schärfere Kontrolle der Grenzen, ein spezielles Kontingent der Polizei, eine Marinepolizei, die mit Motorbooten ausgerüstet ist, werden die illegale jüdische Einwanderung fast unmöglich machen. Der interessanteste Teil seiner Ausführungen war der, welcher die Huleh-Konzession behandelte. Er stellte fest, daß die ersten arabischen Konzessionäre in 20 Jahren nichts geleistet hätten und die neue Gruppe kräftiger sei und in absehbarer Zeit die Drainage und Ansledlung beginnen werde. Die alten Konzessionäre hatten die Verpflichtung, 10.0 0 0 Dünam für lokale arabische Kolonisten zu benützen, während es nun die Regierung durchgesetzt hätte, daß 15.0 0 0 Dunam für diesen Zweck reserviert werden. Außerdem seien die Drainage und Bewässerung mit keinen Kosten für die arabischen Kolonisten verbunden. Zum Legislative Council sagte er, daß er gewiß errichtet würde. Allerdings konnte man seinen Worten entnehmen, daß es nun nicht mehr so eilig sei. Er will die neuen gewählten Stadtverwaltungen einige Zeit arbeiten lassen und nachher mit den einzelnen Gruppen und Parteien das Projekt des Legislative Council diskutieren. Allgemein wurde in jüdischen Kreisen die Regelung der Huleh-Konzession mit Zufriedenheit aufgenommen, wenn sich auch gewisse Besorgnisse in bezug auf die Landreserve von 15.000 Dunam für arabische Kolonisten ergeben. Die Geschichte der Huleh-Konzession ist interessant. Die neue Gruppe, die nun die Konzession in Händen hat, ist die PLDC. (Palestine Land Development Company) zusammen mit anderen jüdischen Interessenten. Die frühere Eigentümerin war „The Syro-Ottoman Agricultural C o.", eine Gesellschaft von einigen Familien aus Beirut, welche die Konzession im Jahre 1914 erhielt. Der Ablösepreis betrug pal. Pf. 200.000. Im Frühjahr 1933 hat Joshua Hankin das vorläufige Abkommen signiert. 18 Monate ging nun der Kampf mit der Regierung wegen der Legalisierung. Ende September kam die ersehnte Bestätigung, einige Tage später erfüllte die PLDC. ihre Verpflichtungen und erhielt die Konzession. Zwei Monate dauerte es nun wieder, bis das Land übergeben wurde. Dieser Akt der Uebergabe wurde am 28. November in einer Farm in Zubeid (Yesod Hamaalah) in Anwesenheit der Direktoren der JAFFA Orangen und Grape fruit ^% Saftig Ohne Kernt- ■» Ideales Aroma « Bei Handel und Pu* bllkuni gleicher* weise beliebt B.C. D. feMdoa Joseph Schmidt in dem Wiener Großfilm „Ein Stern fällt vom Himmel" Regie; Max Neufeld AB HEUTE: ELITE-KINO, I., IMPERIAL-KINO, I., GPERN-KINO, I., SCHOTTENRING-KINO, I, LUST- SPlELTHEATER,II,FLOTTENKINOVI Monopol: Luxfilm Ges. m.b.H. PLDC, eines Mitgliedes der Exekutive und Mr. A ndrews als Vertreter der Regierung durchgeführt. Das Gebiet umfaßt 57.000 metrische Dunam, einschließlich des Sees von Merom. Für jüdische Kolonisation steht nun eine Bodenfiäche von zirka. 36.000 metrischen Dunam zur Verfügung, geeignet für intensive Kolonisation. Damit ist ein neues Gebiet für jüdische Arbeit eröffnet worden. Der Aufschwung der palästinensischen W i r t- Schaft schreitet fort. Jedes Amtsblatt berichtet von neuen Gründungen, oft dutzendweise. Das ist nicht unbedingt als Plus zu werten, da viele dieser Betriebe untc rfinanziert sind und daher oft spekulativen Charakter tragen. Solange allerdings Konjunktur herrscht und GeldUberfluß, ist nichts zu befürchten, doch eine noch so kleine Krise kann katastrophale Folgen haben, da Gelder ziemlich leichtfertig gegeben werden, selbst von größeren Bankinstituten. Bei fast keinem Betrieb gibt es Reserven. Man macht heute auf und vergrößert morgen, wenn man nur etwas Geld hat. Das Geschäft geht, man nimmt Anleihen auf, ohne sich dadurch nennenswert belastet zu fühlen und spekuliert ä la Hausse ohne Ende und vergißt daran, daß beim Aufba,ue eines Landes Krisen nicht zu vermeiden sind. Im Augenblick deutet wohl nichts auf eine Krise hin, aber weiß man ja aus Erfahrung, daß Krisen über Nacht eintreten können und nur zum kleinen Teil vom Lande selbst abhängig sind. Deshalb ist es verständlich, daß in letzter Zeit bewährte Wirtschaftsführer zur Vorsicht mahnen. Allerdings nicht mit großem Erfolg, da sich jetzt ein grenzenloser Optimismus hemmungslos austobt. Großes Interesse erregte hier die erste Versammlung der neuen Partei der Araber*, die sich ..National Defence Party" nennt und in Jaffa zusamentrat. Es wirkte überraschend, daß sich einige hundert Delegierte eingefunden hatten, zum Großteil führende Araber. Unter Eid verpflichteten sie sich, zum Schutze des Landes und Loyalität zur neuen Partei. Das Programm dieser Partei ist nicht ganz klar, besonders ihre Stellung zu den Juden ist nicht ganz geklärt, trotzdem es selbstverständlich ist, daß sie a n t ijüdisch sein wird. Es war zu entnehmen, daß es sich hier um eine ' Partei gegen den Mufti handelt, da zum Präsidenten Ragheb Bey Nashashibi gewählt worden ist und auch die anderen Mitglieder des Präsidiums* ausgesprochene Anhänger der Familie Nashashibis sind. Oskar Herlinger. Syrien und Palästina Jüdische Einwanderung soll Syrien retten Die in Paris erscheinende Monatsschrift „D e r A u s w e g", Organ für wirtschaftliche Umschichtung, Wanderung und Siedlung, bringt einen interessanten Vergleich zwischen der Entwicklung der Nachbarländer Syrien und Palästina. Das vordem blühende Syrien verfällt, das früher trostlos wüste Palästina steigt auf. Die französische Verwaltung Syriens ist bemüht, durch Straßen-, Bahn- und Hafenbauten dem Lande aufzuhelfen, aber die Anstrengungen zeigen.minimale Resultate. Nun will die Verwaltung dem Lande durch jüdische E i n w a nd er u n g aufhelfen. Jüdische Menschen, jüdische Unternehmungslust, und jüdisches Kapital sollen eine Entwicklung, ähnlich derjenigen in Palästina, bewirken. Das Blatt schreibt: Während in Palästina seit mehr als drei Jahren Leben, Bewegung und ein fast amerikanisch anmutender Aufschwung festzustellen sind, klagt Syrien nicht nur über eine Stagn/ation, sondern über den dauernden Rückgang seiner Wirtschaft. Von den natürlichen Voraussetzungen der beiden Nachbarländer her gesehen, erscheint dieser Zustand paradox. Weder räumlich noch was Fruchtbarkeit, verkehrspolitische Lage und andere ökonomische Plusfaktoren anbetrifft, kann sich Palästina auch nur e n tf e r n t mit Syrien messen. Noch niemals war die Natur in den Geschicken zweier Gebiete, deren politische und zollpolitische Trennung sich nach einer Gemeinsamkeit von Jahrhundarten erst durch den Weltkrieg vollzogen hat, so auf den Kopf gestellt wie hier. Syrien und Palästina haben seit urdenklichen Zeiten kulturell wie wirtschaftlich eine Einheit gebildet; sie wurde erst durch die Aufteilung der Türkei künstlich zerstört. Palästina hat in dieser Verbindung fast immer die Rolle des Aschenbrödels gespielt, während heute Syrien im Begriff ist, zur dienenden Magd herabzusinken. Palästina wird von Tae zu Tag mehr Europa,

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