Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 424 (21.12.1934)
- Date
- 1934-12-21
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 DIE NEUE VVELT Nr. 424 judenfeindlich ist. Den Italienern ist etwas Sonderbares widerfahren. Sie sind ohne 'Judenfrage zum Kongreß gefahren und kommen mit ihr nach Hause. Sie sind von nun ab mit einer internationalen Organisation verbunden, die die Judenfrage und antijüdische fc^insieliung in ihrem Programme hat. Wenn sich in Montreux, gegen die ursprüngliche Auffassung Mussolinis, erwiesen hta, daß der Faschismus doch eine Ex- Dortware ist, so hat sich ebenso erwiesen, daß auch der Antisemitismus eine Exportware ist. Rom hat an Montreux Faschismus geliefert, Montreux an Rom Antisemitismus. Die Frage, warum der Kongreß in Montreux zu einer antijtidischen Einstellung gelangen mußte, ist ieicht zu beantworten. Der Faschismus erblickt nun einmal im Sozialismus, Kommunismus und Bolschewismus das Unglück unserer Tage. Ihnen vor allem gilt sein Kämpf. Nun präsentiert sich ihm das Judentum in weltpolitischer Hinsicht nur im Lager und in der Führung der genannten, vom Faschismus als gesellschaftszerstörend angesehenen Bewegungen. Von Leon Blum, dem jüdischen Führer der sozialistischkommunistischen Front in Frankreich, war auf dem Kongreß viel die Rede, vom Juden L i t w i n o w, der heute den Moskauer Bolschewismus vor dem Genfer Weltparlament vertritt. Von anderen Juden war nicht die Rede, nicht von jenem Judentum, das hart um seine nationale Existenz ringt, das darauf verzichtet, dieänderen Völker gegen ihren Willen glücklich zu machen und sich in ihre Angelegenheiten überheblich einzumengen, das nichts will, als Gleichberechtigung und ein Stück heimatlichen Boden unter den Füßen, einen jüdischen Staat im jüdischen Palästina. Daß von diesem Judentum? in Montreux keine Kenntnis genommen wurde, ist nicht zuletzt dessen eigene -Schuld! Das nationale und zionistische Judentum hat bis jetzt darauf verzichtet, sich eine weltpolitische Repräsentanz zu schaffen. Und das rächt sich bitter: Man sieht dieses Judentum weltpolitisch überhaupt nicht, daher spricht man auch nicht von ihm; In Abkehr von den Grundlehren Theodor- Herzls-; hat- - die- Zi o n-i's-ti -s c h-e O r g a n i s at i o-n auf-die weltpolitisch^ -Rolle, -welche ihr dieser Führer zugedacht und auch gegeben hatte, verzichtet und . an der Rolle als jüdische Kolonisationsgesellschaft Genüge gefunden; Der Jüdische Weltk o n.g re ß,: ■ welcher die jüdische Weltrepräsentanz schaffen soll, ist dank der Gegenarbeit antizionistischer und gewisser zionistischer Kreise bis heute nicht zuganjfti.enggtreten.-j Angesichtseiner weltpolitisch eingestellten -Zionistischen Organisation und. vom jüdischen Weltkongreß erwählten. Repräsentanz des nationalen Judentums, wäre' die Antwort, welche der Kongreß in Montreux "auf die'Judenfrage gegeben hat, wohl anders; (ausgefallen. . ' . r. st. »388 « 'Eine Leserin schreibt uns: „Ich halte es für notwendig, Ihre' Aufmerksamkeit auf die Notiz, die in der Beilage „S t i 11 e Stunde n" zür „O e s t e r r. Arbeiterzeitung" vom 15. d. M. erschienen ist, zu lenken. Darin wird trotz der Beschlagnahme durch'deri Staatsanwalt das Buch von Christian Loge „Gibt es jüdische Ritualmorde" nicht nur in wohlwollender Weise rezensiert, sondern sogar für den Weihnachtstisch empfohlen. Es muß die jüdische Bevölkerung befremden und mit Mißtrauen erfüllen, wenn ein christliches Blatt durch Anpreisung eines solchen - Buches,. dessen Tendenz durch die Beschlagnahme gekennzeichnet ist, direkt zum Religionshaß aufhetzt. Ich-lege Ihnen den betreffenden Ausschnitt bei und stelle Ihnen - frei, entsprechenden Gebrauch davon zu machen. Mit Judenstaatsgrüßen G. K." Im Ausschnitt aus den ,,Stillen Stunden" heißt es in der Rubrik „Das Büchergeschenk" wie folgt: „Stärkste Hervorhebung verdient auch das Schaffen des Verlages Sty ria in Graz. Der Verlag empfiehlt sich vor allem deshalb, well er sich im starken Maß dem sozialen Schrifttum zugewandt hat und dabei eine Richtung fördert, die sich durch Konsequenz im sozialen Denken auszeichnet. In einigen VV'erken wird auch die Juden frage behandelt. Mit aller strengen Liebe, die allein hier Klarheit und Heilung bringen kann, werfen Autoren von Rang die aktuelle ,,'Judenfrage" in ihren Kernpunkten auf, wie: Prof. Dr. Severin Grill O. C i s t„ in seinem klaren und einführenden Werkehen: „Der Talmud und Schulchan Aruc h", eine theologische Studie für weitere Kreise, und Anton Orel in: „Judaismus, der weltgeschichtliche Gegensatz zum Chr i stent u m". Auch die. christliche. Antwort auf die Frage: „Gibt es jüdische Ritualmorde?", die heute die 'Wanderschaft durch das breite. Volk angetreten hat, gibt Christian Loge. Sowohl diese Sichtung und psychologische Klärung des geschichtlichen Materials, als auch die grundsätzliche christliche Stellung /.um J u d a i s m ü s ist geboren Uen2.Preisiürifrisurtn,im Klubheim der Modeakademie,erhielt Obermeister JOMM HEDE». Herrenu. Deinen-Frlslenaion dtn 'j Ouermei.ster | WILHELM XUACiC, Damenfriseur u, u.»m-v ■ AUCH IM WIENER RATHAUSKELLER OK Stüberlpreise ^9^Q^ ^^AloWien im Grinzinger Keller. Tagt Musik der Kapeile Auerbach? Konzert. lazz. Stimmung uns L i e b e z u r Wahrhci t, die allein frei macht und die nichts zu tun hat mit der Affenliebe, die zum Verderb des Nächsten alles zudeckt oder entschuldigt." Das Buch ,,Gibt es jüdische Ritualmorde?" ist wohl das blutrünstigste, verlogenste, schändlichste Machwerk, das seit langem auf den Büchermarkt gebracht wurde. Das von der Staatsanwalt vor Wochen verbotene Buch wird öffentlich angepriesen, und noch dazu als .Ausdruck ,.strenger Liebe", als Erbauungswerk für „Stille Stunden", als Weihnachtsgeschenk! Die ..Oesterreichische Arbeiterzeitung", welche den Ritualmord-Verlag so lobt und das Ritualmordbuch so beredt anpreist, ist das Blatt des bekannten christlichsozialen Führers Staatsrat Leopold Kunschak. Wir haben erst vor kurzem Gelegenheit gehabt, eine Rede Kunschaks Uber die Judenfrage zu zitieren und' die in ihr ausgedrückte Würde in der Behandlung der Judenfrage zu loben. Dieser Vorstoß; seines Blattes. steht in so schreienden Gegensatze zu seinen Reden und zu seiner sonstigen Haltung, daß man einen Uebergriff eines seiner Redakteure annehmen muß. Es ist zu hoffen, daß Staatsrat Kunschak den Giftmischereien in seinem Blatte einen Riegel vorschieben wird. Eine christliche Zeitung ft}r Arbeiter schändet sich selbst, wenn sie ihren Lesern derartiges als „Behandlung der Judenfrage" vorsetzt. DSCHAU Uefoerall doppeltes Spiel Mag Hitlor-Daitschland eingestehen oder nicht, daß ihm der antideutsche Warenboykott schade, jedenfalls weiß die Welt, daß es sich bemüht, ihn unwirksam zu machen: durch die Drohung, ein -nichtverkaufendes Deutschland könne auch nicht einkaufen und müssedaher den Kreislauf der Weltwirtschaft stören; und durch positive Maßnahmen, die in der Propaganda für den deutschen Handel bestehen. * > •"./} So hat, wie die J. T. A. meldet, der deutsche Botschafter in London mehrere deutsche Geschäftsleute zur Gründung einer Handelskammer eingeladen, die dem antideutschen Boykott entgegenwirken soll. Diese in London sitzende Handelskammer soll nach den Worten des deutschen Botschafters von Hoesch so wirken, daß ihr die Protektion Adolf Hitlers zuteil wird. Im übrigen werde, erklärt der eigens nach London gekommene Leiter des Berliner Reichsamtes für Auslanddeutsche, nichts mit — Politik zu tun haben. Wie muß die Handelskammer wirken, auf daß sie Hitlers Protektion genieße? Zweifellos hitleristisch, d; h. rassenantisemitisch, judenfeindlich bis zur Vernichtung. Das ist doch klar. Aber es zeigte sich auch hier das doppelte Spiel. Auf die Frage des Vertreters des „Daily Herald" an den Vorsitzenden der Kammer Dr. Markau, ob auch Juden Mitglieder der Kammer werden können, erwiderte dieser unschuldig: „Gewiß werden Juden Aufnahme finden, wir haben nichts mit der in Deutschland selbst geführten Politik zu tun." In richtiges Deutsch ■ zurückgeführt, heißt das: In Deutschland werfen die Hitler-Deutschen jeden Juden aus Arbeit und Wirtschaft heraus, sie diffamieren ihn ui>d stellen ihn der Welt als ein kulturverderbendes Scheusal dar. In England aber haben die Hitler-Deutschen nichts dagegen, wenn die Juden sich für den bedrohten deutschen Handel einsetzen "und für dieses Tun die Protektion Hitlers erwerben. Eine famose Idee. Scheinbar '^erwarten die Arrangeure der neugegründeten Handelskammer, daß sich gewisse „Juden" eine Ehre daraus machen« werdehf mit den arischen Hakenkreuzlern, in London an einem Tisch zu sitzet, ' während dieselben - arischen Hakenkreuzler £in Deutschland Herrn' Julius Streicher zu seinen tollwütigen Judenhetzen gratulieren ... Eon Porträt von Richard Strauß ' Richard Strauß will die Butter auf seinem Kopf dadurch vergessen machen, daß er dem Kunstminister Goebbels Honig in den Mund schmiert. Das ist allerdings mit: 'Unannehmlichkeiten, mit dem Auftauchen peinlicher Erinnerungen "verbunden. Der gegenwärtige Müsikiherös Hitler-Deutschlands Strauß," der ein nichtarisches Enkelkind' besitzt, dachte einst anders über Juden und Antisemiten. Wir erfahren durch den aus Deutschland geflüchteten und in Paris lebenden Schriftsteller Alfred K e r r ganz pikante Dinge. Kerr erzählt, Strauß habe ihn gebeten, für ihn ein Libretto „Peregrin" zu schreiben und dem lächerlichen Helden Peregrin einige Züge des echt deutschen Komponisten Hans Pfitzner zu geben. Kerr schreibt darüber im „Pariser Talblatt": „Der Meister war so liebenswürdig, verwendbare Punkte aus Pfitzners Dasein mir mitzuteilen. Nicht nur aus seiner Haltung zu Mädchen vom Theaterchor. Es waren Uebergriffe geschehen. (Untergriffe?) Doch vor allem betonte Strauß mit Entrüstung, Pfitzner sei von judäischen Mädchen über Wasser gehalten, in der schwersten Zeit höchst hilfreich unterstützt worden — und er tätige nun Antisemitismus. Der Meister war darüber außer sich." Alfred Kerr erzählt weiter: „Beide Gastfreunde, bei denen der heutige Kunstkämmerer Hitlers, Dr. Richard Strauß, zu wohnen, zu essen, zu schlafen pflegte, mußten ihr Haus verlassen, wo er dazumal wohnte, schlief und aß. Lili das in der Rauchstraße, der Handelsgerichtsrut Strauß das in der Heerstraße. Fremde nahmen die Häuser in Besitz. D,er herrliche Klangmeister, der in beiden Häusern jetzt nicht mehr wohnen, schlafen, essen wird, ladet gewiß die aus den Häusern, wo er wohnte, schlief und aß, Ausgewanderten auf seinen Landsitz bei Garmisch . ." Nein, das tut Richard Strauß bestimmt nicht. Wenn es mit seiner Schwärmerei für Rassenreinheit so weiter geht, wird er vielleicht seinen eigenen Sohn enterben, weil er nichtarisch versippt ist. SEEFELD IN TIROL / 1200 Meter, idealer Winlersporlplatx / ||n|n| _ Djinsf an Ttrvnl Zantralhaizuns, ><i«R«nd«s nOiei a renSMOn l yrOl w„rma» und hall« Wasser, Gesellschaftsräum«, «ralkl. Verpflegung. — Pension S 8.- bis 10.- Ansehe Geschäftsweisen Wir erhalten folgende Zuschrift: Vor einigen Tagen ist im Verlag der Völkischen Arbeitsgemeinschaft, VII., Neustiftgasse 117, der „Ä r ische Geschäfts weiser" erschienen. Er bezweckt, der arischen Bevölkerung jene Firmen und Geschäfte anzugeben, die Ariern gehören. Laut Vorwort handelt es sich darum, die Arier vor den Nachteilen der jüdischen Praktiken zu schützen und die f r e m drassigen Ausbeuter aus Oesterreich zu verdrängen. Mit welcher Berechtigung diese Gesellschaft von „jüdischer Ausbeutung" spricht, geht daraus hervor, daß jenen Kunden, die sich als Arier ausweisen, Preisnachlä'sse gewährt werden. Preisnachlässe sind nur dann möglich, wenn die allgemein verlangten Preise mehr als den bürgerlichen Nutzen enthalten, was im Grunde genommen nicht» anderes als eine Ausbeutung ist. Charakteristisch ist, daß in dem Verzeichnis' die arischen Firmen und Erwerbsunternehmer (auch Advokaten, Apotheken usw.) des, I I. und X X. B & % i r k e s so gut wie nicht vorkommen. Dort, in jüdischen Bezirken, wo man sich durch die Annoncierung seines Ariertume schaden könnte, dort wird dies wohlweislich unterlassen. So kommt es, daß in dem Geschäftsweiser die annoncierten Geschäfte .meist aus jenen Bezirken stammen, welche Weniger von Juden bewohnt werden. Aus diesen Gründen scheint es angezeigt, auch der jüdischen Bevölkerung solche interessante Firmen zu nennen. So empfehlen sich als arische Firmen: Wantky & Co. (Trenchcoat) — Argentor-Werke — Württembergische Metallwarenfabrik — Wiebag — Hanns Schoißwohl — Rasper & Söhne (Porzellan) — Spitzhüttl (Tuch) — Wahliss Ernst (Porzellan) — Regenhart & Raimann — Ladstätter (Strohhüte) — Victorin (Dauerbrandöfen) —• Steiners Paradiesbetten — Nittl & Dworäk (Schneiderzugehör) — Dewis & Rittmann (Schneiderzugehör) — Ita (Hüte) — Negerle & Strübell (Drogerie);; — Wallace (Drogerie) — Gunkel (Schneider) — Herrnhuter (Wäsche) — Franz Pserer, II., Tabbrstraße 9 — 1 Zdenko Dworak (Spedition), I., Kai 43 — Szenkovits Paul, I., Graben 22 — Th. Boyer, II., Untere Augartenstraße 20 — Kober Josef, Spielwaren, I., Graben 14 — Ittner Rai- ' mund, I;, Spiegelgasse 2 — Schleiffelder; Otto, Optiker — i Haß & Czizek, I., Kärntnerstraße 5 — Blassers Nachf.,! II., Taborstraße 35 -,- Bären-Drogerie, IL, Glockengasse. —! Deubler Josef, Buchhandlung, II., Praterstraße 38. Flüehtlingstulfe und Palästina Herr James MacDonald, der vom Völkerbund eingesetzte Hochkommissär für Flüchtlingsangelegenheiten, hat kein Glück in seiner ebenso wichtigen wie edlen Funktion. Die Gelder, die von privaten Organisationen aufgebracht wurden, waren durch die Spesen des Flüchtllngsbüros rasch konsumiert, und wie man seit; längerer Zeit hört, ist da und dort die Hilfe für die deutschen Flüchtlinge völlig eingestellt worden. Nun erklärt MacDonald Pressevertretern in New ' York, daß durch die in fast allen Ländern bestehenden Arbeit sv erböte für Ausländer das Problem der Unterbringung der deutschen Flüchtlinge außerordentlich erschwert sei. 65.000 Juden haben Deutschland verlassen, davon sind nur etwas über 30.000 seßhaft gemacht worden, und die Mehrheit von diesen, etwa 20.000, in Palästina. Nach dieser Darlegung könnte man glauben, die Seßhaftmachung von 20.000 deutschen Juden in Palästina sei auf das Konto des Flüchtlingskommissärs MacDonald Wegen der gesetzlichen Feiertage erscheint die nächste Ausgabe unseres Blattes Freitag, den 3Ä. Dezember