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Die neue Welt · 1934-12-28 · Heft 425 (28.12.1934) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 425 (28.12.1934)
Date
1934-12-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Ifefte 4 DIE NEUE WELT Nr. '425 13 x BERGMANN. I. raben srua 3 *3 HiMMELPFORTG. S _ KÖLLN CR HO FG. t SÄMTLICHE ARTIKEL IN WASCnE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! Fahrend In ETCRNA- Hemden (von 6*80 aufw.) |B» Erst nach einer Stunde tiafon Polizeibeomto ein. Ais der Inhaber Stub der Polizei sagte: ..Hier ist einer, der noch Tiänengasnombon in dei Tasche hat", gab ihm die Polizei zur Antwort: ..Sie haben hier nicht s /. u sagen" Der Mann;iiit den Tränengasbomben konnte ungehindert davongehen. Die Firma Stub beziffert ihren Schaden mit 70.000 Mark. Keine einzige Zeitung in Mainv; durfte üboi die Vorgangberichten. Ein Mitinhaber der Firma Stub i?t Schweizer Bürger. Filsmskandal in München Aus Prag ij. T. A.t: Die Londoner Blätter veröffentlichen lange Telegramme ihrer Sonderkorrespondenten über den Filmskandal im Münchner Luitpold- Lichtspieltheater, der sich gegen den in England hergestellten Film ,,E i n M ä d chen a u s \V i e n' richtete. In dem Film spielt der englische Schauspieler Arthur R i s c o e die Hauptrolle. Ri.scoe wird in Nazi-Deutschland wegen seines Aussehens beharrlich für einen Juden angesehen, obwohl er schon vor Monaten der Reichsfilmkammer den dokumentarischen Nachweis seiner arischen Abstammung erbracht hat. Als Riscoe im Film dem durch Magcia Schneider verkörperten ,.Mädel aus Wien" einen Kuß gibt, ging im Theater ein ohrenbetäubender Spektakel los. Die Hitler-Jugend schrie: ,.Juden laßt die deutschen Mädchen in Ruhe:-1, ..Eine Schande, daß ein deutsches Mädchen mit einem Juden flirtet!". .Juden raus!" usw. Die Vorstellung mußte abgebrochen und der Film abgesetzt werden. Der Buchhäudlei'beruf den Juden verschlossen Aus Breslau: In den ,,Mitteilungen des Provtnzialvereines der schlesiachsn Buchhändler e. V. in Breslau" wird folgende Erklärung veröffentlicht: ..Nichtarier können nicht mehr als Lehrlinge und Volontäre im Buchhandel ausgebildet werden, da sie nicht damit rechnen können, in die Reichsschrifttumskammer über die zuständigen Verbände aufgenommen zu werden. Eine solche Mitgliedschaft ist aber Voraussetzung für die Berufsausübung. Eine Ausnahme gilt nur für rein jüdische Buchhandlungen, die sich auf Belieferung jüdische: Kundschaft beschränken.'' Mit der Mutier i'n den Tod Aus Be r 1 i n: Willi S t e i n b e r g, bis zum Hitleri-tegime einer der erfolgreichsten Dichter der deutschen Kleinkunstbühne, hat zusammen mit seiner Mutter Selbstmord begangen, nachdem ihm als Juden im heutigen Deutschland keine Existenzmöglichkeit mehr gegeben war. Er wurde 42 Jahre alt. Schändung?ines jüdischen Friedhofs Aus Köln. Der ..Bote für Stadt und Land" (Bodenständige Heimatzeitting im Kreise Mörs.) berichtet aus Xanten, daß auf dem jüdischen Friedhof Grabdenkmäler umgelegt und Grabhügel zerstört wurden. Die Täter sind unbekannt. Die Israelitische Gemeinde in Xanten hat in der gleichen Nummei des Blattes für die Xamhaf emachung dei Täter eine Belohnung von RM. 50 ausgesetzt. Sie begründet die Aussetzung einer Belohnung damit, daß auf ihrem Friedhof ,,in letzter Zeit mehrmals Grabdenkmale-' umgelegt und Grabhügel beitreten worden" sind Der Erzschelm Jakob Aua Berlin: Der Deutsche" veröffentlicht einen Aufsatz; des Oberpräsidenten von Berlin. Wilhelm K u b e. Im Zusammenhang mit dem Brauch, zu Weihnachten sich zu beschenken, schreibt Kube: ..... das Weihnachtsfest ist in germanischen Landen nicht eine Erfindung einer christlichen Kirche, sondern uraltes Brauchtum von ü'rväters Tagen her. Der Tag der Wintersonnenwende war unseren Vätern heilig . .. Jn dieser Zeit beschenkte man sich ohne den unanständigen Hintergedanken, dafür vom Himmel eine Belohnung einfordern zu dürfen. Der nordische Mensch war :'n diesen Dingen vorbehaltlos. Er dachte nicht daran, daß anständige Taten belohnt, weiden müßten. Dieser Grundsatz ist erst später vom Judentum in unsere Gedankenwelt hineingetragen worden. Das Alte Testament ist von dieser Gedankenwell erfüllt Sagt doch einer der Erzschelme der jüdischen Räuberhorden, ein rewisser Ja kr b. zu .seinem Gott: ,\Venn du mir das und dies und jenes gibst, dann sollst du mein Gott sein, dann will ich dir Opfer bringen. Das Christentum nach germanischer Auffassung hat mit diesem Börsianers t a n d n unkt nichts zu tun . . ." Die tschechoslowakisch« Post befördert keine Hitler- Grüße Aus Prag (J. T. A. i: Das Postministerium hat seinen Erlaß vom 6. Februar ci. J. über dir- Ausschließung von Sendungen mit gedruckten Hakenkreuzen von dei Postbelörderung nunmehr infolge der Entscheidung des Innenministeriums durch einen neuen Erlaß ergänzt, wonach Ansichtskarten und andere offene Sendungen mit Drucksachen, auf denen der Gruß „Heil Hitler" angebracht ist, vom Verkehr ausgeschlossen sind, auch wenn dieser Gruß nicht aufgedruckt ist, also auch dann, wenn er mitten im Text handschriftlich geschrieben wild. Die Postämter werden hauptsächlich die Weihnachts- und Neujahrskoi respondenzen auf diesen Umstand hin überprüfen. Araber bekommen Einwanderung-Zertifikate für Palästina Aus Jerusalem wird gemeldet: I>io P a 1 ä s t I n a - K c g i e r u n g hat I öO E i u- \\ u n (I e r u n g s z e r 11 f i k a t e für Araber aus A e g y p t p u und S y r I e n zur Verfügung gestellt, die im Hafen von Haifa als Träger und Packer verwendet werden sollen. Es ist dies der erstp Fall in der Geschichte der Mandatsvei waltung Palästinas, daß ausländischen arabischen Arbeitern Einwnnderungszcrtifikntp gegeben werden. Diese erstmalige Maßnahme ist wohl die krasseste der vielen Verletzungen des Palästina- Mandat s, welche sich die Palästina-Regierung seit ECREUZ-KINO Wollzeile 17 . Tel. R.21-2-16 „Mord in Mahatian" mit C!ark Gable, Myrna Loy, William Powell Vorstellungen: 3M, V«8, y«.io ihrem Bestehen hat zuschulden kommen lassen. Ob 150 Araber mehr ins Land kommen oder nicht, ist angesichts der von der Regierung geduldeten, ganz gewaltigen ..illegalen" arabischen Einwanderung wirklich nicht beachtenswert. Aber daß nun eine legale Einwanderung von A u s 1 a n d sarabem geschaffen wird, ist grundsätzlich genommen - der stärkste Hieb gegen den jüdischen Anspruch auf die nationale Heimstätte. Die Araber Aegyptens haben ihre nationale Heimstätte, ihren Staat! Die Araber Syriens desgleichen. Die Juden haben keine nationale Heimstätte, keinen Staat. Und darum hat man ihnen Palästina geöffnet. Das ist der Sinn des vom Völkerbund errichteten Palästina-Mandats! Was haben arabische Arbeiter des Auslandes in Palästina, zu suchen? Sind sie vielleicht unbedingt notwendige Spezialarbeiter, an denen Palästina störenden Mangel leidet? Nein! Träger und Packer! Hunderttausende Juden in verzweifelter seelischer und materieller Not lagern vor den für sie verschlossenen Toren Palästinas und es wäre für sie Inbegriff der Erfüllung ihrer Sehnsucht, wenn sie dort die schwerste Arbeit verrichten dürften, als Träger und Packer. Aber man läßt sie nicht ein, unter dem Vor« wände, daß das Land sie wirtschaftlich nicht ertragen kann. Wozu dann die arabischen Träger und Packer aus Aegypten und Syrien? Hinter dieser Maßnahme der Palästina-Regierung birgt sich eine schwere Gefahr, Man soll sich da keiner Täuschung hingeben. An unsere geschätzten Abonnenten! Wir bitten höflichst um pünktliche Ueberweisung der Abonne mentsgebiihr für die laufende Bes zugszeit, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintrete. Die wiederholte Uebersendung von Erlagscheinen verursacht Mühe und Kosten. Die Verwaltung „DIE NEUE WELT". Araber vertreiben jüdische Arbeiter Aus Jerusalem: Jüdische Arbeiter, die an einem von nichtjüdischen Unternehmern aufgeführten Neubau beschäftigt waren, sind durch arabische Posten gezwungen worden, ihre Arbeitsstätte zu verlassen. Die arabischen Arbeiter standen unter der Führung Farchi Nashashibis, eines Vetters des letzten Jerusalemer Bürgermeisters, der vor kurzem einen national-arabischen Arbeiterverband begründet hat. Der Fall hat, da er der erste seiner Art in Palästina ist allgemein großes Aufsehen erregt. Massenaburteilung jüdischer Einwanderer — Bis zu 1 Jahr Gefängnis! Aus Je r usaln?: Iiik Gifängnis von Akko wurden 120 illegal nach Palästina e i n g e w änderte •Juden eingeliefert, von denen 90 zu G e f ä n g n i s-? trafen in verschiedener Höhe, zwölf von ihnen zu einem Jahr Gefängnis, alle mit nachfolgender Landesverweisung, verurteilt wurden. ftO Gefangene sollen noch abgeurteilt werden. Ein Palästina-Wanderer an der Grenze von Jemen erschossen Aus Jerusalem: Wie aus Aden telegraphiert wird, ist ein Jude bei dem Versuch, die Grenze von Jemen zwecks Auswanderung nach Palästina zu überschreiten, von der Grenzwache erschossen worden. SEEFELD IN TIROL / 1200 Meter, idealer Wintersportplatz/ Hotel*Pension Tyrol *^%SH&Z'SSSi Gesells<haftsräume, erstkl. Verpflegung. — Pension S 8.- bis 10.- Achi-Meir verliert die Palästiaa-Bürgerschaft Aus Paris- (J. T. A.); Vorn Büro der Weltunion der Zionisten-Revisionisten wird der Text dos Briefes des Büros für Einwanderung und Statistik der Palästina- Regierung an den Führer der Jungrevisionisten Palästinas Abba A c h i - M c i r, der noch eine achtzehn m o n a t i k e Gefängnisstrafe wegen Zugehörigkeit zu einer illegalen Vereinigung abzubüßen hat mitgeteilt. In dem Schreiben heißt es: „Mein Herr, ich bin beauftragt, Sie aufzufordern, mir binnen Monatsfrist mitzuteilen ob Sie etwas gegen die Annullierung Ihrer Dokument* als Bürger von Palästina vorzubringen haben, die deshalb erfolgt, weil Sie wegen illegalen Verhaltens zur Regierung von Palästina im Prozeß vom 19. Juni 1934 zu 21 Monaten Gefängnis und Zwangsarbeit lt. § 2 des II LMrel das \ndenken lohann Kremenezk durch Schaffung V » des Kfar Kremenezky! Kriminalgesetzes (Aufreizung zu Aufstand) verurteilt worden sind. Sollten Sie binnen einem Monat mir keino Antwort erteilen, werde ich annehmen, daß Sie nicht in der Lage sind, entsprechende Gründe anzuführen. Mit Hochachtung A. M11 s, Leiter für Einwanderung und Statistik," . Vom Büro der Zionisten-Revisionisten wird hierzu bemerkt: Aus dem Brief ist zu ersehen, daß die Palästina- Regierung bereits Abba Achi-Meir die Palästina- Bürgerschaft abgesprochen und ihm bloß eine einmonatige Frist zum Protest gegeben hat. Ohne seine Palästina-Bürgerschaft kann Abba Achi-Meir nach Verbüßung seiner Strafe aus Palästina abgeschoben werden. Man behauptet, daß Achi-Meir als ehemaliger russischer Staatsangehöriger nach Sowjetrußland abgeschoben werden wird. Judenstaatspartei Oesterreichs Vcrsammlungskalender Dienstag, den 1. Jänner, S Uhr abends im Heim, I., Werdertorgasse 14: Vollversammlung der Judenstaatsjugend. M i t t wach, den 2. Jänner, halb 9 Uhr abends im Heim, I., Werdertorgasse 14:-Versammlung. Donnerstag, den 3. Jänner, halb 9 Uhr abends im Heim, I., Werdertorgasse 14: Studentenversammlung. Generalversammlung der Sektion Prater der Judenstaatspartei Am 23. Dezember fand im überfüllten Saal der Sektion in Anwesenheit des Präsidenten der Judenstaatspartei, Oberbaurat Stricker, die erste Generalversammlung statt. Aus den Tätigkeitsberichten des Herrn Julius K a t z und der Frau Dr. Lucy Offner war zu entnehmen, daß die mächtig aufblühende Sektion nach erst dreimonatigem Bestände bereits über 160 Mitglieder zählt. Hebräischkurse und Seminare über zionistische Geschichte werden gehalten. Sehr gut entwickelt sich die Judenstaatsjugend. Eine Gruppe des Bri th Hakanaim ist ebenfalls im Entstehen. Nach dem Organisationsreferat des Vizepräsidenten der Judenstaatspartei, Herrn Fritz Richter, hielt Oberbaurat Stricker ein großangelegtes, anderthalbstündiges Referat über die „Lage der Juden in der Welt und in Oesterreich", das die Anwesenden zu heller Begeisterung hinriß. Die Wahlen erbrachten folgendes Ergebnis: Obmann: Julius Katz: Obmannstellvertreter: Casiel Kasriel G1 a s b e r g und Richard Hauben; Sekretär und Organisationsreferent: Moses Diamant' stein; Kassier: Emil Wallach; Kassierstellvertreter: Frau Erna Hauben; Kassarevisoren: Frau Dr. Lucy Offner und Joel Reich; Ausschuß: Leo Becker, Jehoshua Ebel, Heinrich Feuchtbaum, Erna Fischer, Michel Fisch, Rosa Glasberg, Loopold Gold, Anny Gold, Artur Hecht, Dr. Zwi Kanner, Fanny Katz, Siegmund Knoll, Gisela Kurz, Lola Pepis, Leo Pepis, Salomon Fuchs, Rosa Reich, Salo Rubin, Isak Sigall, Dr. Schwebel, Benzion Schiffmann, Gustav Sperling, Mina Ungar, Abraham Ungar, Mila Wallach, Chaskel Zunz. Nichtantisemitischer Nationalsozialismus Aus Athen (J. T. A.): Unter dem Namen „E t h n i k i Siraai a" (Nationalflagge) ist in Athen eine neue Zeitung erschienen, die von der nationalsozialistischen Partei Griechenlands herausgegeben wird, an deren Spitze der ehemalige Bürgermeister von Athen, M o r c o u r i s, ein früheres führendes Mitglied der Regierungspartei, steht. Der Leiter dea- Blattes hat erklärt, der jüdischen Bevölkerung gegenüber eine freundschaftliche Haltung einnehmen zu wollen. Eine weitere Neugründung ist „H o Typos" (Die Presse), die von dem Abgeordneten Cr anitoakis redigiert wird. Die Zeitung kündigt die Veröffentlichung von mindestens einem Artikel über jüdische Fragen in jeder Woche an. Jüdische Rechte und Forderungen sollen in üu: eine Vertretung finden.

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