Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 424 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712047--4785-2718314- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seile 4 DIE NEUE WELT Nr. 424 13 x BERGMANN RABEWSTEIG 3 HIIWMELPF0RT6. 5 KÖLLNERHQF-; 1 SÄMTLICHE ARTIKEL IN WÄSCHE UND WIRKWAREN SPOTTBILLIG! FUhrend In ETERNA. Hemden (von 0'80 aufw.) 1 1 a tn" hat die zionistische Exekutive Frieden mit den Revisionisten, ja Unerklärt, daß Verbleiben in ein der Organisation nur möglich der Disziplin der Organisation in der präzis umschriebenen Form traulich", sondern in einem ment" hat Herr Jabotinskv ist, wenn sie sich restlos zionistischen W e 1 tvom P r a g e r Kongre ß unterwerfen. Und nicht ..ver¬ Artikel im Warschauer „Moerklärt, daß davon keine Rede sein könne, und sagt jetzt, wie oben festgehalten, daß alles, was von einer Annahme der zionistischen Disziplin und ihrer auf den Prager Kongreß geprägten Form durch die Revisionisten gesagt wird, „n ärrisches Gerede" und „müßige Träumerei" und „schlimmer als eine Lüge" ist. Nicht vertraulich, sondern öffentlich, wieder in einem Artikel im „Moment", hat Herr Jabotinsky die Anklage erhoben, daß das geschlossene ,,U e b e reinkommen 1" von sozialistischer Seite bereits gebrochen wurde. Ist es Bruch der Vertraulichkeit und Friedensstörerei, wenn angesichts so widerstreitender, öffentlicher Erklärungen die zionistische Oeffentlichkeit Bedenken äußert? Wenn Herr Jabotinsky andeutet, daß die Vereinbarungen zwischen seiner „nationalen" und der sozialistischen Gewerkschaft eine interne A n g elegenheit dieser beiden ist, so irrt er auch. Es ist Recht und Pflicht der zionistischen Oeffentlichkeit. rechtzeitig dagegen Stellung zu nehmen, daß an Stelle des bisherigen unerträglichen Arbeitsmonopols der sozialistischen Gewerkschaft etwa zwei Monopole, ein sozialistisches und ein revisionistisches, gesetzt werden. Dann wird es wieder keinen Frieden in Palästina geben, dann ist wieder das Recht je d e s Juden auf Arbeit gebrochen. Diese im Verlaufe der Friedensverhandlungen zutage tretenden Erscheinungen vertuschen zu wollen, wäre gefährlich für den von allen ersehnten Frieden. Man muß rechtzeitig auf sie hinweisen, denn die Erfahrung lehrt, daß auf unklar geführte Verhandlungen nicht Frieden, sondern noch schärferer Kampf folgt. ment „die Männer worden es schon schaffen", denn es geht um das höchste Gut der jüdischen Nation, um die Zukunft des jüdischen Volkes: um das jüdische Kind. Wenn es nun Juden gibt, die in dieser Frage keine einhellige Stellung zulassen, so ist es eine heilige Pflicht der jüdischen Mutter, sich nicht von kleinlichen Motiven leiten zu lassen, sondern alles daran zu setzen, um dem jüdischen Kind ein wirkliches S c h u 1 h e i m zu ermöglichen. Als stolze, bewußte Pionierin des Judenstaates muß die jüdische Frau stets das eine Ziel anstreben: Für den Judenstaat eine junge, stolze, nationalbewußte Generation zu erziehen; ihrem Kinde ein lebendiges jüdisches Bewußtsein und eine ewige Liebe zu seiner Nation einzupflanzen. Vorstellungen: 'A4, Vj8, ttlO Die Modonkuilrmte der Friseure. Im Klubhcim verunstaltete letzten Mittwoch President Rössel einen Fiisierwettbewerb zur Kreiening einer ganz neuen Frisur. Ks kam bloß zur Verteilung des zweiten und dritten Preises. Für eine schöne Nachmittagsfi isur, die durch einen mit Locken besetzten Zopf am Hinterhaupt zu einer eleganten Abendfriaur wurde, erhielt Obermeister Johann II oder den zweiten, für eine interessante Welieni'risur mit glatter dreiteiliger Flechte aitt' dem Scheitel Obermeister Wilhelm T u r c i c den dritten Goldpreis. President Rössel wünschte, daß auch unsere Friseure Gelegenheit erhielten, im Ausland ihre Kunst zu zeigen. vm Vorhänge KREUZ-KBS40 '■ Wollzeile 17 Tel. R-21-2-16 „Mord in Mahaitan" mit C ark Gable, Myrna Loy, William Powell i ii ni [B§€äM§ Die }udi§die Frau und die „Juilenlcfa§§e'/ . Von Dr. Rachel Offner. Die Judenschaft Oesterreichs steht der wichtigen Frage der Schaffung eines jüdischen Schulwerkes nicht einig und geschlossen gegenüber. Deshalb müssen wir machtlos zusehen, wie unsere Kinder in den Ghettoklassen seelisch verkümmern. Der ,,Volksbund" hat die jüdischnationale Forderung, die Errichtung eines jüdischen Schulwerkes, den offiziellen österreichischen Körperschaften überreicht. Höchstwahrscheinlich ist bis nun auch deswegen keine Entscheidung gefallen, weil gewisse zionistische Kreise dieser so dringenden Frage entweder keine große Bedeutung zuschrieben, oder sogar Steine in den Weg legten. Zu dieser Ansicht sind wir jüdische Frauen gekommen. Wo bleibt die Stimme der jüdischen Frau, der jüdischen Mutter? Wie lange wird sie noch schweigen? Gerade die jüdische Mutter ist die Berufenste, in dieser Frage das Wort zu ergreifen. „Jüdische Mutter", wieviel Liebe, Gefühl, Aufopferung enthalten diese zwei Worte für ihr Kind. Und jetzt schweigt sie, die Erzieherin und Kameradin des Kindes! Die jüdische Mutter begreift und fühlt, wie die Seele des Kindes unter den heutigen Erziehungsbedingungen verkrüppelt wird — und doch schweigt sie. Das jüdische Kind, aus den Judenklassen nach Hause kommend, erzählt der Mutter, wie viele Leiden es dort mitmacht. In der Judenklasse besteht der alte Schulplan, die alten Lehrer unterrichten; aber im abgesonderten Judenraum herrscht eine Atmosphäre der Erniedrigung und der Schande. Und wenn das jüdische Kind die Judenklasse verläßt, so wird es von seinen ehemaligen Kameraden und Spielgenossen gemieden und man sieht in den Augen der alten Schulfreunde eine große Portion Verachtung, die sie für den Judenknaben in den „Judenklassen" übrig haben. Und nicht selten kommt es nach dem Schulunterricht zu Kämpfen zwischen den Schülern der Judenklassen und der Christenklassen. Die nationalbewußte Mutter ist sich als Erzieherin bewußt, daß die Einführung der Juden- und Christenklassen zwar für die christlichen Kinder eine deutschreligiöse, dagegen, für die jüdischen Kinder weder eine jüdisch -nationale, noch eine jüdisch -religiöse Erziehung bedeutet. Solch eine Erziehungsmethode pflegt beim jüdischen Kind schon im zartesten Alter das Gefühl der Zurückgesetztheit hervorzurufen und ihm quasi die Minderwertigkeit seines Volkes vor Augen zu führen. Dieses Empfinden entwickelt sich in der jungen Seele deg Kindes zu einem deprimierenden Inferioritätsgefühl, das nicht zuletzt für seine weitere Lebensbetrachtung ausschlaggebend Ist. Die jüdische Mutter, die seit zweitausend Jahren die Hüterin des jüdischen Geistes und der Reinheit der jüdischen Familie war, die berufen ist, in diesem Sinne das jüdische Kind zu erziehen, ist verpflichtet, ihre Stimme für das jüdische Schulwerk zu erheben. Gerade in dieser Frage darf die volksbewußte Mutter keine Scheu vor dem Wort „Politik" kennen. Bio darf sich nicht abschrecken lassen durch das Arguusem i Vertreter brotlos gemacht i Wir haben gleich bei Erlaß der neuen österreichischen Gewerbeordnung darauf hingewiesen, daß die jetzt getroffenen Maßnahmen tausende schwer arbeitender jüdischer Menschen brotlos machen, ihnen jede Existenz- möglichkeit äbschneiden und in tiefste Verzweiflung; stürzen werden. Leider hat unser Ruf von der unsäglichen 1 Angst und Not, in v/elche diese Menschen gestürzt wurden, 1 noch nicht den entsprechenden Nächhall gefunden. Viele maßgebende j ü di.se h e Kreise scheinen den Ernst der Situation nicht zu begreifen, und es ist wohl charakteristisch, daß in einer Versammlung, über welche nachstehend berichtet wird, ein christlicher Redner auf die Teilnahmslosigkeit dieser Kreise gegenüber der Not ihrer Volksgenossen vorwurfsvoll hinwies. Wir werden unablässig die Aufmerksamkeit der Regierung und der Oeffentlichkeit auf dieses Drama kleiner Existenzen hinweisen, bis sich die Erkenntnis Bahn bricht, daß hier Wandel geschaffen werden muß. Wir bringen nachstehend die Berichte über zwei. Versammlungen der betroffenen i Kaufleute und Vertreter. Am 12. Dezember 1934 fand eine Massenversammlung der Teilzahlungshändler Wiens im „Bayrii sehen Hof" statt, als Protest gegen die Novellierung der | Gewerbeordnung, durch welche die Lebensinteressen der Teilzahlungshändler aufs schwerste bedroht sind. Der Artikel 59 der Gewerbeordnung verbietet nunmehr das Aufsuchen von Bestellungen bei Privatkunden auch für Textilwaren und Konfektionswaren, was für jene Geschäftsleute, die ohne Lokale arbeiten, schlechthin die Katastrophe bedeutet. Durch dieses Verbot ist diesen Kaufleuten unmöglich gemacht, Kunden zu werben, sie sind einfach nicht mehr in der Lage, Geschäfte zu tätigen. Nicht nur selbständige Kaufleute, sondern auch die A rbeitnehmer der Teilzahlungsbranche sind von dieser Maßnahme hart betroffen. Die Wirtschaftskrise macht es ihnen unmöglich, sich beruflich umzustellen. Die Redner der Versammlung (Kommerzialrat Jacob i, Rechtsanwalt Dr. Hugo Wolf, Hermann Scharf berg, Doktor Max P i 1 z e r namens des Reichsverbandes der kreditgebenden Detailkaufleute, Kommerzialrat Oskar Zwieback für die Lieferanten des Teilzahlungshandels, Dr. Ehn für den österreichischen Arbeiterbund) protestierten gegen das Unrecht, das den im Teilzahlungshandel erwerbstätigen Arbeitgebern und Arbeitnehmern angetan "wurde, und forderten Aufhebung der Verbote, weil diese sowohl volkswirtschaftlich als auch sozial ungerechtfertigt und schädlich sind. Am 18. Dezember fand eine vom O e s t e r r e i c h ischen Arbeit erbund einberufene Versammlung der Fachgruppe der Ratenagenten und Handelsvertreter statt, die Massenbesuch aufwies. Es sprachen vom Arbeiterbund die Herren E. Roninger, Dr. L. Ehn und E. Fischer. Herr Roninger schilderte die große Notlage, in die tausende von Menschen durch die ver- Stores, Decken, Ki sen etc. in einfacher bis zur feinsten Ausführung. Atelier Marianne Krammer, Wien VIII, Strozzigasse 28, Telephon A-21-8-28. Auch Reparatur und Umarbeitung Handgesfricktc u. «aehSkelte Toiietten vom MODULE.MAUS WANDA KOFLER H Wien V. Beiirk, Hamlabflg«« 7 9 ■ Telephon U-/.5 0 74__£| Ertffftanknzcße. Tel. B-28-1-89, ehem. langiähr. Stückmeister b. Chrarnosta. ä\t v s Y l ' 'r I If r7,M, UJien.VI.HfilS£RSTR.123 CH&IMU IX. ßlS£RSTR, 6 schärfte Handhabe der Gewerbenovelle gebracht wurden. Dr. Ehn erkannte es als Aufgabe des Arbeiterbundes an, eine Aufhebung oder zumindest Lockerung des Gesetzes zu erreichen. Der Arbeiterbund werde schon in den nächsten Tagen bei den zuständigen Stellen deputativ vorstellig werden. Namens des Verbandes dei* kreditgebenden Kaufleute erklärte sich dessen Sekretär Dr. Pilzcr mit der Protestaktion der Ratenagenten solidarisch und regte an, daß Unternehmer, Agenten und Lieferanten gemeinsam bei der Regierung intervenieren sollen. Zum Schluß sprach die Versammlung dem Obmann des Jüdischen Volksbundes und Herausgeber der „Neuen W e 1 t", Oberbaurat Robert Stricker, den herzlichsten Dank für die mutige Stellungnahme in der Frage der Gewerbenovelle, aus. Wer bisher glaubte, daß dieses Gesetz „allgemeiner Natur" Juden und Christen in gleicher Weise belaste, der konnte bei dieser Versammlung konstatieren, daß zu 95 Prozent Juden betroffen sind. Die Not dieser Menschen ist entsetzlich. Das Gesetz wird auf das schärfste durchgeführt. Es wurde berichtet, daß in einzelnen Bezirken die Hausbesorger beauftragt wurden, sofort den Wachebeamten zu holen, wenn der „R a t e n j u d" kommt ' The R O. B. Cable address . i 119, Telephone 963 11!)64 ..ASHWAIBANK" TEL-AV1V TEL-AVI V Ausführung sämtlicher Banktransaktionen H ilAI BI LID. Hodar Hakarmcl P. O. B. 950, Telephone 344 Cable address: „ASHRAIBANK" HAIFA HAIFA Juden§taatspartei Oesterreichs Versammlungskalender Samstag, 22. Dezember, '/<9 Uhr abends, im Heim, Kleine Zufahrtstraße 166, Versammlung. Thema: „Die Aufgaben der Frau in der Juden staatsparte i." Redner: Frau Fanny Katz und Fritz Richter. Sonntag, 23. Dezember, </>9 Uhr abends, im Heina*, II., Kleine Zufahrtstraße 166: Generalversammlung der Sektion I'mter Tagesordnung: 1. Eröffnung und Begrüßung. 2. F r i t z Richter: „Die Arbeit der Judenstaatspartei in Vergangenheit und Zuk unft." 3. I n g. Robert Stricker: „Die Lage dos jüdischen Volkes — Der Judenstaatszionismus als einzige Lösun g." Offner und Julius Katz: Tätigkeits- 4. Frau Dr. bericht. 5. Wahlen. 6. Eventualia. üri*hffH«ik<inahiiti Sonntag fand im 10. Bezirk die Feier des einjährigen Bestandes der Plugah „Ahro n" statt. Sgan mit'. Viktor Rosenfeld begrüßte als Funktionär dieser Gruppe den Mlf. arzi, Herrn Dr. J. Z. Kanne r, Rosch Gedud Karl F ränkl, die Vertreter der einzelnen Wiener Plugoth und die übrigen Anwesenden. Dr. Kanner erzählte von ' jüdischen Helden aus unserer Geschichte und überreichte dem Rosch Plugah des Snif X., S. Bürger, eine blauweiße Fahne mit unserem Symbol, der Menorah. Darnach begeisterte Ernst Laufer mit einem Vortrag aus eigenen Werken. Den Abschluß bildete eine Schmalfilmvorführung, die fast, ein« Stunde dauerte. Die überaus gelungene Veranstaltung brachte viele Neuanmeldungen, ein schöner Erfolg der Arbeit dieser tüchtigen Gruppe. Während der Schulferien findet im Heim, II. Bez., Unt. Augartenstraße 38, ein F ü h r e r k u r s unter Leitung des Sgan mlf. Viktor R o s e n f e 1 d statt. Anmeldungen Samstag um 7 Uhr bei der Sichach der Plugah „Juda",