Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 8 (1934)
- Issue
- Heft 423 (18.12.1934)
- Date
- 1934-12-18
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Jahrgang s Dienstag/ den 18. Dezer «934 Nr. 4SI j , ' 1jp\\vmtr V* b« b* Zeitung vom Verleger versendet „Journal expeditS par I'editcur" C'tt. »**e *sit*H ***** ete *3 REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.30, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Ko 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 40.—, vierteljährig Lewa 120.—; Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. _ . . Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Palästina4tegierung hat 5 MilL Pfund Ueber§dwß! ' Aus Jerusalem wird uns berichtet: Amtlich wird bekanntgegeben, daß der Verwaltungstiber- Bchuß der Regierung, welcher in den letzten Jahren erzielt wurde und in der Regicrungskasse liegt, am 31. Oktober d. J. 3,6 5 4.3 8 0 Pfund betrug. ' Im Jahre 1934 sind die Einnahmen der Palästina- Regierung noch bedeutend über die Höhe der schon im Jahre 1933 sehr großen Einnahmeziffern gestiegen. In den Monaten April bis September 1934 überstiegen die tatsächlichen Einnahmen die tatsächlichen Ausgaben (bei Nichtberücksichtigung außerordentlicher Posten) um 1,0 61.414 Pfund. Unter Einberechnung außerordentlicher Einkünfte und Auslagen beträgt dieser "Ueberschuß immer noch knapp eine Million, nämlich 976.191 Pfund. Unter Zugrundelegung dieses Verhältnisses ist anzunehmen, daß das Finanzjahr 1934 mit einem Ueberschuß von zwei Millionen Pund abschließen und der Gesamtüberschuß der Regierung damit eine Höhe von fast fünf Millionen erreicht. haben wird. Sämtliche Arten von Regierungseinkünften, mit Ausnähme des Gewinnes aus .Bodenverkäufen, ..sind; ge-. stiegen; sie machen zusammen 2,3 7 9.5 9 0 Pfund aus, hiezu kommt ein Zuschuß von 26.234 und ein Beitrag des eblbniäl"Development Fund von:382 Pfund. Der Ertrag aus Zöllen stieg in dem Halbjahr von 818.394 auf 1,189.457 Pfund. (Der Voranschlag hatte mit einem Sinken der Zolleinnahmen gerechnet.) Die Ausgaben sind von 1,127.846 auf 1,318.176 unter Einrechnung der außerordentlichen Ausgaben auf 1,480.015 Pfund gestiegen. An außerordentlichen Ausgaben sind zu nennen 84.381 Pfund für außerordentliche öffentliche Arbeiten und 20.195 Pfund für besondere Zwecke bei Post und Telegraph. Die stärkste Steigerung weisen die Ausgaben für „Verschiedenes" auf, hauptsächlich infolge der erhöhten Zahlung an den mohammedanischen Scheria- Rat an. Stelle; des Zehents von Wakf-Gütern und eines Postens von 7000 Pfund zur Behebung von Erdbebenschäden an dem alten Regierungsgebäude auf dem Skopusberg. (J. T. A.) * A n m. d er Red. In Wirklichkeit ist der gewaltige, aus der jüdischen Arbeit und Wirtschaft in Palästina von der Regierung herausgeholte Ueberschuß von 5 Millionen Pfund (zirka 140 Millionen Schilling) 'noch viel größer, denn das kleine Palästina hat 'als einziges Land der Welt die Kriegsschulden bezahlt, welche ihm als Rechtsnachfolger der besiegten ( Türkei seinerzeit auferlegt wurden. Dabei ist in Betracht zu ziehen, daß diese mit Ueberschüsseri gesegnete Regierung es den Juden, überläßt, gewaltige Ausgaben (Schulen, Sanitätswesen etc.), welche überall von der : Itegierung getragen' werden,--selbst äs« -leisten.' 4, ' Judenlaufe und Sdi^Ie Briefe einer Mutter und eines Lehrers! / Mit Bezug auf die in unserem Blatte wiederholt vorgebrachten Erörterungen über den Antrag des .„Jüdischen Volksbundes für Oesterreich." auf Errichtung eines Öffentlichen' jüdischen Schulwerkes in Oesterreich erhielten wir viele, Zuschriften aus Leserkreisen. Zwei dieser Briefe geben wir nachstehenid wieder:; Eine jüdische Mutter schreibt: „Ich habe in }hrem Blatte' die schönen und würdigen Worte des Wiener .Oberrabbiners gegen die Judentaufen gelesen. Aber ich glaube nicht, daß man mit noch so würdigen Reden' und' Artikeln verhindern kann, daß unsere Kinder dem Judentume entfremdet werden, was doch das wichtigste wäre. Mein kleiner Junge besucht eine Wiener Volksschule in der Leopoldstadt, und zwar eine sogenannte Judenklassc. Lauter jüdische Kinder. Seit Wochen, bringt er. Hefte nach Hause, in die er den'Krampus,' den 'heiligen Nikolaus und Christbäume eingezeichnet bat und er: redet viel von diesen christlichen Festen. Er hat seinen christlichen Lehrer, der wirklich kein Antisemit zu sein, scheint und der Judenkinder gut behandelt, sehr gerne., ich bemühe mich sehr, meinen Jungen über jüdische Dinge aufzuklären. Aber ich bin ja keine P&dägogin und habe das Gefühl, daß auf die Dauer eine Erziehung in christlichen Geiste einen entfremdenden Einfluß ausüben muß. Wenn mein Kind fortwährend von deutschen und christlichen Dingen hört und so wenig von jüdischen, wie soll er ein guter Judo werden und bleiben V Ich, eine jüdische Mutter, begreife es und weiß es zu schätzen, daß Sie in Ihrem Blatte die jüdische Schule für die jüdischen Kinder fordern, Hoffentlich mit Erfolg." Herr J. Steiner, Schuldirektor in Graz, schreibt uns: ' . „Der Kampf um. die öffentliche jüdische Schule, welcher in Ihrem Blatte geführt „wird, muß von jedem Juden, insbesondere von jüdischrieen Pädagogen, begrüßt werden, denn die Schulverhältnisse in Oesterreich zwingen zu einer Klärung der jüdischen Erziehungsfrage. Wie berechtigt Ihre Behauptung ist, daß die öffentliche Schule sich immer mehr zu einer christlichkonfessionellen entwickelt, beweisen die Reden, die vor kurzem auf der katholischen Schulsonntags fe(i er in Graz gehalten wurden. Der Obmann des Katholischen Schulvereines, Ms<?r. Dr. Christian, sagte in seiner Begrüßungsansprache: .Hatten wir bisher bei dieser und ähnlichen Ver- •-anstaltungen stets den Ruf erschallen lassen: „Dem christlichen Volke die christliche . Schule", so können wir heuteausrufen: „Großer Gott, wir loben dich!' Denn dieses Ziel, ist erreicht worden. Auf Grund der neuen Verfassung wie des Konkordats ist das. gesamte- Schulwesen Oesterreichs auf christliche Basis gestellt und der . christlich-religiöse Gedanke ist mit , dem Schulbetrieb und mit dem Schulunterricht innigst verknüpft' Der Fürstbischof Pawlikowsky sagte: ,Wohl ist erreicht, was sich der katholische Schulverein zum Ziele gesetzt hat.-So haben wir auf . Grund des Konkordats weder die öffentliche konfessionelle Schule noch die Bekenntnisschule in dem Sinne, daß der, Staat,. bzw._ das Land neben der. Simultanschule auch eine konfessionelle katholische Schule errichten / müßte, erhalten. Immerhin .kann uns der Schhißabsatz des Artikels VI, § 4 freuen, der sagt: . Durch die vereinbarten Maßnahmen soll das katholische Schulwesen in Oesterreich gefördert und damit ' auch die Voraussetzung für die Entwicklung zur öffentlichen katholisch-konfessionellen Schule geschaffen werden." Die Richtigkeit dieser Worte, die gewiß für die katholische Erziehung ihre volle Geltung haben, schließt natürlicherweise jüdische-Kinder aus Schulen aus, die in diesem Geiste geführt werden. Dadurch wird es zur selbstverständlichen Notwendigkeit, daß für jüdische Schüler in analoger Weise jüdische Schulen errichtet werden müssen. Das wäre die vorzüglichste Aufgabe eines Jüdischen Schulvereins, bevor von Staats, wegen öffentliche konfessionelle Schulen geschaffen werden, worauf unter allen Umständen zu dringen ist." Wir haben dieseh beiden Briefen sachlich nichts hinzuzufügen. Die vom „Jüdischen Volksbuhd für Oesterreich" auf die Tagesordnung gestellte Frage der öffentlichen, aus Mitteln des Staates und der Gemeinden zu erhaltenden jüdischen Schule wird immer dringlicher. Judenstaatspartei Oesterreichs Mittwoch, den 19. Dezember 1934, V39 Uhr abends, im Judenstaatsheim, I, Werdertorg. U VORTRAG: Weg und Ziel jüdischer Musik Es spricht: Dr. Rudolf Retl Es spielen: Joachim Stutschewsky (Cello) u. Robert Walter Spitz (Klavier) Stücke von Reti und Stutschewsky GÄSTE WILLKOMMEN! Unsere nächste Ausgabe erscheint Freitag den 21. Dezember ■n vergrößertem Umlang Betont hetzerisch Dem „Wiener Montagblatt", Organ . der gewesenen christlichsozialen Partei Oesterreichs, haben wir die Antwort auf seinen antisemitischen Angriff („Wovon sollen die Juden leben?") gegeben. Wir wollen annehmen, es habe eingesehen, daß unser Eintreten für die jüdischen Interessen im Rahmen des österreichischen Staates ein gerechtes und legitimes sei. Hingegen hat sich ein strammer Opponent in den „Wiener Neuesten Nachrichten" gefunden, einem Blatt, das nach wie vor, zeitweilig in nicht mißzuverstehender Weise, mit jenen Kreisen sympathisiert, denen Oesterreichs Wohlergehen und Oesterreichs Ruf weniger als glei c h gü Tt ig ist. Dieses Blatt unterschiebt uns „den Versuch, gegen Oesterreich Stimmung zu machen", indem es einzelnen Stellen durch Herausreißen aus dem Zusammenhang einen geänderten Sinn andichtet und schließlich in denunziatorischer Weise losbricht: „Wir hoffen, daß derartige Symptome (gemeint ist der Hinweis, daß das Ausland auf die österreichische Situation nicht erst durch uns aufmerksam gemacht werden müsse) von allen jenen Stellen, die sich damit zu befassen haben, entsprechend beachtet werden." Wir haben es wahrlich nicht notwendig, uns Vorlesungen über Patriotismus und Vorhalte über Mangel'an Oesterreich-Gefühl machen zu lassen —• als jüdisches, als nationaljüdisches Blatt, das eben schon als solches ein genügendes Maß von Verantwortungsgefühl besitzt. Am allerwenigsten sind die „Wiener Neuesten Nachrichten" zu solchem Tun geeignet und berechtigt. Wenn dieses Blatt unser Einsetzen für ein harmonisches Zusammenleben der deutsch-christlichen und jüdischen Bevölkerungsteile als eine jüdische Stimmungsmache bezeichnet, dann spricht aus solcher Haltung das schlechte Gewissen, das sich durch Denunzieren anderer Beruhigung verschaffen will. Die „Wiener Neuesten Nachrichten", die fast jeden Tag von neuem ihr Herz für die Auslandsdeutschen entdeckten, für das österreichische Inlandsdeutschtum aber nicht viel übrig haben, versuchen, jenes glossatorische Treiben, dem die hakenkreuzlerische „Dötz" (Deutschösterrichische Tageszeitung) vor ihrem Verschwinden frönte, mit doppeltem Behagen fortzusetzen. Unter dem Titel „Vordringen der Ostjuden in Mexiko" berichten die „Wiener Neuesten Nachrichten" in einer nicht datierten Meldung aus Mexiko- City (sie schreiben in ihrem Verdeutschungswahn „Mexiko-Stadt") über die angeblichen Versuche der in Mexiko lebenden Juden, „einen beherrschenden Einfluß auf das mexikanische Wirtschaftsleben zu gewinnen". Insbesondere haben es dem arischen Blatt die eingewanderten Ostjuden angetan, die — so heißt es in der unkontrollierbaren Meldung der „W. N. N." — „unter Umgehung' der einschlägigen Einwanderungsbestimmungen ins Land gekommen sind". Uns scheint es, daß die paar hundert Ostjuden,