Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 423 (18.12.1934)
- Date
- 1934-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2711613-2711952-2712046--4779-2718307- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Aleppo 1× ep/1047811
- Haifa 1× ep/1047930
- Tianjin 1× ep/1045845
OCR text
Nr. 423 Dt£ MfcÜE VP&ttt S«it« 3 Araber in jüdischen Kolonien Vor jeder Zuteilung von iCinwanderungazertiflkaten an die Zionistische Organisation wird das Problem „J üdische Arbeit in jüdischen Kolonien" besonders leidenschaftlich besprochen. Früher trug die Diskussioin über „Jüdische Arbeit in Palästina" einen innerjüdischen Charakter. Es wurde den jüdischen Kolonisten der Vorwurf gemacht, daß sie, mit Hinwegsetzung Uber jüdischnationale Interessen, den billigeren und bequemer zu behandelnden arabischen Arbeiter einstellen und gegenüber der jüdischen Arbeit eine gleichgültige oder ablehnende Haltung an den Tag legen. Der jüdische Kolonist konnte sich in dieser Periode nur hinter das Argument der ,.Wirtschaftlichkeit" verschanzen. Jetzt hat er es leichter. Er kann auf den Mangel an jüdischen Arbeitern hinweisen, kann sagen, daß er arabische Arbeiter einstellen muß, wenn die Ernte nicht auf dem Baume verfaulen soll. Jetzt müssen die Verfechter des Prinzips von der jüdischen Arbeit im jüdischen Lande ihre Anklagen vornehmlich gegen die Palästina-Regierung richten, welche trotz nachgewiesenen Bedarfes nur eine unzureichende Anzahl jüdischer Arbeiter ins Land läßt. Wohl erhöht die Palästina-Regierung unter dem Drucke der Tatsache des absoluten Arbeitermangels die Einwanderungsquote von Zuteilung zu Zuteilung, aber so unzureichend, daß die in der jüdischen Arbeitsarmee entstehenden Lücken, welche mit arabischen Arbeitern aufgefüllt werden müssen, immer größer werden. Nachstehende Tabelle, welche nur einige wichtige jüdische Kolonien umfaßt, gibt ein Bild dieser beunruhigenden Entwicklung: Kolonie Juden Araber Petach Tikwa .... 251 684 Rechoboth..... 539 578 Rischön le Ziön ... 189 403 Ness Ziona..... 300 389 Chedera...... 242 550 Kerkur ....... 70 108 Benjamina ..... 19 S8 1710 2810 Hier ist nur ein Teil der jüdischen Örattgen- ^volonien. Insgesamt ist die Zahl der im jüdischen Orangenbau beschäftigten jüdischen Arbeiter von 5800 im August 1933 auf 4200 im August 1934 gesunken, die der arabischen Arbeiter von 2000 auf 4000 gestiegen. Unter den heute mit arabischen Arbeitern stark besetzten Kolonien befinden sich auch solche, deren Be- : U y.vr sich grundsätzlich zum Prinzipe der jüdischen Arhnt bekennen und vordem überhaupt nur jüdische Arbuter einstellten. Diese handeln also jetzt nicht als schlechte Patrioten, sondern unter dem Zwange der Arbeitsverhältnisse, welche sich zufolge der Drosselung der jüdischen Einwanderung durch die Palästina-Regierung ergeben haben. Der hieraus entstandene Schaden an der jüdischnationalen Saelvi erweist sich leider zu einem beträchtlichen Teile ata auch in der Zukunft schwer gutzumachen. Es ist an sich nicht leicht, den arabischen Arbeiter von jüdischen Arbeitsplätzen fernzuhalten. Ihn aber von einem bereits eroberten Arbeitsplatz zu entfernen, erfordert einen Kampf, der nur schwer durchzuführen, in vielen Fällen Uberhaupt undurchführbar ist. 64*000 „illegale" Araber Der bekannte Palästina - Korrespondent Ernst Davis (Jerusalem) stellt in einem Berichte an die Wiener „Neue Freie Presse" eine Berechnung der Zahl der Araber auf, die im Jahre 1934 aus den Grenzgebieten Palästinas illegal und unkontrolliert ins Land gekommen sind. Er schreibt u. a.: „<Bb gibt einige Schätzungen aus arabischen Quellen, und da diese keinerlei Interesse daran haben, den Umfang der Bewegung zu übertreiben, so dürften diese Ziffern wohl eher zuniedrigalszu hoch sein. Der Gouverneur des Hauran, einer syrischen Provinz, die an Palästina angrenzt, teilte vor einiger Zelt in einem interview mit, daß au» seinem Bezirk wegen der schlechten Ernte des Sommers 1933 8 5,0 00 Leute nach Palästina aasgewandert seien, die nun ihren Angehörigen Geld nach Hause schicken. Nach dem Kairoer „Möltattam", einem der führenden ägyptischen Blätter, haben sich ferner zehntausendDruscnim Heiligen Land niedergelassen. »AI Djame'a AI Islamiya", das In Jaffa erseheinende radikalmohammedanische Blatt, eine der wichtigsten Tageszeitungen Palästinas, berichtet wiederum, daß siebzehntausend Leute aus der Sinuiwüste hereingekommen sind, von denen achttausend in der Nachbarschaft von Tcl-Awiw leben, während der Rest in den jüdischen Dörfern Südjudäas Arbeit gefunden bat. Aus Damaskus sind zweitausend Ankömmlinge da, von denen einige hundert, die sich als Juden verkleideten, in Tel-Awlw Beschäftigung fanden. Schön diese Ziffern ergeben zusammengerechnet eine arabisohe Einwanderung von 64.000 Seelen Im letzten Jahre vom Ende des Sommers 1933 bis zum Ende des vergangenen Sommers. Dazu muß man aber noch die Einwanderung rechnen, die aus oder durch Transjordanien kommt. Dieser Prozeß ist in der Geschichte Palästinas etwas Neues." Ernst Davis stellt auch fest, daß demgegenüber die jüdische Einwanderung in derselben Zeitspanne nicht mehr als 40.000 Seelen beträgt. Das schönste - Geschenk: Vorhänge, Stores. Dechen, Kissen etcnur von Krammer ssmkä Wien VIII, Strozzlgasse Nr. 28. Telephon A-27- 4-60 VerteBluns der neuen Palä§iinas Zertifikate Aas Jerusalem: Die Zionistische Exekutive hat die ihr für das laufende Halbjahr von der Regierung zur Verfügung gestellten 7500 Arbeiterzertifikate wie folgt auf die einzelnen Länder verteilt: Deutschland und die deutschen Flüchtlinge: 1250 Zertifikate (davon 1000 für Chaluzim, 150 für Angehörige von Palästina-Einwohnern und 100 für qualifizierte Facharbeiter); Polen: 2280 (1300 für Chaluzim, 850 für Angehörige und 130 für Facharbeiter); Rumänien: 37Q (davon 30 für Angehörige und 50 für Facharbeiter); Litauen: 230 (20 für Angehörige und 10 für Facharbeiter); Lettland: 150 (10 Angehörige und 10 Facharbeiter); Tschechoslowakei: 135 (5 Angehörige und 10 Facharbeiter); Oesterreich: 117 (12 Angehörige, 15 Facharbeiter); Holland: 20; Ungarn: 27; Antwerpen: 18; Paris-Straßburg: 54; London: 7; Danzig: 12; Jugoslawien: 30; Saloniki; 150; New York: 50; Kanada: 5; Bulgarien: 30; Estland: 5; S o w j e t r u ß 1 a n d: 30; Aden: 75; Syrien: 15; Aegypten: 3; Yemen: 285; Türkei: 200; Irak: 35; Aleppo: 15; Tripolis: 9; Persien: 10; Afghanistan: 88; Italien: 15; Schweiz: 10. Je einige Zertifikate erhalten Argentinien, Brasilien, Chile, Havanna, Mexiko, Südafrika, Australien, Portugal, Finnland, Schweden, Charbin, Tientsin. Pie Chaluzim-Zertifikate sind hauptsäohlioh für solche bestimmt, die sich verpflichten, sich landwirtschaftlicher Arbeit in den Kolonien mindestens zwei Jahre zu widmen. Beim Verteilen der Zertifikate für Facharbeiter wurden, in ereter Reibe die Fächer berücksichtigt, nach denen im Lande Nachfrage begeht, zum Beispiel Bauarbeiter, Tischler, Betonarbvlter, Zimmormaler, Schlosser, Installateure, Elektrotechniker, Maschinisten, Weber, Lederarbeiter, Hafenarbatter, Schneit der, Schuster und Bäoker bester Qualifikation- Zur Verteilung gelangten 7050 Zertifikate, während 450 bei der Regierung in Reserve bleiben, davon Bind 360 für Männer und 190 fUr Frauen bestimmt. Von den 3800 Zertifikaten fUr Landarbeiter alnd 2900 für Männer und 900 für Frauen, von den 1400 Zertifikaten für Industriearbeiter sind 1050 für M äii n e r und 350 für Frauen, von 110 0 Baua r h e 11 e r. Z e r t i f i k a t e n 1025, bzw. 76, sonstige Facharbeiter 365, bzw. 385 bestimmt. Ausbau des Luftverkehrs in und nach Palästina Au» London: In der am 11. Dezember abgehaltenen Sitzung des Unterhauses richtete der Abgeordnete Barnett Janner an den. Minister für die Kolonien die Frage, ob die Palästina-Regierung schon in der Lage gewesen sei, sich mit dem Gutachten der Fachleute, betreffend die Anlegung neuerFlughäfen in Palästina zu befassen, und zu welchem Zeitpunkt er glaube, daß die Errichtung nicht nur eines Flughafens für den internationalen Verkehr in besserer Lage als der gegenwärtige in Gaza, sondern auch von Flugfeldern für den innerpalästinensischen Dienst bei den Hauptzentren des Landes, wie Tel-Awiw, Haifa und Jerusalem, ip Angriff genorhmen werden würde. — Sir Philipp Cuncliffe-Lister antwortete, daß die Angelegenheit noch dem High Commissioner für Palästina zur Erwägung vorliege. Starker Mangel an Mnnxgeld in Palästina Aus Tel-Awiw (Palnews): Die unorganische Stückelung des palästinensischen Geldumlaufs, der verhältnismäßig zu niedrige Umlauf von Münageld führt zu imraor größeren Schwierigkeiten im Detailhandel und kleinen Zahlungsverkehr. Der Umlauf an Münageld (nach dem Stand vom 30. Juni 1934) betrug nur 10,1 Prozent des gesamten Geldumlaufes. In der Zwischenzeit ist der palästinensische Geldumlauf im 3. Quartal 1934 von LP. 4,219.664 am 30, Juni auf LP. 4,536.094 am 30, September 1934 erhöht worden, der Geldumlauf wurde also um LP. 317.300 erweitert. Von diesen neu herausgegebenen Zahlungsmitteln entfallen Wiederum LP. 256.608 auf Noten und nur LT auf Münzgold. Der Anteil des Münzgeldos infolgedessen nur ganz unwesentlich von 10,8 Prozent erhöht. Nashashlbl — Führer der extremen arabischen Nationalsten ■ > Aus Jerusalem'. Der bei den letzten Gemeindewühlen unterlegene Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey N ashashibi, hat der Regierung eine Denkschrift Uberreiehf, in der er die sofortig« Errichtung des Legislative ,Counoii (Parlament! fordert und gegen ite Üeberträgung der jiuleh-Konzessitin ■ an - ein« jüdische Qruppe protestiert. ,', ' 6 0.6 9 2 hat. aich 10,1 auf JiUU»oh.aktt4eroi§ohor Juri«Xenverc4u. Rabbiner Pro* fessor Pr. ^urmejstoin 'spricht Dpnnerstag, den 20. d. M; Uber ..Verf assungsf rageu im alten Judentum". v?rein«heim. IX.. Atyeratraße 26, um 8 Uhr abends. Gäste herzlich willkommen! Die vorzüglichen, großen Luxusschiffe ,GERUSALEMME' UND ,PILSNA* der direkten Eillinie TRIEST - JAFFA des LLOYD TRIESTINO (Abfahrten jeden Mittwoch um 13 Uhr) fiihran nur eine erste und eine Touristenklasse Auch in der Touristenklasse höchster Komfort (zwei- und mehrbettfge Kabinen) und täglich vier sehr gute Mahlzeiten Auskünfle: Lloyd Triestino, Wi«n I, Kämt nerring 6,Tel.U.47-5< Schaffung einer Kolonie österreichischer Juden in Erez Israel Die Landeskonferenz des Keren Kajemeth hat beschlossen, das Andenken Johann Kremenezkys durch Schaffung einer Österreichischen Siedlung zu ehren, die „Kfar Kremenczky" heißen wird. Diese Kolonie wird mindestens 50 Familien umfassen — ein Minimum, ohne welches die Existenz einer eigenen Kolonie unmöglich ist. Neben anderen Quellen, aus denen das Kapital für die Erwerbung des Bodens entnommen werden wird, milß der österreichische Keren Kajemeth neben seinen bisherigen Einnahmen zusätzlich S 120.000.— aufbringen. Diese werden durch 1200 Selbstkontingentler, die durch ihre Werbearbeit in ihrem Kreise mindestens Je S 100— aufbringen, gesichert werden. Palästina und die Berliner Olympiade Aus Berlin (J. T. A.): Die hiesigen Zeitungen teilen mit, daß bis jetzt 43 Nationen ihre Teilnahme an der Berliner Olympiade 1936 zugesagt haben; erst in den letzten Tagen traf die zustimmende Antwort Englands, des „Mutterlandes des Sports", ein. Damit sei das Ergebnis von 19$2; in Los Angeles weit übertroffen worden. Nur Palästina — so stellen die deutschen Zeitungen fest —. hat Berlin eine Absage zukommen lassen; in der Begründung wird gesagt, daß Palästina als jüngstes Mitglied des Olympischen Komitees — die Aufnahme erfolgte erst in diesem Jahr — sieh noch im Anfangsstadium der für die Teilnahme erforderlichen Vorbereitungsarbeiten befinde, und daher leider nicht schon 1936 sich beteiligen könne. * Wenn diese, von der J. T. A. weitergegebene Mitteilung der deutschen Zeltungen, soweit sie sich auf den Inhalt des Absagebriefes, bezieht, richtig und erschöpfend ist, dann muß man feststellen, daß da« jüdisohe Palästina seine Würde nicht zu wahren wußte. Das Nlchtkoramen jüdischnationalcr Sportler gegenüber dem Hakenkreuz-Berlin mit nur technisch«», ii Gründen zu belegen, zeigt von mangelndem Gefühle für jüdische und menschliche Würde, Aus Polen Stinkbomben gegen Stawsky Wegen Beteiligung an der von Poale-Zionisten veranstalteten Stinkbomben-Demonstration gegen den im Mordprozeß Arlosoroff freigesprochenen Zionisten.ftevisio« nisten Abraham Stawski im Warschauer Theater „Ararad" wurden drei Personen zu je aiöben Tagen, zwei zu je fünf Tagen und eine zu drei Tagen Gefängnis verurteilt. Bürger „dritter Klasse" In der Eröffnungsitzung des ncugowählen Lodzer Stadtrates, der eine antisemitisch c u a-t i o n a \- demokratische Mehrheit besitzt, erklärte der Sprephwr der Majorität, die Lodaer Stadtverwaltung werde die Juden als „B ürger d r i 11 er Kl a s s c" behandeln. Ihm erwidert« der Vertreter der jüdischen Stadtrats* fraktion. die Juden, die die Lodzer 'Industrie geschaffen und groß gemacht- -hab.cn, werden es nicht zulassen, cUiß man gegen sie mit T e r r o v m e t h o d e n vorgeht, üi« AtisfiUuumgen des jüdischen Rednern wurden auch von den Stadträten, der Regierungspartei und der Linken mit stürmischem Beifall aufgenommen. Meile Hituu4inoidlegeud<? in Polen Au» Wilna (J. T. A.); Dvr Oberrabbn,. und frühere Sejrodämitierto R u h i n a t e i n in Wjlna ehielt einen Briof der Bauernschaft des Dorfes KobPlniki, in welchem; davon illo Rod" ist» ein e h r i in-: h e r ^n-arbt? von einem ^Voge in die Stadt nicht n.u'h Hause »UrücKgekehrt »ei und daß feststehe, daß die Juden den Knaben su ihren gwooken geraubt haben, Dom Rah' biner wird gedroht, daß ihm das gleiche widerfahren wird, wie .seinerzeit B c i l i s. falls der Knabe seinen Bitern nioht zurückgegeben wird. Rabbi Rubinstein übe** gab den Brief der Polizei.