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Die neue Welt · 1934-12-18 · Heft 423 (18.12.1934) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
8 (1934)
Issue
Heft 423 (18.12.1934)
Date
1934-12-18
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 2 Dflfi tfETTE tVTCLT Nr. 453 die heute in Mexiko-City als Händler und Handwerker schwer ihr Brot verdienen, andere Sorgen haben, als sich irgendwie aggressiv-politisch zu betätigen. Aber die Absicht dieses Blattes wird noch deutlicher, wenn ma;i den Schlu.Opassus des angeblich aus Mexiko« StacU kommenden Berichte? liest, der lautet: „Bezeichnenderweise sind es ... hauptsächlich Juden, die au den zahlreichen mexikanischen Revolten und K i rc henver fo Iguugni führend beteiligt sin d." , Soviel Wortp. soviel Verleumdung und Flunkerei! Das Blatt muß nient viel Respekt vor seinen Lesern haben, wenn es Wagt, ihnen so etwas aufzutischen. Das nennt man Stimmungsmache, das nennt man bewußte Aufpeitschung übler Instinkte. Die Oeffentlichkeit wird 'jetzt wohl wissen, was für Bewändtnis es mit der Seriosität der Meldungen der ,,Wiener Neuesten Nachrichten" hat. o. r. Zur antsjudisdien Kampagne in der Schweiz Pressestimmen Das Schweizer ,,Isr. Familienblatt" schreibt: ,,Die Ruhe ist nun scheinbar eingekehrt. Polizei «nd Öffentliche Gewalt haben, nachdem sie schließlich scharf Zugriffen, die Oberhand behalten. Hoffen wir, daß sich derart beschämende Unruhen und solche anfciaemitische Exzesse nicht so schnell wiederholen. Wenn man die Auslassungen der Presse übersieht, die sich mit den häßlichen Zürcher Vorfällen befassen, so muß man mit Freuden feststellen, daß der größte Teil der schweizerischen Presse eine ganz energische Haltung einnimmt. Von der bürgerlichen Presse äußern sich gerade freisinnige Zeitungen außerhalb des Kantons Zürich mit besonderer Schärfe. Besonders temperamentvoll hat sich das „St. G a 11 e r T a g b 1 a 11" in mehreren Artikeln geäußert. Dieses Blatt, bedauert sehr die laue Haltung mancher Kreise. Diese „laue Haltung" mußte man leider gerade im Kanton Zürich selbst in den entscheidenden Tagen hier und da feststellen. Man hat viel über einige Zeitungen gesprochen, die sich sehr vorsichtig und abwartend verhielten. Die „Zürichsee- Zeitung" hat es sogar fertiggebracht, am Montag, also gerade an einem der schlimmsten Tage, sich einen Artikel einsenden zu lassen, der geradezu das Feuer schürte. Es war darin die Rede von einem unerträglich hohen Maße von jüdischen Intellektuellen, von der jüdischen Ueberlastung der Mittelschulen und Ueberlastung an der medizinischen Fakultät, von zu niedrigen Löhnen jüdischer Konfektionsfabriken, von aggressivem Verhaltung des fremden Judentums, von skandalösen Heiraten polnischer Jüdinnen mit Schweizer Maurern usw. Man kann gewiß manche Dinge zur rechten Zeit erörtern, aber ein solcher Artikel in einem solchen Augenblick ist Oel ins Feuer. Einige Zeitungen, wie „Bülach-Dielsdorfer Wochenzeitung", brachten in jenen Tagen einen gleichlautenden Artikel, in dem auf ähnliche Dinge hingewiesen wurde. Jüdisch-sozialistische Politiker, wie Dicker, Farbstein, Silberroth und L i f s c h i t z, mußten dabei zur Erklärung der Ausschreitungen herhalten. Das Zürcher Schauspielhaus, hieß es, habe einen früheren jüdischen- Weinhändler zum Direktor. Der unsympathischen Tätigkeit einer kleinen Zahl antinationaler Glaubensgenossen, schrieb man weiter, yerdanke es die schweizerische Judenschaft, wenn gelegentlich ein antiisraelitisches Flämmchen emporschieße. Der jüdische Gemeindebund hätte lieber, so hieß es, seine Glaubensbrüder bestimmen sollen, sich mehr zurückzuhalten, als bodenständige nationale Elemente zu verunglimpfen! Bei solcher Tonart gewisser Zeitungen, ist es denn kein Wunder, wenn erzählt wird, Musikdirektor A n d r e a e habe Drohbriefe erhalten für den Fall, daß er weiter jüdische Künstler in der Tonhalle mitwirken lasse. Die Ruhe ist äußerlich wieder hergestellt, doch die Hetze geht weiter. Inzwischen ereignete sich Dienstag nachts der Bombenwurf gegen die Synagoge in Zürich! Zusammenarbeit griechischer und deutscher Antisemiten Aus Saloniki: Das Organ der antisemitischen Faschisten Griechenlands „Krotas" gibt offen zu, daß eine direkte Zusam me n a r b e i t zwischen seiner Gruppe und den deutschen Nazis besteht. Die faschistische antisemitische Organisation Griechenlands entsendet demnächst 2 0 Studenten, Beamte und Arbeiter nach Deutschland, damit sie die Hitler- Methoden und ihre mögliche Anwendung in Griechenland studieren. „Krotas" kündigt auch das Erscheinen von „Standard-Werken" der deutschen antisemitischen Literatur in griechischer Sprache an. Die J. C* A* aus Rußland hinausgeworfen Nachdem die Sowjetregierung Millionen Golddollar eingesteckt hat Vor einem Monat haben wir Uber die Gebarung der seinerzeit von Baron Hirsch mit einem Kapital von Hunderten Millionen Göldfrancs gegründeten Gesellschaft für die Kolonisation verfolgter Juden „Jewlsh Colonisation Association" (J. C. A.) berichtet. Auf Grund des vom bekannten, russischen Zionistenführer und Volkswirtschaftler Dr. I. Brutzkus (jetzt London) in jahrelanger Arbeit gesammelten amtlichen Materials hat sich, wie Dr. Brutzkus ausführt, ergeben, daß die J. C. A„ deren Tätigkeit ganz unkontrolliert ist, heute noch über ein Kapital von Blrka 8 Millionen Pfund (Geld, Wertpapiere und Grundbesitz) verfügt, daß sie ihre Aktien in aller Heimlichkeit und gegen den Willen des Spenders auf Privatpersonen hat umschreiben lassen und so Kapital dem jüdischen Volke, für das es der Spender bestimmt hatte, entzogen hat. Für die jüdische Kolonisation in Palästina hat die J. C. A. in dieser tragisch bewegten Zeit fast nichts getan. Dafür hat sie M i 1llonen Golddollar nach Sowjetrußland geschickt. Allein im Jahre 1927 hat sie der Moskauer Regierung vier Millionen Golddollar (zirka 40 Millionen Schilling) als Kredit für jüdische Kreditgenos- KREUZ-KINO '• Wollzeile 17 - Tel. R-21-2-16 „Überfall in Kentucky €i Vorstellungen: k, Vit, Vü9, y*io mit lane Chandler und Made Qulffan senschaften übergeben. Die Regierung hat das Gold genommmen, aber kurz darauf sind diese jüdischen Genossenschaften verschwunden und — die Dollar- Millionen auch! Unter dem Eindrucke der Aufsehen erregenden Anklagen des Dr. Brutzkus hat nun die J. C. A. den schüchternen Versuch unternommen, nach dem Verbleib der „geliehenen" Millionen zu forschen und von Rückerstattung zu sprechen. Die Antwort der Sowjetregierung ist prompt und gründlich erfolgt. Sie hat die J. C. A. kurzerhand aus Rußland hinausgeworfen. Die J. T. A. meldet aus Moskau: Wie der Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur zuverlässig erfährt, hat „COMZET", die von der Regierung der Sowjetunion eingesetzte Kommission für Zuführung der Judeh zu Landwirtschaft und Industrie, die Vertreter der Jewish Colonisation Association (J. C. A.) in Moskau offiziell benachrichtigt, daß beschlossen wurde, alle Tätigkeiten der J. C. A. in der jüdischen Rayonen der Sowjetunion zu liquidieren. Aus führenden Kreisen des „COMZET" wird dem J. T. A.-Vertreter erklärt, der Grund für die Liquidierung der J. C. T.-Tätigkeit in der Sowjetunion bestehe darm, daß die J. C. A. in den letzten zwei oder drei Jahren unter dem Mantel einer vermeintlichen Aufbauarbeit faktisch die Selbstliquidierung betrieben hat — eine Sachlage, die „COMZET" unter keinen Umständen weiter dulden könne. Gemäß einem Anfang 1932 zwischen J. C. A. und „COMZET" getroffenen Uebereinkommen wurde der J. C. A. das Recht eingeräumt, jährlich gewisse Summen aus ihren Investitionen herauszuziehen, die von der J. C. A. in Rußland angelegten Gelder wurden nämlich als Darlehen gegeben. Die J. C. A. „nützte" die günstige Gelegenheit aus, um das von ihr in Rußland investierte Kapital allmählich h erauszuziehen. Unter keinen Umständen aber könne sich „COMZET" mit einer so verkümmerten Arbeitsbasis einverstanden erklären. Die dem J. T. A.-Vertreter von „COMZET" gegebene Erklärung schließt: In einer Zeit, da mehrere ausländische jüdische Organisationen ihre Aufbauarbeit in der Sowjetunion rweitern, sabotierte die J. C. A. diese Arbeit, reduzierte sie auf einen an Absurdität grenzenden Umfang, wobei sie nach außen hin den Anschein erweckte, daß sie ihre Tätigkeit in der Sowjetunion aufrechterhält. Ein solcher Stand der Dinge entspricht weder dem Umfang der auf dem Gebiete der jüdischen Siedlung in der Sowjetunion geführten Arbeit, noch dem Prestige der diese Arbeit fördernden Organisationen der Sowjetregierung. Die frechen Juden von der J. C. A. wagen es, nacU dem Verbleibe ihres Geldes zu fragen und sind so unerhört unverschämt, sich auf einen geschlossenen Vertrag zu berufen! — Hocharistokratische Schuldenmacher könnten von der proletarischen Sowjetunion lernen, wie man jüdische Gläubiger um ihr Geld prellt. Vielleicht kommen die um eine schmerzliche Erfahrung reicher und um einige Millionen — allerdings nicht ihre Millionen, sondern Millionen des jüdischen Volkes ärmer gewordenen Herren von der J. C. A, jetzt darauf, daß man im jüdischen Palästina anständiger und ersprießlicher arbeiten kann, als in Sowjetrußland. Kine bezeichnende „Berichtigung" Aus London: Wie der J. T. A. vom Vorsitzenden der Ica, Sir G o 1 d s m i d, mitgeteilt wird, beruht ein von den Tageszeitungen „Moment" in Warschau und „Tho Post" in London veröffentlichter Bericht, wonach eine in Paris abgehaltene Sitzung des Conseil der Ica 150.000 Pfund für Kolonisationsarbeiten in Palästina zur Verfügung gestellt habe, offenbar auf einem Mißverständnis, seit der Londoner Sitzung des Conseil im Oktober hat überhaupt noch keine; Tagung des Conseil stattgefunden. Damit erledige sich auch der übrige Inhalt der Nachricht. Schließung jüdischer Schulen in Lettland Aus Riga: Die beiden jüdischen Abendgymnasien Rigas, eines mit jiddischer und eines mit hebräischer Unterrichtssprache, wurden aus Mattgel an Mitteln geschlossen, nachdem die staatlichen und die städtischen Beihilfen für das jüdische Schulwesen eingestellt wurden. Die jüdische Volksschule wurde wegen Widerstandes der Schüler gegen den neuen Lehrplan behördlich auf unbestimmte Zeit geschlossen, (J. T. A.) Anmerkung der Red.: Nach dem Umstürze und Einsetzung der Diktatur in Lettland wurde die Leitung des gesamten jüdischen Schulwerkes der orthodoxen „Agu^ah" ausgeliefert. Auf diesen Umstand ist der Widerstand der Schüler und Eltern zurückzuführen. Exzesse gegen jüdische Marktfahrer Aus Warschau: An dem Markttage des Städtchens S m i g i e 1 im Kreise Posen wurden zahlreiche Marktfahrer aus Kongreßpolen von nationaldemo« kratischen Jugendlichen überfallen und blutig mißhandelt. Die Waren der Marktfahrer wurden zum Teil vernichtet. Judenstaatspartei Oesterreichs Versammlungskalender XIII.-XV. Bezirk: Dienstag, 18. Dezember, Uhr abends, „Esra-Heim", XV., Schanzstraße 82, Vortrag: „Völkerbund und Minoritätenrecht." Redner:- David Nebenzahl. Judenstaatsjugend: Dienstag, 18. Dezember, '/>9 Uhr abends, Judenstaatsheim, I., Werdertorgasae 14, Seminar jüdischer Geschichte. Vortragender: Viktor Roscnfeld. : Mittwoch, 19. Dezember, >£9 Uhr abends, Judenstaatsheira, I„ Werdertorgasse 14, Vortrag. Dr. Rudolf R e t i: „W eg und Ziel jüdischer Musi k." Es Wirken mit: Prof. Joachim Stutschewsky (Violoncello) und Robert Waltor Spitz (Klavier). VI.-VII. Bezirk: Mittwoch, 19. Dezember, 'A9 Uhr abends, Cafe Patria, VI., Mariahilferstraße 127, Versammlung. Thema: „Jüdische Probleme der Gegenwart." Redner: Th. Grubner, Rabbiner Doktor I. Z. Kanner, Fritz Richter. Bezirksgruppe Prater: Donnerstag, 20. Dezember, >£9 Uhr abends, Uq Sektionsheini, II., Kleine Zufahrtstraße 166, Wichtige Mit« gliederversammlung. Erscheinen Pflicht. Samstag, 22. Dezember, 1/<9 Uhr abends* in* Sektiousheim, H., Kleine Zufahrtstraße 166, Versammlung, Thema: „Die Aufgaben der Frau in der Judenstaatspartei/* Redner: Frau Fanny Katz und Fritz Richter. Sonntag, 28. Dezember, gründende Generalver* Sammlung. Näheres wird noch bekanntgegeben. Damen-Stoff- Schneeschuhe mitSamtkragen u.Reiß Verschluß. Krau, unkurant, alle Qrötien i.90 Damen-Gummi- Schneeschuhe // V* hoch, mit Wollfutter, grau oder beige, unkurant, alle Größen 1.90 Gummi -Ueberstiefel Oanz-Gummi- Sdineesdiuhe schwarz, warm geklittert, russische Ware, alle Gröben $chifFma«ii:S«hit«c$cfc«% Täglich 8 bis 7 U£r, am 23. Dez*) Ctold. Sonntag) Verkaufszelt von 10 bis 1 u. von 3 bis 6 Uhr

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